Johann-Markus Oestreich

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Johann-Markus Oestreich (* 1738 in Oberbimbach[1]; † 1833 ebenda) war ein deutscher Orgelbauer der Barockzeit und des Klassizismus, der vorwiegend im Fuldaer Land, in Franken, Thüringen und Westfalen ein- und zweimanualige Orgeln baute.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die in Kämmerzell geborenen Vorfahren von Johann-Markus Oestreich waren der um 1650 geborene und 1717 in Oberbimbach verstorbene Michael Oestreich, sein Großvater Conrad Oestreich, der 1681 in Kämmerzell geboren wurde und gleichfalls in Oberbimbach 1737 verstarb, und sein Vater Jodocus (Jost) Oestreich (1715–1790), der spätestens ab 1745 auch als Orgelbauer in Erscheinung trat.[2]

Er selbst unterzeichnete mit „Johannes Oestreich“ und war bedeutendster Vertreter dieser Orgelbauerfamilie, die über fünf Generationen wirkte.[3] Im Jahr 1762 heiratete er Margarete Hosenfeld († 1769). Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor: Eva Elisabeth (* 1763), Johann Georg (* 1764; früh gestorben), Anna Maria (* 1766) und Elisabeth (* 1766). In zweiter Ehe war Oestreich mit Agnes Schmitt (* 1746 in Oberbimbach) verheiratet und hatte mit ihr folgende Kinder: Johann Georg (* 1770), Valtin (* 1772), Johann Adam (* 1776), Maria Barbara (* 1778), Elisabeth (* 1780), Kaspar (* 1782), Anna Regina (* 1784), Anna Katharina (* 1787) und Johann Adam (* 1792).[4]

Oestreich lebte und wirkte vorwiegend in Oberbimbach. Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts hielt er sich einige Jahre in Westfalen auf, als infolge der Säkularisation des Fürstbistums Fulda die Aufträge zurückgingen. Anschließend kehrte er ins Fuldaer Land zurück.[5]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgeln Oestreichs zeichnen sich durch eine solide Bauweise aus. Charakteristisch sind die breitflächigen Prospekte, die bis zu 15 Pfeifenfelder aufweisen. Das fünfteilige Mittelfeld präsentiert das Positiv, dem sich zu beiden Seiten das geteilte Hauptwerk mit Harfenfeldern anschließt. Das Pedalwerk ist hinterständig aufgestellt. Vermutet wird ein Einfluss von Philipp Ernst Wegmann.[6] Die Prinzipale klingen weniger mild, sondern eher etwas herbe und „rustikal“. Typisch für Oestreich ist die Verbindung von Gedackt, Gambe und Traversflöte in der Acht-Fuß-Lage.[7]

Von Johann-Markus Oestreich erhaltene Orgeln befinden sich unter anderem in St. Martinus in Bigge (1784), in der evangelischen Kirche in Nieder-Moos (1791) und in der evangelisch-reformierten Erlöserkirche am Markt in Detmold (1795).

Werkliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Anmerkungen
1760 Dietershausen St. Bartholomäus zusammen mit Jost Oestreich; nicht erhalten
1767 Rasdorf Stiftskirche II/P 19 zusammen mit Jost Oestreich ursprünglich für die Stadtpfarrkirche in Fulda erbaut; 1837 überführt und 1950 umgebaut
1767–1768 Lauterbach (Hessen) Stadtkirche Lauterbach Stadtkirche 371.JPG II/P 24 Mitarbeit bei Philipp Ernst Wegmann oder Ausführung; Prospekt erhalten
1769 Eckweisbach St. Michael nicht erhalten
1772 Haindorf (Schmalkalden) Dorfkirche II/P 12 ? teilweise erhalten
1780 Kleinsassen Kath. Pfarrkirche I/P 12 einige Register erhalten
1781 Hosenfeld St. Peter und Paul I/P 12 nicht erhalten
1782 Großenlüder St. Georg Grossenlueder Grossenlueder kath Kirche organ if.png II/P 23 Gehäuse erhalten
1784 Margretenhaun kath. Pfarrkirche I/P 13 1974 Pfeifenwerk in Neubau von Hey übernommen
1785 Rückers (Flieden) Mariä Himmelfahrt I/P 10 nicht erhalten
1783–1789 Bigge (Olsberg) St. Martin Kirche St. Martin Bigge-Orgel.jpg II/P 23 Gehäuse erhalten[8]
1789 Floh-Seligenthal Floher Kirche II/P 26 weitgehend erhalten[3]
1789 Altenschlirf Evangelische Kirche
Herbstein Altenschlirf Protestant Church Organ if.png
Gehäuse erhalten
1790–1791 Nieder-Moos Evangelische Kirche Nieder-Moos Orgel Totale.jpg II/P 22 nahezu unverändert erhalten → Orgel der Evangelischen Kirche Nieder-Moos
1793 Stadtlengsfeld Evangelische Kirche Orgel Stadtlengsfeld.jpg II/P 30 zum großen Teil erhalten
1796 Kranlucken Heiligste Dreifaltigkeit I/P 12 Prospekt und Reste erhalten
1791–1796 Detmold Erlöserkirche Detmold - Erlöserkirche - Orgel.jpg II/P 32 4 Register aus Vorgängerorgel von C. Lohoff (1651) übernommen; 1940 und 1962 erweitert (heute III/P/41); 21 Register vollständig erhalten[9]
1798–1799 Fraurombach Evangelische Kirche Fraurombach Ev. Kirche 04.JPG I/P 10 oder von Johann Adam Oestreich; 1869 Umbau durch Adam Eifert; zum großen Teil erhalten[10]
um 1800 Bremen bei Geisa Kath. Kirche St. Jakobus d.Ä. I/P 12 zum großen Teil erhalten[11], wurde 2002 von Orgelbau Waltershausen GmbH restauriert.
um 1800 Brakel Kapuzinerkirche I/p 8 mehrfach umgebaut, 1985 auf II/P/18 erweitert; 7 Register erhalten
um 1800 Eiterfeld kath. Pfarrkirche I/P 16 nicht erhalten
um 1800 Motzlar St. Valentinus zum Teil erhalten
1802 Hillentrup Evangelische Kirche I/P 9 nicht erhalten
1805 Detmold Lutherkirche II/P 17 1897 an die Evangelische Kirche Bergkirchen (Bad Salzuflen) verkauft, dort 4 Register und Gehäuseteil erhalten[12]
1805 Gemünden (Wohra) Stadtpfarrkirche II/P 18 zusammen mit Johann Georg Oestreich; Prospekt erhalten[13]
1805 Kämmerzell St. Godehard I/P 12 Gehäuse erhalten
1807 Cappel (Blomberg) Evangelische Kirche 1827 beim Kircheneinsturz des Vorgängerbaus beschädigt, für 385 Taler repariert und in der neuen Kirche aufgestellt; 1865 ersetzt
1808 Oberufhausen Kath. Pfarrkirche I/P 12 nach Leimbach (Eiterfeld) überführt und dort umgebaut[14]
1809 Wenigenlupnitz St.-Cosmas-und-Damian-Kirche II/P 21 weitgehend erhalten
1810 Mittelkalbach St. Sebastian nicht erhalten[15]
1811 Helmers (Schmalkalden) nicht erhalten
1812 Schwarzbach (Hofbieber) Kath. Pfarrkirche I/P 14 Prospekt erhalten
1814 Schwalenberg Reformierte Kirche
Schieder-Schwalenberg - 016 - Papenwinkel 12 (7).jpg
II/P 18 1949 durch Schwelbrand beschädigt und ersetzt; 1983 von Alfred Führer rekonstruiert[16]
1817 Spahl St. Cyriakus I/P 10 Reste erhalten
1819 Hainzell kath. Filialkirche I/P 6 nicht erhalten; Oestreich lieferte auch Beichtstühle nach Hainzell
1821 Buttlar kath. Pfarrkirche I/P 14 nicht erhalten
1825 Amöneburg nicht erhalten

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gottfried Rehm: Die Orgelbauerfamilie Oestreich. In: Acta Organologica. Bd. 7, 1973, S. 37–66.
  • Gottfried Rehm: Beiträge zur Geschichte der Orgelbauerfamilie Oestreich. In: Acta Organologica. Bd. 21, 1990, S. 55–99.
  • Gottfried Rehm: Musikantenleben. Beiträge zur Musikgeschichte Fuldas und der Rhön im 18. und 19. Jahrhundert. Parzeller, Fulda 1997, ISBN 3-7900-0282-8 (= Veröffentlichung des Fuldaer Geschichtsvereins).
  • Helmut Tramnitz: Die Detmolder Orgel des Johann Markus Oestreich (erbaut 1793–1795). In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde. Bd. 45, 1976, S. 116–130.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rolf Leimbach, Rolf Schlegel: Hafenstadt an der Felda: Lengsfelder Geschichten III. BoD, Norderstedt 2015, ISBN 978-3-7392-7658-8, S. 123 (Google books)
  2. Tramnitz: Die Detmolder Orgel des Johann Markus Oestreich. S. 118.
  3. a b orgelbau-waltershausen.de: Orgel zu Floh, gesehen 22. Mai 2012.
  4. Rehm: Musikantenleben. 1997, S. 314.
  5. Rehm: Musikantenleben. 1997, S. 311.
  6. hey-orgelbau.de. Klangvolle Tradition – Orgelbau im Fuldaer Land. Gesehen 23. Mai 2012.
  7. Rehm: Musikantenleben. 1997, S. 310.
  8. Orgel in Bigge
  9. Orgel in Detmold, gesehen 21. Mai 2012.
  10. Franz Bösken, Hermann Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. (= Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte. Band 29,1). Band 3: Ehemalige Provinz Oberhessen. Teil 1: A–L. Schott, Mainz 1988, ISBN 3-7957-1330-7, S. 306 f.
  11. Orgel in Bremen bei Geisa, gesehen 22. Mai 2012.
  12. Orgel in Bad Salzuflen
  13. Orgel in Gemünden, gesehen 2. Juni 2012.
  14. Orgel in Leimbach, gesehen 2. Juni 2012.
  15. Orgel in Mittelkalbach (PDF).
  16. Orgel in Schwalenberg, gesehen 10. August 2012.