Johann Friedrich Schweitzer

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Stich mit dem Portrait von Johann Friedrich Schweitzer

Johann Friedrich Schweitzer (* 17. Januar 1630[1] in Cöthen; † 29. August 1709 in Den Haag), auch bekannt als Johann Friedrich Helvetius, war ein Verfechter der Alchemie und Verfasser diverser Werke über Alchemie, Botanik und Medizin.

Leben[Bearbeiten]

Seine Karriere begann als Mediziner und er war anfangs deutlicher Gegner der Alchemie.[2] Er studierte Medizin in Harderwijk und erwarb den Doktortitel mit einer Arbeit über die Pest. Bis etwa 1676 lebte er in Den Haag, anschließend zog er nach Amsterdam, wo er als Stadtarzt und Leibarzt von Prinz Wilhelm III. von Oranien tätig war. Er heiratete am 20. Mai 1658 die Johanna Pels (1643–1709)[3], das Paar hatte drei Kinder zwei Söhne Jean Adrien Helvetius, Josephus Johannes Helvetius (1667–1729) und eine Tochter Elisabeth Baldina Helvetius (1679–1748). Sein Bruder war der Andreas Engelhard Schweitzer.[4]

1667 veröffentlichte er unter dem Titel Vitulus Aureus einen ausführlichen Bericht, der mehrfach neu aufgelegt und in alchemistische Sammelwerke übernommen wurde. Obwohl seine Werke von späteren Verfechtern der Alchemie benutzt wurden, galt er selbst nicht als Adept der Alchemie. Carapichea ipecacuanha[5] wurde 1672 von einem Südamerikareisenden namens Legros nach Paris gebracht. Ein Händler namens Garnier erwarb 1680 rund 68 kg davon und berichtete dem Arzt Johann Friedrich Schweitzer von ihren Qualitäten in der Behandlung der Ruhr.

In seinem Werk Vitulus Aureus beschreibt er seinen Übergang zur Alchemie wie folgt: Am 27. Dezember 1666 bekam Schweitzer Besuch von einem mysteriösen Adepten der Alchemie, der sich als Besitzer des Steins der Weisen ausgab. Angeblich habe er mit einer pulvrigen Probe des Steins eine erfolgreiche Transmutation von Blei in Gold durchgeführt. Der Fremde selbst wollte ihn am nächsten Tag wieder besuchen, erschien jedoch nie wieder.[6] Diese Begegnung machte aus dem ursprünglichen Gegner der Alchemie einen überzeugten Anhänger.

Sein Sohn der Jean Claude Adrien Helvetius[7] (1685–1755) war ebenso Arzt. Er ging nach Paris, dort avancierte er zum Leibarzt der Königin Maria Leszczyńska (surintendant de la Maison de la Reine). Er brachte die von seinem Vater übernommenen Medikamente mit, u. a. auch das Ipecacuanha.[8]Sein Urenkel war der französische Philosoph Claude Adrien Helvétius.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Xistus Herbarum, Lustiger Spatzierweg der Kräuter. Samuel Broun, Heidelberg 1661 (Digitalisat).
  • Vitulus aureus quem mundus adorat et ornat oder ein sehr curieuses Tractätlein … 1705 (Digitalisat; Digitalisat).

Literatur[Bearbeiten]

  • Martha Baldwin in: Clausius Priesner und Karin Figala: Alchemie. Lexikon einer hermetischen Wissenschaft Beck, München 1998, ISBN 3-406-44106-8, S. 171 f.
  • Lynn Thorndike: A history of magic and experimental science. Bd. 8: The seventeenth century. Columbia University Press, USA 1964, S. 361 f., 469–471.
  • John Ferguson: Bibliotheca Chemica Bd. 1, London 1954, S. 383–385.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. anderen Angaben zur Folge * 1625
  2. Sean Martin: Alchemy and Alchemists, Pocket Essentials Oldcastle Books London 2006, ISBN 1-9040-4862-5 S. 77
  3. Geneagraphie - Families all over the world
  4. Johann Christoff Beckmann: Historie Des Fürstenthums Anhalt: Von dessen Alten Einwohnern und einigen annoch verhandenen Alten Monumenten, Natürlicher Gütigkeit, Eintheilung, Flüssen, Stäten, Flecken und Dörfern, Fürstl. Hoheit, Geschichten der Fürstl. Personen, Religions-Handlungen In Sieben Theilen verfasset, Bände 1-4 Zimmermann, 1710 S. 419
  5. Ipecac. Cephaelis ipecacuanha, online
  6. Bibliotheca Chymica. Revu le 3 février 2010, online
  7. Genealogie der Familie
  8. 1902 Encyclopedia. Claude Adrien Helvétius, online