Joachimsthal

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Joachimsthal (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Joachimsthal
Joachimsthal
Deutschlandkarte, Position der Stadt Joachimsthal hervorgehoben
Koordinaten: 52° 58′ N, 13° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Barnim
Amt: Joachimsthal (Schorfheide)
Höhe: 72 m ü. NHN
Fläche: 121,73 km²
Einwohner: 3465 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 28 Einwohner je km²
Postleitzahl: 16247
Vorwahl: 033361
Kfz-Kennzeichen: BAR, BER, EW
Gemeindeschlüssel: 12 0 60 100
Adresse der
Stadtverwaltung:
Joachimsplatz 1–3
16247 Joachimsthal
Webpräsenz: www.joachimsthal.de
Bürgermeister: René Knaak-Reichstein (CDU)
Lage der Stadt Joachimsthal im Landkreis Barnim
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Über dieses Bild
Kreuzkirche
Kreuzkirche um 1900
Glasmarke der Grimnitzer Glashütte 1747
Joachimsthal

Joachimsthal ist eine Kleinstadt im brandenburgischen Landkreis Barnim und Verwaltungssitz des Amtes Joachimsthal (Schorfheide), dem weitere drei Gemeinden angehören.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joachimsthal liegt in der historischen Landschaft Uckermark an Werbellinsee und Grimnitzsee und gehört zum Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin. Die Stadt befindet sich am naturräumlichen Übergang vom Uckermärkischen Hügelland zur Schorfheide.[2]

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Joachimsthal gehören die Wohnplätze Ausbau, Bahnhof Werbellinsee, Bärendickte, Elsenau, Feriendorf Grimnitzsee, Forst Joachimsthal, Grimnitz, Hubertusstock, Jägerberg, Kienhorst, Leistenhaus, Lindhorst und Miechen. Bewohner der näheren Umgebung nennen Joachimsthal auch Juchte oder Juchtebüdel.[3][4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend von Joachimsthal wurde schon frühzeitig besiedelt, davon künden Hügelgräber und Gräberfelder in der Umgebung. Im Mittelalter verlief am Grimnitzsee und an der Welse die Grenze zwischen Pommern und Brandenburg. Zu deren Schutz wurde von den brandenburgischen Kurfürsten 1247 die Burg Grimnitz am Ufer des gleichnamigen Sees errichtet. Diese diente ihnen gleichzeitig als Aufenthalts- und Urkundsort. Die erste urkundlich belegte Erwähnung der Burg stammt aus dem Jahr 1298.

Um 1577 wurde in der Nähe der Burg eine erste Glashütte errichtet. Kurfürst Joachim Friedrich ließ 1601 eine Glashütte erbauen, für die er Glasmacher aus Böhmen ansiedelte. Später ließen sich auch andere Gewerke nieder, u. a. Tuchmacher. Die erste urkundliche Erwähnung Joachimsthall fällt in das Jahr 1603. Der Ort wurde nun auch Flecken Joachimsthall genannt und erhielt am 1. Januar 1604 das Stadtrecht. Kurfürst Joachim Friedrich begann bald darauf mit der Errichtung einer Fürstenschule und einer Kirche, welche am 23. August 1607 geweiht wurde. Am Folgetag wurde die Fürstenschule als Joachimsthalsches Gymnasium eingeweiht und mit reichem Besitz und Einkünften ausgestattet. Dazu zählten u. a. das kurfürstliche Jagdhaus, umfangreicher Landbesitz, Fischereirechte, die Glashütte, Mühlen und verschiedene Rechte in der Stadt Joachimsthal.

Während des folgenden Dreißigjährigen Krieges wurde der Ort am 5./6. Januar 1636 überfallen und die Schule verwüstet. Auch die Burg Grimnitz erlitt Schäden, und das Vorwerk, der Schönhof in Golzow, wurde niedergebrannt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurden neue Glashütten in Grimnitz errichtet. Die Stadt Joachimsthal erholte sich jedoch nur langsam. Der nächste Schicksalsschlag war der Stadtbrand vom 20. April 1814. Er vernichtete 39 Gehöfte, den Schulamtshof mit dem Amtsgebäude, alle Ställe und Scheunen, Brauerei und Brennerei, die Kirche, die Schule und das Predigergehöft. Der Architekt Karl Friedrich Schinkel befasste sich mit dem Projekt zur Wiedererrichtung der zerstörten Gebäude. Die Kirche wurde 1820 fertig, die Schule vermutlich 1823.

Im Juli 1898 erfolgte die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke von Eberswalde bis Joachimsthal, die dann im Dezember bis Templin fertiggestellt wurde. 1888 hatte man den Gutsbezirk Joachimsthal in die Stadt eingemeindet, 1929 folgten Teile des Gutsbezirkes Grimnitz-Forst und des Forstgutsbezirk Schorfheide (Joachimsthal Forst mit Dammshaus, Zorndorf und Steingrube) und 1938 auch Altgrimnitz.

Joachimsthal gehörte seit 1817 zum Landkreis Angermünde in der preußischen Provinz Brandenburg bzw. nach 1947 im Land Brandenburg. 1952 bis 1990 lag die Stadt im Kreis Eberswalde des DDR-Bezirks Frankfurt (Oder).

Zu DDR-Zeiten errichtete der VEB Ingenieurbau Eberswalde in der Nähe des Ortes ein Kinder-Ferienlager für die Kinder seiner Betriebsangehörigen, das nach 1990 dem Verfall preisgegeben wurde.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner
1875 2 119
1890 2 071
1910 2 254
1925 2 162
1933 2 139
1939 3 390
1946 4 105
1950 4 194
1964 3 789
1971 3 619
Jahr Einwohner
1981 3 425
1985 3 273
1989 3 127
1990 3 087
1991 3 035
1992 3 162
1993 3 148
1994 3 073
1995 3 117
1996 3 203
Jahr Einwohner
1997 3 390
1998 3 461
1999 3 476
2000 3 448
2001 3 419
2002 3 448
2003 3 454
2004 3 388
2005 3 349
2006 3 368
Jahr Einwohner
2007 3 357
2008 3 292
2009 3 271
2010 3 303
2011 3 297
2012 3 311
2013 3 375
2014 3 352

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[5][6], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadtverordnetenversammlung von Joachimsthal besteht aus 16 Mitgliedern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 führte bei einer Wahlbeteiligung von 46,0 % zu folgendem Ergebnis:[7]

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze
CDU 29,1 % 5
SPD 18,5 % 3
Pro Joachimsthal 15,9 % 2
Die Linke 11,6 % 2
Bürger für Bürger   9,2 % 1
FDP   6,0 % 1
Einzelbewerberin Gerlinde Schneider   5,3 % 1
NPD   4,5 % 1

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

René Knaak-Reichstein (CDU) wurde in der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 mit 59,8 % der gültigen Stimmen für eine Amtszeit von fünf Jahren[8] gewählt.[9]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joachimsthal unterhält seit September 1996 eine Partnerschaft mit dem polnischen Golczewo (deutsch: Gülzow).

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Joachimsthal und Liste der Bodendenkmale in Joachimsthal stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemaliger Wasserturm

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Seerandstraße, am Rande von Joachimsthal, direkt am Werbellinsee, befindet sich eine Anlegestelle der Fahrgastschifffahrt. In der Angermünder Straße befindet sich das Feriendorf Grimnitzsee, eine Bungalowanlage für Feriengäste und Dauerbewohner.

Stolpersteine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stolpersteine

Am 18. Juli 2007 wurden zum Gedenken an das jüdische Ehepaar Helmuth und Regina Chaim in der Joachimsthaler Schulstraße die ersten zwei Stolpersteine verlegt.[10]

Jüdischer Friedhof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Jüdische Friedhof wurde 1750 eröffnet. Er liegt zwischen altem und neuem städtischen Friedhof an der Zorndorfer Straße.

Ehrenmal für die Opfer des Faschismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ehrenmal für die Opfer des Faschismus wurde 1953 errichtet. Es steht in der Töpferstraße gegenüber dem Jägerhof.

Naturdenkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Liste der Naturdenkmale in Joachimsthal

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während es bis Ende der 1990er Jahre noch einige Industriebetriebe gab (Sägewerk, Tonverarbeitung), ist jetzt neben der Landwirtschaft zunehmend der Tourismus nennenswert. Joachimsthal liegt an der Märkischen Eiszeitstraße.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Kaiserbahnhof“
Private Motorisierung 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015
nichtgewerblich zugelassene PKW (zum 1.1.)[11] 1 690 1 681 1 691 1 738 1 720 1 727 1 764 1 779
nichtgewerbliche PKW je 1.000 Einwohner (31.12. des Vorjahres) 503 511 517 526 522 522 523 531
Vergleichswert Land Brandenburg 475 479 486 493 506 508 510 512

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hausendorff-Gedenkstein

Der erste Ehrenbürger (1951) ist S. K. Thoden van Velzen (* 28. März 1870; † 1957), der als Arzt in der Stadt wirkte. Er verhinderte in den letzten Kriegstagen 1945 die Zerstörung der Stadt durch die Rote Armee, indem er mit einer weißen Fahne der anrückenden Roten Armee entgegenging.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit Beziehung zu Joachimsthal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Liselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VIII, Uckermark, Weimar 1986, ISBN 3-7400-0042-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Joachimsthal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Naturräumliche Gliederung Brandenburgs nach Scholz. Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, 19. März 2015, abgerufen am 7. November 2015.
  3. schorfheide-urlaub.de
  4. juchte.de
  5. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Barnim. S. 14–17
  6. Bevölkerung im Land Brandenburg nach kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden 1991 bis 2014
  7. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  8. § 73 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  9. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014
  10. Stolpersteine (Memento vom 27. September 2007 im Internet Archive)
  11. Kraftfahrt-Bundesamt Statistik Fz3