Johann Friedrich Raeder

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Johann Friedrich Raeder (* 4. Mai 1815 in Elberfeld; † 4. März 1872 ebenda) war Kaufmann und ein deutscher Kirchenlieddichter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Friedrich Raeder war zunächst Angestellter in einem Handelshaus und wurde später selbständiger Kaufmann. Er gründete und leitete den örtlichen Handwerkergesangverein. Er wurde bekannt durch das von ihm 1845 gedichtete Lied „Harre meine Seele“, das in vielen evangelischen Gesangbüchern sowie verschiedenen Liederbüchern kirchlicher Gemeinschaften und Freikirchen enthalten ist. Das Lied hat nur zwei Strophen (eine dritte Strophe wurde später durch Carl Brockhaus (* 1822; † 1899) hinzugefügt) und nimmt einen Bibelvers aus den Psalmen auf („Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!“, Psalm 27, 13–14; ähnlich Ps. 42,6: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist“).

Der Anlass für dieses Lied war allerdings kein kirchlicher: Durch ein Risikogeschäft im Indigo-Handel war Raeder wirtschaftlich angeschlagen. Er fand so die Kraft zum Durchhalten und sah es selbst als Wunder, dass die im Voraus bezahlten Handelsgüter eintrafen und ihm der Ruin erspart blieb.

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Raedersche Lied „Harre meine Seele“ wurde bereits vereinzelt in das Deutsche Evangelische Kirchen-Gesangbuch (nach 1853 in den einzelnen Landeskirchen zu unterschiedlichen Erscheinungsjahren und in unterschiedlichem Umfang herausgegeben) aufgenommen, dort allerdings nicht im Stammteil, sondern in die verschiedenen Anhänge (z.B.: Evangelisches Gesangbuch für Ost- und Westpreußen, Königsberg in Pr., 1897, Abschnitt VI: Geistliche Volkslieder, Nr. 583) und ebenfalls in das Evangelische Militärgesangbuch (Anhang Nr. 13). Auch im Allgemeinen evangelischen Gesangbuch (AEG ab 1906, später DEG ab 1915), das bis 1950 in Gebrauch war, fand das Lied seinen Platz im Anhang. Das Evangelische Kirchengesangbuch (EKG, 1950 bis 1993) verzeichnete das Lied nicht im Stammteil, der Text war im Anhang Lieder für besondere Zeiten und Anlässe unter „Liedgebete“ abgedruckt; einige Landeskirchen nahmen es jedoch in die Lieder des Regionalteils des EKG auf. Im aktuellen Evangelischen Gesangbuch (EG) ist das Lied ebenfalls nicht im Stammteil vertreten, jedoch in 10 der 14 Regionalausgaben. Durch Auswanderer wurde das Lied u.a. auch in den USA bekannt und fand dort Aufnahme in das American Lutheran Hymnals.

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Allgemeines evangelisches Gesangbuch. Einheitliches Kirchen- und Schulgesangbuch für das evangelische Deutschland, Berlin 1906, Anhang: Geistliche Lieder Nr. 13 (entspricht Nr. 383 der durchlaufenden Nummerierung).
  • Evangelisches Gesangbuch, Ausgabe Baden/Elsass/Lothringen, Bayern/Thüringen, Hessen-Nassau, Kurhessen-Waldeck, Niedersachsen/Bremen, Nordelbien, Oldenburg, Österreich, Pfalz, Württemberg; unter: Beigaben zur Liederkunde. Die Dichter und Komponisten.
  • Carl Bertheau: Raeder, Johann Friedrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 27, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 122.
  • Walter Schulz: Reichssänger. Schlüssel zum deutschen Reichsliederbuch. Ott, Gotha 1930 (mit Bild)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]