Johann Josef Böker

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Johann Josef Böker

Johann Josef Böker (* 30. März 1953 in Dalhausen/Westfalen) ist ein deutscher Architekturhistoriker. Bis zu seiner Emeritierung 2018 war er Inhaber des Lehrstuhls für Baugeschichte an der Fakultät für Architektur des Karlsruher Instituts für Technologie.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Besuch des Gymnasium Marianum in Warburg studierte Johann Josef Böker Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Geschichte an den Universitäten Köln, Saarbrücken und Münster. 1977/78 verbrachte er als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes einen Forschungsaufenthalt am St John’s College Oxford. Dabei entstand die Untersuchung Der Beginn einer Spätgotik innerhalb der englischen Architektur zwischen 1370 und 1450, mit der er 1979 bei Hans Erich Kubach in Saarbrücken promovierte. Nach Abschluss des Studiums war Böker in der Denkmalpflege tätig, zunächst 1979 am Staatlichen Konservatoramt des Saarlandes und von 1980 bis 1982 am Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Von 1982 bis 1988 war er Hochschulassistent unter Cord Meckseper am Institut für Bau- und Kunstgeschichte der Universität Hannover, wo er sich 1987 mit einer Arbeit über die spätgotische Marktpfarrkirche St. Lamberti in Münster habilitierte. 1988 war Böker Gastprofessor an der University of Toronto (Kanada), anschließend übernahm er bis 1989 eine Lehrstuhlvertretung am Kunstgeschichtlichen Institut der Universität Bochum. 1989 wurde er als Professor für Architekturgeschichte an die McGill University in Montreal berufen. 2005 wechselte Böker als Professor für Baugeschichte an die Fakultät für Architektur der Universität Karlsruhe (TH). Von 2005 bis 2014 leitete er zudem das Südwestdeutsche Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai).

Forschungsprojekt Gotische Baurisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Böker war Leiter des von 1999 bis 2005 vom Social Sciences and Humanities Research Council of Canada (SSHRC) und 2007 bis 2014 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten und inzwischen abgeschlossenen Forschungsprojekts Architekturzeichnungen der Gotik, das die rund 650 erhaltenen gotischen Bauzeichnungen im deutschsprachigen Raum erfasst, analysiert und in drei Bänden unter dem Titel Architektur der Gotik zwischen 2005 und 2013 ediert hat. Die Auswertung des Planmaterials führte dazu, dass die Baugeschichte einer ganzen Reihe von bedeutenden Sakralbauten neu geschrieben werden musste. Zu den wichtigen Ergebnissen gehört die Identifizierung des Laurenz Spenning als einem der maßgeblichen Dombaumeister des Wiener Stephansdomes und die Abgrenzung seines Werks von dem seines Vorgängers Hans Puchsbaum.[1] Die in der Öffentlichkeit am meisten beachtete These Bökers besagt, dass Erwin von Steinbach den Turm des Freiburger Münsters erbaut habe.[2] Diese Position fand eine ausführliche Darstellung in dem 2012 für Arte gedrehten Dokumentarfilm Die Kathedrale – Die Baumeister des Straßburger Münsters von Marc Jampolsky. Ein weiteres Ergebnis der Untersuchungen stellt die Spätdatierung des Fassadenrisses des Kölner Domes auf 1380 statt 1280 und seine Zuschreibung an Michael von Savoyen dar.

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher und Teile von Büchern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael von Savoyen und der Fassadenriss des Kölner Domes. Böhlau, Köln 2018. ISBN 978-3-412-50098-6.
  • als Herausgeber: "Eine etwas bankerotte Kunstanstalt..." – Die Alt-Karlsruher Schule zwischen Hübsch und Durm. (= Materialien zu Bauforschung und Baugeschichte. Band 24). Karlsruhe 2017.
  • als Mitherausgeber: Der Bauforscher Arnold Tschira 1910–1969. (= Materialien zu Bauforschung und Baugeschichte. Band 23). KIT-Verlag, Karlsruhe 2017, ISBN 978-3-7315-0656-0. (Besprechung des Buches in den Badischen Neuesten Nachrichten)
  • Eine Königswahlkirche für Frankfurt. Zur Auffindung zweier gotischer Baurißfragmente aus Kloster Eberbach. In: Der Denkmalpfleger als Vermittler. Gerd Weiss zum 65. Geburtstag (Arbeitshefte des Landesamtes für Denkmalpflege, XXV). Theiss, Stuttgart 2014, S. 197–208. ISBN 978-3-8062-3006-2.
  • Die mittelalterlichen Baurisse zum Regensburger Dom. In: Achim Hubel, Manfred Schuller (Hrsg.): Der Dom zu Regensburg. Textband 1 (= Die Kunstdenkmäler von Bayern NF, Band 7. Teil 2). Friedrich Pustet, Regensburg 2013, ISBN 978-3-7917-2333-4, S. 339–350.
  • als Mitautor: Die Architektur der Gotik.
    • Die Rheinlande. Ein Bestandskatalog der mittelalterlichen Architekturzeichnungen. Müry & Salzmann, Salzburg 2013, ISBN 978-3-99014-064-2.
    • Ulm und der Donauraum. Ein Bestandskatalog der mittelalterlichen Architekturzeichnungen aus Ulm, Schwaben und dem Donaugebiet. Müry & Salzmann, Salzburg 2011, ISBN 978-3-99014-040-6.
  • Der Wiener Stephansdom. Ein Sinnbild des Hauses Österreich. Anton-Pustet-Verlag, Salzburg 2007, ISBN 978-3-7025-0566-0.
  • Architektur der Gotik. Bestandskatalog der weltgrößten Sammlung an gotischen Baurissen der Akademie der Bildenden Künste Wien. Anton-Pustet-Verlag, Salzburg 2005, ISBN 3-7025-0510-5.
  • Die Architektur der Schlosskirche. In: Karlheinz Nestle (Hrsg.): Schlosskirche Meisenheim 1504–2004. Bewegende Geschichte und lebendige Gegenwart eines einzigartigen Bauwerks. Ev. Kirchengemeinde, Meisenheim 2003/4, ISBN 3-00-011685-0, S. 65–99.
  • Laurenz Spenning und der Wiener Dombau im 15. Jahrhundert. Beiheft zur Ausstellung Geheimnis im Stein. Das Erbe der mittelalterlichen Dombauhütte und ihrer Meister, 12. Juni bis 30. September 2001 in der Kartause Mauerbach. Österreichisches Bundesdenkmalamt, Wien 2001.
  • Romanische Sakralarchitektur in Soest. In: Heinz-Dieter Heimann (Hrsg.): Soest. Geschichte der Stadt. Band I: Der Weg ins städtische Mittelalter. (= Soester Beiträge. LII). Mocker & Jahn, Soest 2010, ISBN 978-3-87902-042-3, S. 751–874.
  • Gotische Sakralarchitektur in Soest. In: Heinz-Dieter Heimann (Hrsg.): Soest. Geschichte der Stadt. Band II: Die Welt der Bürger. (= Soester Beiträge. LIII). Mocker & Jahn, Soest 1996, ISBN 3-87902-043-4, S. 461–526.
  • als Mitherausgeber: The Emblem and Architecture. Studies in Applied Emblematics from the Sixteenth to the Eighteenth Centuries. (= Imago Figurata. Studies. Band 2). Brepols, Turnhout 1999.
  • Idensen: Architektur und Ausmalung einer romanischen Hofkapelle. Gebr. Mann-Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-7861-1799-3.
  • Die Marktpfarrkirche St. Lamberti in Münster: Die Bau- und Restaurierungsgeschichte einer spätgotischen Stadtkirche. (= Denkmalpflege und Forschung in Westfalen. Band 18). Rudolf-Habelt-Verlag, Bonn 1989, ISBN 3-7749-2382-5.
  • Mittelalterliche Backsteinarchitektur Norddeutschlands. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988, ISBN 3-534-02510-5.
  • als Mitautor: Baudenkmale in Hessen: Schwalm-Eder-Kreis. Teil I, (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). Vieweg-Verlag, Braunschweig/ Wiesbaden 1985.
  • Englische Sakralarchitektur des Mittelalters. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1984, ISBN 3-534-09542-1.
  • Der Beginn einer Spätgotik innerhalb der englischen Sakralarchitektur zwischen 1370 und 1450. (= XVIII. Veröffentlichung der Abteilung Architektur des Kunsthistorischen Instituts der Universität zu Köln). Köln 1981.

Aufsätze in Zeitschriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ein neuaufgefundener Bauriss des Freiburger Münsterturms. In: Insitu – Zeitschrift für Architekturgeschichte 10, 2018, S. 25–36.
  • Madern Gerthener und die Frage der Autorschaft der Frankfurter Domturmpläne. In: Insitu – Zeitschrift für Architekturgeschichte. 8, 2016, S. 163–180.
  • Ein mittelalterliches Bauaufmaß der Stiftskirche Zwettl. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege. 63, 2009, S. 196–205.
  • Der spätgotische Umbau der Klosterkirche der Kartause Gaming. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege. 60, 2006, S. 223–234.
  • Der Chor der Stadtpfarrkirche Steyr und seine Baumeister. In: Österreichische Zeitschrift für Kunst und Denkmalpflege. 57, 2003, S. 213–232.
  • Ita Pius iusserat, qui exemplar apud Germanos in Austria vidisset: Die spätgotischen Vorbilder des Domes von Pienza in Österreich. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte. 49, 1996, S. 57–74 und 301–306.
  • Die spätgotischen Schaufassaden des Domes zu Münster. In: Wallraf-Richartz-Jahrbuch für westdeutsche Kunstgeschichte. 54, 1993, S. 31–75. (Digitalisat)
  • Bischof Sigward und der Mindener Dombau im 12. Jahrhundert. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte. 31, 1992, S. 23–37.
  • York Minster’s Nave: The Cologne Connection. In: Journal of the Society of Architectural Historians. 50, 1991, S. 167–180.
  • Die spätgotische Nordhalle des Braunschweiger Domes. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte. 26, 1987, S. 51–62.
  • Die Marktkirche in Hannover: Zur zeitlichen Stellung der gotischen Backsteinhalle. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte. 25, 1986, S. 33–46.
  • Die Portalskulpturen der Christuskirche in Hannover: Ergänzungen zum Werk der Kölner Dombildhauer Christian Mohr, Peter Fuchs und Edmund Renard. In: Niederdeutsche Beiträge zur Kunstgeschichte. 24, 1985, S. 185–200.
  • Die Michaelskirche auf dem Rotenberg in Saarbrücken, ein Kirchenbau zwischen Historismus und Neuer Sachlichkeit. In: Bericht der Staatlichen Denkmalpflege im Saarland. 27, 1980–90, S. 123–153.
  • Der Augsburger Dom-Ostchor. Überlegungen zu seiner Planungsgeschichte im 14. Jahrhundert. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben. 77, 1983, S. 90–102.

Internetquellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Historischer Absturz für Meister Puxbaum. In: derStandard.at. 13. Juni 2001, abgerufen am 6. Dezember 2017.
  2. Architektur der Gotik: Meister Erwin ins Spiel gebracht. auf: badische-zeitung.de, 7. Juni 2013.