Jodeln

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Jodeln ist Singen ohne Text auf sinnfreie Silben; manche Definitionen verlangen zusätzlich das häufige Umschlagen zwischen Brust- und Falsettstimme (Registerwechsel). Das davon abgeleitete Wort Jodler bedeutet entweder „was geschieht, wenn jemand jodelt“ (Nomen Actionis) oder es bezeichnet „einen Menschen, der jodelt“ (Nomen Agentis). In der Schweiz heißt das gejodelte Musikstück Jodel.

Häufige Merkmale des Jodelns sind große Intervallsprünge und weiter Tonumfang.

Nicht zu verwechseln ist der Jodler mit dem Juchitzer (Juchzer), dem Jodelruf, dem Betruf, dem Almschrei (Verständigungsruf zwischen benachbarten Almhütten), dem Viehlockruf und dem Kuhreihen, wenngleich es Überschneidungen gibt. Im Unterschied zum Juchzer und zum Ruf hat der Jodler eine komplexere Form mit mehreren Takten und Harmoniewechseln.

Ursprünge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Joseph Ratzinger (in Bayern aufgewachsen) vermutet, der bedeutende Theologe Augustinus von Hippo habe das Jodeln gemeint, als er vom Jubilus schrieb, einer „Form wortlosen Rufens, Schreiens oder Singens“, das „wortlose Ausströmen einer Freude, die so groß ist, dass sie alle Worte zerbricht.“ Jubili hießen später auch rituell festgelegte Melismen des Gregorianischen Chorals.

Das Jodeln soll den zahlreichen Vermutungen nach vom Jauchzen, Kuhreihen, Viehlockruf, Rufen der Holzfäller und Salzflößer, vom Echo, von der Imitation von Blasinstrumenten oder von schamanischen Praktiken abgeleitet sein. Musikalisch-stilistisch stammen die uns überlieferten Jodelmelodien aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert: moderne Funktionsharmonik, meist achttaktige Ländler- oder 16-taktige Walzer-Form.

Die frühesten Belege für das Wort Jodeln stammen aus dem deutschsprachigen Donauraum im 17. und 18. Jahrhundert. Jodeln bedeutete ursprünglich grobschlächtiges Benehmen, jauchzen, Menschen und Tiere rufen sowie Raufhändel provozieren. Das Wort Jodeln hatte also ursprünglich noch keine musikalische Bedeutung. Nur in diesem ursprünglichen, nicht musikalischen Sinn des Wortes kann man sagen, dass die "Ursprünge des Jodelns" auf vorgeschichtliche Zeiten zurückgehen: Rufend verständigten sich Jäger und Sammler, Hirten und Krieger. Die Musikalisierung und Alpinisierung des Begriffes Jodeln ist ein Werk der Kulturjournalisten in der Jodelmode, die in den 1810er Jahren begann, Berlin, Wien, Paris und London erfasste, zahlreiche Alpensänger auf deutsche und internationale Bühnen brachte und namhafte Komponisten zur Komposition von Jodelliedern animierte. Damals bekam das Wort jodeln seine heutige Bedeutung – vielleicht irrtümlicher Weise. Einige der zahlreichen Synonyme wie dudeln, ludeln, rugusen, zauren, juuzen, jolen, almen und hegatzen kommen schon früher als das Wort jodeln in vokalmusikalischer Bedeutung in Druckwerken vor, am frühesten das Wort dudeln. In den wichtigsten Jodel-Traditionslandschaften sind diese Ausdrücke nach wie vor im Gebrauch, konnte das Wort jodeln bis heute nicht die ursprünglichen Bezeichnungen verdrängen.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Jodeln ist im deutsch- und französischsprachigen Alpenraum heimisch, außerhalb der Alpen im Harz und Thüringer Wald, im oberösterreichischen Innviertel ("almern"), im Mühlviertel und im Bayerischen Wald ("Arien singen").

Gesänge mit sinnfreien Silben oder mit Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme existieren auch bei den afrikanischen Pygmäen (mokombi), bei den Eskimos, im Kaukasus, in Melanesien, in Palästina, China, Thailand und Kambodscha, in den USA, Spanien (alalá), in Sápmi (Lappland) (joik, auch juoigan), in Schweden (kulning, auch kölning, kaukning), Polen, Slowakei, Rumänien, Georgien (krimanchuli), Bulgarien. Davon stammt allein das amerikanische Yodelling von den Alpensängern ab. Ob man die anderen Gesänge, die mit dem mitteleuropäischen Jodeln in keinem kulturhistorischen Zusammenhang stehen, "jodeln" nennen sollte, ist umstritten.

Der Jodler ist heute oft auch im Rahmen der volkstümlichen Musik zu hören. Zu den bekanntesten bayerischen Interpreten gehört der „Jodelkönig“ Franzl Lang.[1] Im Harz finden jährlich Jodlerwettstreite in Clausthal-Zellerfeld, Altenbrak und Hesserode statt. Jodeln gehört bis heute im Harz zur regionaltypischen Folklore. Auch im Erzgebirge, im Thüringer Wald und im Thüringer Schiefergebirge spielt es eine wichtige Rolle im musikalischen Brauchtum.

Den Weltrekord im (Dauer-)Jodeln hält die Bayerin Andrea Wittmann mit 15 Stunden 11 Sekunden.[2] Einen weiteren Weltrekord hält der Schweizer Peter Hinnen: 1992 erhielt er einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde, als er mit 22 Jodel-Tönen in einer einzigen Sekunde den Weltrekord im Schnelljodeln aufstellte. Den Sprung in die Schweizer Hitparade schafften 2008 Oesch’s die Dritten, nicht zuletzt dank dem stimmakrobatischen „Ku-Ku Jodel“ von Peter Hinnen.[3]

Alpenländisches Jodeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im alpenländischen Volkslied wurde der Jodler zum Jodel-Lied weiterentwickelt, indem an ein Lied ein Jodler angehängt wurde. Hierbei unterscheidet man auch zwischen dem gesungenen Jodler – der nur in Bruststimme und meistens nur in kurzen Sequenzen zwischen den Liedversen gesungen wird – und dem geschlagenen Jodler, bei dem Brust- und Falsettstimme häufig und kunstvoll wechseln. Geschlagene Jodler können sehr lang sein und verlangen regelrechte Stimmakrobatik.

Die meisten Jodel-Lieder sind mehrstimmig, Jodler scheinen häufig als Kehr- und Schluss-Refrain von Volksliedern auf. Besonders in der Schweiz, teilweise auch im übrigen alpenländischen Raum hat sich im 19. Jahrhundert eine Pflege des Jodlers in Chören entwickelt. Auch die kirchliche, sakrale Volksmusiktradition, etwa in Südtirol, kennt ein- oder mehrstimmige Jodler. Das bekannteste Beispiel dürfte der seit 1830 überlieferte Andachtsjodler sein, der heute zumeist als Dreigesang oder chorisch gesungen wird. Und auch instrumentale Jodler werden von Kleingruppen gespielt.

Lokale Bezeichnungen sind Wullaza (Steiermark), Almer (Oberösterreich), Dudler (Niederösterreich und Wien),[4] Gallnen (Oberbayern), Ari (Bayerischer Wald), Roller (Oberharz), Zäuerli oder Ruggusseli (Appenzellerland), Naturjutz (Muotathal, Ybrig und Schwyz), Juchzer und andere.

Die wohl umfangreichste Jodlersammlung wurde im Jahr 1902 von Josef Pommer veröffentlicht: 444 Jodler und Juchezer.

Jodeln weltweit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch außerhalb des europäischen Alpenraums und der damit typischerweise assoziierten Musik wurde und wird das Jodeln als Stilmittel eingesetzt, dem US-amerikanischen DJ und „Jodelforscher“ Bart Plantenga zufolge in fast dreißig verschiedenen Musikrichtungen.[5]

The Old Chisholm Trail

Insbesondere in den USA und Australien hatte das Jodeln im Bereich der Country-Musik einen großen Stellenwert. Nachdem es bereits Anfang des 19. Jahrhunderts in den Appalachen zu ersten Verbindungen zwischen alpenländischem Jodeln und anglo-amerikanischen Traditionen gekommen war, wurde in den 1930er-Jahren durch Gastspiele österreichischer und Schweizer Künstler erstmals das Interesse einer breiteren Öffentlichkeit am Jodeln geweckt.[6] Zunehmend kam es auch zu Auftritten amerikanischer Künstler in diesem Stil. Gleichzeitig entstand im Bereich umherziehender Vaudeville- und Minstrel-Shows unter dem Eindruck afroamerikanischer Traditionen ein neuer Jodel-Stil, der auch vom Blues beeinflusst wurde. Dies wurde von weißen Old Time-Musikern aufgegriffen, 1924 veröffentlichte der Gitarrist Riley Puckett einen (damals sogenannten) „Hillbilly“-Song mit Jodlern. Der amerikanische Country-Sänger Jimmie Rodgers entwickelte 1927 das Blue Yodeling, wobei er Elemente des Blues und traditioneller weißer Musik mit Jodlern anreicherte. Sein erster Hit T for Texas (Blue Yodel) zog zahlreiche Nachfolger mit sich und inspirierte unzählige Musiker, die ihm nacheiferten.

Daneben stellt das Jodeln auch heute noch einen wichtigen Bestandteil der Western Music dar, unterscheidet sich dort jedoch deutlich von den Darbietungen im Bereich Country.

Im Jazz war Leon Thomas ein herausragender Vertreter. Er setzte das Jodeln als Stilmittel beim Scat ein und griff dabei auf ur-afrikanische Einflüsse wie dem Gesang der Pygmäen zurück, mit deren Gesangstraditionen er sich intensiv beschäftigt hatte.[7] Wegweisend war in diesem Zusammenhang seine Zusammenarbeit mit Pharoah Sanders bei The Creator Has a Master Plan (1969).

Jodeln und Neue Volksmusik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeitgenössische Jodelkünstler, die das Jodeln mit der Neuen Volksmusik verbinden, sind z. B. die Schweizerinnen Christine Lauterburg, Christina Zurbrügg und der Deutsche Thomas Hauser.[4]

Kurioses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Loriot hat mit seinem Sketch „die Jodelschule“ und dem Begriff des Jodeldiploms die Neigung mancher Deutschen karikiert, auch noch das Spaßigste ernstzunehmen und systematische Regeln dafür zu erarbeiten.

Klassisches und Weihnachtliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Richard Strauss hat in seiner Oper Arabella für die Rolle der Fiakermilli einige nahezu unsingbare Jodler komponiert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Jodeln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: jodeln – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franzl Lang – Einen Jodler hör i gern auf YouTube
  2. Truchtlachingerin jodelt sich in Seebruck zum Weltrekord. In: Passauer Neue Presse, 8. April 2016
  3. Oesch's die Dritten - Ku-Ku Jodel, hitparade.ch
  4. a b Bettina Mittelstraß: Esperanto der Berge - Vom Jodeln, Jauchzen und Juchzen in: Deutschlandfunk, Musikszene, 30. Oktober 2011
  5. Bart Plantenga: Yodel-ay-ee-oooo: The secret history of yodeling around the world. Routledge, 2004, ISBN 978-0-415-93990-4, S. 6.
  6. DIEPRESSE.COM, Zeitung vom 24. Februar 2013: Konzertreise der Rainer Family aus dem Zillertal 1839 bis 1843.
  7. Plantenga, S. 241, 250.