Johann-Dietrich Wörner

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Johann-Dietrich Wörner (2007)
Gespräch von Henning Krause mit Jan Wörner anlässlich seines Antritts als ESA-Generaldirektor.[1]

Johann-Dietrich „Jan“ Wörner (* 18. Juli 1954 in Kassel) ist ein deutscher Bauingenieur, Hochschullehrer und ehemaliger Universitätspräsident der TU Darmstadt. 2007 bis 2015 war er Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Seit dem 1. Juli 2015 ist er der Nachfolger von Jean-Jacques Dordain als Generaldirektor bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wörner studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Berlin und der Technischen Hochschule Darmstadt (heute Technische Universität Darmstadt). Im Rahmen eines Forschungsaufenthalts zum Thema Erdbebensicherheit ging er 1982 für ein Jahr nach Japan. 1985 promovierte er mit einem Beitrag zur realistischen Beschreibung der Komponenten-Bauwerk-Wechselwirkung bei Erdbeben.[2] Bis 1990 arbeitete Wörner für das Ingenieurbüro König und Heunisch, Frankfurt. 1990 wurde er an die Technische Hochschule Darmstadt berufen und war dort bis 1995 Professor (C3) für Massivbau und Leiter der Prüf- und Versuchsanstalt. 1994 gründete er das Ingenieurbüro Wörner und Partner. Von 1992 bis 1994 war Wörner Dekan des Fachbereichs Bauingenieurwesen, ab 1993 zudem Technischer Leiter des Instituts für Konstruktiven Glasbau, Gelsenkirchen. 1994 wurde er zum Prüfingenieur für Baustatik und Massivbau ernannt. 1995 folgte eine Professur (C4) für Statik an der TH Darmstadt.

Am 28. Juni 1995 wurde er vom Konvent der damaligen TH Darmstadt zum Präsidenten gewählt; vom 24. Juli 1995 bis zum 28. Februar 2007 leitete Wörner die Universität. Er erreichte für die TU Darmstadt eine bislang einzigartige Unabhängigkeit vom Land Hessen. Seit 2005 ist die südhessische Universität die erste autonome Universität der Bundesrepublik Deutschland mit weitgehenden Freiheitsrechten der Selbstverwaltung.

2002 wurde Wörner zum stellvertretenden Sprecher der Universitäten in der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) gewählt, 2003 wurde er Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Technischen Universitäten und Hochschulen Deutschlands, ARGE TU/TH. 2003 war er Mitglied der Arbeitsgruppe „Ranking“ des Wissenschaftsrates und übernahm die kommissarische Vertretung der Professur „Statik der Hochbaukonstruktionen, Fachbereich Architektur“. 2004 war Wörner Mitglied der Arbeitsgruppe "Universitäten" des Wissenschaftsrates.

Er war vom 1. März 2007 bis 30. Juni 2015 Vorstandsvorsitzender des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Seit Februar 2011 ist er von der Landesregierung Baden-Württembergs als Schlichter für das Bahnprojekt Stuttgart 21 eingesetzt. Zuvor hatte Wörner bereits im Rahmen des Frankfurter Flughafenausbaus vermittelt.[3]

Seit dem 1. Juli 2015 hat Wörner das Amt des Generaldirektors der ESA für vier Jahre übernommen, mit Amtssitz in Paris.[4]

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dessen Gründung im Jahr 2000 leitet Wörner das Regionale Dialogforum Flughafen Frankfurt, das sich mit der zukünftigen Entwicklung des Frankfurter Flughafens beschäftigt. Er ist ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (2002). Seit 2002 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina (Sektion Technikwissenschaften)[5], 2006 wurde er zum Mitglied des Senats gewählt (Obmann). Er ist Mitglied des Hochschulrates der École Centrale de Paris (2000) und der École Centrale de Lyon (2005). Außerdem ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften Deutschen Akademie der Technikwissenschaften acatech und des Aufsichtsrats der Röhm GmbH. Zudem ist er Beiratsmitglied des Chinesisch-Deutschen Hochschulkollegs an der Tongji-Universität Shanghai, des CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) und Präsident des europäischen Netzwerks technischer Universitäten CESAER. Von der Bundesregierung ist Wörner in die „Projektgruppe Energiepolitisches Programm“ (PEPP) berufen worden. Von 2002 bis zu seiner Berufung als Vorstandsvorsitzender des DLR war Wörner Mitglied des Senats des DLR. 2007 wurde er zum Ehrenmitglied von CLUSTER gewählt. Ebenfalls 2007 wurde er zum Vizepräsidenten der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) und zum stellvertretenden Vorsitzenden des ESA-Rats gewählt. Seit 2008 ist Wörner Mitglied des Technologie- und Innovationsrates des Landes Berlin (TIR).

Er ist Herausgeber des Beton-Kalenders.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wörner erhielt die Ehrendoktorwürde der State University of New York (1998), der Technischen Universität Moldawien (1999), der Technischen Universität Bukarest (2000), der Universität St. Petersburg für Wirtschaft und Finanzen (2000), der École Centrale de Lyon (2003) und der Technischen Universität der Mongolei (2005).

1988 wurde Wörner mit dem Preis der Vereinigung von Freunden der Technischen Hochschule Darmstadt für „hervorragende wissenschaftliche Leistungen“ geehrt. 2007 erhielt er die Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Wissenschaftsstadt Darmstadt. 2007 wurde ihm die Fraunhofer-Medaille verliehen.

2016 wurde Wörner mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.[6]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johann-Dietrich Wörner – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Resonator-Podcast der Helmholtz-Gemeinschaft: Raumfahrer Jan Wörner (Folge 63, 1. Juli 2015)
  2. Publikationen 1979-1990
  3. Arnold Rieger: Neuer Schlichter will Runden Tisch. In: Stuttgarter Nachrichten. 1. Februar 2011, abgerufen am 13. Januar 2014.
  4. Mitteilung der ESA, 18. Dezember 2014
  5. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 20. Juli 2016.
  6. Bundesverdienstkreuz für Prof. Johann-Dietrich Wörner. BMWi, 26. Februar 2016, abgerufen am 27. Februar 2016.