Johann Friedrich Böttger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johann Böttger ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zu anderen Personen siehe Johann Böttcher.
Denkmal für Johann Friedrich Böttger in Dresden (Brühlsche Terrasse), geschaffen von Peter Makolies

Johann Friedrich Böttger (* 4. Februar 1682 in Schleiz; † 13. März 1719 in Dresden) war ein deutscher Alchemist, Chemiker und Erfinder. Er war Miterfinder des europäischen Hartporzellans. Er überführte diese Erfindung in den Produktionsprozess und war der Gründungsadministrator der Porzellanmanufaktur Meissen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1682 – 1701[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Sonntag, den 5. Februar 1682 wird Johann Friedrich Böttger in Schleiz als drittes Kind seiner Eltern getauft. Sein Vater ist Münzmeister in Schleiz. Seine Mutter ist die Tochter des Magdeburger Ratsmünzmeisters Pflug. 1682 zieht die Familie nach Magdeburg. Im selben Jahr stirbt sein Vater. 1685 heiratet seine Mutter den ebenfalls verwitweten Stadtmajor und Ingenieur Johann Friedrich Tiemann. Dieser ist maßgeblich für die vielseitige Ausbildung des jungen Böttger verantwortlich.

Im Alter von 14 Jahren beginnt Böttger im Herbst 1696 eine Lehre bei dem Berliner Apotheker Friedrich Zorn. Während seiner Ausbildung wird sein Interesse an der Alchemie geweckt, die er heimlich im Apothekenlabor seines Lehrherrn betreibt. Persönliche Bekanntschaft mit Johannes Kunckel und dem Adepten Lascaris bestärkten ihn in seinem Streben nach dem Stein der Weisen. Von Lascaris bekommt er bei dessen Abschied aus Berlin eine Substanz geschenkt, mit welcher sich Gold erzeugen lassen soll.

Titelseite des Buches von Basilius Valentinus, aus dem Böttger die Anleitung zum Goldmachen bekommt

Er beendet im September 1701 seine Lehre und wird als Geselle in der Zornschen Apotheke angestellt. Apotheker Zorn steht alchemistischen Experimenten skeptisch gegenüber. Um ihn zu überzeugen, wandelt Böttger am 1. Oktober 1701 vor Zorn und drei weiteren Zeugen Silber in Gold um, welches allen Prüfungen standhält. Die Kunde von diesem vorgeblichen alchemistischen Meisterstück verbreitet sich schnell landesweit und das Interesse an dem „Goldmacher“ ist groß. Friedrich III., Kurfürst von Brandenburg, lässt ihm eine Vorladung ins Berliner Schloss überbringen. Dieser entzieht sich Böttger in den letzten Oktobertagen 1701 durch Flucht nach Wittenberg. Wegen der polizeilichen Suche nach seiner Person in Brandenburg verhaftet ihn die Wittenberger Stadtwache.

Als der Grund für die Flucht bekannt wird, darf er aus dem Arrest heraus eine Bittschrift an August den Starken richten, in der seine Goldmacherei dargelegt und der Wunsch geäußert wird, unter Schutz des Landesherrn in Wittenberg Medizin studieren zu können. Zwischen den beiden Monarchen entsteht ein Streit um den vermeintlichen Goldmacher, den der sächsisch-polnische Regent für sich entscheiden kann.

Am 27. November 1701 wird Böttger unter größter Diskretion nach Dresden überführt. Ihm wird ein Zimmer im Fürstenbergschen Haus, benannt nach dem Eigentümer des Hauses, Statthalter Egon von Fürstenberg, gegeben. Im Keller verfügt das Haus über ein alchemistisches Laboratorium, da Fürstenberg selbst gelegentliche Versuche anstellt. Der Oberzehnte von Freiberg, Gottfried Pabst von Ohain, einer der fähigsten Metallurgen Kursachsens, wird angewiesen, die Aufsicht über Böttger zu übernehmen. Daneben wird auch der Hofbeamte Michael Nehmitz und dessen Bruder Wilhelm Nehmitz zur Bewachung Böttgers herangezogen. Am 16. Dezember 1701 schreibt August der Starke persönlich an Böttger einen Brief, in dem er versichert, dass er Böttgers in Wittenberg geäußerte Bitte nach Schutz und Protektion sehr ernst nimmt und Böttgers Freiheit aus Sicherheitsgründen solange eingeschränkt bleiben muss, bis Böttger sein geheimes Wissen um das Goldmachen geteilt hat.[1]

1702[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Februar bis Mai 1702 wird Böttger auf der Festung Königstein untergebracht, da es die begründete Sorge gibt, Böttger könne mit Hilfe Kurbrandenburgs die Flucht gelingen. Ab Mai beginnt der Aufbau eines Labors im Bünauischen Haus in Dresden nach Böttgers Anforderungen. Er selber wohnt dort in einer Dachkammer. Böttger wird gestattet, seinen Eltern einen Brief zu schreiben. Seine Mutter kommt daraufhin nach Dresden und fordert bei Hofe erfolglos die Freilassung ihres Sohnes. Die Experimentierarbeiten nehmen ihren Fortgang. Auf Böttgers Wunsch werden ihm erstmals Arbeiter zugewiesen. Es sind erfahrene Berg- und Hüttenarbeiter aus Freiberg.

Exkurs Kollegium Contubernium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Buch, welches allen Beteiligten bekannt war: Nicolas Lémerys Cours de chymie von 1683

1702 wird erstmals ein Kollegium Contubernium erwähnt, dem Statthalter Egon von Fürstenberg, Gottfried Pabst von Ohain, die Brüder Nehmitz, Böttger und Baron von Schenck angehörten. Contubernium ist zu der Zeit ein geläufiger Begriff für einen kleinen, zusammengehörigen Personenkreis. Zum Beispiel wurden studentische Wohngemeinschaften so genannt. Man kann das hier gemeinte Contubernium als eine frühe Form eines Forschungs- und Entwicklungsteams charakterisieren. Neben dem Auftraggeber gehörten ihm Wissenschaftler und Techniker an, die gemeinsam mit qualifizierten Arbeitern an den gestellten Aufgaben arbeiteten. Den Beteiligten geht es zuerst um die Herstellung des Steins des Weisen. Der Projektname dazu lautet Hauptwerk. Auf Anregung von Oberberghauptmann Abraham von Schönberg und Bergrat Pabst von Ohain wird ein weiteres Projekt initiiert. Es hat als Ziel, bessere Wege zur Ausbeutung der landeseigenen Bodenschätze zu finden. Es werden montanwissenschaftliche Themen wie besserer Erzaufschluss und –trennung, bessere Schmelzverfahren, bessere Schmelzöfen und ähnliches erforscht. Es bekommt den Projektnamen Nebenwerk. Böttger als fähiger Chemiker und Experimentator wird sofort nach seiner Rückkehr von der Festung Königstein in diese Arbeiten eingebunden. Er arbeitet dabei eng mit Pabst von Ohain zusammen. Das Contubernium wird 1705 letztmals erwähnt.

1703 – 1704[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab Mai 1703 werden Böttgers Experimente wegen der besseren Arbeitsverhältnisse dort in das Goldhaus verlegt. Böttger bezieht zwei Wohnräume im Schloss. Das Essen für sich und seine Gäste kommt aus der Hofküche. Er ist beliebt und nimmt an Freizeitvergnügungen des Hofes, wie etwa Trinkgelagen oder Glücksspielen, teil. Der Gelehrte Ehrenfried Walter von Tschirnhaus nutzt im Goldhaus ebenfalls ein Laboratorium. Beide schließen in dieser Zeit nähere Bekanntschaft.

Im Juni 1703 flieht Böttger aus seinem goldenen Käfig und schafft es über Böhmen bis nach Enns in Österreich. Er wird eingefangen und wieder zurück nach Dresden geführt. Im Ergebnis dieses Fluchtversuchs wird er schärfer bewacht. Außerdem muss er sich verpflichten, bis Ende 1705 Gold im Wert von zehn Millionen Talern und jährlich Gold im Wert von zweihunderttausend Dukaten zu liefern. Da er sich auf seiner Flucht als Baron ausgab, wird er seitdem in seinem Umfeld scherzhaft „Baron“ genannt. Ohnehin wird zur Tarnung von seiner Person nur als „Herr Schrader“ oder „die bewusste Person“ gesprochen.

Der König kommt nach sieben Jahren Abwesenheit zum Jahreswechsel 1703/1704 für einen Monat nach Dresden. Nachdem sie die letzten drei Jahre nur brieflich kommuniziert hatten, tritt Böttger im Januar 1704 August dem Starken das erste Mal persönlich gegenüber. Nach Abreise des Königs lässt Böttgers Arbeitsfleiß sehr nach. Da Pabst von Ohain in Freiberg gebunden ist, bekommt Tschirnhaus den königlichen Befehl, den Fortgang der Arbeiten zu überwachen.[2] Wegen der Entwicklung im Großen Nordischen Krieg kehrt August der Starke im November 1704 nach Dresden zurück.

1705 – 1706[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Festung Königstein im Dezembernebel; links das Gebäude für die Staatsgefangenen

Böttger wird weiter gedrängt, Gold zu machen. Er verspricht es im März 1705 zum wiederholten Mal. Daneben bleiben die anderen Laborarbeiten nicht stehen. Für das Nebenwerk sind in diesem Jahr 14 Berg- und Hüttenleute bei Böttger tätig. Pabst von Ohain führt alle notwendigen Großversuche in Freiberg durch. Im September 1705 verliert der goldhungrige König die Geduld und befiehlt die Verbringung Böttgers auf die Albrechtsburg.

In Folge wird sehr intensiv am Hauptwerk experimentiert. Bis in den Sommer 1706 arbeiten Tschirnhaus in Dresden und Pabst von Ohain in Freiberg zusätzlich zu Böttger in Meißen eigene Versuchsreihen ab. Die für die eigentlichen Experimente nötige Laborausrüstung wird auf der Albrechtsburg selbst erfunden. Grundsätzlich soll alles aus einheimischen Rohstoffen hergestellt sein. Deshalb wird für hochtemperaturfeste Schmelztiegel mit lokalen Tonerden experimentiert. Im Rahmen dieser Forschung hat das Team Ende Mai 1706 Erfolg beim Brand von rotem Porzellan. Es wurde zum ersten Mal in Europa das Herstellungsprinzip chinesischen Porzellans gefunden und angewandt: Tone, gemischt mit Quarzen und einem Flussmittel werden bei sehr hohen Temperaturen gebrannt.

Im August 1706 beantragt Tschirnhaus bei Statthalter Fürstenberg eine Abkehr von der Suche nach dem Stein der Weisen und eine Konzentration auf die Porzellanherstellung. Dieser gestattet ihm nur die Einrichtung eines Universallaboratoriums in der Jungfernbastei der Festung Dresden, in dem an beidem geforscht werden soll.[3] Alles kommt im September 1706 zu einem vorläufigen Ende. Schwedische Truppen fallen in Kursachsen ein und Böttger wird zusammen mit anderen Staatsgefangenen auf die Festung Königstein gebracht. Er ist ein Jahr lang zum Nichtstun verdammt und wird offiziell nur als „Herr mit den drei Dienern“ erwähnt.

1707[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März verrät Böttger kurz vor dessen Ausführung einen Fluchtplan, in den er mit den anderen Staatsgefangenen involviert ist. Die Aufklärung der Umstände zieht sich bis in den Sommer.

Tschirnhaus überzeugt Böttger, mit an der Herstellung von Porzellan zu forschen. Böttger bekommt im Juni dafür die Genehmigung des Königs. Nach Abzug der Schweden wird Böttger Ende September 1707 nach Dresden gebracht. Er wohnt in einem umzäunten Haus auf der Jungfernbastei, welches durch eine Treppe direkt mit den darunterliegenden Laborgewölben verbunden ist.

Im Oktober und November 1707 wird durch die gemeinschaftliche Forschungsarbeit des Teams um Böttger, Tschirnhaus und Pabst von Ohain das weiße europäische Hartporzellan erfunden. Da als Flussmittel Alabaster verwendet wird, ist es ein Kalkporzellan. Es wird heute Böttgerporzellan genannt. Die Rezeptur des roten Porzellans, von Böttger Jaspisporzellan getauft, wird perfektioniert. Heute ist dieses rote Feinsteinzeug unter dem Namen Böttgersteinzeug bekannt. Ebenfalls in dieser Arbeitsperiode wird eine eigene Rezeptur für das holländische Porzellan erarbeitet.

Schachfigur August des Starken im Harnisch, modelliert von Joh. Joachim Kretzschmar, Böttgersteinzeug, ca. 11cm, um 1714

Aufgrund dieser Arbeitsfortschritte verschärft der König die Sicherheitsvorkehrungen. Am 20. November 1707 wird ein Dekret über die zum Lebensunterhalt Böttgers notwendigen Gelder erlassen. Im selben Dekret werden auch die Geldsummen festgelegt, die Böttger zum Betrieb der noch einzurichtenden Manufakturen aus dem Staatssäckel zur Verfügung gestellt werden sollen. Er selbst bekommt zusätzlich zu den Geldmitteln für seine Versuche 50 Taler monatlich für seinen persönlichen Bedarf. Neben den Freiberger Berg- und Hüttenleuten, die je 8 Taler monatlich erhalten, werden ihm auch Kammerrat Dr. Nehmitz (mit 150 Talern), Rat von Tschirnhaus (mit 100 Talern) und Dr. Bartholomäi (mit 10 Talern) vom König zur „Arbeit und Bedienung“ zugeordnet.[4] Diese Löhne werden, wenn überhaupt, verspätet und unvollständig ausgezahlt.

Böttger wird aufgrund gesundheitlicher Probleme gestattet, eine Orangerie innerhalb der Palisadenumzäunung seines Hauses anzulegen. Er wird ermahnt, sich wieder mehr dem Hauptwerk zu widmen. Ab 31. Dezember 1707 wird der schon länger involvierte Leibarzt Böttgers, Dr. Bartolomäi, von Böttger auf Befehl des Königs in die Geheimnisse der Porzellanherstellung eingeweiht und ist damit ein Arkanist.

1708[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 15. Januar notiert Bartholomäi während einer von ihm durchgeführten Versuchsreihe den optimalen Masseversatz für weißes Porzellan.[5] An diesem Laborprotokoll wird heute das exakte Datum der europäischen Porzellanerfindung festgemacht.

Böttger übernimmt die Organisation zur Errichtung einer dauerhaften Fayence- und Porzellanproduktion in Dresden. Am 24. April veröffentlicht August der Starke eine Absichtserklärung, neben anderen Manufakturen eine Porzellanmanufaktur einrichten zu wollen. Da Böttger als Staatsgefangener nicht öffentlich in Erscheinung treten darf, wird offiziell Dr. Bartholomäi zum Administrator ernannt. Michael Nehmitz und Tschirnhaus sollen das Direktorium bilden. Als Produktionsstätte der „Porcellain-Manufactur“ werden die Gewölbe in der Jungfernbastei und das Dresdner Grundstück von Dr. Bartholomäi genutzt. Böttger sucht zu dem Zeitpunkt noch nach dem passenden Rezept für die Glasur. Porzellanfarben gibt es ebenfalls noch keine.

Die Sicherheitsvorkehrungen für Böttgers Arrest werden im Mai wieder verschärft. Seine ungezwungenen Treffen mit Handwerkern und Künstler werden unterbunden. Es wird ein zweiter Palisadenzaun um sein Haus gezogen und an jeder Ecke dieser Umzäunung eine Straßenlaterne aufgestellt. Die Zahl der Wachposten wird erhöht.

Am 4. Juni wird die Gründung einer Manufaktur für Delfter Fayence unter dem Namen „Backerey von Holländischen so wohl Platten als runden Steinen und Gefässen“ bekannt gegeben. Böttger richtet sie in der Nähe der Dreikönigskirche ein. Ende Juni wird zum ersten Mal mit Schnorrscher Erde, dem Kaolin, experimentiert. Böttger ist den Rest des Jahres damit beschäftigt, praktikable Produktionsverfahren für das Porzellan zu finden. Außerdem arbeitet er schon in dieser Phase der Produktentwicklung mit Künstlern wie dem Plastiker Thomae und dem Goldschmied Irminger zusammen. Der Tod von Tschirnhaus am 11. Oktober trifft Böttger schwer. Er hatte sich mit dem Gelehrten sehr gut verstanden.

1709[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausschnitt eines Wandbildes von Paul Kießling in der Albrechtsburg, gemalt 1880

Nach Tschirnhaus’ Tod entwickelte Böttger, als zweiten entscheidenden Schritt zum vollwertigen Porzellan, die passende Glasur. Am 28. März 1709 meldete er die Erfindungen in einem Memorandum dem König. Darin wehrte sich der 29-Jährige auch gegen Verleumdungen am Hofe:

„Aber ich erschrecke doch, wenn ich Bedencke, daß eine so lange Zeit ich mich im steten Unglück, Ew. Mayst. aber in immer wehrender Gedult hat erhalten können… Ob aber der achtjährige Verlust meiner Freyheit so Beschaffen gewesen, daß ich als Mensch niemahls Uhrsache gehabt hatte Betrübt zu seyn, überlaße ich dem höchsterleuchtenden Nachdencken von Ew. Königl. Mayst. und einer stillen und unpartheyischen Beurtheilung der ganzen Welt… Denn es sind einige Personen welche mich ohne weiteres nachdencken unter die Zahl solcher Leuthe setzen, deren Künste nur in unnüzbaren Subtilitaeten, nicht aber in Reellen Wissenschafften zu Bestehen pflegen,… Damit aber die vergangene Zeit durch die izige möge in etwas wieder melioriret werden: So erkühne ich mich hiermit in Allerunterthänigkeit Ew. Mayst. Demüthigst zu Bitten, eine Verpflichtete Commißion niedersezen zu laßen, welche meine vorstellende Wissenschafften gründlich untersuchen möge, ob nehmlich dieselben Dero Landen nüzlich und nöthig oder aber schädlich und inpracticabel zu halten seyn.“

– Staatsarchiv Dresden, Loc. 41910, Rep. IXb Blatt 218b Nr. 205c, S. 5b-9ja

Sein, in dieser Schrift gemachter, Vorschlag, eine Evaluierungskommission die Erfindung begutachten zu lassen, wird angenommen. Die ersten Warenproben fallen bei der Kommission durch. Sie vertagt sich auf November.

Böttger fürchtet um sein Leben nachdem ihn die Nachricht erreicht, dass der Goldmacher Caetano vom Preußenkönig hingerichtet wurde. Vor diesem Hintergrund beauftragt ihn der König, ab 1. Oktober für seine Freiheit sechshunderttausend Dukaten jährlich zu liefern, bis der Wert von 60 Millionen Reichstalern erreicht ist.

Im Oktober übersendet Böttger der Evaluierungskommission neben neuen Produktproben einen Geschäftsplan, in der die künstlerische und kaufmännische Konzeption der Porzellanherstellung dargelegt werden.[6] Diesmal fällt die Kommission ein positives Urteil und die Produktion kann offiziell starten. Weiter wegen des Hauptwerks unter Druck gesetzt, offenbart er Ende Dezember August dem Starken seine Unfähigkeit, Gold zu machen und bittet ihn um Gnade.

1710[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weinkanne, Böttgersteinzeug mit Gold kalt bemalt, ca. 1712

Am 23. Januar wird die Erfindung des Porzellans verkündet und die Existenz einer Porzellanmanufaktur in Dresden mitgeteilt. Die Produktionsanlagen zur Porzellanherstellung ziehen ab März Schritt für Schritt nach Meissen auf die Albrechtsburg.

Im Mai wird auf der Ostermesse in Leipzig zum ersten Mal Geschirr aus rotem Jaspisporzellan verkauft und Muster von weißem Porzellan präsentiert. Finanziell wird der Messeauftritt für Böttger, der die Kosten vorgestreckt hatte, ein Verlustgeschäft. Das entmutigt ihn nicht. Weitere Lieferungen zu anderen Messen verlassen den Betrieb.

Das Gründungsdekret der königlich-polnischen und kurfürstlich-sächsischen Porzellanmanufactur datiert vom 6. Juni 1710. Sie wird in der Albrechtsburg zu Meißen eingerichtet. Böttger ist ihr erster technischer Leiter. Die Einrichtung des Produktionsbetriebes ist dadurch erschwert, dass Böttger in Dresden unter Aufsicht bleiben muss. Seine Besuche in Meißen sind selten.

Der Dresdner Hof kauft ein Grundstück für eine Stein- und Schleifmühle, um die sächsischen Edelsteine zu bearbeiten.[7] Auch mit Blick auf die Veredelung des Jaspisporzellans ist diese Anschaffung nötig. Böttger wird beauftragt, eine entsprechende Manufaktur zu errichten. Er lässt in dieser Mühle zusätzlich ein Stampf- und Pochwerk für Porzellanrohstoffe planen.

Böttger wird am 29. Dezember per Dekret Administrator der Porzellanmanufaktur sowie aller noch einzurichtenden Manufakturen, was zu Kompetenzstreitigkeiten mit Direktor Michael Nehmitz führt.

1711 – 1713[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pagode, Böttgerporzellan, ca. 1715

Die Grenzen zwischen technischer Betriebsführung und kaufmännischer Leitung des Unternehmens sind zu dieser Zeit noch sehr verschwommen. Direktor Nehmitz zieht es vor, bei Hofe Porzellanbestellungen entgegenzunehmen. Die Konflikte entspannen sich erst, als der Eigentümer der Porzellanmanufaktur im Einzelnen die Zuständigkeiten Böttgers und Nehmitzens festlegt.

Tschirnhausens Erfindung eines holzsparenden Schmelzofens wird von Böttger weiterentwickelt, was nicht nur zu einer großen Einsparung von Brennmaterial führt, sondern ihm ermöglicht, im Sommer das Freiberger Revier zu besuchen, um dort die Großversuche zu überwachen. Im Juli schiebt Böttger die Schuld für fehlgeschlagene Goldmachversuche auf äußere Umstände.

Im Mai 1712 nimmt die Schleif- und Poliermühle im heutigen Dresden-Löbtau ihre Arbeit auf. Das Jahr 1712 ist für Böttger mit Arbeiten, den Brennprozess zu beherrschen und generell die Produktion zum Laufen zu bringen, angefüllt. Finanzielle Probleme der Porzellanmanufaktur veranlassen August den Starken, offiziell zu erklären, dass Böttger Kredite in seinem, Augusts, Namen aufnehmen kann. Das Echo darauf ist sehr gering. Selbst der Investor Berend Lehmann lehnt, obwohl vom König dazu aufgefordert, ein finanzielles Engagement ab.

1713 nimmt Böttger auf Drängen von August des Starken erneut die Arbeiten zur Goldherstellung auf. Am 20. März führt er in Anwesenheit des Königs ein alchemistisches Schauexperiment durch und produziert einen Gold- und einen Silberklumpen. Beide sind heute in der Porzellansammlung in Dresden ausgestellt.

Im April erkrankt Böttger zum ersten Mal schwer. Nach dem Tod seines Stiefvaters im Frühjahr holt er seine Familie von Magdeburg nach Dresden. Auf der Leipziger Ostermesse steht nun auch weißes Porzellan zum Verkauf. August der Starke nimmt wieder am Nordischen Krieg teil. In diesem Zusammenhang geht der Porzellanmanufaktur das Geld aus und Böttger verwendet in Folge viel Energie, das nötige Kapital aufzutreiben.[8] Ihm gelingt mit der Neuentwicklung von Brennöfen für den Glattbrand ein wichtiger technologischer Schritt. Böttger betreut als Administrator auch die Glashütte Dresden und erarbeitet dort, auf Wunsch des Hofes, eine eigene Methode, rubinrotes Überfangglas herzustellen.

1714 – 1719[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vase mit Weinreben; Böttgerporzellan; 1713 – 1720

Am 19. April 1714 erhält Böttger seine volle persönliche Freiheit zurück. Allerdings muss er schwören, das Land nicht zu verlassen, die Arkana des Porzellans zu bewahren und endlich Gold zu machen. Er zieht in ein Haus am Pirnaischen Tor Die Lösung der Herstellungsprobleme des Porzellans nehmen seine Zeit in Anspruch.

1715 wird die Schleif- und Poliermühle zur Spiegelschleife umgewidmet. Böttger und die Porzellanmanufaktur kommen in sehr große Geldschwierigkeiten. Unfähig, mit Geld umzugehen und von der Finanzierungspolitik des Eigentümers finanziell schwer gebeutelt, hat er immer wieder Wechsel und Pfandverschreibungen unterzeichnet. Nach seiner Freilassung im Vorjahr wenden sich mehr und mehr Gläubiger direkt an ihn. Böttger wird chronisch alkoholkrank. Er administriert weiterhin von Dresden aus die Produktion in Meißen. Auf dem Neumarkt wird das erste Porzellangeschäft Dresdens eröffnet. August der Starke will endgültig kein Geld mehr nachschießen und dekretiert am 5. Dezember 1715, dass die Porzellanmanufaktur sich fortan finanziell selbst zu tragen habe und Böttger deshalb für den Rest seines Lebens freie Hand habe, sich seinen Lebensunterhalt mit ihr selbst zu verdienen.

Darauf hin legen Böttgers Gläubiger im Januar 1716 dem vermeintlichen Manufakturinhaber seine Schuldscheine zur Begleichung vor. Als der nicht zahlen kann, erwirken sie seinen Arrest, aus dem ihn erst ein königlicher Befehl befreit. Böttger entwickelt eine Lüsterfarbe für Porzellan. Seit März ist er so krank, dass er nicht mehr körperlich arbeiten kann. Seine administrativen Aufgaben nimmt er noch wahr. Im November 1716 lässt Böttger die Brennöfen auf der Jungfernbastei abreißen. Damit endet die Porzellanherstellung in Dresden.

Im Frühjahr 1717 beschäftigt sich eine königliche Kommission mit den, auch von Böttger zu verantwortenden Missständen in der Porzellanmanufaktur. Außer einer Bestandsaufnahme geschieht ihm nichts. Nachdem der Goldmacher Klettenberg vom König wegen Misserfolgs eingesperrt wurde, schließt am 2. Dezember Böttger einen weiteren Vertrag mit August dem Starken, in dem er sich verpflichtet, das große Arcanum Universalis auszuarbeiten und diese Schrift dem König bis zum 1. Januar 1719 zu übergeben.

1718 wird Böttger aufgrund schwerer Krankheit bettlägerig. Er ist kaum noch zum arbeiten fähig. Die Fayence-Manufaktur wird von ihm wegen Unrentabilität für 50 Taler an den bisherigen Pächter Peter Eggenbrecht abgestoßen. Böttgers Gesundheit verfällt immer mehr.

Am 13. März 1719 stirbt er in Anwesenheit seiner Familie 37-jährig an den Folgen des jahrelangen Raubbaus an seiner Gesundheit in seinem Haus in Dresden und wird auf dem Johanniskirchhof beigesetzt. Sein Grab ist nicht erhalten.

Nachleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Briefmarkenblock mit dem einzig bekannten Bildnis Böttgers auf der Briefmarke links; auf der Briefmarke rechts davon ist sein Siegel, ein Bergeisen zu sehen

Justus Liebig äußerte sich 1844 in seinen Chemischen Briefen:

„Unter den Alchimisten befand sich stets ein Kern echter Naturforscher… Was Glauber, Böttger, Kunckel in diese Richtung leisteten, kann kühn den größten Entdeckungen unseres Jahrhunderts an die Seite gestellt werden.“

Die Deutsche Keramische Gesellschaft verleiht seit 1929 die Böttger-Plakette für herausragenden Verdienste um das Zusammenwirken von Industrie, Wissenschaft und Lehre.[9]

Es existiert nur ein zeitgenössisches Bildnis, welches J.F. Böttger darstellen soll. Es befindet sich auf einer Bildplakette aus Böttgersteinzeug und wird im Herzoglichen Museum Gotha verwahrt. Alle anderen bildlichen Darstellungen Böttgers fußen auf diesem einen Bild.[10] Böttger ist nie ein Adelstitel verliehen worden.

Bis heute ist nicht geklärt, nach welcher Methode Böttger in seinen Schauexperimenten Gold und Silber zum Vorschein kommen ließ.

Über das Wirken Böttgers entstanden ungezählte wissenschaftliche Abhandlungen und Sachbücher. Künstlerisch verarbeitet wurde sein Leben in mehreren Romanen[11] und Novellen sowie in dem Spielfilm Die blauen Schwerter. Im Jahr 2008 erschien ein Böttger-Comic.[12] Am 24. Oktober 2010 kam am Theater Meißen das Theaterstück Böttger – Das Porzellanical[13] zur Uraufführung.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Hoffmann „Das weisse Gold von Meissen“, 1989; S. 110
  2. Staatsarchiv Dresden; „Acta. Varia die Böttchersche und andere die Erfindung des Porcellains betreffenden Papiere“ Loc.1340
  3. Staatsarchiv Dresden Loc 976
  4. Allerhöchstes Decret vom 20. November 1707. Die Sicherstellung Johann Friedrich Böttgers, wegen der zu seiner freien Disposition bei Einrichtung verschiedener Manufakturen, demselben assignierten Gelder – Staatsarchiv Dresden, Loc. 1341 und Loc. 1339. Fol. 79
  5. Hoffman, Das weisse Gold von Meissen, 1989, S. 260
  6. Titel des Memorandums: Unvorgreifliche Gedancken über meine, Johann Friedrich Böttgers, theils denen Ausländern nachgeahmte, theils durch mich selbst neuerfundene Manufacturen
  7. Chronologie der späteren Spiegelschleife
  8. zu den finanziellen Problemen siehe Engelhardt, J. F. Böttger, Erfinder des sächsischen Porzellans, 1837, S. 360 ff.
  9. die entsprechende Webseite der DKG, abgerufen am 1. Dezember 2015
  10. Bildnis Böttger
  11. Auswahl an historische Romanen an der Uni Wien abgerufen am 1. Dezember 2015
  12. Internetgalerie auf der Seite des Comickünstlers abgerufen am 1. Dezember 2015
  13. Homepage des Theaterstückesabgerufen am 1. Dezember 2015

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenktafel in Schleiz
  • Carl August Engelhardt: J. F. Böttger. Erfinder des sächsischen Porzellans. Leipzig 1837, Reprint: Leipzig 1981, Reprint: Frankfurt a.M. 1982
  • William Funk: Böttgers Erfindung und ihre Bedeutung für die Stadt Meißen, Keramos 8 (1929) [11]
  • Willi Goder, Klaus Hoffmann, Ingelore Menzhausen: Johann Friedrich Böttger: Die Erfindung des europäischen Porzellans. Leipzig; Stuttgart 1982
  • Klaus Hoffmann: Johann Friedrich Böttger. Vom Alchemistengold zum weißen Porzellan, Verlag Neues Leben, Berlin 1985
  • Georg Lockemann: Böttger, Johann Friedrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 411 (Digitalisat).
  • Hans-Joachim Böttcher: Böttger – Vom Gold- zum Porzellanmacher, Dresdner Buchverlag: Dresden 2011. ISBN 978-3-941757-31-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johann Friedrich Böttger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien