Johann Heinrich Ludwig Flögel

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Johann Heinrich Ludwig Flögel (* 10. Juni 1834 in Glückstadt; † 25. Januar 1918 in Ahrensburg) war ein deutscher Jurist, Astronom, Naturwissenschaftler und Naturfotograf. Kurzformen des Namens sind: Johann Heinrich Flögel, Johann H.L. Flögel und Johann Flögel.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Heinrich Flögel war ein vielseitiger Forscher. Von 1861 bis 1863 studierte er zunächst Rechtswissenschaften, war anschließend Finanzbuchhalter der schleswig-holsteinischen Regierung (1865), Bürochef der Königlichen Rechnungskommission (1867), Kirchspielvogt in Kiel (1871) und gleichzeitig Rechnungsführer der Großfürstlichen Witwen-Waisenkasse und 1875 Notar und Kirchspielvogt in Bad Bramstedt. Für seine hervorragende Verdienste auf dem Gebiete der Naturwissenschaften wurde Flögel bereits am 19. Juni 1875 von der Kieler Universität zum Ehrendoktor ernannt. Seit 1892 ließ sich Flögel als Privatgelehrter in Ahrensburg nieder, wo er weiterhin diverse naturwissenschaftliche Studien unternahm und sie in den damaligen wissenschaftlichen Zeitschriften publizierte. Hierzu gehörten vor allem biologische Untersuchungen an Insekten. Seine Sammlung von 416 nach seiner eigenen Methode (publiziert in: Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, 1902, Bd. 73, Seite 262 ff.) erstellten mikroskopischen Präparaten von 66 heimischen Blattlausarten und den dazugehörenden 110 anatomischen Präparaten verbrannte 1943 im Zoologischen Museum Hamburgs - ebenso wie alle seine anderen Blattlauspräparate und die im Hamburger Herbarium aufbewahrten Blattlausgallenpräparate.

Schneestern-Fotografie von 4. Dezember 1879 abends. - 147 mal vergrössert, gefallen bei minus 9° Celsius.

Nach dem neuesten Stand gilt Flögel als erster Mensch, dem es gelang, fotografische Aufnahmen von Schneekristallen anzufertigen. An den Rändern der Aufnahmen notierte er die Aufnahme-Bedingungen wie Zeit, Temperatur und Vergrößerung. Das erste Schneekristall-Bild datiert vom 1. Februar 1879. Das sind rund sechs Jahre früher als das von Wilson Bentley am 15. Januar 1885 gemachte Foto, das bisher als erstes Foto eines Schneekristalls galt.

Das erste Bild mit der Nummer 12 entstand am 1. Februar 1879. Es zeigt "2 Schneetafeln mit Blumencolorithartigen Strahlen, Vergrößerung 46fach. Diese Tafeln fielen aus heiterem Himmel auf die ausgelegte Platte und waren so klein, dass sie mit blossem Auge kaum gesehen kaum gesehen werden konnten. Auch das parasitisch auf der einen Tafel sitzende viel kleinere Täfelchen zeigt die Blumenblattform. Gehört zu den seltensten Vorkommnissen!" Originaltext des Bildes mit der Nummer 12 aus der Sütterlinschrift übertragen.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Diatomaceen in den Grundproben der Expedition zur Untersuchung der Ostsee. Kiel 1873. (mit Steintafeln)
  • Ueber die Höhe des Nordlichts und dessen Lage im Raum. Kiel 1873.
  • Ueber die Lippen einiger Oxyurisarten, Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie B. 19, H. 2, S. 234 ff.
  • Untersuchungen über die Structur der Zellwand in der Gattung Pleurosigma, M. Schultzens Archiv für mikroskopische Anatomie, Jahrg. 1870, B. 6, S. 472 ff. (mit Tafeln)
  • Ueber die quergestreiften Muskeln der Milben, M. Schultzens Archiv für mikroskopische Anatomie, Jahrg. 1872, B. 8, S. 69 ff.
  • Über den feineren Bau des Arthropodengehirns. Tageblatt der Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte 49, 115–120. 1876
  • Ueber den einheitlichen Bau des Gehirns in den verschiedenen Insecten-Ordnungen. Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie 30, 556–592. 1878
  • Notiz, betreffend die Geruchskörper im Insectengehirn. Zoologischer Anzeiger 6, 539–540. 1883
  • Serienpräparate. Zoologische Anzeiger 6, 565. 1883
  • Mein Dunkelkasten. Zoologische Anzeiger 6, 566–567. 1883
  • Ueber das Nervensystem von Demodex folliculorum. Verhandlungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte 64 (1), 120–121. 1891

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ehrendoktorwürde der Universität Kiel
  • Ehrenmitgliedschaft der Königlichen Mikroskopischen Gesellschaft

Literatur über Flögel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nicholas J. Strausfeld, Ernst-August Seyfarth: Johann Flögel (1834–1918) and the birth of comparative insect neuroanatomy and brain nomenclature. In: Arthropod Structure & Development. 37, 2008, S. 434, doi:10.1016/j.asd.2008.02.003.
  • Sibylle Bremer: Wem gehört die erste Foto-Flocke? Schleswig-Holsteinische Landeszeitung, Pinneberger Tageblatt u. a. vom 13. Februar 2010.

Weitere Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Herbert Weidner, Wilhelm Wagner: Die Entomologischen Sammlungen des Zoologischen Staatsinstituts und Zoologischen Museums, VII. Teil: Insecta IV; Mitteilungen.Hamburg.Zool.Mus.Inst, 1968, Bd. 65, Seiten 123 ff. (160) - [1]
  • Eduard Alberti: Lexikon der Schleswig-Holstein-lauenburgischen und eutinischen Schriftsteller 1866–1883, Band 1 – [2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johann Heinrich Ludwig Flögel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

https://www.abendblatt.de/region/stormarn/article206746729/Ahrensburg-besitzt-weltweit-erste-Schneeflocken-Fotos.html