Johann Heinrich Hottinger der Ältere

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Conrad Meyer (1618-1689): Johann Heinrich Hottinger, 1664

Johann Heinrich Hottinger (* 10. März 1620 in Zürich; † 5. Juni 1667 bei Zürich) war ein Schweizer Orientalist und reformierter Theologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hottinger studierte in Zürich, Genf, Groningen und Leiden orientalische Sprachen und Theologie. In Groningen besuchte er Vorlesungen bei Jacob Alting, in Leiden jene seines Lehrers und Förderers Jacobus Golius. Nachdem er England und Frankreich bereist hatte, wurde er 1642 in Zürich Professor der Kirchengeschichte, 1648 der Theologie und der orientalischen Sprachen und 1653 ordentlicher Professor der Rhetorik und Logik.

Zwei Jahre später folgte er einem Ruf des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz als Professor für das Alte Testament und Hebräisch nach Heidelberg. Als Rektor erneuerte er das Heidelberger Collegium Sapientiae, kehrte aber 1661 auf Wunsch des Zürcher Rats nach Zürich zurück und erhielt hier die Würde eines beständigen Rektors des Collegium Carolinum.

1664 reiste er als Zürcher Gesandter zu protestantischen Reichsfürsten und in die Niederlande.

Im Begriff, einem Ruf an die Universität Leiden zu folgen, ertrank er auf dem Weg zu seinem Landgut in Unterengstringen bei der Rettung von Reisenden mit dreien seiner Kinder bei der heutigen Kornhausbrücke in der Limmat.[1] Das aufsehenerregende, in Klageschriften und Druckgraphiken öffentlich erinnerte Unglück hatte ein im Hochwasser verborgener Pfahl verursacht, auf den der zum Transport verwendete Weidling aufgefahren war.[2]

Zu seinen Söhnen gehörten der Hebraist Johann Heinrich Hottinger (1647–1692), der Arzt und Physiker Salomon Hottinger (1649–1713), der Theologe Johann Jakob Hottinger (1652–1735) und der Arzt und Numismatiker Johann Konrad Hottinger (1655–1730).

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hottinger, der schon zeitgenössisch als einer der wichtigsten Vertreter der Zürcher reformierten Gelehrsamkeit galt, publizierte zahlreiche Werke über die Zürcher und europäische Reformations- und Kirchengeschichte, die Geschichte von Staat und Stadt Zürich und über theologische Streitfragen. Im Bereich der Orientalistik treten Abhandlungen über semitische Sprachen, orientalische Geschichte und Altertumskunde sowie Grammatiken hervor. Seine umfassende Belesenheit zeichnet sich in umfangreichen von ihm verfassten Katalogen und Bibliographien unter anderem der arabischen Literatur der Universitätsbibliothek Leiden und der Bestände der Zürcher Bürgerlichen Bibliothek ab.

Aus seinen Publikationen treten hervor:

  • Historia ecclesiastica (1651–1667, 9 Bde.)
  • Historia orientalis (Zürich 1651). doi:10.3931/e-rara-10820
  • Thesaurus philologicus, Clavis scripturae (Zürich 1649, 3. Ausg. 1669). doi:10.3931/e-rara-9903
  • Etymologicon orientale, sive Lexicon harmonicum heptaglotton (Heidelberg 1661)
  • Speculum Helvetico-Tigurinum pentágōnon, quo, breviter & succincte, de Helvetiorum, Tigurinorum cumprimis, agitur statu... (Zürich 1665). doi:10.3931/e-rara-9883
  • Johann Heinrich Hottinger: Stammbuch (=Album amicorum). Zürich etc., 1638–1654, Zentralbibliothek Zürich, Handschriften, Ms D 207 ac. doi:10.7891/e-manuscripta-53861

Neben den gedruckten Publikationen hinterliess er den heute in der Zentralbibliothek Zürich erhaltenen, noch immer unerschlossenen „Thesaurus Hottingeranus“, eine bedeutende Sammlung von mehrheitlich unveröffentlichten Schriften und Dokumenten zur Kirchengeschichte des 16. und 17. Jahrhunderts in 52 Bänden, enthaltend unter anderem Briefwechsel mit Martin Luther, Philipp Melanchthon, Erasmus von Rotterdam, Ulrich Zwingli, Rudolf Gwalther, Heinrich Bullinger, Konrad Pellikan, Theodor Zwinger, Theodor Beza, Josias Simmler, Aegidius Tschudi, Johann Jakob Breitinger sowie Hottingers umfangreiche eigene Korrespondenz mit herausragenden Schweizer und europäischen Gelehrten.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Bautz: Johann Heinrich Hottinger der Ältere. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 1079–1080.
  • Fritz Büsser: Johann Heinrich Hottinger und der „Thesaurus Hottingeranus“, in: Zwingliana 22 (1995), S. 85–108 (Digitalisat)
  • Hottinger d. Ä. In: Dagmar Drüll: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1652-1802, Berlin, Heidelberg; Springer-Verlag, 1991, S. 71–72.
  • Wilhelm GaßHottinger, Johann Heinrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 13, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 192 f.
  • Seth Jerchower und Heidi G. Lerner: Johann Heinrich Hottinger and the Systematic Organisation of Jewish Literature. In: Judaica Librarianship, Journal of the Association of Jewish Libraries, 13 (2007), S. 1–25. doi:10.14263/2330-2976.1080
  • Jan Loop: Johann Heinrich Hottinger: Arabic and Islamic Studies in the Seventeenth Century. Oxford: Oxford-Warburg Studies, 2013, ISBN 978-0-19-968214-0.
  • Jan Loop: The Swiss Orientalist Johann Heinrich Hottinger and the Leiden Manuscript Collection. Omslag. Bulletin van de Universiteitsbibliotheek Leiden en het Scaliger Instituut 9 (2012), S. 4-6.
  • Mühling, Andreas: Wiederaufbau und Konfessionelle Union. Johann Heinrich Hottinger in Heidelberg 1655–1661. In: Zwingliana 22 (2000), S. 47–62. (Digitalisat)
  • Ferenc Postma und Arian Verheij: In Signum Benevoli Affectus II. Menasseh Ben Israels‘s Album Inscription for Johann Heinrich Hottinger. In: Zutot: Perspectives on Jewish Culture, 2009, S. 75–79.
  • Pressel: Hottinger, Johann Heinrich. In: Johann Jakob Herzog (Hrsg.): Real-Encyklopädie für protestantische Theologie und Kirche, 6. Band, Stuttgart/Hamburg 1856, S. 287–290 (GoogleBooks).
  • Rudolf Pfister: Hottinger, Johann Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 9, Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 656 f. (Digitalisat).
  • Sarah Rindlisbacher: Mit Gottes Segen und obrigkeitlichem Auftrag. Die Zürcher Gesandtschaftsreise von Johann Heinrich Hottinger zu protestantischen Reichsfürsten und in die Niederlande 1664. In: Philippe Rogger, Nadir Weber (Hrsg.): Beobachten, Vernetzen, Verhandeln. Diplomatische Akteure und politische Kulturen in der frühneuzeitlichen Eidgenossenschaft (= Itinera. Beiheft zur Schweizerischen Zeitschrift für Geschichte. Band 45). Schwabe, Basel 2018.
  • Heinrich Steiner: Der Zürcher Professor Johann Heinrich Hottinger in Heidelberg. Zürich 1886, Digitalisat (DjVu-Format).
  • Rosmarie Zeller: Hottinger, Johann Heinrich. In: Historisches Lexikon der Schweiz.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johann Heinrich Hottinger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sandro Zimmerli: [Hottinger und sein Landsitz in:] Alte Zürcher Landsitze. Als die noble Gesellschaft das Limmattal entdeckte. In: Limmattaler Zeitung. 9. April 2016 (limmattalerzeitung.ch).
  2. Johann Heinrich Heidegger: Historia vitae et obitus I. Henrici Hottingeri, viri clarissimi et incomparabilis... Zürich 1667.
  3. Zentralbibliothek Zürich, Handschriften, Ms F 36 – Ms F 87; Ms F 88 – Ms F 90.