Johann Friedrich Ludwig Wöhlert

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Friedrich Wöhlert (* 16. September 1797 in Kiel; † 31. März 1877 in Berlin[1]) war ein preußischer Gießereifabrikant und Konstrukteur in den Bereichen Dampfmaschinen und Lokomotiven.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Zeichnung der ersten Dampflokomotive von Borsig (1840), an deren Konstruktion Wöhlert beteiligt war

Friedrich Wöhlert war der Sohn eines Brauers und Maklers. Er besuchte die Volksschule in Kiel und erhielt danach eine Ausbildung als Tischler, der sich ab 1818 eine Zeit als Wandergeselle anschloss. In Berlin arbeitete er bis 1836 für die Neue Berliner Eisengießerei von Franz Anton Egells (1788–1854). Wöhlert war befreundet mit August Borsig (1804–1854), den er hier kennen gelernt hatte.[2] Als dieser sich 1836 selbständig machte, holte er Wöhlert 1837[3] als Werkmeister[2] in die A. Borsig'sche Eisengießerei- und Maschinenbau-Anstalt[1] am Oranienburger Tor. Wöhlert blieb bis 1841[4] und war am Bau der ersten Lokomotive von Borsig maßgeblich beteiligt. Später nahm er sogar für sich in Anspruch, deren geistiger Vater gewesen zu sein, was Borsig allerdings stets bestritt.[2]

Möglicherweise auf Initiative seines Förderers Christian Peter Wilhelm Beuth (1781–1853), einem preußischen Ministerialbeamten und Leiter des königlichen Gewerbeinstituts, verließ Wöhlert 1841 Borsig und übernahm bei der Königlich Preußischen Eisengießerei die Position des Leiters der Berliner Niederlassung an der Invalidenstraße. Das Unternehmen gehörte der Preußischen Seehandlungs-Societät in Berlin-Moabit, woraus sich ein gelegentlich genanntes Anstellungsverhältnis bei dieser Vorläuferin der Preussischen Staatsbank[4] erklärt.[5][4] Wöhlert hätte demnach auch eine Laufbahn im preußischen Staat offen gestanden.[2]

Stattdessen gründete er 1842 in der Chausseestraße 29 mit der Wöhlert’schen Maschinenbau-Anstalt sein eigenes Unternehmen, in dem ab 1848 auch Lokomotiven hergestellt wurden. Nach wenigen Jahren kaufte Wöhlert auch das Grundstück Chausseestraße 30. Das Gesamtgelände trug nach Umnumerierung der Straße 1852 die Adresse Chausseestraße 36/37. Von 1851 bis 1853 war Hermann Gruson (1821–1895) Oberingenieur der Lokomotivabteilung, in der auch Rudolf Ernst Wolf (1831–1910) arbeitete.

Ein schweres Augenleiden, das fast zur Erblindung führte[2], und eine ungeregelte Nachfolge[4] veranlassten Wöhlert 1872 zum Verkauf des Unternehmens; er selber war danach für kurze Zeit dessen Aufsichtsratsvorsitzender. Die Käufer wandelten es, wie damals üblich, in eine Aktiengesellschaft um und erhielten auf diesem Weg zusätzliches Kapital für Investitionen.

Wöhlert blieb unverheiratet, hatte aber zwei Söhne eines Tischlermeisters adoptiert. Nach seinem Tod 1877 wurde er auf dem Invalidenfriedhof in Berlin-Mitte beigesetzt.[2]

Nähe zur Fabrik[Bearbeiten]

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Blick von der Chaussee- in die Wöhlertstraße (Mai 2004)

Während seiner Berliner Unternehmerzeit wohnte Wöhlert immer in der Nähe seiner Fabrik:

  • ab 1836, während seiner Tätigkeit bei August Borsig, wohnte Wöhlert in der Chausseestraße 36,
  • 1842, im Gründungsjahr der Maschinenbauanstalt und Eisengießerei, wohnte Wöhlert in der Torstraße 52,
  • ab 1844 wohnte er dann in der Chausseestraße 29.

Nebenbei unterhielt er einen Sommersitz in Hangelsberg bei Fürstenwalde/Spree (Brandenburg). Dort ist an mehreren Gebäuden Eisenkunstguß aus seiner Fabrik zu sehen. Unter anderem stammt das Kreuz auf der Hangelsberger Kirche aus seiner Eisengießerei.

Das Ende der F. Wöhlert’schen Maschinenbau-Anstalt und Eisengiesserei AG[Bearbeiten]

Den Untergang seines Betriebs erlebte Friedrich Wöhlert nicht mehr. Bereits 1879, zwei Jahre nach seinem Tod, kam es zu einem Insolvenzverfahren. Das Unternehmen konnte noch einmal gerettet werden. 1879–1880 entstand eine kleine Serie von Dampfdroschken nach einem Patent von Amédée Bollée père (1844–1917). Die Auffanggesellschaft wurde am 25. Juni 1883 aufgelöst.[1]

Ehrungen[Bearbeiten]

Sockel des Denkmals für Christian Peter Wilhelm Beuth von Friedrich Drake (1861)

Trivia[Bearbeiten]

Friedrich Wöhlert wird nachgesagt, dass er jede Anfrage mit: "Mach ick" beantwortet haben soll.[2] Tatsächlich lehnte er bei Notwendigkeit Anfragen auch ab, z. B. als die Firma 1871 zur Mitarbeit am Gotthardtunnel aufgefordert wurde.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Heinrich Müller: Wöhlert – ein Pionier des Maschinenbaus. In: Berlinische Monatsschrift (Edition Luisenstadt). Heft 3/1996, S. 16–19 (online).
  • Johann Friedrich Ludwig Wöhlert. In: Olaf Klose, Eva Rudolph, Ute Hayessen (Hrsg.): Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon. Band 5. Neumünster 1979, S. 283 ff.
  • Wolfgang Messerschmidt: Taschenbuch Deutsche Lokomotivfabriken. Ihre Geschichte, ihre Lokomotiven, ihre Konstrukteure. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1977, ISBN 3-440-04462-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Friedrich Ludwig Wöhlert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Wolfgang Messerschmidt: Taschenbuch Deutsche Lokomotivfabriken. Ihre Geschichte, ihre Lokomotiven, ihre Konstrukteure. Franckh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1977, ISBN 3-440-04462-9, S. 218
  2. a b c d e f g h Hans-Heinrich Müller: Wöhlert – ein Pionier des Maschinenbaus. In: Berlinische Monatsschrift (Edition Luisenstadt). Heft 3/1996, S. 16–19 (online).
  3. August Borsig. albert-gieseler.de (abgerufen am 27. Januar 2015)
  4. a b c d Katalog-30/F. Wöhlert’sche Maschinenbau-Anstalt und Eisengiesserei AG. gutowski.de (abgerufen am 27. Januar 2015)
  5. Königliche Eisengießerei Berlin. werkbahn.de
  6. Fa. F. Wöhlert an Alfred Escher, 01.09.1871; online-Edition unter http://www.briefedition.alfred-escher.ch/briefe/B8262/ (abgerufen 17. August 2015)