Joachim Pfeiffer (Politiker)

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Porträtfoto von Joachim Pfeiffer
Joachim Pfeiffer, 2013

Joachim Pfeiffer (* 25. April 1967 in Mutlangen) ist ein deutscher Unternehmer und Politiker (CDU). Er ist seit 2002 Mitglied des Deutschen Bundestages und war von 2014 bis zu seinem Rücktritt am 10. April 2021[1] wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joachim Pfeiffer wurde am 25. April 1967 in Mutlangen geboren. Im Anschluss an die Realschule wechselte er an das Wirtschaftsgymnasium in Schwäbisch Gmünd und schloss dieses 1986 mit dem Abitur ab. Von 1986 bis 1988 absolvierte er im Rahmen seines Wehrdienstes die Ausbildung zum Reserveoffizier bei der Bundeswehr. Sein Dienstgrad ist Hauptmann der Reserve.

Im Jahre 1988 begann Pfeiffer ein Studium der technisch orientierten Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunktfach Verkehrswesen an der Universität Stuttgart, das er 1992 als Diplomkaufmann abschloss. Während seines Studiums war er Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung und wurde Mitglied der fakultativ schlagenden und farbentragenden Stuttgarter Burschenschaft Alemannia. 1997 wurde er berufsbegleitend zum Dr. rer. pol. an der Universität Stuttgart mit der Arbeit Die Rechtsformentscheidung der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger auf dem Gebiet der Abfallentsorgung in Baden-Württemberg promoviert.

Von 1992 bis 1997 arbeitete Pfeiffer bei der Energie-Versorgung Schwaben. Von 1997 bis 2002 leitete er die Wirtschafts- und Arbeitsförderung Stuttgart und übt seit 2003 eine freiberuflich beratende Tätigkeit mit seinem eigenen Consulting-Unternehmen aus.[2] Seit 2006 ist Pfeiffer nebenberuflich als Lehrbeauftragter für Energiepolitik am Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart tätig.

Mit Stand März 2021 zeigte er insgesamt 27 Nebentätigkeiten beim Bundestag an, die er in der Legislaturperiode 2017–2021 ausübte oder ausübt. Neben seiner Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter leitet er auch drei Unternehmen, die er alle nach seinem Einzug in den Bundestag gründete: die beiden Beratungsgesellschaften Dr. Joachim Pfeiffer Consulting und Maconso GmbH und die Klippenhaus SL, die auf Mallorca eine Ferienwohnanlage baut.[3]

Pfeiffer hat drei Söhne.[2]

Politischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1982 trat Pfeiffer als Schüler in die Junge Union ein. Drei Jahre später wurde er Mitglied der CDU. Er war von 1990 bis 1994 Kreisvorsitzender der Jungen Union Rems-Murr.

In der Zeit von 1992 bis 1999 war Pfeiffer Mitglied des Gemeinderats seiner Heimatgemeinde Urbach und seit 1994 Mitglied der Regionalversammlung des Verbands Region Stuttgart. Seit 1996 ist er Vorsitzender der CDU-Fraktion im Verband Region Stuttgart. Von 1997 bis 1999 war er Vertreter des Landesverbandes Baden-Württemberg im Deutschlandrat der Jungen Union. Seit 2000 ist Pfeiffer Kreisvorsitzender der CDU Rems-Murr. Von 2003 bis 2009 war er Beisitzer im Landesvorstand der CDU Baden-Württemberg.

2002 wurde Pfeiffer Mitglied des Deutschen Bundestages und ist seitdem stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Waiblingen in den Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2013 erreichte er 51,5 % (2009: 43,0 %) der Erststimmen. Von 2005 bis 2009 war er Koordinator in Energiefragen und stellvertretender wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, seit November 2009 ist er Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Technologie (seit Januar 2014 umbenannt in „Wirtschaft und Energie“). Seit 2009 ist er wirtschaftspolitischer Sprecher und seit 2013 wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Er gehört als stellvertretendes Mitglied dem Haushaltsausschuss und dem 1. Untersuchungsausschuss des Verteidigungsausschusses an.[4]

Seit 2019 ist Pfeiffer Mitglied der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung.

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfeiffer befürwortet eine neoliberale Wirtschaftspolitik.

Energiepolitik und Klimaschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sprach er sich 2010 für eine deutlich längere Restlaufzeit der deutschen Atomkraftwerke aus. Er lehnte nicht nur die von der rot-grünen Vorgängerregierung beschlossene Laufzeit von 32 Jahren, sondern auch die von seinem Fraktionskollegen Norbert Röttgen vorgeschlagenen 40 Jahre ab und bezeichnete eine Laufzeit von 60 Jahren als „international üblich“.[5] Im April 2011 rückte er nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima von seiner bisherigen Position ab und sagte, es sei Tatsache „dass 80 Prozent der Wähler derzeit der Meinung sind, das wir schneller aussteigen müssen. Deshalb haben wir Politiker den Auftrag, den Weg dorthin zu finden.“ Ein schneller Verzicht auf Atomkraft aus politischen Gründen sei möglich, habe aber seinen Preis.[6] Im Jahre 2019 stellte er den Atomausstieg erneut in Frage und äußerte, an ihm wie auch an der Unionsfraktion werde ein Betrieb von Kernkraftwerken auch in der Zukunft nicht scheitern. Regierungssprecher Steffen Seibert widersprach und erklärte, dass der Atomausstieg wie beschlossen umgesetzt werde.[7]

Pfeiffer trat 2019 als Kritiker von Klimaschutzmaßnahmen hervor. Die Debatte um Klimaschutz in Deutschland sei „alarmistisch“ und „nur noch schwer erträglich“, zudem sei „der vermeintliche Klimaschutz“ für viele Bürger „zu einer Art Ersatzreligion geworden.“[8][9]

Er äußerte sich wiederholt kritisch über die finanziellen Auswirkungen der Förderung erneuerbarer Energien. Im Oktober 2013 kritisierte er, die Kosten seien „aus dem Ruder gelaufen“, im Januar 2014 sagte er, es könne „kein Dauerzustand sein, dass die Stromverbraucher erneuerbare Energien bezuschussen.“ Das Ende der Subventionierung solle „eher schneller als später kommen“.[10] Im November 2016 sagte er, die Energiewende werde durch die „ausufernde Förderung erneuerbarer Energien gefährdet“, diese Förderung müsse endlich sein.[11]

Joachim Pfeiffer befürwortet die international umstrittene Gas-Pipeline Nordstream 2, welche Gas aus Russland durch die Ostsee unter Umgehung von Transitstaaten nach Deutschland transportieren soll.[12]

Im Juni 2017 wurde der Artikel Pfeiffers in der deutschsprachigen Wikipedia von einem Computer aus dem deutschen Bundestag heraus editiert. Unter anderem wurde ein Satz gelöscht, Pfeiffer gelte als Befürworter des Einsatzes von Atomkraftwerken. Stattdessen wurde eingefügt, Pfeiffer dränge „auf eine schnelle Markteinführung der Erneuerbaren Energien.“ Pfeiffer erklärte dazu, damit seien veraltete Funktionen und Positionen „upgedated“ worden.[13]

Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres ordnen Pfeiffer als klimawandelskeptisch ein. Zudem führen sie an, Pfeiffer werde bundestagsintern zusammen mit Thomas Bareiß und Carsten Linnemann als „Bermudadreieck der Energiewende“ bezeichnet, als Dreigestirn, das jeden (klimapolitischen) Fortschritt schlucke.[14]

Lieferkettengesetz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das geplante Gesetz zur Einhaltung von Menschenrechten und Umweltvorgaben in weltweiten Lieferketten bezeichnete Pfeiffer im Februar 2021 als „Bestrafungsinstrument“.[15]

Sozialpolitik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2019 kritisierte Pfeiffer die Sozialleistungen in Deutschland. Der deutsche Staat schütte „die Leute mit Geld zu“ und leiste sich „zu viel Sozialklimbim in einem Rundum-Versorgungsstaat“. Diese Äußerung und insbesondere die von vielen als abwertend wahrgenommene Formulierung „Sozialklimbim“ rief große Kritik und Empörung unter anderem bei der SPD, Oppositionsparteien und Sozialverbänden hervor. SPD-Parteichefin Andrea Nahles warf Pfeiffer unter anderem vor, ihm mangele es an „Respekt vor der Lebensleistung normaler Menschen“, während ihm eine Vertreterin des Deutschen Gewerkschaftsbundes vorwarf, er habe „den Bezug zur Lebensrealität vieler Menschen vollkommen verloren“.[16][17] Kritik an der Wortwahl kam auch aus der CDU.[18]

Im Mai 2020 forderte die Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Energie der CDU/CSU-Bundestagsfraktion – eine 17-köpfige Parlamentariergruppe unter Leitung von Pfeiffer – aufgrund der COVID-19-Pandemie den Mindestlohn (2020: 9,35 Euro brutto/pro Stunde) abzusenken oder zumindest eine für das folgende Jahr geplante Erhöhung auszusetzen. Zusätzlich möchte Pfeiffer das Arbeitszeitgesetz ändern. Demnach heißt es in dem Papier mit dem Namen „Wachstumsprogramm für Deutschland“: „Generell sollte an die Stelle einer täglichen eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden treten, die in tarifgebundenen wie in tarifungebundenen Unternehmen gilt.“ Die Forderung führte zu scharfer Kritik innerhalb der CDU als auch von weiteren Parteien. SPD-Chefin Saskia Esken schrieb auf Twitter: „Wer wie die CDU am Sonntag den Kassiererinnen, Pflegekräften und Paketzustellerinnen und Paketzustellern vom Balkon aus applaudiert und ihnen dann in der Woche den Mindestlohn verweigern oder dringende Erhöhungen vorenthalten will, der verhält sich einfach nur schäbig“. Binnen Stunden distanzierten sich auch die CDU-Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sowie Generalsekretär Paul Ziemiak mit den Aussagen „Hände weg vom Mindestlohn“ und der Erklärung, dass „Absenkung des Mindestlohns überhaupt keine Position der CDU Deutschlands“ sei. Pfeiffer bekräftigte darauf seine Ablehnung und äußerte: „Wir wollen keinen politischen Mindestlohn“.[19][20][21]

Tabakwerbung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joachim Pfeiffer gilt neben Volker Kauder unionsintern als hauptverantwortlich für das Scheitern einer Neuregelung zur Tabakwerbung in der Legislaturperiode 2013–2017.[22][23] Im Dezember 2019 beschloss die Unionsfraktion im Bundestag mit großer Mehrheit gegen den Willen Pfeiffers sowie des Wirtschaftsflügels, für ein Tabakwerbeverbot einzutreten.[24]

Waffenexporte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfeiffer betrachtet Waffenexporte als legitimes Mittel zur Durchsetzung deutscher Sicherheitsinteressen. So befürwortete Pfeiffer in der Debatte zum Export von Waffen nach Saudi-Arabien im Juli 2011 den Verkauf aus politischen wie volkswirtschaftlichen Gründen.[25] Am Rande eines Besuchs in Riad im Juni 2012 verteidigte er erneut den Verkauf von Leopard-2A5-Panzern mit den Worten, man habe dadurch „die Möglichkeit, unsere Vorstellungen von Sicherheitspolitik und Menschenrechten anzusprechen“.[26]

2019 kritisierte er im Hinblick auf die Verlängerung des Waffenexportverbots nach Saudi-Arabien diese Politik und erklärte, „German free“ werde immer mehr zu einem Gütesiegel bei Waffendeals. Zudem erklärte er, man müsse der „völlig absurden innerdeutschen Gutmenschen-Diskussion“ entgegenhalten, dass Deutschland bei Abwanderung der deutschen Rüstungsindustrie abhängig von Importen werde.[27]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2015 plädierte Pfeiffer in den Stuttgarter Nachrichten dafür, der nach seiner Angaben „linke[n] Lobbytruppe“ Campact den Status der Gemeinnützigkeit zu entziehen.[28] Die Deutsche Umwelthilfe bezeichnete er im Februar 2018 als „eine semi-kriminelle Vereinigung“, da sie sich als Abmahnverein betätige.[29]

Pfeiffer spricht sich für eine eingeschränkte Legalisierung von Cannabis aus.[30]

Lobbyismusvorwürfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfeiffer äußerte 2014 in einem Interview für den YouTube-Kanal Stör/Element, er sehe im Lobbyismus keine Interessenkonflikte. Entgegen der üblichen Definition bezeichnete er alle Bürger, die sich an ihn wenden, als Lobbyisten. Er behauptete, der „aggressivste Lobbyismus“ sei der der Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Dem gehöre „ein Riegel vorgeschoben“. Der (häufig kritisierte) Drehtüreffekt (berufliche Wechsel zwischen Politik und Wirtschaft) sei kein Problem; er wünsche sich dies sogar häufiger.[31]

Lobbyismusaffäre der Union 2021[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Lobbyismusaffäre der Union wurden im März 2021 Lobbyismusvorwürfe gegen Pfeiffer laut.[32] Zuvor war bekannt geworden, dass Pfeiffer neben anderen Nebentätigkeiten noch zwei Beratungsunternehmen als Geschäftsführer betreibt, die er erst nach Einzug in den Bundestag gegründet hatte. Die Wochenzeitung Die Zeit berichtete, die Telefonnummern dieser Unternehmen führten „direkt in sein Wahlkreisbüro“; sie nutzten damit eine aus Steuergeldern bezahlte Infrastruktur. Ein Anwalt Pfeiffers dementierte diese Vorwürfe; Die Zeit zog die Glaubwürdigkeit des Dementis in Frage und verwies auf Screenshots von öffentlich zugänglichen Kontaktdaten. Zudem habe Pfeiffer die Nebeneinkünfte aus diesen Tätigkeiten nicht angegeben, obwohl er als Bundestagsabgeordneter dazu verpflichtet gewesen wäre, da er als „einziger Geschäftsführer der Firma […] in jeden Auftrag involviert [gewesen] sein“ müsse. An ihn seien auch alle Unternehmensgewinne geflossen.[33][3] Auch Lobbycontrol äußerte, dass Pfeiffers Angaben zu Nebeneinkünften fehlerhaft seien, wenn er an Aufträgen dieser Unternehmen mitgewirkt habe. Zudem erhebt Lobbycontrol weitere Vorwürfe gegen Pfeiffer im Hinblick auf seine Tätigkeit im Wirtschaftsrat der CDU.[33] Diese habe er beim Bundestag nicht angegeben, was ebenfalls gegen die Transparenzregeln des Bundestags verstoße. Der Wirtschaftsrat sei eine Lobbygruppe, die „besonders jene Unternehmen und Akteure“ versammle, „die Klimaschutzmaßnahmen skeptisch gegenüberstehen, weil sie selbst in der fossilen Wirtschaft verankert sind oder Klimaschutz aus ideologischen Gründen ablehnen“.[34] Pfeiffer zeigte die Mitgliedschaft im Wirtschaftsrat der CDU dann nachträglich bei der Bundestagsverwaltung an.[3]

Pfeiffer bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe. Infolge der Anschuldigungen sagte die SPD eine Verhandlungsrunde über die Reformierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ab und forderte, dass die CDU erst aufkläre. Ursprünglich war geplant, dass Pfeiffer zusammen mit Carsten Linnemann und Georg Nüßlein für die Unionsfraktion hätte verhandeln sollen. Allerdings hatte sich bereits Nüßlein infolge seines Verhaltens in der Maskenaffäre zurückgezogen und hätte durch Ulrich Lange ersetzt werden sollen.[35][36]

Die Zeit schrieb, es sei bei einigen seiner Nebentätigkeiten „fraglich, ob sie immer klar von seiner politischen Tätigkeit im Bundestag getrennt sind“. Pfeiffer äußerte sich hierzu nicht, ließ aber einen Anwalt eine Unterlassungserklärung gegen die Zeitung verschicken. Diese widersprach mit Verweis auf ihre Recherchen und machte neue auffällige personelle Verbindungen publik. Demnach vermiete Pfeiffer sein Wahlkreisbüro in Waiblingen seit 2020 an Volker Zeh unter, einen Unternehmer, der als Honorarkonsul von Montenegro arbeite. Pfeiffer und Zeh teilten sich sowohl Sekretärin, Klingel als auch Briefkasten. 2020 reiste Pfeiffer mit Zeh, damals noch als Unternehmer, nach Montenegro, wo sie u. a. von Premierminister Duško Marković empfangen wurden. Nach Rückkehr ließ Pfeiffer eine Mitteilung veröffentlichen, er freue sich auf den Ausbau der Beziehungen, zudem gebe es Projekte im Wert von vielen Hundert Millionen Euro. Diese seien im Energiesektor angesiedelt, also dem Bereich, mit dem sich Pfeiffer im Bundestag maßgeblich befasst.[3]

Aserbaidschan-Affäre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfeiffer zählt zu einem Kreis mehrerer Abgeordneter, die mit Aserbaidschan in Verbindung stehen. So nahm er z. B. 2018 zusammen mit dem inzwischen zurückgetretenen CDU-Bundestags-Abgeordneten Mark Hauptmann an einem von der Deutschen Atlantischen Gesellschaft und der Botschaft Aserbaidschans organisierten Symposium mit dem Titel „Stabilität und Sicherheit im Südkaukasus“ teil, das von der staatlichen aserbaidschanischen Erdölgesellschaft Socar finanziert wurde.[37]

Wasserstoff-Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Umstritten ist auch seine inzwischen beendete Mitgliedschaft im Beirat des Unternehmens Hydroma Inc., das in Mali Wasserstoff gewinnen will, da Pfeiffer für die Wasserstoffnutzung wirbt. Er traf sich bereits 2018 mit dem Geschäftsführer des Unternehmens. Später forderte er im Bundestag die „Entfesselung“ der Wasserstoffnutzung.[3] Pfeiffer erklärte im August 2020 hierzu, er sehe in seiner Tätigkeit für Hydroma keinen Interessenkonflikt und wies auch den Vorwurf der Intransparenz zurück. Für seine Einkünfte aus seiner Tätigkeit für Hydroma verwies er auf die Bundestagsseite. Dort waren Medienangaben zufolge keine diesbezüglichen Angaben zu finden. Angezeigt werden alle Einkünfte, die monatlich mehr als 1.000 Euro oder jährlich 10.000 Euro betragen.[38]

Rücktritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 10. April 2021 erklärte Pfeiffer seinen Rücktritt als wirtschafts- und energiepolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und kündigte an, trotz bereits erfolgter Nominierung 2021 bei der Bundestagswahl 2021 nicht mehr zu kandidieren. Als Grund nannte er, dass er Opfer einer Kampagne und krimineller Aktivitäten geworden sei. Zuvor waren Anschuldigen bekannt geworden, Pfeiffer habe von seinem Abgeordnetenmandat durch private Beratungstätigkeiten finanziell profitiert (siehe Abschnitt Lobbyismusvorwürfe). Pfeiffer erklärte, er müsse sich seit drei Wochen „gegen eine Kampagne wehren, mit der mir von Teilen der Presse mit konstruierten Behauptungen unterstellt wird“, er habe sein „politisches Mandat mit unternehmerischen Aktivitäten neben dem Mandat in unrechtmäßiger Weise verknüpft“. Diese Behauptungen seien „falsch und wurden widerlegt“. Kritik äußerte er dabei auch an der eigenen Fraktionsführung: Demnach habe es eine „fraktionsinterne Beschränkung“ seiner „Unabhängigkeit als Bundestagsabgeordneter“ gegeben. So führe der neue Verhaltenskodex dazu, dass „unternehmerische Tätigkeiten neben dem Mandat für Führungspositionen in der Fraktion de facto ausgeschlossen“ würden. Dies hebele das freie Mandat aus.[39]

Zudem führte er an, er sei Opfer einer Hacker-Attacke geworden, bei der vertrauliche Steuerdaten in Verbindung mit seinen Unternehmensbeteiligungen erbeutet worden sein sollen. Mehrere Behörden ermitteln.[40] Gemäß Medien soll die Attacke Pfeiffers Steuerberater gegolten haben. Dabei soll der Zahlungsverkehr von Pfeiffers Unternehmen abgefragt worden und temporär „in den Grauzonen des Internets“ zu finden gewesen sein. Öffentlich bekannt wurden die Daten nicht. Einen Zusammenhang mit der Gruppe Ghostwriter sehen Sicherheitsbehörden nicht. Anfragen zum Hackerangriff selbst und inwiefern dieser einen Grund für den Rücktritt darstelle, beantwortete Pfeiffer nicht (Stand 12. April 2021).[41]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfeiffer ist stellvertretendes Mitglied im Verteidigungsausschuss und war bis zu seinem Rücktritt ordentliches Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie.

Funktionen in Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Getec Wärme & Effizienz AG, Magdeburg, Mitglied des Immobilienbeirates
  • Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Baden-Württemberg AG, Stuttgart, Mitglied des Beirates
  • Initium AG Consulting und Management, Schorndorf, Mitglied des Aufsichtsrates
  • Klippenhaus S.L., Capdepera, Spanien, Geschäftsführer[42]
  • Leadvise Region Mitte GmbH, Darmstadt, Mitglied des Beirates
  • MACONSO GmbH, Plüderhausen, Geschäftsführer[42]
  • Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart GmbH, Stuttgart, Mitglied des Aufsichtsrates
  • Verwaltung Tophi Warenhandel AG, Ostrau, Mitglied des Aufsichtsrates
  • Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS), Stuttgart, Mitglied des Aufsichtsrates

Funktionen in Körperschaften und Anstalten des öffentlichen Rechts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitgliedschaften und Funktionen in Vereinen, Verbänden und Stiftungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bundesverband der Unternehmervereinigungen e.V. (BUV), Berlin, Mitglied des Beirates
  • Die Familienunternehmer – ASU e.V., Berlin, Mitglied des strategischen Beirates
  • Forum Region Stuttgart e.V., Stuttgart, Mitglied des Kuratoriums (bis 31. Dezember 2015)
  • Gesellschaft zum Studium strukturpolitischer Fragen e.V., Berlin, Vorsitzender des Beirates für Wirtschaft und Wirtschaftsrecht
  • Institut der deutschen Immobilienwirtschaft e.V. (iddiw), Frankfurt/Main, Mitglied des Beirates
  • Institute for Cultural Diplomacy e.V. (ICD), Berlin, Mitglied des Beirates
  • Landesverband Württembergischer Karnevalvereine e.V. 1958, Stuttgart, Beisitzer im Rechtsausschuss
  • Packaging Excellence Region Stuttgart e.V. Kompetenzzentrum für Verpackungs- und Automatisierungstechnik, Waiblingen, Mitglied des Beirates
  • Sportkreis Rems-Murr e.V., Backnang, Mitglied des Beirates
  • Stiftung Energie & Klimaschutz, Karlsruhe, Mitglied des Kuratoriums
  • Stiftung Theaterhaus Stuttgart, Stuttgart, Mitglied des Kuratoriums
  • Europa-Union Deutschland
  • Wirtschaftsrat der CDU

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josef Göppel, Joachim Pfeiffer: Konjunktur durch Natur – Wege zu mehr Beschäftigung mit marktwirtschaftlicher Umweltvorsorge. Mankau-Verlag, Murnau 2005, ISBN 3-9809565-8-X ´

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Joachim Pfeiffer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. zeit.de: Joachim Pfeiffer kandidiert nicht mehr für Bundestag
  2. a b Porträt. In: joachim-pfeiffer.info. Abgerufen am 17. Mai 2019.
  3. a b c d e Christian Fuchs, Petra Pinzler, Sabrina Winter: Herr Pfeiffer vermietet unter. In: Die Zeit, 24. März 2021. Abgerufen am 24. März 2021.
  4. Deutscher Bundestag – Abgeordnete. Abgerufen am 5. November 2020.
  5. Merkel bremst Unions-Empörung über Röttgen. In: Handelsblatt.com. 8. Februar 2010, S. 2, archiviert vom Original am 27. Oktober 2013; abgerufen am 17. Mai 2019.
  6. Stefan Reinecke: Atomexperte der Union über Energiewende: „Stromleitungen kosten 50 Milliarden“. In: taz.de. 15. April 2011, abgerufen am 17. Mai 2019.
  7. Bundesregierung lehnt längere Laufzeiten für Atomkraftwerke ab. In: Die Zeit, 18. Dezember 2019. Abgerufen am 18. Dezember 2019.
  8. Schlechte Verlierer – so reagiert die CDU auf das Wahldebakel. In: Watson, 27. Mai 2019. Abgerufen am 26. Juli 2019.
  9. Die Antworten von CDU und SPD müssen anders ausfallen als die der Grünen. In: Handelsblatt, 30. Mai 2019. Abgerufen am 26. Juli 2019.
  10. Roland Pichler: Interview mit CDU-Wirtschaftsexperte: „Subventionierung muss beendet werden“. In: Stuttgarter Zeitung. 20. Januar 2014, abgerufen am 17. Mai 2019.
  11. Stefan Schultz: CDU erwägt Stopp der Ökostromförderung. In: Spiegel Online. 29. November 2016, abgerufen am 17. Mai 2019.
  12. Joachim Pfeiffer u. a.: NORD STREAM II STÄRKT EUROPA. In: FAZ.net. 18. März 2018, abgerufen am 11. April 2021.
  13. Christine Auerbach, Maximilian Zierer: Viele kritische Passagen gelöscht: Wikipedia-Artikel über Abgeordnete vom Bundestag aus geschönt. In: BR24. 14. September 2017, abgerufen am 17. Mai 2019.
  14. Susanne Götze, Annika Joeres: Die Klimaschmutzlobby. Wie Politiker und Wirtschaftslenker die Zukunft unseres Planeten verkaufen. München 2020, S. 183 und 190.
  15. Unions-Wirtschaftsflügel wettert gegen Lieferkettengesetz, Handelsblatt 13. Februar 2021 -
  16. Mehrheit der Deutschen hält soziale Leistungen nicht für „Sozialklimbim“. In: Augsburger Allgemeine, 20. Mai 2019. Abgerufen am 20. Mai 2019.
  17. Nahles: „Sozialklimbim“-Äußerungen zeugen von fehlendem Respekt. In: Stuttgarter Zeitung, 20. Mai 2019. Abgerufen am 20. Mai 2019.
  18. Unmut in Union über „Sozialklimbim“-Äußerung. In: Spiegel Online, 17. Mai 2019. Abgerufen am 20. Mai 2019.
  19. Wirtschaftspolitiker der Union proben den Aufstand – ein bisschen. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland, 26. Mai 2020. Abgerufen am 27. Mai 2020.
  20. Christine Haas: „Das wäre ein Nackenschlag für Millionen Arbeitnehmer“. In: Die Welt, 26. Mai 2020. Abgerufen am 27. Mai 2020.
  21. CDU-Spitze räumt Vorstoß zur Mindestlohn-Senkung ab. In: Spiegel Online, 26. Mai 2020. Abgerufen am 27. Mai 2020.
  22. Markus Grabitz: Union vereitelt Tabakwerbeverbot. In: Tagesspiegel. 6. Juli 2017, abgerufen am 17. Mai 2019.
  23. Claus Hecking: Streit um Tabakwerbeverbot: Schöner qualmen auf deutschen Litfaßsäulen. In: Spiegel Online. 7. März 2017, abgerufen am 14. September 2017.
  24. Union macht Weg frei für Tabakwerbeverbot. In: Spiegel Online, 10. Dezember 2019. Abgerufen am 18. Dezember 2019.
  25. Till Schwarze: Rüstungsstandort Deutschland: Panzer schlagen Menschenrechte. In: n-tv.de. 6. Juli 2011, abgerufen am 17. Mai 2019.
  26. Klaus Stratmann: Union begrüßt Panzerlieferungen nach Saudi-Arabien. In: Handelsblatt. 7. Juni 2012, abgerufen am 17. Mai 2019.
  27. Warum sich die Koalition mit Waffenexporten so schwertut. In: Süddeutsche Zeitung, 9. März 2019. Abgerufen am 31. August 2020.
  28. Markus Grabitz: Linke Lobbytruppe kassiert Schlappe. In: Stuttgarter Nachrichten. 10. Dezember 2015, abgerufen am 17. Mai 2019.
  29. Roland Pichler, Norbert Wallet: Reaktionen zum Urteil: Diesel-Fahrverbote. In: Stuttgarter Zeitung. 27. Februar 2018, abgerufen am 17. Mai 2019.
  30. Marihuana: Schwarz-grüne Allianz für Cannabis-Legalisierung. In: Zeit Online. 13. Mai 2015, abgerufen am 7. September 2017.
  31. LOBBYISMUS – Eine Gefahr für die Demokratie? | S/E #02. 6. Juli 2014, abgerufen am 10. April 2021 (deutsch).
  32. SPD sagt Verhandlungen über Gesetz zu erneuerbaren Energien ab. In: Spiegel Online, 17. März 2021. Abgerufen am 17. März 2021.
  33. a b Christian Fuchs, Sabrina Winter: Bundestag Consulting Group. In: Die Zeit, 16. März 2021. Abgerufen am 17. März 2021.
  34. Lobby sogar im CDU-Vorstand: Verein erhebt Vorwürfe – neuer Telefon-Eklat um Abgeordneten?. In: Merkur.de, 17. März 2021. Abgerufen am 17. März 2021.
  35. Lobbyverstrickungen der Union: SPD sagt Verhandlungen über Erneuerbare-Energien-Gesetz ab. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland, 17. März 2021. Abgerufen am 17. März 2021.
  36. Lobby-Vorwürfe. SPD setzt Gespräche über EEG-Gesetz aus. In: Handelsblatt, 17. März 2021. Abgerufen am 17. März 2021.
  37. Alle Unionsabgeordneten unterzeichnen Ehrenerklärung. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. März 2021. Abgerufen am 17. März 2021.
  38. Jürgen Lessat: Ein Schwabe für Mali. In: Kontext: Wochenzeitung, 5. August 2020. Abgerufen am 24. März 2021.
  39. CDU-Politiker Pfeiffer tritt zurück und erhebt schwere Vorwürfe. In: Der Tagesspiegel, 10. April 2021. Abgerufen am 10. April 2021.
  40. Nikolaus Doll, Claus Christian Malzahn: CDU-Bundestagsabgeordneter Joachim Pfeiffer legt Sprecheramt nieder. In: Die Welt, 10. April 2021. Abgerufen am 10. April 2021.
  41. Malte Kreutzfeldt, Bernhard Pötter: Rückzug des CDU-Abgeordneten Pfeiffer: Die Union braucht neue Energie . In: taz, 12. April 2021. Abgerufen am 12. April 2021.
  42. a b Biografie. In: bundestag.de. Abgerufen am 16. März 2021.