Joanna Bator

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Joanna Bator auf der Leipziger Buchmesse 2016

Joanna Bator (geboren 2. Februar[1] 1968 in Wałbrzych, Polen) ist eine polnische Schriftstellerin und Publizistin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bator besuchte das Gymnasium in Wałbrzych und legte dort 1987 das Abitur ab. Mit 19 Jahren verließ sie ihre Heimatstadt Wałbrzych und studierte Kulturwissenschaften und Philosophie[2] an der Universität Breslau, wo sie 1993 den Magister erwarb. Anschließend nahm sie ein Promotionsstudium am Institut für Philosophie und Soziologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau auf. Mit der Untersuchung Psychoanaliza Freuda i feminizm – dwie hermeneutyki kultury debütierte sie 1996 in der Fachzeitschrift Przęglad Filozoficzny. An der Universität Warschau gab sie von 1996 bis 1998 Seminare zu feministischen Fragestellungen. Im Rahmen ihrer Forschung verbrachte sie 1996 einige Monate an der Universität Bremen, 1997 bis 1998 an der Central European University in Budapest sowie 1998 bis 1999 an der Middlesex University in London. Mit der Arbeit Feminizm, postmodernizm, psychoanaliza. Filozoficzne dylematy feministek „drugiej fali“ (Feminismus, Postmodernismus, Psychoanalyse. Philosophische Dilemmata der Feministinnen der „Zweiten Welle“; Doktorvater: Paweł Dybel) promovierte sie 1998 am Institut für Philosophie und Soziologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften, wo sie von 1999 bis 2008 als Adjunkt arbeitete. Im Rahmen eines Stipendiums der Kosciuszko Foundation verbrachte sie 1999 bis 2000 an der Graduate School for Social Research in New York. Zudem hielt sie sich dreimal dank Stipendien zu Forschungszwecken in Japan auf. So untersuchte sie von 2001 bis 2003 im Rahmen des Stipendiums der Japan Society of the Promotion of Science Genderfragen in der japanischen Gesellschaft, von 2005 bis 2006 im Rahmen des Stipendiums der Cannon Foundation in Europe die Kawaii-Kultur sowie von 2010 bis 2011 im Rahmen des Japan Foundation Scholarships die Otaku-Subkultur. Daneben lehrte sie von 2007 bis 2011 am Fachbereich für Japanische Kultur der Polnisch-Japanischen Hochschule für Computertechnologien in Warschau.

Als Prosaschriftstellerin debütierte sie 2001 mit dem Werk Z mlekiem matki lustro i lód, das in der Zeitschrift Twórczość erschien. Sie hat Artikel und Essays in verschiedenen Zeitschriften veröffentlicht, darunter Tytuł, Odra, Czas Kultury, Katedra, Tygodnik Powszechny, National Geographic und Voyage. Für die Gazeta Wyborcza schrieb sie einen Feuilleton-Zyklus unter dem Titel Z kraju nad Wisłą. Die Erfahrungen ihres dreijährigen Aufenthalts in Japan schrieb sie in Japoński wachlarz nieder. Ferner ist sie als Autorin von wissenschaftlichen Publikationen bekannt.

Seit 2011 konzentriert sie sich ganz auf ihre schriftstellerische Tätigkeit. Joanna Bator lebt im zehnten Stock eines Hochhauses in Wilanów in Warschau.[3]

Joanna Bator wurde vielfach ausgezeichnet. Für ihren Roman Ciemno, prawie noc erhielt sie 2013 die Nike, den wichtigsten polnischen Literaturpreis. Im Herbstsemester 2014 war sie Inhaberin der Friedrich Dürrenmatt Gastprofessur für Weltliteratur an der Universität Bern.[4]

Zu den Schriftstellern, die sie bewundert und von denen sie alle Bücher gelesen hat, gehört Haruki Murakami.[5]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Lesereise 2012 im Taranta Babu in Dortmund

2011 erschien Bators Roman Piaskowa Góra unter dem Titel Sandberg auch auf Deutsch. Der Titel des Romans bezeichnet einen Wohnblock in der Bergbaustadt Wałbrzych, aus der auch die Autorin stammt. In diesem Wohnblock wächst das eigensinnige und mathematisch hochbegabte Mädchen Dominika auf, dessen Leben in diesem Roman jedoch nur bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr erzählt wird. Parallel dazu zeichnet das Buch ihre Familiengeschichte nach. Insbesondere Dominikas Mutter Jadzia, einer häuslichen, etwas engstirnigen und angesichts ihrer ungewöhnlichen Tochter befremdeten Frau, wird viel Raum gewidmet. Auch Dominikas Großmütter, Zofia und Halina, spielen wichtige Rollen. Durch den über drei Generationen gespannten Erzählbogen kann Bator sich eingehend mit der polnischen Geschichte nicht nur zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, sondern auch im Sozialismus und nach der Wende beschäftigen.

Während Sandberg sich ganz auf Polen konzentriert, versucht Bator in der 2013 ins Deutsche übersetzten Fortsetzung Chmurdalia (Wolkenfern) eine geographische Erweiterung ihrer Geschichte. Dominika, die zu Beginn des Romans nach einem Unfall achtzehnjährig aus dem Koma erwacht, verbringt zunächst einige Zeit in Deutschland und reist dann in die USA, um längere Zeit in New York zu leben. Es folgen Stationen in London und Griechenland. Die Verbindung zu Polen bleibt durch den Kontakt zu ihrer Mutter Jadzia lebendig, doch ein Großteil der Handlung spielt außerhalb der Heimat der Autorin. Auch Japan wird in einem Nebenstrang der Handlung ins Spiel gebracht. Neben der Entwicklung Dominikas als junge Frau stehen die Familiengeschichte ihrer in Deutschland lebenden Freundin Grażynka, der amerikanischen Krankenschwester Sara Jackson und vieler anderer Personen im Mittelpunkt, denen Dominika auf ihrer Wanderschaft begegnet. Durch ihre ausgiebigen Reisen setzt Dominika gewissermaßen die Suche nach der in Sandberg bereits entwickelten Utopie eines Phantasielandes namens „Wolkenfern“ in die Tat um und kann so den „Sandberg“ hinter sich lassen.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joanna Bator, in: Internationales Biographisches Archiv 13/2014 vom 25. März 2014, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • Agnieszka Jezierska: Ungeliebte Töchter – gebrochene Matrilinearität in Joanna Bators Dilogie „Sandberg und Wolkenfern“, in: Ost-westlicher Dialog – Dialog Wschodu i Zachodu: Polnische Woche – Tydzień polski, Saarbrücken 2015, S. 11–24 (PDF, auch als Druck lieferbar)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gazeta Wyborcza #275, 24./25. November 2012, S. 21 (pol.).
  2. Iris Radisch: Schriftstellerin Joanna Bator: Gesumm im Bienenkorb. In: Die Zeit. 17. Dezember 2013, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 24. Juli 2019]).
  3. Zeit Literatur, November 2013, S. 18.
  4. Joanna Bator. Walter Benjamin Kolleg der Universität Bern, 2018, abgerufen am 13. Dezember 2018.
  5. Zeit Literatur, November 2013, S. 18.
  6. Rezension: Die Republik der Frauen misst vierzig Quadratmeter. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Juni 2011, S. 34.
  7. Napoleons Nachttopf. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Dezember 2013, S. 37.
  8. Spycher: Literaturpreis Leuk 2014 an Joanna Bator. www.buchmarkt.de, 18. Juni 2014, abgerufen am 13. Dezember 2018.