Jizchak Schwersenz

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Gedenktafel am Haus, Königstraße 4B, in Berlin-Wannsee

Jizchak Schwersenz (* 30. Mai 1915 in Berlin als Hans-Joachim Schwersenz; † 1. Juni 2005 ebenda) war ein Lehrer und jüdischer Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwersenz wurde als Sohn jüdischer Kaufleute geboren. Zusammen mit seiner Jugendfreundin Edith Wolff leitete er die einzige religiös-zionistische Widerstandsgruppe in Deutschland, Chug Chaluzi (Kreis der Pioniere). 1933 flüchtete er nach Holland und kehrte 1935 auf Bitten Josef Burgs, des Leiters des „Bundes religiöser Pioniere“, zurück nach Deutschland und übernahm Leitungsaufgaben in jüdischen Jugendgruppen. Von 1935 bis 1937 arbeitete er in einem Kinderheim und machte eine Ausbildung zum Religionslehrer. Erst 1937 kehrte er nach Berlin zurück und baute dort die zionistische Jugendarbeit auf. Nebenbei arbeitete er bei der „Jüdischen Jugendhilfe“.

Nach der zunehmenden Verfolgung und Deportation der Juden organisierte er die Kinder- und Jugend-Alijah in Berlin. In den Jahren von 1939 bis 1942 war er Lehrer an der Jugend-Alijah-Schule in Berlin. Ende August 1942 war er in den Untergrund gegangen.

Einen Teil der Schüler konnte er vor der Deportation retten, indem er mit der „Gartenbauschule Wannsee“ eine getarnte Außenstelle der Schule eine Zeit lang weiterführen konnte. Nach seiner Flucht in die Schweiz im Februar 1944 unterstützte er von dort aus zionistische Jugendgruppen, die in Deutschland im Untergrund arbeiteten. In seiner Zeit im Schweizer Exil erhielt er den Fahrtennamen Zick.

In Zürich studierte er Geschichte, Geographie und Pädagogik. Nach seinem Abschluss 1949 arbeitete er als Lehrer bei der Israelitischen Kultusgemeinde Zürich. Schon während seines Studiums baute er den zionistischen „Bund jüdischer Pfadfinder der Schweiz“ auf. Ab 1946 betreute er Waisen der Shoa.

1953 wanderte er nach Israel aus und arbeitete dort bei den Pfadfindern. Er war als Lehrer tätig und engagierte sich in der deutschsprachigen Gemeinde in Haifa und im Verein der Jeckes, wie die jüdischen Einwanderer aus Deutschland genannt wurden. Er unterrichtete jüdische und arabische Jugendliche, so dass sich sein Haus zu einem Treffpunkt für Jugendliche jeder Herkunft und Religion entwickelte.

Mitte der 1970er Jahre landete eine deutsche Pfadfindergruppe auf der Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit bei ihm. Zunächst wenig erfreut von dem ungeladenen Besuch, nahm Schwersenz diese Jugendlichen als „andere Deutsche“ wahr. In der Folge besuchten ihn immer wieder deutsche Pfadfinder- und Jugendgruppen. 1979 reiste er auf Einladung der Stadt Berlin nach Berlin und hielt dort Vorträge an Schulen. Danach begann seine Vortragstätigkeit an weiteren deutschen Schulen. Die Verbundenheit mit Deutschland, der „alten Heimat“, und der deutschen Sprache und Kultur ließen ihn nach Deutschland zurückkehren. Seit 1991 lebte Jizchak Schwersenz wieder in Berlin.

Er war Ehrenmitglied des Vereins „Hand in Hand International“. Der VCP-Stamm in Reutlingen wurde nach ihm benannt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die versteckte Gruppe. Ein jüdischer lehrer erinnert sich an Deutschland. Berlin 1994. 4. üb. Aufl., Wichern, Berlin 2000 ISBN 3-88981-122-1
  • Flucht aus Hohentwiel, in Ferdinand Kroh: David kämpft. Vom jüdischen Widerstand gegen Hitler. Rowohlt, Hamburg 1988 ISBN 349915644X S. 126 - 142

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gregor Pelger: Zwischen den Heimaten. Jizchak Schwersenz, ein deutsch-israelischer Pädagoge, in Kalonymos, H. 3, 18. Jg. 2015, S. 1 - 4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jizchak Schwersenz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien