Johann Joachim Brenner

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Die Kantonsbibliothek Frauenfeld, ehemals Kantonsschule, der erste Bau Brenners, 1851 fertiggestellt.

Johann Joachim Brenner (geb. 3. Oktober 1815 in Weinfelden; gest. 11. April 1886 in Frauenfeld) war ein Schweizer Architekt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brenner hat wohl zunächst eine Berufslehre gemacht, vermutlich wurde er in Zürich als Steinmetz ausgebildet. Jedenfalls schrieb er sich 1833 an der Zürcher Universität ein und belegte bei Karl Ferdinand von Ehrenberg das Kollegium Allgemeine bürgerliche und höherer Baukunst – eine akademische Architektenausbildung im engeren Sinne gab es in der Schweiz damals noch nicht. Wahrscheinlich blieb der junge Architekt daraufhin bis 1839 in Zürich, er war jedenfalls Gründungsmitglied der Zürcher Sektion des SIA und zahlte auch im folgenden Jahr die Mitgliedsbeiträge. Ab 1839 war er wohl, wie Dokumente aus dem Nachlass bezeugen, für weitere Studien in Genf, wo Gaetano Durelli (1789–1855), der aus der Tradition der Mailänder Accademia di Brera kam, die städtische Zeichenschule zur ‚École d'ornement et d'architecture‘ ausgebaut hatte. Aus der Genfer Zeit zwischen 1839 und 1847 sind Zeichnungen von Reisen nach Oberitalien und Frankreich (Mailand, Pisa, Florenz, Nîmes, Marseille) sowie aus mehreren Reisen in verschiedene deutsche Städte (München, Nürnberg, Hamburg, Kiel, Berlin, Naumburg, Erfurt, Frankfurt etc.) erhalten.

1847 erhielt er aus dem Hauptort seines Heimatkantons den ersten grösseren Auftrag: Die Kantonsschule in Frauenfeld, die bis 1851 fertiggestellt, infolge eines Volksvetos 1850 dann aber erst 1857 bis 1858 ausgebaut wurde. Spätestens 1850 liess er sich dann in Frauenfeld endgültig nieder, als er das Amt des kantonalen Strassen- und Bauinspektors antrat, eine Stelle, die ihm wohl erlaubte, nebenbei auch private Aufträge zu erledigen, die es aber erforderte, in Frauenfeld zu wohnen. Insgesamt war er nur drei Jahre in dieser Position, anschliessend bis zu seinem Lebensende war er selbständig tätig. 1857 heiratete er die Weinfelder Pfarrerstochter Regula Denzler, er war Vater der Architekten Albert (1860–1939) und Joachim Wilhelm (1867–1924).

Wohl ausgehend von seiner Stelle als Bauinspektor bearbeitete Brenner im Laufe seines Berufslebens einen grossen Teil des Spektrums öffentlicher Bauaufträge, vom Brückenbau bis hin zum Regierungsgebäude. Ein guter Teil seiner Neubauten bestand in Schulen, Pfarrhäusern und Kirchgebäuden. Daneben baute er aber, meist im Thurgau, teilweise auch im benachbarten St. Gallen, Fabriken, Arbeiterhäuser, Wohngebäude und Villen. Nach der Überschwemmungskatastrophe vom 10./11. Juni 1876, als die Murg über die Ufer trat, legte er zudem Pläne einer Flusskorrektion vor.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[1]
  • Kantonsschule, Frauenfeld 1847–51[2]
  • Fabrikgebäude Raschle & Co, Wattwil 1855/1864
  • Brücke über die Lauche, Stettfurt 1857
  • Weberei Altermatt, Frauenfeld 1858–60, 1868
  • Weberei Bühler, Weinfelden 1858
  • Wohnhaus Lieber, Frauenfeld 1860[3]
  • Schulhaus, Aadorf 1861
  • Promenadenschulhaus, Frauenfeld 1862–63, abgebrochen 1966[4]
  • Kaserne, Frauenfeld 1863[5]
  • St. Alexander, katholische Kirche, Aadorf 1863–65
  • Gefängnisbauten, Tobel 1863/1880
  • Wohnhaus Johann Joachim Brenner, Frauenfeld 1864[6]
  • Seeschulhaus, Steckborn 1866
  • Paritätische Kirche, Sirnach 1865–74
  • Regierungsgebäude, Frauenfeld 1866[7]
  • Schulhaus Kurzdorf, Frauenfeld 1870[8]
  • Schulhaus, Salenstein 1874
  • Sekundarschulhaus, Altnau 1875–77
  • Schulhaus, Zihlschlacht 1876–77
  • Pfarrhaus, Pfyn 1875–77
  • Wohnhaus Rosenberg, Frauenfeld 1882–83[9]
  • Villa von Streng, Sirnach 1883–84
  • Villa Friedau, Frauenfeld 1884–85[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gabriela Güntert: Sie bauten den Thurgau: Die Architekten Brenner. Huber, Frauenfeld 2004. ISBN 3-7193-1369-7 (mit Werkkatalog)
  • Jürg Ganz: Brenner-Drenzler, Johann-Joachim (sic!) In: Isabelle Rucki und Dorothee Huber (Hrsg.): Architektenlexikon der Schweiz - 19./20. Jahrhundert. Birkhäuser, Basel 1998. ISBN 3-7643-5261-2. S. 90–91

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Laut Neubauten des Werkkatalogs in
    Gabriela Güntert: Sie bauten den Thurgau: Die Architekten Brenner. Huber, Frauenfeld 2004. ISBN 3-7193-1369-7
  2. Hanspeter Rebsamen: Inventar der neueren Schweizer Architektur, 1850–1920. Frauenfeld. In: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): INSA. Band 4. Orell Füssli, Zürich 1982, ISBN 3-280-01398-4, S. 127, doi:10.5169/seals-5494 (online [abgerufen am 7. Oktober 2015]).
  3. INSA Band 4 S. 134 (online)
  4. INSA Band 4 S. 127 (online)
  5. INSA Band 4 S. 109 (online)
  6. INSA Band 4 S. 135 (online)
  7. INSA Band 4 S. 128 (online)
  8. INSA Band 4 S. 135 (online)
  9. INSA Band 4 S. 148 (online)
  10. INSA Band 4 S. 140 (online)