Johann Maier (Prediger)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gedenktafel für Johann Maier im Regensburger Dom

Johann Maier (* 23. Juni 1906 in Berghofen, heute zu Aham, Niederbayern; † 24. April 1945 in Regensburg) war katholischer Priester und von 1939 bis zu seinem Tod Domprediger im Dom zu Regensburg.

Leben[Bearbeiten]

Johann Maier wurde am 23. Juni 1906 in Berghofen als viertes Kind von Bauern geboren. Die Volksschule besuchte er in Marklkofen, um dann 1918 auf das Gymnasium der Benediktinerabtei in Metten zu wechseln, das er im Jahr 1927 mit Erfolg abschloss.

Theologiestudium[Bearbeiten]

Im Anschluss daran ging er für ein Theologiestudium an der Philosophisch-theologischen Hochschule Regensburg. Auf Empfehlung des damaligen Generalvikar Johann Baptist Höcht verließ er Regensburg ein Jahr später und besuchte daraufhin das Priesterseminar am Germanikum im Rom. Die Priesterweihe erhielt Maier dort am 27. Oktober 1933 und im Juli des folgenden Jahres er schloss als Doktor der Theologie die Studien ab.[1]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Die Jahre 1934 bis 1938 verbrachte er als Priester in München, Fichtelberg und Weiden. Zum 1. April 1938 wurde er als Spiritual nach dem Dominikanerinnen-Kloster Strahlfeld gerufen, das er schon nach einem Semester Richtung Regensburg verließ, um einem Ruf als Repetitor an der dortigen Hochschule zu folgen. Im Jahr darauf, im Mai 1939, bestellte man Johann Maier zum Domprediger. Die Philosophisch-Theologische Hochschule wurde zu Kriegsbeginn wie alle kirchlichen Hochschulen in Bayern auf Anordnung geschlossen. Maier galt als stiller, aber konsequenter Gegner der nationalsozialistischen Regimes, seine Predigten wurden von der Geheimen Staatspolizei überwacht.[2]

Maiers Wirken in der Schlussphase des „Dritten Reichs“[Bearbeiten]

Am 22. April 1945 forderte Gauleiter Ludwig Ruckdeschel in Regensburg die Verteidigung der Stadt bis zum Äußersten. Doch bereits am Tag darauf überquerten US-Panzerverbände die Donau bei Dillingen und die deutschen Truppen zogen sich auf ganzer Linie zurück.

Am selben Tag, dem 23. April, versammelte sich auf dem Moltkeplatz, dem heutigen Dachauplatz, eine aufgeregte ca. tausendköpfige Menschenmenge, die für eine kampflose Übergabe der Stadt demonstrierte. Der Domprediger Johann Maier ergriff im weiteren Verlauf das Wort, um die Menge zu beruhigen. Er wollte die Demonstrationsteilnehmer auffordern, nur um eine kampflose Übergabe der Stadt zu bitten und keine Forderungen an den NSDAP-Kreisleiter zu stellen. Noch vor Abschluss seiner Rede wurde er von Polizisten in Zivil festgenommen. Ebenso wurden weitere Teilnehmer der Demonstration verhaftet.

Der anwesende Ruckdeschel forderte die sofortige Erhängung im Angesicht der Menge, ließ sich dann aber zu einem Standgerichtsverfahren überreden.[3] Maier wurde noch am gleichen Abend von einem Standgericht wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode durch den Strang verurteilt. Den Vorsitz des Standgerichts hatte der Regensburger Landgerichtsdirektor Johann Schwarz inne, als Staatsanwalt fungierte Alois Then und als Prozessbeobachter des Gauleiters war der SS-Obergruppenführer Paul Hennicke anwesend. Als Beisitzer des Standgerichts traten der stellvertretende Geschäftsführer der Regensburger Milchwerke und Vorsitzende des Parteigerichts der NSDAP, Hans Gebert, und der Gendarmerie-Major Richard Pointner auf.[4] Der Regensburger Bischof Michael Buchberger unterließ jegliche Unterstützung des Angeklagten Maier, schwieg aus Angst und hielt sich in einem Keller versteckt.

Am Morgen des 24. April 1945 um 3.25 Uhr wurde Maier zusammen mit dem 64-jährigen Regensburger Bürger Josef Zirkl auf dem Moltkeplatz gehenkt; um den Hals trug er ein Pappschild mit der Aufschrift „Ich bin ein Saboteur“. Der am Vortag während der Demonstration getötete Michael Lottner wurde zu den beiden Gehenkten gelegt.

Gedenktafel für Maier an dessen Wohnhaus

Maier und das Regensburger Kriegsende[Bearbeiten]

Am Tag des 26. Aprils verließen die Wehrmachtseinheiten und der Kampfkommandant Hans Hüsson die Stadt Regensburg in Richtung Südosten.[5] Major Othmar Matzke, der ranghöchste und entgegen der Befehlslage in der Stadt verbliebene Offizier, schickte daraufhin in den Morgenstunden des 27. Aprils in Absprache mit Oberbürgermeister Otto Schottenheim[6] Generalmajor Leythäuser a. D. als Parlamentär zu den US-amerikanischen Truppen. Dieser bot eine bedingungslose Kapitulation an und daraufhin wurde Regensburg kampflos an die 3. US-Armee übergeben.[7] Nach dem rein militärisch motivierten Truppenrückzug und aufgrund der bedingungslosen Kapitulation blieb die Stadt weitgehend unzerstört. Das Engagement von Johann Maier bzw. die o.g. Demonstration spielte hierbei keine Rolle.[8]

Siehe auch: Endphaseverbrechen.

Würdigung[Bearbeiten]

  • Maiers Grab befindet sich in der Bischofsgrablege des Domes. Im Dom erinnert eine Gedenktafel an ihn. Ebenso erinnert eine Statue auf dem Dachauplatz an ihn und an Josef Zirkl und Michael Lottner.
  • Die katholische Kirche hat den Domprediger Dr. Johann Baptist Maier, den Lagerarbeiter Josef Zirkl und den Gendarmerie-Hauptwachtmeister i.R. Michael Lottner als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz), Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, 6., erweiterte und neu strukturierte Auflage Paderborn u.a. 2015, ISBN 978-3-506-78080-5, Band I, S. 636-640.
  • Karl Hausberger: Sterben, damit andere leben können. Der Regensburger Domprediger Dr. Johann Maier (1906–1945). Schnell & Steiner, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1758-9
  • Anton M. Kormann: Domprediger Dr. Johann Maier. Erinnerungen an einen Blutzeugen. 1995, ISBN 3-980-40162-6
  • Christian Feldmann: Der Domprediger. Dr. Johann Maier – ein Leben im Widerstand. Mittelbayerische Druck- und Verlagsgesellschaft, Regensburg 1995, ISBN 3-927529-72-9
  • Werner Chrobak, Paul Mai, Barbara Möckershoff: 50 Jahre danach. Domprediger Dr. Johann Maier und seine Zeit. Schnell & Steiner, Regensburg 1995, ISBN 3-7954-1083-5
  • Helmut Halter: Stadt unterm Hakenkreuz. Kommunalpolitik in Regensburg während der NS-Zeit, Universitätsverlag Regensburg, 1994, ISBN 3-9803470-6-0
  • Ekkart Sauser: Maier, Johann. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 14, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5, Sp. 1223–1224.
  • Martin Deubzer: Der Justizmord an Domprediger Dr. Maier. In: Konrad Hofmann (Hrsg.): Schlaglichter. Belege und Bilder aus dem Kampf gegen die Kirche. (= Das christliche Deutschland 1933 bis 1945. Katholische Reihe. Heft 8.) Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 1947.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ludwig Weikl: Domprediger Dr. Johann Maier 1906–1945, in: Georg Schwaiger und Paul Mai (Hg.): Das Bistum Regensburg im Dritten Reich, Verlag des Vereins für Regensburger Bistumsgeschichte 1981, S. 441.
  2. Christian Feldmann: Der Domprediger. Dr. Johann Maier – ein Leben im Widerstand. 1995, S. 148.
  3. Albrecht Bald: „Braun schimmert die Grenze und treu steht die Mark!“ Der NS-Gau Bayerische Ostmark/Bayreuth 1933–1945. Grenzgau, Grenzlandideologie und wirtschaftliche Problemregion, Bayreuth 2014 (= Bayreuther Rekonstruktionen, Bd. 2), S. 140
  4. Christian Feldmann: Der Domprediger, 1995, S. 172–173.
  5. Jürgen Mulert: Amerikanischen Quellen zur Vorgeschichte der Kapitulation von Regensburg im April 1945, in: Verhandlungen des Historischen Vereins Regensburg und der Oberpfalz(VHVO) Band 127, 1987, S. 274.
  6. Helmut Halter: Stadt unterm Hakenkreuz, 1994, S. 549.
  7. Joachim Brückner: Kriegsende in Bayern 1945, Verlag Rombach Freiburg, 1987, S. 154.
  8. Werner Johann Chrobak: Domprediger Dr. Johann Maier — ein Blutzeuge für Regensburg, in: Verhandlungen des Historischen Vereins Regensburgs und der Oberpfalz (VHVO) 125, 1985, S. 483; online verfügbar (letzter Zugriff Mai 2012).

Weblinks[Bearbeiten]