Joh. Eggers Sohn

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Die Firma Joh. Eggers Sohn ist ein traditionsreiches Handelsunternehmen für Wein und Spirituosen mit Sitz in Bremen.

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Firma wurde 1773 von Johann Michael Loebelein gegründet und ab 1777 von Johann Eggers (1747–1819) in seinem Namen fortgeführt, der 1775, nach dem frühen Tode Loebeleins, dessen noch junge Witwe Anna Maria Loebelein geb. Ficke geheiratet hatte.[1] Johann Eggers war als Sohn des Landwirtes Johann Hinrich Eggers aus Barmbeck ohne Aussicht auf den vom Vater bewirtschafteten Betrieb 1767 nach Bremen gekommen und hatte einige Jahre in der 1692 gegründeten Weinhandlung Johann Nonnen & Co. gearbeitet, die heutige Weinhandlung Ludwig von Kapff.[2] 1778 zog das Geschäft von der Wachtstraße in die Schlachte Nr. 7 um. Dort wurde auch eine Weinschänke betrieben.

Bremen war schon im 17. Jahrhundert eine Hochburg des Weinhandels. Es wurde in der Hansestadt mit französischen Rotweinen, vornehmlich aus Bordeaux, gehandelt. Der Wein kam auf dem Seeweg nach Bremen und wurde von hier aus ins Binnenland versandt.

Um 1800 erreichte das von Johann Eggers importierte Volumen erstmals die 50.000-Liter-Marke. In der Bremer Franzosenzeit des Départements des Bouches du Weser hatte der Betrieb Schwierigkeiten zu überstehen.

Nach dem Tod Johann Eggers führten Familienmitglieder die Weinhandlung fort, von 1826 an als Firma Joh. Eggers Söhne. Ab 1840 war auch das Packhaus Martinistraße Nr. 34. im Besitz der Weinhandlung. Nach der Aufnahme von Teilhabern führte der Betrieb den Namen Joh. Eggers Sohn & Co.

Vom Handel zum Großhandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Enkel des Firmengründers war der gleichnamige Johann Eggers (1831–1881). Er nahm im öffentlichen Leben eine bedeutende Rolle wahr, als Diakon am Bremer Dom, Mitglied der Direktion der Sparkasse Bremen, beim St.-Petri-Waisenhaus, Mitglied der Bremischen Bürgerschaft und Vizepräses bzw. Präses der Handelskammer Bremen.

Nach 1866 unterhielt die Firma auch in Verden ein Weinlager, auf Grund der Problematik im Zollverein, da Hamburg und Bremen bis 1888 als Freihäfen zunächst noch außerhalb des Zollgebietes blieben. 1888 richtete die Firma den Weinspeicher im Freihafen (Europahafen) ein und schloss deshalb das Lager in Verden. 1883 gab sie die Weinschänke und den Kleinhandel auf. Der Spirituosenhandel unter anderem mit Rum und Weinbrand wurde ausgebaut. Die Firmenstandorte wechselten in den nächsten hundert Jahren häufiger: 1888 erfolgte der Verkauf der Häuser an der Schlachte Nr. 7; Kontor und Lager wurden Am Deich Nr. 38 betrieben.

20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1900 erreichten die eingeführten weißen und besonders roten Chile-Weine über 50.000 Liter. Kalifornische Weine und Weine aus China, Australien und den USA kamen in das Sortiment. Eggers setzte durch Importe aus neuen Anbaugebieten auf die Vielfalt.

Durch den Ersten Weltkrieg geriet auch dieses Unternehmen in erhebliche Schwierigkeiten, da es von den internationalen Weinimporteuren abgeschnitten war. Seit 1924 verbesserte sich die Lage, konnte von 1929 bis 1931 die Weltwirtschaftskrise überstehen und hatte in den 1930er Jahren eine positive Entwicklung. 1928 wurde der Standort Am Deich aufgegeben und das Gebäude Schlachte Nr. 39 / Langenstraße Nr. 75 war das Firmendomizil. Danach zog der Betrieb wieder in den Freihafen. 1935 erfolgte die Einstellung des privaten Versandgeschäfts. Auch der Vertrieb von deutschen Weinen erfolgte nicht mehr. Ein Stadtlager in der Leinenstraße in der Neustadt wurde eingerichtet.

Der Zweite Weltkrieg brachte es mit sich, dass nur noch Weine aus den besetzten Gebieten importiert werden konnten. Die Betriebsanlagen wurden von 1942 bis 1944 durch Bomben zerstört und nur wenige Lagerbestände konnten gerettet werden. Ein Neuanfang erfolgte zunächst in den Büros an der Parkallee, dann in der Schwachhauser Heerstraße Nr. 33 und danach in der Ellhornstraße Nr. 33 sowie in einem Speicher im Europahafen.

1957/58 wurden an der Getreidestraße Nr. 16 Büros und Lager zusammengefasst. Selbst wenn das Ambiente in der Getreidestraße wenig Weinromantik ausstrahlte, waren die Weinproben bei Eggers beliebt. 1959 begann das Unternehmen mit der Eigenproduktion von Spirituosen. Diese Eigenproduktion wurde aber bereits 1963 aus steuerlichen Gründen nach Berlin zur Regis-Spirituosen GmbH & Co. KG verlegt. Der Markt erforderte es, dass Eggers nun verstärkt mit Qualitätsweinen und Marktspirituosen handelte.

Eggers arbeitete um 2000 mit 21 Handelsvertretern zusammen. Der Jahresumsatz lag dabei bei rund 15 Millionen Euro und es wurden 60 Mitarbeiter beschäftigt.[3]

EggersSohn aktuell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2002 musste Joh. Eggers Sohn Insolvenz anmelden. Wenige Monate später erwarb Eggers & Franke die Namens- und Markenrechte und baute ein Weinhandelsunternehmen auf mit einem qualitätsbezogenen Sortiment.

Heute ist EggersSohn Teil der Eggers & Franke Gruppe, unter deren Dach sich die Bremer Weinhändler Eggers & Franke, Reidemeister & Ulrichs, Ludwig von Kapff, Ruyter & Ast und Eggers Sohn vereint haben. Das Unternehmen firmiert aktuell als Joh. Eggers Sohn GmbH im Speicher I (Konsul-Smidt-Straße) in der Überseestadt in Bremen. Es vertreibt über 300 Weine und Spirituosen an Gastronomie und Fachhandel und arbeitet deutschlandweit mit verschiedenen Handelsvertretern zusammen.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Müller, Hartmut Dr., "200 Jahre Joh. Eggers Sohn & Co., Festschrift aus dem Jahre 1973, Staatsarchiv Bremen
  2. Hans Dreckmann, Henny Wiepking, Werner Lüdemann: Barmbek. Vom Dorf zur Großstadt. Ein Heimatbuch. Dammtor Verlag, Hamburg 1965, Seite 68.
  3. Siegrid Schuer: Mehr als 200 Jahre Bremer Weintradition. In: Welt-online vom 18. März 2003
  4. Angaben der Geschäftsleitung