Joana Cotar

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Joana Cotar (2017)

Joana Eleonora Cotar (geb. Tamas; * 6. April 1973 in Pitești) ist eine rumänisch-deutsche Politikerin (AfD). Seit September 2017 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestags.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Joana Cotar fünf Jahre alt war, zog ihre Familie nach Deutschland. 1993 legte Cotar ihr Abitur am Burggymnasium Friedberg ab. Von 1993 bis 1999 studierte sie Politikwissenschaft und Germanistik an der Universität Mannheim. Nach ihrer Heirat im Jahr 2000 zog Cotar für einige Jahre in die Schweiz.[1]

Nach ihrem Studium arbeitete sie als Veranstaltungsmanagerin für Finanzinstitute in Deutschland und der Schweiz, anschließend als selbständige Projektmanagerin. Außerdem war sie als Feng-Shui-Beraterin tätig.[2]

Ihr Bruder Alexander Tamas ist mit seiner Firma Vy Capital Großinvestor im Technologiesektor. Er organisierte 2009 den Einstieg des russischen Investmentfonds Digital Sky Technologies bei Facebook.[3]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während ihrer Studienzeit war Cotar Mitglied der CDU und gehörte dem Vorstand der CDU Mannheim-Schwetzingerstadt/Oststadt an.[1]

Cotar trat 2013 der Alternative für Deutschland bei und wurde wenig später zur Co-Vorsitzenden des hessischen Landesverbandes gewählt. Im Juli 2014 trat sie nach internen Streitigkeiten zurück. Sie erklärte, sie wolle die Praxis des hessischen Landesvorsitzenden Gunther Nickel, andere Parteimitglieder mit Abmahnungen anzugehen, nicht mehr mittragen.[4]

2013 kandidierte Cotar auf dem 6. Listenplatz für den Hessischen Landtag. Die AfD verfehlte jedoch bei der Landtagswahl die Fünf-Prozent-Hürde, sodass die Partei keine Mandate gewann.[5]

Seit 2016 ist sie Mitglied des Kreistages Gießen.

2016 kandidierte Cotar für die Landesliste der AfD Hessen für die Bundestagswahl 2017. Der Landesparteitag der hessischen AfD wählte sie auf den dritten Platz der Landesliste.[6] Die Listenwahl musste aufgrund verschiedener Unregelmäßigkeiten jedoch wiederholt werden. Der Wiederholungsparteitag wählte Cotar schließlich auf Platz zwei der Landesliste. Bei der Bundestagswahl 2017 erreichte die AfD in Hessen 11,9 Prozent der Zweitstimmen.[5] Cotar zog somit als zweite von insgesamt sechs gewählten Kandidaten der Landesliste in den Bundestag ein.[7] Dort ist sie ordentliches Mitglied und Obfrau im Ausschuss Digitale Agenda und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union sowie im Ausschuss für Inneres und Heimat.[8]

Ab 2020 war Cotar Beisitzerin im AfD-Bundesvorstand.[9] Innerhalb ihrer Partei wird Cotar dem gemäßigten Flügel zugerechnet, zu welchem auch der damalige AfD-Co-Bundessprecher Jörg Meuthen zählte.[10]

Ende März 2021 war Cotar an der Seite von AfD-Co-Bundessprecher Tino Chrupalla im Gespräch als mögliche Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2021. Laut Cotar habe sich Chrupalla jedoch auf ihre mehrfachen Anfragen nicht zurückgemeldet und später ein Spitzenteam zusammen mit Alice Weidel gebildet. Cotar bildete das konkurrierende Spitzenteam für die Bundestagswahl schließlich mit Joachim Wundrak, dessen Kandidatur Meuthen begrüßte.[10] Am 25. Mai 2021 wurde jedoch das Team Weidel und Chrupalla durch eine parteiinterne Abstimmung mit 71 % der Stimmen zum Spitzenduo für den Bundestagswahlkampf gewählt.[11]

Bei der Bundestagswahl 2021 schaffte sie erneut den Einzug in den Bundestag.[12] Nachdem sie mit anderen AfD-Abgeordneten den für eine Wiederwahl kandidierenden Bundessprecher Chrupalla kritisiert hatte,[13] kandidierte sie beim AfD-Bundesparteitag im Juni 2022 nicht wieder für den AfD-Bundesvorstand.[14]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cotar bemängelt – wie weite Teile ihrer Partei – die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung und fordert eine Schließung der Grenzen für Migranten. Sie unterstützte die CSU in ihrer früheren Forderung nach einer Obergrenze für Asylbewerber und bemängelt, dass die Partei davon abgerückt ist.[15] In einem Interview des ZDF sprach sie sich gegen einen antisemitischen Kurs der AfD aus.[16]

Die geplante Reise mehrerer AfD-Abgeordneter in russisch okkupierte Gebiete während des Russischen Überfalls auf die Ukraine 2022, bezeichnete Cotar als „nicht hinnehmbar“. Sie erklärte, sie erwarte ein hartes Durchgreifen vom Bundesvorstand.[17]

Im September 2022 postete Cotar auf Twitter in Bezug auf die Grünen-Politikerinnen Ricarda Lang und Claudia Roth als Kritik an deren Oktoberfest-Besuch während der Energiekrise eine Karikatur einer nationalsozialistischen Propagandaschrift der NSDAP. Kurz darauf löschte sie den Beitrag jedoch wieder, mit der Aussage, sie habe den Ursprung der Karikatur nicht gekannt.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Vita Joana Cotar. In: gemeinsamfuerdeutschland.de. Archiviert vom Original am 3. Oktober 2017; abgerufen am 28. November 2020.
  2. Gelebtes Feng Shui. In: gelebtes-fengshui.de. Archiviert vom Original am 14. Februar 2009; abgerufen am 10. Mai 2021.
  3. Maik Baumgärtner, Ann-Katrin Müller & Steffen Winter: Mögliche Interessenkonflikte: Digitalpolitische Sprecherin der AfD ist Schwester von Großinvestor des Technologiesektors. In: Der Spiegel. 9. April 2021
  4. Justus Bender: Streit in AfD: Hessische Landesvorsitzende tritt zurück. In: FAZ.net. 21. Juli 2014, abgerufen am 28. November 2020.
  5. a b Der Landeswahlleiter für Hessen: Bundestagswahl 2017 in Hessen: Endgültiges Ergebnis: Land Hessen. In: statistik-hessen.de. 25. September 2017, abgerufen am 27. September 2017.
  6. Heidi Radvilas: AfD wählt Spitzenkandidatin zum zweiten Mal. In: hessenschau. 13. Mai 2017, archiviert vom Original am 2017-09-290; abgerufen am 28. November 2020.
  7. Dieter Hintermeier: Bundestag: Wer sind die sechs hessischen AfD-Abgeordneten? In: fnp.de. 27. September 2017, archiviert vom Original am 5. Dezember 2017; abgerufen am 28. November 2020.
  8. Abgeordnete: Biografien: Joana Cotar, AfD. In: bundestag.de. Abgerufen am 28. November 2020.
  9. Severin Weiland: AfD-Bundesparteitag: Meuthens kleiner Punktsieg. In: Spiegel Online. 28. November 2020, abgerufen am 28. November 2020.
  10. a b Severin Weiland: Kampf um AfD-Spitzenkandidatur: Das Meuthen-Lager testet seine Kräfte. In: Der Spiegel. 5. Mai 2021, abgerufen am 7. Mai 2021.
  11. AfD geht mit Duo Weidel und Chrupalla in den Bundestagswahlkampf. Abgerufen am 26. Mai 2021.
  12. Diese 50 Abgeordneten aus Hessen ziehen in den Bundestag ein. 27. September 2021, abgerufen am 28. September 2021.
  13. Gareth Joswig: Vor dem AfD-Bundesparteitag in Riesa: Auf dem rechten Weg. In: Die Tageszeitung: taz. 17. Juni 2022, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 19. Juni 2022]).
  14. Gareth Joswig: AfD-Parteitag in Riesa: Völkische auf dem Vormarsch. In: Die Tageszeitung: taz. 17. Juni 2022, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 19. Juni 2022]).
  15. Kai Biermann, Astrid Geisler, Christina Holzinger, Paul Middelhoff, Karsten Polke-Majewski: AfD-Fraktion: Rechts bis extrem im Bundestag. In: Zeit Online. 26. September 2017, abgerufen am 28. November 2020.
  16. „Ein antisemitischer Kurs hat keinen Platz in Deutschland“ – AfD-Bundestagsabgeordnete Joana Cotar im Gespräch. In: ZDFzoom. 27. November 2019, abgerufen am 29. November 2020.
  17. AfD-Ärger wegen Ostukraine-Reiseplan. In: Tagesschau. 20. September 2022, abgerufen am 20. September 2022.
  18. Andreas Bergholz: AfD Politikerin hetzte mit NSDAP-Karikatur gegen die Grünen. In: Volksverpetzer. 21. September 2022, abgerufen am 23. September 2022 (deutsch).