Jochen Stay

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Jochen Stay (2014)

Jochen Stay (* 1965 in Mannheim) ist ein deutscher Umweltaktivist, Friedensaktivist und Publizist. Seit 2008 ist er Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt.

Politische Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedensbewegung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jochen Stay ist seit 1980 außerparlamentarisch politisch aktiv, zunächst in der Südafrika- und Nicaragua-Solidaritätsaktion, ehe er zur Friedensbewegung stößt. Von 1985 bis 1988 ist er an den Blockadeaktionen gegen die Stationierung von US-amerikanischen Pershing 2-Raketen in Mutlangen beteiligt. Noch während seines Studiums der Germanistik und Politik an der Uni Mannheim (1988, abgebrochen 1992) ist er fünf Jahre lang Koordinationsredakteur der gewaltfrei-anarchistischen Monatszeitung Graswurzelrevolution (1990 bis 1995). Über den Widerstand gegen die geplante Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf[1] gelangt er zur Anti-Atomkraft-Bewegung in Deutschland.

Castor-Proteste im Wendland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1992 ist Stay vor allem aktiv im wendländischen Widerstand gegen die Castor-Transporte nach Gorleben. 1996 bis 2008 ist er Sprecher der Initiative X-tausendmal quer, einer der damals größten Gruppen innerhalb der deutschen Anti-Atom-Bewegung. Als Symbol in der Auseinandersetzung um Atommüll und Atomkraft propagiert die Initiative den "zivilen Ungehorsam" als Aktionsform gegen die staatliche Atompolitik. Das von Stay mitentwickelte Mobilisierungs- und Blockadekonzept führt zu den größten und langanhaltendsten Sitzblockade-Aktionen in der Geschichte der Anti-Atom-Bewegung; die Castor-Transporte werden durch die Protestaktionen teilweise mehrere Stunden aufgehalten; zugleich erhielten sie erhöhte mediale Aufmerksamkeit.[2][3]

Sprecher von .ausgestrahlt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2008 ist Stay einer der führenden Köpfe der Nichtregierungsorganisation.ausgestrahlt

Sonstige Stationen, Tätigkeiten, Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stay ist von 1995 bis 2011 bei allen 13 Castor-Transporten nach Gorleben einer der Haupt-Koordinatoren des Widerstands. 2000 bis 2001 sowie 2003 bis 2004 ist er Vorstandsmitglied der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg, von 2001 bis 2002 Öffentlichkeitsreferent bei der Umweltschutzorganisation Robin Wood. 2006 initiiert er die Kampagne „Atomausstieg selber machen“, mit der alle großen Umweltverbände zum Wechsel des Stromanbieters aufrufen.[4] Von 2002 bis 2010 wird Stay über die Bewegungsstiftung als Bewegungsarbeiter unterstützt. Von 2005 bis 2010 ist er Berater für die geförderten Projekte der Bewegungsstiftung. Stay ist von 2002 bis 2005 und wieder seit 2013 Vertreter der geförderten Projekte im Stiftungsrat. 2010 erhält er den „Utopia Award“ in der Kategorie „Vorbilder“.[5] 2015 erhält Stay die Auszeichnung „Stromrebell des Jahres“ von den Elektrizitätswerke Schönau.[6] In Basel wurde Jochen Stay am 15. September 2017 der Preis „Nuclear-Free Future Award“ in der Kategorie „Besondere Anerkennung“ verliehen.[7]

Publizistische Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stay schreibt Artikel zum Thema Atomkraft und Atommüll, u. a. für taz, jungle world, Blätter für deutsche und internationale Politik[8][9] sowie zahlreiche Bewegungs-Publikationen; des Weiteren erschienen Gastbeiträge von ihm in der Süddeutschen Zeitung, die Welt, Frankfurter Rundschau, Tagesspiegel. Stay war Gast in den TV-Talkshows Maybrit Illner, Roche & Böhmermann und Leo Busch.[10][11][12]

1994 gründete er den Verlag „Tolstefanz – wendländisches Verlagsprojekt“ und gab in den Folgejahren drei Bildbände sowie viele weitere Publikationen über den Castor-Widerstand und die Anti-Atom-Bewegung heraus.[13]

Ingewahrsamnahme 2001[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Aufsehen sorgte die dreitägige Polizeigewahrsamnahme von Jochen Stay im Vorfeld des Castortransportes nach Gorleben 2001. Laut Aussage der Polizei wollte man mit dieser Maßnahme „die bevorstehende Begehung oder Fortsetzung einer Straftat“ verhindern. Stay hatte, so die Begründung weiter, als „Hauptinitiator“ der Aktion X-tausendmal-quer „zum Landfriedensbruch (§ 125 StGB) aufgerufen“ sowie „mehrfach zu Straftaten aufgerufen“. Streitpunkt war seine Rede anlässlich einer Demonstration im Vorfeld des Castor-Transports in Lüneburg am 24. März zur Teilnahme an Sitzblockaden. Das Oberlandesgericht Celle erklärte die Ingewahrsamnahme rückwirkend für rechtswidrig. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass der „Inhalt von Stays Rede (...) nur auszugsweise und aus dem Zusammenhang gerissen wiedergegeben“ wurde und nach genauerer Prüfung das „wiedergegebene Redezitat den Tatbestand des Aufrufs zum Landfriedensbruch nicht erfüllt“.[14]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Castor-das Buch: Bilder vom Widerstand gegen den Castor-Transport nach Gorleben 1994/95, herausgegeben von Katja Tempel und Jochen Stay, ISBN 3-928117-05-X.
  • Wir stellen uns quer, Bilder vom Widerstand gegen Castor-Transporte; Castor-Buch 2, herausgegeben von Katja Tempel und Jochen Stay, ISBN 3-932270-01-0.
  • Gorleben lebt!: Bilder vom Widerstand gegen die Castor-Transporte nach Gorleben; Castor-Buch 3, herausgegeben von Katja Tempel und Jochen Stay, ISBN 3-932270-10-X.
  • Einstieg oder Ausstieg?: Fragen und Antworten zum „Atomkonsens“. Tolstefanz Wendländisches Verlagsprojekt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Widerstand in Wackersdorf – Interview mit Jochen Stay – (YouTube ca. 6 Min., 23. Januar 2014).
  2. Gedächtnis der Nation: Gegen Atomtransporte Youtube-Video vom 23. Januar 2014, ca. 4 Minuten.
  3. Gedächtnis der Nation: Blockade gegen Castortransporte Youtube-Video vom 23. Januar 2014, ca. 10 Minuten.
  4. atomausstieg-selber-machen.de
  5. Archivlink (Memento des Originals vom 13. April 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/utopia.de
  6. ews-schoenau.de
  7. Frankfurter Rundschau: Atomkraft: Jochen Stay erhält „Nuclear Free Award“. In: Frankfurter Rundschau. (fr.de [abgerufen am 10. Oktober 2017]).
  8. Texte Jochen Stay Webarchiv jungle world, aufgerufen am 26. Mai 2015.
  9. Texte Jochen Stay Webarchiv Blätter für dt. und internationale Politik, aufgerufen am 28. Mai 2015.
  10. Talkshow Roche & Böhmermann „Jochen Stay“ Youtube-Film der Sendung vom 15. September 2012.
  11. Talkshow May-Britt Illner „Atomkrieger“ Youtube-Mitschnitt der Sendung vom November 2010.
  12. Talkshow Leo Busch „Showdown in Gorleben“ Sendung vom 5. November 2010.
  13. tolstefanz-verlag.de
  14. Gorleben Rundschau: Ingewahrsamnahme von Jochen Stay juristisch fraglich Artikel vom November 2001