Joan Halifax

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Joan Halifax
Joan Halifax und der Dalai Lama
Joan Halifax und Seung Sahn, 1979
Jean Erdman, Joseph Campbell und Joan Halifax auf der Feathered Pipe Ranch, Montana, Ende der 1970er Jahre
Sogyal Rinpoche, Joan Halifax und Richard Gere am 30. Juli 1985 in Rikon, Switzerland

Joan Jiko Halifax (* 30. Juli 1942 in Hanover (New Hampshire), USA) ist eine US-amerikanische Anthropologin, Ethnologin, Zen-Buddhistin, Autorin und Menschenrechtsaktivistin. Sie ist Gründerin, Äbtissin und Lehrerin des Upaya Institute and Zen Center, einem buddhistischen Kloster in Santa Fe (New Mexico).

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Halifax wurde im Alter von vier Jahren für zwei Jahre lang bettlägerig und funktionell blind, da ein Virus ihre Augenmuskeln angegriffen hatte. 1964 machte sie ihren Abschluss am Harriet Sophie Newcomb College der Tulane University in New Orleans, Louisiana, wo sie sich in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und der Antikriegsbewegung engagierte. Sie zog nach New York City und begann mit Alan Lomax zu arbeiten. Von 1964 bis 1968 arbeitete sie am Bureau of Applied Social Research der Columbia University bei Alan Lomax. Anschließend ging sie nach Paris und arbeitete im Musée de l’Homme in der Sektion Ethnographischer Film. Nach ihrer Promotion in medizinischer Anthropologie 1973 am Union Institute & University in Cincinnati, begann sie an der University of Miami School of Medicine mit Sterbenden zu arbeiten. Sie studierte ein Jahrzehnt lang bei dem Zen-Lehrer Seung Sahn und war Lehrerin an der Kwan Um Zen-Schule. Halifax-Roshi erhielt die Dharma-Übertragung von Thích Nhất Hạnh und von Roshi Bernie Glassman.[1] Als Anthropologin studierte sie in Mali den indigenen Stamm der Dogon und in den 1970er Jahren in Mexiko die Huicholen. Mehrere Jahre lang studierte sie parallel Schamanismus und Buddhismus und beleuchtete deren Zusammenhänge in ihrem Buch The Fruitful Darkness von 1993.[2]

Halifax heiratete 1972 den Psychiater Stanislav Grof, mit dem sie eine kurzlebige Ehe führte. Von 1972 bis 1975 arbeitete sie mit ihm am Maryland Psychiatric Research Center mit sterbenden Krebspatienten.[3] Sie untersuchte mit ihrem Mann die Verwendung von LSD als Unterstützungsmechanismus für Sterbende und veröffentlichte 1977 mit ihm das Buch The Human Encounter With Death.

1979 gründete sie ein Bildungs- und interreligiöses Zentrum, die Ojai Foundation in Kalifornien,[4] die sie von 1979 bis 1989 leitete. 1992 schenkten ihr Laurance Rockefeller und Richard Baker ein Haus in New Mexico, zwischen dem Santa Fe River und dem Cerro Gordo Mountain, wo sie das Upaya Zen Center in Santa Fe gründete.[5] Ihre Praxis konzentriert sich auf den sozial engagierten Buddhismus, der darauf abzielt, Leiden durch Meditation, interreligiöse Zusammenarbeit und soziale Dienste zu lindern. Sie ist im Vorstand des Mind and Life Institute, eine gemeinnützige Organisation, die sich der Erforschung der Beziehung zwischen Wissenschaft und Buddhismus widmet.

Sie erhielt ein Stipendium der National Science Foundation in Visual Anthropology, war Honorary Research Fellow in Medical Ethnobotany an der Harvard University[6] und wurde 2011 Distinguished Visiting Scholar an der Library of Congress.[7] Sie ist Direktorin des Project on Being with Dying und Gründerin des Upaya Prison Project, das Meditationsprogramme für Gefangene entwickelt. Sie ist auch Gründerin der Nomads Clinic in Nepal.[8] Sie ist Autorin mehrerer Bücher über Buddhismus und Spiritualität.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Sterben dem Leben begegnen: Mut und Mitgefühl im Angesicht des Todes (German Edition). Theseus Verlag, 2018, ISBN 978-3-95883-361-6.
  • Gratwanderung: Achtsame Ethik für ein nachhaltig bewusstes Leben. Barth O.W., 2019, ISBN 978-3-426-29292-1.
  • Lone Mallard. CreateSpace Independent Publishing Platform, 2012, ISBN 978-1-4782-7801-6.
  • A Buddhist Life in America: Simplicity in the Complex (Wit Lectures). Paulist Pr, 1998, ISBN 978-0-8091-3785-5.
  • The Fruitful Darkness, A Journey Through Buddhist Practice. HarperCollins, 1993, ISBN 978-0-06-250369-5.
  • Being with Dying: Cultivating Compassion and Wisdom in the Presence of Death. Shambhala, 2008, ISBN 978-1-57062-469-8.
  • Standing at the Edge: Finding Freedom Where Fear and Courage Meet. Flatiron Books, 2018, ISBN 978-1-250-10134-1.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • James Ishmael Ford: Zen Master Who?: A Guide to the People and Stories of Zen. Wisdom Publications, 2006, ISBN 978-0-86171-509-1.
  • Ellison Banks Findly: Women's Buddhism, Buddhism's Women: Tradition, Revision, Renewal. Wisdom Publications, 2000, ISBN 978-0-86171-165-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Joan Halifax – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BECOMING: Awakening in the Midst (Online 2022). In: Upaya Zen Center. Abgerufen am 20. Dezember 2021 (amerikanisches Englisch).
  2. Kristin Barendsen: Joan Halifax: Fearless and Fragile - Lion's Roar. Abgerufen am 20. Dezember 2021 (amerikanisches Englisch).
  3. Roshi Joan Halifax. In: Upaya Zen Center. Abgerufen am 20. Dezember 2021 (amerikanisches Englisch).
  4. Home | The Ojai Foundation. Abgerufen am 20. Dezember 2021 (amerikanisches Englisch).
  5. Meditation, Buddhism, Retreats and Buddhist Teachings in Santa Fe, New Mexico. Abgerufen am 20. Dezember 2021 (amerikanisches Englisch).
  6. Netzwerk buddhistischer Frauen in Europa - Frauen und Buddhismus | Dokumente / Joan Halifax. Abgerufen am 20. Dezember 2021.
  7. Joan Halifax Named Distinguished Visiting Scholar at Kluge Center. Abgerufen am 20. Dezember 2021.
  8. Joan Halifax | Authors. Abgerufen am 20. Dezember 2021 (amerikanisches Englisch).
  9. RCSI celebrates and honours graduates in virtual conferring ceremonies. Abgerufen am 20. Dezember 2021 (englisch).