Joachim Paul (Politiker, 1957)

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Joachim Paul, 2011

Joachim Arthur Josef Paul (* 19. August 1957 in Köln) ist ein ehemaliger Politiker der Piratenpartei Deutschland.

Kurzbiographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1976 am Theodor-Schwann-Gymnasium in Neuss studierte Paul Physik an der Ruhr-Universität Bochum und schloss das Studium mit dem Diplom, Hauptfach Angewandte Physik/Biophysik, ab. Von 1984 bis 1986 war Paul Zivildienstleistender in der elektrophysiologischen Forschungsabteilung eines Krankenhauses im Ruhrgebiet.

Von 1988 bis 1991 war Paul wissenschaftlicher Assistent des Projektschwerpunkts Neurokybernetik des Wirtschaftsministeriums des Landes Schleswig-Holstein. Parallel hierzu erfolgten 1989 bis 1993 Tätigkeiten für verschiedene wissenschaftliche Einrichtungen und Forschungsprojekte im Bereich der Neurokybernetik und der Künstlichen Intelligenz, u. a. für das Institut für Kybernetik und Systemtheorie e.V.

Zu den Projekten gehörten insbesondere die aus den ESPRIT-Programmen II und III der Europäischen Union geförderten Projekte StatLog (ESPRIT II project 5170: Comparative testing and evaluation of statistical and logical learning algorithms on large-scale applications to classification, prediction and control) und PAPAGENA (ESPRIT II project 6857: Programming Environment for Applications of Parallel Genetic Algorithms).

1993 wurde Paul an der Universität Witten/Herdecke zum Thema Exploration medizinischer Daten mit Hilfe von computersimulierten neuronalen Netzen am Beispiel der Thermoregulationsdiagnostik promoviert.

Es folgten 1994 bis 1998 freiberufliche Autoren-, Berater- und Referententätigkeiten im Bereich Multimedia/Internet für verschiedene Weiterbildungsträger der Erwachsenenbildung.

Im März 1998 wechselte Joachim Paul in das Medienzentrum Rheinland (seit 2009 umbenannt in LVR-Zentrum für Medien und Bildung), eine Kulturdienststelle des Landschaftsverbandes Rheinland, und arbeitete dort bis zum 13. Mai 2012 als wissenschaftlicher Referent und Medienpädagoge für den Bereich „Neue Medien“.

Piraten-Politiker seit 2009[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joachim Paul trat 2009 der Piratenpartei bei und engagierte sich in Folge im Arbeitskreis Bildung des Landesverbandes NRW der Partei und bei der Abfassung der Wahlprogramme. Am 24. März 2012 wurde er auf Listenplatz 1 der Landesliste der Piratenpartei für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen nominiert.[1]

NRW-Landtagsabgeordneter (2012–2017)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der vorgezogenen NRW-Landtagswahl am 13. Mai 2012 zog Paul über den Listenplatz 1 der NRW-Landesliste der Piratenpartei in den NRW-Landtag ein. Dort wurde er zum Fraktionsvorsitzenden gewählt.[2] Bei den Vorstandswahlen am 18. August 2015 trat er nicht erneut an, sodass Michele Marsching neuer Fraktionsvorsitzender wurde.[3] Mit dem Ausscheiden seiner Partei aus dem Landtag nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2017 verlor er sein Mandat.

Neben dem Fraktionsvorsitz nahm Joachim Paul weitere politische Aufgaben für die Piratenfraktion wahr. Als ordentliches Mitglied der entsprechenden Ausschüsse "Europa und eine Welt" und "Innovation, Wissenschaft und Forschung" war er von 2012 bis 2017 europapolitischer und hochschulpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Nach dem Austritt seines Kollegen Daniel Schwerd aus der Fraktion wurde Paul 2015 zusätzlich wirtschaftspolitischer Sprecher und ordentliches Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien und behielt diese Funktionen bis zum Ende der 16. Wahlperiode und dem Ausscheiden der Piraten.

Des Weiteren war er Sprecher seiner Fraktion in der von der Fraktion der CDU beantragten Enquete-Kommission zur Bewertung der Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte in Nordrhein-Westfalen unter den Bedingungen der Schuldenbremse und des demografischen Wandels in der Dekade 2020 bis 2030 (Enquetekommission III). Als Sachverständiger an seiner Seite fungierte der Ökonom Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup. Eine Weigerung der Kommission, die Randbedingungen Schuldenbremse und demographischer Wandel ebenfalls in die Betrachtung mit einzuschließen, führte zu umfangreichen Sondervoten des Sachverständigen und der Piratenfraktion im Abschlussbericht der Enquete-Kommission.[4]

Maßgeblich auf Pauls Initiative und Vorarbeiten zurück geht die große Anfrage der Piratenfraktion zur politischen Einflussnahme der Bertelsmann-Stiftung und des Bertelsmann-Konzerns.[5] Die Antwort der Landesregierung[6] wurde am 1. Dezember 2016 im Landtag debattiert.[7]

Tätigkeit nach der Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Beendigung der Tätigkeit als Landtagsabgeordneter kehrte Paul in sein altes Arbeitsverhältnis als wissenschaftlicher Referent beim LVR-Zentrum für Medien und Bildung des Landschaftsverband Rheinland zurück. Er ist dort in Kooperation mit einer Referentin des LWL-Medienzentrum für Westfalen mit der operativen Leitung des landesweiten Mediendienstes für Schulen, EDMOND NRW, betraut.

Darüber hinaus engagiert sich Joachim Paul weiterhin publizistisch zu politischen und wissenschaftlichen Themen, insbesondere zu die Digitale Revolution betreffenden Fragen sowie zu Technikphilosophie.

Bereits seit 1996 gibt er www.vordenker.de, ein Webforum für Innovatives in Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur heraus, in dem viele Autoren sowie Vordenker aus unterschiedlichsten Bereichen publiziert sind und das 2010 um einen Blog erweitert wurde.[8] www.vordenker.de enthält u. v. a. die komplette Bibliographie des Philosophen und Logikers Gotthard Günther sowie das digitale Archiv des Logikers, Philosophen und Mathematikers Rudolf Kaehr.

Im Dezember 2018 trat Paul aus der Piratenpartei aus und ist seitdem parteilos.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er lebt in Neuss, ist verheiratet und hat einen Sohn.[1]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstunterzeichner Scientists for Future 2019
Mitglied der GMK – Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur 2017
Mitglied im Kuratorium der Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft 2016
Mitglied der Peira – Gesellschaft für politisches Wagnis e.V. 2016
Mitglied der Piratenpartei Deutschland 11/2009 – 12/2018
Mitglied des Arbeitskreises Medienphilosophie der Fachhochschule Düsseldorf (2002–2009)
Gründungsmitglied des Institut für Kybernetik und Systemtheorie e.V., Dresden, Bochum 1991

Publikationen, Auszüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2014 Rethinking Leibniz – Transhumanismus in der Dekonstruktion, in: Kluge, Sven; Lohmann, Ingrid; Steffens, Gerd (Red.) – Jahrbuch für Pädagogik 2014 – Menschenverbesserung – Transhumanismus, Jahrbuch für Pädagogik (Band 29), Verlag Peter Lang, Frankfurt a. M., Berlin, Bern, Bruxelles, New York, Oxford, Wien, 2014. S. 191–204, ISBN 978-3631657645[9]
2013 TRANS- Reflexionen über Menschen, Medien, Netze und Maschinen, Aufsätze 1996–2013, ISBN 978-3-8442-5502-7

Auszug IT-Publikationen[10]

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

zusammen mit Eberhard von Goldammer, Einleitung und Vorwort der dritten Auflage von Das Bewusstsein der Maschinen von Gotthard Günther, Agis-Verlag, Baden-Baden 2002, ISBN 978-3870070090
Mitinitiator und Herausgeber des eJournals www.vordenker.de, 1996, ISSN 1619-9324

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Joachim Paul – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Joachim Paul führt NRW-Piraten in Landtagswahl. In: Rheinische Post vom 24. März 2012, abgerufen am 25. März 2012.
  2. Piratenfraktion-nrw.de: Piratenfraktion im Landtag NRW. Abgerufen am 20. März 2013.
  3. NRW-Piraten reagieren auf Umfragetief - Politik - WDR.de. In: www1.wdr.de. Abgerufen am 30. August 2015.
  4. Abschlussbericht der Enquetekommission zur Bewertung der Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte in Nordrhein-Westfalen unter den Bedingungen der Schuldenbremse und des demografischen Wandels in der Dekade 2020 bis 2030 (Enquetekommission III) Drucksache 16/9500. In: www.landtag.nrw.de. Abgerufen am 31. Juli 2019.
  5. Große Anfrage 21 der Piratenfraktion zu Aktivitäten und politischen Initiativen der Landesregierung im mittelbaren und unmittelbaren Zusammenhang mit der Bertelsmann-Stiftung, ihren Tochtergesellschaften, ihren Gesellschaftsanteilen und mit ihr verbundenen Initiativen, Einrichtungen und Personen sowie der Bertelsmann SE & Co. KGaA, ihren Tochtergesellschaften, ihren Gesellschaftsanteilen und mit ihr verbundenen Initiativen, Einrichtungen und Personen – Drucksache 16/11660. In: www.landtag.nrw.de. Abgerufen am 31. Juli 2019.
  6. Antwort der Landesregierung – Drucksache 16/12436 – Neudruck. In: www.landtag.nrw.de. Abgerufen am 31. Juli 2019.
  7. Wortprotokoll der Plenardebatte und Link zum Video. In: www.vordenker.de/blog. Abgerufen am 31. Juli 2019.
  8. vordenker webforum. In: www.vordenker.de. Abgerufen am 1. August 2019.
  9. online
  10. Vollständige chronologische Publikationsliste