Joachim-Hermann Scharf

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Joachim-Hermann Scharf (* 7. November 1921 in Nebra (Unstrut); † 22. Juni 2014 ebenda) war ein deutscher Anatom und Biologe.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Sohn eines Buch- und Kunsthändlers legte Joachim-Hermann Scharf 1940 sein Abitur an der humanistischen Klosterschule Roßleben ab. Im Jahr 1939 trat er der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bei.[2] Nach Kriegsdienst und Verwundung begann er das Medizinstudium an der Universität Wien. Er wechselte an die wiedergegründete Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die ihn am 26. Mai 1950 zum Dr. med. promovierte.[3] Er erhielt eine Assistentenstelle bei Max Watzka in der Mainzer Anatomie. Am 21. Februar 1953 wurde er im Fach Biologie zum Dr. rer. nat. promoviert.[4] Danach studierte er Physikochemie, Mathematik und Orientalistik. Am 3. Februar 1956 habilitierte er sich an der medizinischen Fakultät in Mainz.[5][6]

1956 wurden ihm Lehrstühle in Kanada, Venezuela und Jena angeboten. Er entschied sich für die Friedrich-Schiller-Universität Jena in der Deutschen Demokratischen Republik. 1959 wechselte er an die heimatliche Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Es war die letzte Berufung eines „Westdeutschen“ an eine Universität der DDR. Scharf lehnte mehrere Rufe ab und war 28 Jahre lang Direktor der Hallenser Anatomie. 1987 emeritiert, war er weiterhin im Institut tätig. Ungemein vielseitig gebildet, verfasste er 270 meist sehr umfangreiche Publikationen, die sich durch Exaktheit, Geist und Sprachdisziplin auszeichnen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sensible Ganglien. (= Handbuch der Mikroskopischen Anatomie des Menschen. Band IV). begründet von Wilhelm von Möllendorff) Berlin 1958.
  • Experimentelle Voraussetzungen und theoretische Grundlagen zu einer antithyreoidalen Therapie unter Vermeidung zusätzlicher strumigener Effekte. Leipzig 1963.
  • mit Johannes Adam und Helmut Enke: Methoden der statistischen Analyse in Medizin und Biologie. Berlin 1977.
  • Anfänge von systematischer Anatomie und Teratologie im alten Babylon. Berlin 1988, ISBN 3-05-500481-7.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Traueranzeige
  2. Harry Waibel: Diener vieler Herren : Ehemalige NS-Funktionäre in der SBZ/DDR. Lang, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-631-63542-1, S. 283.
  3. Medizinische Dissertation: Die markhaltigen Ganglienzellen und ihre Beziehungen zu den myelogenetischen Theorien: Zugleich ein Beitrag zur Morphologie der opposito-bipolar-dineuritischen Ganglienzelle.
  4. Naturwissenschaftliche Dissertation: Die Beziehungen der Lipoide zu den perizellulären Strukturen der Ganglienzellen bei einigen Wirbellosen im Vergleich zu Wirbeltieren. Zeitschrift für Zellforschung und Mikroskopische Anatomie 6 (1953), S. 526–570. doi:10.1007/BF00344329
  5. Habilitationsschrift, Teil 1: Fluoreszenz und Fluoreszenzpolarisation der Nervenfaser nach Färbung mit Phenyloxyfluoronen: Versuch einer Interpretation. Mikroskopie 9/10 (1956), S. 261–319. ISSN 0026-3702
  6. Habilitationsschrift, Teil 2: Fluoreszenz und Fluoreszenzpolarisation der Nervenfaser nach Färbung mit Phenyloxyfluoronen: Versuch einer Interpretation. Mikroskopie 11/12 (1956), S. 349–397. ISSN 0026-3702
  7. Mitgliedseintrag von Joachim-Hermann Scharf bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 11. März 2013.
  8. Honorary Fellows of the Royal Microscopical Society (Memento vom 23. April 2013 im Webarchiv archive.is)
  9. Mitgliederverzeichnis der Sächsischen Akademie der Wissenschaften
  10. Ehrenmitglieder der Leopoldina