Johann Hauser (Künstler)

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Johann Hauser (* 30. November 1926 in Bratislava; † 7. Januar 1996 in Klosterneuburg, Niederösterreich) war ein Künstler, der vor allem zeichnete. Er lebte ab 1981 im heutigen Haus der Künstler in Gugging, gegenwärtig Teilinstitution des Art/Brut Center Gugging. Hauser zählt neben Oswald Tschirtner und August Walla zu den prominentesten künstlerischen Positionen aus Gugging. Hausers Œuvre wird vor allem unter der Kategorisierung Art Brut rezipiert, die im kunstwissenschaftlichen Diskurs laufend kritisch erörtert wird.[1]

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauser wurde in Bratislava in der Tschechoslowakei geboren. Er wuchs dort als uneheliches Kind in einer deutschsprachigen Familie mit seiner Mutter und zwei älteren Halbschwestern auf. Seinen Vater lernte er nie kennen, Hauser war der Mädchenname der Mutter.

Im Jahr 1943 wurde Hauser erstmals in die Niederösterreichische Landes Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Oehling aufgenommen. Am 6. März 1949 wurde der 22-jährige in die niederösterreichische Heil- und Pflegeanstalt Gugging überstellt.

Die ersten Zeichnungen von Johann Hauser entstanden im Kontext der, durch den Psychiater Leo Navratil in Gugging initiierten, Zeichentest-Methode. Leo Navratil war ab dem Jahr 1959 Hausers behandelnder Arzt. Die ersten datierten Zeichnungen aus der Hand des Künstlers stammen aus dieser Zeit. Hausers zeichnerische Tätigkeit ging jedoch in unmittelbarer Folge über den Rahmen der Zeichentest-Sitzungen hinaus.

1965 veröffentlichte Navratil "Schizophrenie und Kunst. Ein Beitrag zur Psychologie des Gestaltens"[2]. Mit diesem Buch gelangten erstmals Abbildungen von Werken bzw. Lyrik aus der Klinik in Gugging an die Außenwelt, so auch Zeichnungen von Johann Hauser. Im Kapitel „schizophrene Gestalter“[2] veröffentlichte Navratil auf diesem Wege unter anderem Werke von Kunstschaffenden aus Gugging unter Pseudonym: Johann Hauser schien als „Hans“[2] auf. Johann Feilacher, ab 1986 Nachfolger Navratils, widersagt Navratils Schizophrenie-Diagnose Hauser gegenüber[3].Hausers Person und Zeichnungen sind im Vergleich zu anderen Positionen aus Gugging verhältnismäßig wenig Raum in der Publikation gewidmet: Es sind gerade einmal zwei Seiten und vier kleinere Abbildungen. Allerdings befindet sich eines von Hausers Werken, die Zeichnung eines Kirschbaums, auf dem Cover des Buches.

In der Folgezeit nach Erscheinen von Navratils Publikation kamen KünstlerInnen der österreichischen "Avantgarde" dieser Zeit wie beispielsweise Arnulf Rainer oder Peter Pongratz in das Krankenhaus am Stadtrand von Wien, um die SchöpferInnen der abgebildeten Werke kennenzulernen. Ab diesem Zeitpunkt entstanden in Zusammenarbeit mit Pongratz die ersten Radierungen in Gugging. Die Technik der Radierung kam Hausers kraftvollem zeichnerischem Strich sehr entgegen, er arbeitete von diesem Zeitpunkt an regelmäßig auf Kupferplatten.

Im Jahr 1969 kam es zum ersten Briefwechsel zwischen Navratil und Jean Dubuffet, unter anderem Begründer des Terminus „Art Brut“. Nachdem Navratil im Rahmen dieser schriftlichen Korrespondenz zwei Radierungen von Hauser an Dubuffet schickte, erwuchs Dubuffets Interesse an den Kunstschaffenden in der Anstalt in Gugging. In weiterer Folge kam es durch Dubuffet persönlichen zur Zuschreibung der Kategorisierung „Art Brut“ für Werke aus Gugging.

Die Radierung „Löwe oder Tiger“ von Johann Hauser wurde Sujet des Plakats der ersten Ausstellung von Werken von Künstlern aus Gugging: „Pareidolien. Druckgraphik aus dem Niederösterreichischen Landeskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie Klosterneuburg“ in der Galerie nächst St. Stephan, Wien. Gezeigt wurden 84, teilweise kolorierte Radierungen. Mehr als ein Viertel, also 22 der 84 Blätter, die präsentiert wurden, stammten von Hauser. Die Ausstellung war ein öffentlicher Erfolg. Das Interesse der Medien sowie der Besucherandrang waren hoch. 500 Blätter der gezeigten Graphiken wurden verkauft. Unter anderem erfolgte ein Ankauf von Werken aus Gugging durch die Albertina Wien. In den Folgejahren kam es zu zahlreichen weiteren Ausstellungsbeteiligungen Hausers.

Im Jahr 1978 erschien die erste Publikation Navratils, die dezidiert einem Künstler aus Gugging gewidmet war: „Johann Hauser. Kunst aus Manie und Depression“[4]. Wie der Titel bereits nahelegt, zielte Navratils psychiatrisches Interesse in erster Linie auf die Beobachtung des Wechsels von manischen und depressiven Zuständen und deren Auswirkungen auf die zeichnerischen Produkte Hausers und nicht auf deren künstlerische Qualität.

1979 kam es zur erste Einzelausstellung des Künstlers in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München: „Johann Hauser – Zeichnungen und Radierungen“. Ab diesem Jahr unternahm Hauser auch die ersten Auslandsreisen im Kontext internationaler Ausstellungen[3].

Zu Beginn der achtziger Jahre fanden weitreichende Umstrukturierungen im Krankenhaus in Gugging statt. Diese brachten eine entscheidende Chance für Navratil und eine Gruppe künstlerisch talentierter Patienten mit sich. Der "Pavillon 11" am äußersten Rand des Klinikgeländes wurde 1981 umgewidmet und das Zentrum für Kunst-Psychotherapie bzw. das spätere, von Feilacher umbenannte, Haus der Künstler gegründet. 18 Patienten zogen in das Zentrum ein, unter ihnen Johann Hauser, und hatten ab diesem Zeitpunkt die Möglichkeit in ihrem Wohnbereich ihren kreativen Tätigkeiten nachzugehen und dabei besondere Unterstützung zu erfahren. Der auf zahlreichen Werken Hausers vertretene blaue Stern wurde zum Symbol des Hauses.

Im Jahr 1983 begannen die Künstler aus Gugging auf Initiative von Feilacher mit der Gestaltung von Murals auf der Fassade des heutigen Hauses der Künstler. Hauser war der erste, der sich mit der Darstellung einer Schlange auf der Fassade verewigte.

1990 gewann Johann Hauser als Mitglied der Gruppe der Künstler aus Gugging den Oskar-Kokoschka-Preis. Im Folgejahr trat Hauser eine USA-Reise auf Grund von Ausstellungsbeteiligungen in Philadelphia und New York an. In den nächsten Jahren folgten weitere internationale Ausstellungs-Projekte. Am 7. Januar 1996 starb Johann Hauser an den Folgen einer Lungenentzündung.

Der Künstler hinterließ ein Gesamtwerk von 1.600 Zeichnungen und Malereien.

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Hauser arbeitete mit einfachen grafischen Mitteln, vor allem mit Bleistift und Farbstiften, sowie mit Kreiden oder vereinzelt unter Verwendung von Collage-Elementen. Daneben schuf der Künstler auch ein druckgrafisches Werk.

Die Bildthemen seiner expressiven Zeichnungen sind Frauen, fliegende und fahrende Maschinerien, fantastische Architekturen, die Tierwelt, aber auch geometrische Figuren in minimalistischer Darstellungsweise.

Hauser arbeitete einerseits völlig frei und schöpfte die Bildthemen aus sich selbst – die Zeichnung scheint dann direkter Niederschlag seiner Imagination der Sujets und seinen Emotionen gegenüber diesen zu sein. Andererseits fand Hauser auch in Hinwendung zu Kultur und Zeitgeschehen zu den Motiven seiner Zeichnungen und einer absolut eigenständigen Bildsprache.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Daniel Baumann: Art Brut? Outsider Art? Denkfigur und Behauptung. In: Kunstbulletin. Nr. 3, 2001.
  2. a b c Leo Navratil: Schizophrenie und Kunst. Ein Beitrag zur Psychologie des Gestaltens. 1. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1965, S. 52.
  3. a b Johann Feilacher: ... der Künstler bin ich! In: Johann Feilacher (Hrsg.): johann hauser … der künstler bin ich. Residenz Verlag, Salzburg / Wien 2016, S. 48.
  4. Leo Navratil: Johann Hauser. Kunst aus Manie und Depression. Rogner und Bernhard, München 1978, ISBN 3-8077-0105-2.