Joachim Hansen

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Joachim Hansen, 1960
Joachim Hansen, 1960
Joachim Hansen 1959 als der junge Dag im Film Und ewig singen die Wälder, Illustration von Helmuth Ellgaard

Joachim Hansen (bürgerlich Joachim Spieler; * 28. Juni 1930 in Frankfurt (Oder); † 13. September 2007 in Berlin) war ein deutscher Schauspieler.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn des Lehrers und Schulrektors Alfred Spieler und dessen Frau Agnes, geb. Radtke,[1] betätigte sich nach dem Abitur in Frankfurt an der Oder zunächst im Gleisbergbau. Dann siedelte er nach Westberlin über, wo er an einer Sprachenschule das Dolmetscher-Diplom in Englisch und Französisch erwarb. Zudem erwarb er auch Sprachkenntnisse in Italienisch. [2]

Der Durchbruch mit „Der Stern von Afrika“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Ausbildung an der Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel in Berlin[3] spielte Joachim Spieler Theater in verschiedenen Städten. Seine Theaterkarriere begann am Theater in Rheydt. Von Regisseur Alfred Weidenmann wurde Spieler für den Film Der Stern von Afrika (1957) mit der Hauptrolle besetzt. Auf Druck des Filmverleihs änderte er seinen Nachnamen zum Filmstart in Hansen.[4] Der Kriegsfilm wurde einer der erfolgreichsten Filme des Kinojahres 1957, und neben Hansen gelang seinen Filmpartnern Hansjörg Felmy, Horst Frank und Peer Schmidt der Durchbruch. Thematisiert wird das Leben des Jagdfliegers Hans-Joachim Marseille, den die NS-Propaganda angesichts seiner 158 Luftsiege zu einem ihrer Helden erkoren hatte und der am 30. September 1942 tödlich abgestürzt war. Teile des Films spielen in Marseilles Geburtsstadt Berlin und wurden auch hier gedreht. Auch die Premiere fand in West-Berlin statt, samt Begegnung der 70-jährigen Mutter des toten Jagdfliegers mit dessen Darsteller.[5]

Filmstar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stern von Afrika bescherte Hansen den nationalen Durchbruch. Weitere erfolgreiche deutsche Nachkriegsfilme wie Hunde, wollt ihr ewig leben (1958), Und ewig singen die Wälder (1959) sowie dessen Fortsetzung, Das Erbe von Björndal und Via Mala folgten. Zwischen 1957 und 1962 spielte er die männliche Hauptrolle in 19 Kinofilmen. Hansen drehte unter anderem an der Seite von Hildegard Knef den Abenteuerfilm Madeleine und der Legionär, mit Senta Berger die Bryan Edgar Wallace-Verfilmung Das Geheimnis der schwarzen Koffer und mit Christine Kaufmann, Christian Wolff und Gert Fröbe für Via Mala.

Ab Mitte der 1960er Jahre spielte Joachim Hansen auch in internationalen Filmproduktionen mit, in denen er häufig in Nebenrollen den Typus des deutschen Offiziers verkörperte, so beispielsweise in Die Brücke von Remagen (1968) als Pionierhauptmann an der Seite von Robert Vaughn und George Segal, in Der Adler ist gelandet (1976) als SS-Offizier mit Robert Duvall, Donald Sutherland und Larry Hagman oder in Das alte Gewehr (1975) mit Romy Schneider und Philippe Noiret.

Im deutschen Fernsehen war Hansen relativ selten zu sehen. Trotzdem kam es zu Auftritten in Fernsehserien, Fernsehshows, Talkshows und Dokumentarspielen. Als Hitler-Verschwörer Stauffenberg stand er 1971 fürs Fernsehen vor der Kamera, in Operation Walküre unter der Regie von Franz Peter Wirth. Der Historiker Joachim Fest hatte die Produktion wissenschaftlich beraten und war von dem Hauptdarsteller angetan. Rainer Werner Fassbinder besetzte Hansen in den siebziger Jahren für Nora Helmer und Welt am Draht.

In den achtziger Jahren wirkte Hansen als Gaststar in der ZDF-Serie Das Traumschiff und im Tatort mit und hatte 1973 einen Auftritt in der Fernsehshow Dalli Dalli mit Hans Rosenthal. Seinen letzten Serieneinsatz gab er 2001 in Für alle Fälle Stefanie.

Daneben lieh er seine Stimme gelegentlich dem Hörfunk und der Synchronisation. So verkörperte er den Meisterdetektiv Sherlock Holmes für drei Hörspiele unter der Regie von Rolf Ell, Das Geheimabkommen, Der Club der Rothaarigen und Der Hund von Baskerville.

Die letzten Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1986 lebte Joachim Hansen mit seiner Frau, der Gastronomin Marion Wolff, und seinem Sohn in Kanada auf Vancouver Island, kam aber regelmäßig deutschen Theaterengagements nach. „Aber immer wieder kam er nach Deutschland zurück, wo er mit Theatertourneen bewies, wie zugkräftig sein Name beim Publikum geblieben ist“, sagten die Journalistin Gudrun Gloth und der Fotograf Franz-Georg Schulze, beide langjährig mit Hansen befreundet, der dpa. Zuletzt hatte er an verschiedenen deutschen Bühnen gespielt, u.a. in Die Komödie der Irrungen von William Shakespeare und in Komödie im Dunkeln von Peter Shaffer. 2004 wirkte er bei den Berliner Jedermann-Festspielen im Berliner Dom als der Tod in einem gefeierten Auftritt mit.[6] Bereits 1998, 2000 und 2001 hatte er den Jedermann selbst verkörpert.

Anfang August 2007 flog Hansen für eine Theatertournee nach Berlin und schrieb dort einen letzten Brief an seinen langjährigen, schwerkranken Freund Hansjörg Felmy, der wenige Tage später starb. Nach Abfassung des Briefes erlitt Hansen eine schwere Gehirnblutung und wurde bewusstlos am Boden liegend aufgefunden. Nach einem fünfwöchigen Dauerkoma starb er am 13. September.[4][7]

Joachim Hansen war katholischer Konfession.[8] In seiner Freizeit hörte er gern Klassische Musik und ging zur Jagd.[1]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fernseh-Serien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche who's who. XVII. Ausgabe. Frankfurt am Main 1973, S. 371.
  2. Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche who's who. XV. Ausgabe. Berlin 1967, S. 661.
  3. Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche who's who. XV. Ausgabe. Berlin 1967, S. 661.
  4. a b „Joachim Hansen gestorben“ in Rheinische Post vom 16. September 2007
  5. „Auch er war Stauffenberg: Der Schauspieler Joachim Hansen ist tot“ in Der Tagesspiegel vom 17. September 2007
  6. „Auch er war Stauffenberg: Der Schauspieler Joachim Hansen ist tot“ in Der Tagesspiegel vom 17. September 2007
  7. „Schauspieler Joachim Hansen ist tot“ in Der Tagesspiegel vom 16. September 2007
  8. Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche who's who. XV. Ausgabe. Berlin 1967, S. 661.