Joachim Zeune

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Joachim Zeune (* 1952 in München) ist ein deutscher Mittelalterarchäologe, Historiker und Burgenforscher.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Studium der Kunsterziehung in München und der Mittelalterarchäologie promovierte er in Bamberg über Burgen in Schottland. Von 1987 bis 1994 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg und wissenschaftlicher Grabungsleiter des DFG-Großprojektes „Babenburg“.

Zeune ist Kurator des Europäischen Burgeninstituts und Ehrenmitglied im Scientific Council (wissenschaftlicher Beirat) von Europa Nostra. Seit 2003 steht Zeune dem Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Burgenvereinigung e. V. als 1. Vorsitzender vor. Er betreibt ein privatwirtschaftliches Büro für Burgenforschung und ist in dieser Funktion für viele Gebietskörperschaften als Experte und Gutachter tätig.

Zwei „Mustersanierungen“ Joachim Zeunes: Die Burg Hohenfreyberg im Allgäu …
… und die Nordburg in Lichtenstein bei Ebern (Unterfranken)

Neben der archäologischen Erforschung und Sanierung zahlreicher Burgruinen war das Burgenbüro Zeunes auch maßgebend an der Konzeption einiger „Burgenkundlicher Lehrpfade“ und der Ausarbeitung der Burgenregion Ostallgäu-Außerfern sowie der Burgenregion Allgäu beteiligt.

International beachtet wird vor allem die „Mustersanierung“ der Burg Hohenfreyberg im Allgäu. Zeune erarbeitet hier ein Konzept zur behutsamen Sicherung des Originalbestandes, auf Ergänzungen wurde hier bewusst verzichtet. Die Maßnahmen wurden von einer sorgfältigen Dokumentation und Bauforschung begleitet. Der Unterschied zu einer herkömmlichen Burgsanierung wird besonders am Beispiel der nur fünf Gehminuten entfernten Nachbarburg Eisenberg deutlich, die mit viel Engagement durch einen Verein und die Gemeinde vor dem Verfall gerettet wurde. Hier wurden zahlreiche Mauerpartien rekonstruiert und ergänzt und die Ruinensilhouette geglättet.

Als wegweisend gilt in Fachkreisen auch die Anlage des Burgenkundlichen Lehrpfades Haßberge. Zahlreiche Informationstafeln erschließen hier insgesamt acht Burganlagen, die teilweise unter Beteiligung Zeunes saniert und burgenkundlich erforscht wurden (Burg Altenstein, Burg Lichtenstein). Der Lehrpfad war das Vorbild einiger ähnlicher Rundwege in ganz Mitteleuropa und mündete in der touristischen und wissenschaftlichen Aufarbeitung von Burgenregionen wie dem Allgäu und dem angrenzenden Außerfern.

Seit 1997 arbeitet Joachim Zeune eng mit dem Designer Andreas Koop zusammen. Als Ergebnis dieser Kooperation entstanden u. a. zahlreiche virtuelle Rekonstruktionen verschwundener oder veränderter Burganlagen. Zu den Tätigkeitsschwerpunkten gehören auch die Erarbeitung didaktischer Erschließungen und die Konzeption von Museen und Ausstellungen. Diese Aktivitäten werden allerdings gelegentlich wegen der Einbeziehung einiger umstrittener burgenkundlicher Thesen kritisiert.

Das Büro für Burgenforschung in Eisenberg (Allgäu) unterhält Kooperationsbüros bei Bamberg, Kleve und Marburg. Aktuell ist das Burgenbüro etwa an der Konzeption des „Deutschen Burgenwinkels“ in den Haßbergen beteiligt.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeune ist einer breiten Öffentlichkeit vor allem durch seinen populärwissenschaftlichen Band Burgen – Symbole der Macht (1996) bekannt. Das dort entwickelte „neue Bild der mittelalterlichen Burg“ wird von Biller und Großmann kritisiert. Sie bemängeln die „Vernachlässigung der historischen Methodik zugunsten extremer Überbetonung der Archäologie“.[1] Der Symbolcharakter der Burg würde ihres Erachtens „einseitig unterstrichen und damit das Gesamtbild unzulässig vergröbert“.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der schottische Burgenbau vom 15. bis zum 17. Jahrhundert. Marksburg 1989.
  • The Last Scottish Castles. Buch am Erlbach 1992.
  • St. Georg in Effeltrich. München 1992.
  • Burg Aggstein. München 1993.
  • zusammen mit Hans-Jürgen Schubert: Stein an der Traun in Geschichte und Gegenwart. Herausgegeben vom Verein Freunde der Burg Stein e. V. Stein a. d. Tr. 1993 (8. Auflage: 2006).
  • Burgen – Symbole der Macht. Regensburg 1996.
  • Symbole von Macht und Vergänglichkeit. Burgenkundlicher Lehrpfad Haßberge. Hassfurt 1996.
  • Burg Lichtenstein. Regensburg 1998.
  • Burgen in Bayern. Stuttgart 1999.
  • Hohenfreyberg – Kleiner Burgenführer. Eisenberg 1999.
  • Auerburg – Kleiner Burgenführer. Eisenberg 1999.
  • Eisenberg – Kleiner Burgenführer. Eisenberg 1999.
  • Burg Werdenfels. Garmisch-Partenkirchen 2000.
  • Heinrich Wagner, Joachim Zeune (Hrsg.): Das Salzburgbuch. Bad Neustadt 2008.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas Biller, G. Ullrich Großmann: Burg und Schloss. Schnell und Steiner, Regensburg 2002, ISBN 3-7954-1325-7, S. 260.