Johann Christian Schieferdecker

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Johann Christian Schieferdecker (auch Schiefferdecker; * 10. November 1679 in Teuchern bei Weißenfels; † 5. April 1732 in Lübeck) war ein deutscher Kirchenmusiker, Organist und Komponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schieferdecker wurde als Sohn eines Kantoren und Organisten in Teuchern geboren. Nach dem Besuch der Leipziger Thomasschule studierte er an der Leipziger Universität. Sein Freund Reinhard Keiser, der ebenfalls aus Teuchern stammte, holte ihn 1702 als Cembalist an das Hamburger Opernhaus am Gänsemarkt, wo er auch komponierte. Schon zwei Jahre später wurde er zunächst Schüler, dann Assistent bei Dieterich Buxtehude an der Lübecker Marienkirche. Als Buxtehude 1707 starb, wurde Schieferdecker sein Nachfolger. In diesem Zusammenhang musste er Anna Margareta Buxtehude, eine der Töchter seines Vorgängers, heiraten. Johann Mattheson berichtete, dass diese Bedingung ihn selbst, Händel und Johann Sebastian Bach davon abgehalten hatte, sich um Buxtehudes Nachfolge zu bemühen. Schieferdeckers Nachfolger wurde Johann Paul Kunzen.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Schieferdecker wurde der Asteroid (7881) Schieferdecker benannt.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Schieferdeckers sicher umfangreichem Werk ist sehr wenig erhalten. Fest steht, dass er den von Franz Tunder begonnenen und von Buxtehude an der Marienkirche fest etablierten Zyklus öffentlicher Konzerte, die Abendmusiken, weiterführte. Von seinen dafür komponierten Werken wie Der geduldige Creutz-Träger Hiob (1720) oder Der feurige Untergang Sodoms und Gomorrae (1721) sind jedoch lediglich die Textbücher für die Aufführungen der Jahre 1714 bis 1729 vorhanden. Von 1707 bis 1714 war der Jurist und Dichter Andreas Lange ihr Librettist, 1716 und 1717 war es Michael Christoph Brandenburg.

An weiteren Werken sind erhalten unter anderem die geistlichen Konzerte:

  • Auf, auf, mein Herz, Sinn und Gemüte (Bruxelles, Conservatoire 899) für Bass, 2 Violinen, Viola da gamba und Cembalo
  • Weicht, ihr schwartzen Trauerwolken (Bruxelles, Conservatoire 900) für Bass, 2 Violinen, Viola da gamba und Cembalo
  • Triumph, Triumph, Belial ist nun erleget (Bruxelles, Conservatoire 901) für Bass, 2 Violinen, Viola da gamba und Cembalo
  • In te Domine speravi (Staatsbibliothek Berlin Mus.ms. 30095, 1081) für Tenor, Violine und Basso continuo

sowie die Orchesterouvertüren und -suiten:

  • XII. Musicalische Concerte, bestehend aus etlichen Ouverturen und Suiten. Hamburg 1713 (Wiesentheid, Musiksammlung der Grafen von Schönborn-Wiesentheid) für 3 Violinen, Viola, 3 Oboen, Fagott und Basso continuo.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Textbücher der Lübecker Abendmusiken (Sammlung aller Textbücher von 1714 bis 1729)
Digitalisat, Stadtbibliothek Lübeck
  • Johann Mattheson: Grundlage einer Ehrenpforte. Hamburg 1740.
  • Arndt Schnoor, Volker Scherliess: „Theater-Music in der Kirche“. Zur Geschichte der Lübecker Abendmusiken. Lübeck 2003. ISBN 3-933652-15-4

Aufnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Geistliche Konzerte: Triumph, Triumph, Belial ist nun erleget; Auf, auf, mein Herz, Sinn und Gemüte; In te Domine speravi; Weicht, ihr schwarzen Trauerwolken. Klaus Mertens, Hamburger Ratsmusik, Simone Eckert. Carus-Verlag, 2012
  • [Auswahl der Concerte Nr. 1, 5, 6, 8, 10 und 13:] Musicalische Concerte (Hamburg 1713). Elbipolis Barockorchester Hamburg. Challenge Classics, 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Noten und Audiodateien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Vorgänger Amt Nachfolger
Dieterich Buxtehude Organist an St. Marien zu Lübeck
1707–1732
Johann Paul Kunzen