Johann Heinrich Wilhelm Tischbein

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Selbstporträt an der Staffelei (1785)
Tischbeins Geburtshaus
Goethe in der Campagna, das bekannteste Werk des Malers

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, genannt Goethe-Tischbein (* 15. Februar 1751 in Haina (Kloster); † 26. Februar 1829 in Eutin) war ein deutscher Maler aus der hessischen Malerfamilie Tischbein.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sohn des Hainaer Klosterschreiners Johann Conrad Tischbein (1712–1778) war zunächst ein Schüler seines Onkels Johann Jacob Tischbein in Hamburg. 1772/73 unternahm er eine Studienreise nach Holland und arbeitete ab 1777 erfolgreich als Porträt-Maler in Berlin. Dort wurde er 1778 in die Freimaurerloge Zur Eintracht aufgenommen.[1]

Wie viele seiner Malerkollegen strebte Tischbein einen Studienaufenthalt in Italien an. Seinen ersten Aufenthalt in Rom konnte er 1779 mit einem Stipendium der Kasseler Akademie antreten. Dabei vollzog er nach einem intensiven Studium antiker Kunstwerke die Wende vom Stil des Rokoko zum Klassizismus. Er malte hier Landschaftsbilder, Historiengemälde und Stillleben. 1781 musste er aus Geldnot den Rom-Aufenthalt abbrechen. Er wandte sich danach nach Zürich, wo er im Kreis des Physiognomen Lavater und des Philologen Bodmer wirkte.

1783 konnte er nach Rom zurückkehren, nachdem ihm durch Goethes Vermittlung von Herzog Ernst II. von Gotha-Altenburg ein weiteres Stipendium von 100 Dukaten jährlich bewilligt worden war. Bei diesem zweiten Italien-Aufenthalt, der bis 1799 dauerte, freundete er sich 1786 mit dem inkognito reisenden Goethe an, mit dem er 1787 nach Neapel reiste (vgl. Italienische Reise). 1786 entstand auch das berühmte Gemälde Tischbeins, das Goethe als Reisenden in der römischen Campagna zeigt und das zum Inbegriff der Sehnsucht nach Arkadien wurde. Es gelangte später nach Deutschland und wurde 1887 von der Bankiers-Familie Rothschild dem Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main geschenkt, wo es noch heute zu sehen ist.

Vom Herbst 1789 bis 1799, als französische Truppen in Neapel einmarschierten, war Tischbein Direktor der noch heute bestehenden dortigen Kunstakademie (Accademia di Belle Arti).

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland 1799 gründete Tischbein in Göttingen eine Zeichenakademie für Damen, an der von 1799 bis 1801 auch Tischbeins Neffe Wilhelm Unger tätig wurde.[2]

Ab 1808 wirkte er am Hofe von Peter I., dem Prinzregenten von Oldenburg. Von da an lebte er bis zu seinem Tod 1829 in Eutin.

Weniger bekannt ist das literarische Schaffen Tischbeins, seine Autobiographie Aus meinem Leben (niedergeschrieben seit 1810) und seine von Goethe hoch geschätzten Briefe. Dieser Teil seines Oeuvres wird in der Studie des Schriftstellers Friedrich Ernst Peters gewürdigt, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829).

Sein Sohn Peter Friedrich Ludwig Tischbein war Förster und Naturforscher.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemälde (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familienszene (1778)
Tischbeins Tochter Ernestine, 1810, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Schriftsteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Schwachmatikus und seine vier Brüder (Bruchstück eines Romans.) In: Vaterländisches Museum, Bd. 2, Heft 1, Friedrich Perthes, Hamburg 1811, S. 74 ff., (online)
  • Aus meinem Leben, C. A. Schwetschke & Sohn, Braunschweig 1861, (online).
  • Aus meinem Leben. Hrsg. von Dr. Carl G. W. Schiller. C. A. Schwetschke und Sohn, Braunschweig 1861;[3] Neuausgabe, hrsg. und mit einem Nachwort versehen von Kuno Mittelstädt, Henschelverlag, Berlin 1956.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johann Heinrich Wilhelm Tischbein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karlheinz Gerke: Die Mitglieder der Berliner Freimaurerloge ‚Zur Eintracht’ 1754-1815 in 260 Jahre Johannisloge zur Eintracht S.38. Johanniskoge zur Eintracht e.V., 2014; abgerufen am 3. Mai 2015. pdf 4,5 MB
  2. Eckhard Unger: Unger, Wilhelm. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 33: Theodotos–Urlaub. E. A. Seemann, Leipzig 1939, S. 575.
  3. http://www.zeno.org/nid/20003856674