Johann Paul von Westhoff

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Westhoff: Gigue

Johann Paul von Westhoff (* 1656 in Dresden; begraben 17. April 1705 in Weimar) war ein deutscher Komponist und Violinist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Paul von Westhoff war Sohn des ursprünglich aus Lübeck stammenden Rittmeisters, Lautenisten und kurfürstlich sächsischen Posaunisten Friedrich von Westhoff. Wegen seiner besonderen Sprachbegabung wurde Westhoff 1671 Informator der sächsischen Prinzen. Drei Jahre später wurde er bei einem Gehalt von 400 Gulden in die Dresdner Hofkapelle aufgenommen. Ab dem gleichen Jahr war er Lehrer der sächsischen Prinzen Johann Georg und Friedrich August in der italienischen, französischen und spanischen Sprache. Reisen führten ihn 1679 nach Schweden und ins Baltikum. Als Fähnrich der Leibgarde des Generals Graf von Schulz nahm er 1680 an der Belagerung von Buda gegen die Aufständischen unter Emmerich Thököly teil. Auf Geheiß des Churfürsten quittierte Westhoff noch im gleichen Jahr seinen Dienst. 1684 unternahm er Kunstreisen nach Italien, Frankreich, Nieder-Deutschland, die südlichen Niederlande (Brabant und Flandern) und England. In Paris erschienen zwei seiner Sonaten im Mercure Galant, in Wien verlieh ihm der Kaiser für seine musikalischen Verdienste eine goldene Gnadenkette. Zu den Reisen schrieb Johann Gottfried Walther:

„... woselbst er nicht nur mit den berühmtesten gelehrtesten Leuten und Virtuosen bekannt, sondern auch so gar mit dem Groß-Herzoge von Florenz, und Könige in Frankreich mit ansehnlichen Präsenten begnadigt worden, auch hernach an 1684 am Kayserl. Hofe geschehen, alswo man ihm eine güldene Kette anhängen lassen.“[1]

Nachdem August der Starke zum Katholizismus übergetreten war, unterrichtete Westhoff neuere Sprachen an der Universität Wittenberg. 1699 kam er als Kammersekretär, Kammermusikus und als Sprachmeister für Französisch und Italienisch an den Hof von Weimar.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Westhoff zählte zu Lebzeiten mit Heinrich Ignaz Franz Biber und Johann Jakob Walther zu den führenden Violinisten im deutschen Sprachraum. Sein Stil ist durch den des etwas älteren Walther beeinflusst, mit dem er mehrere Jahre in der Dresdner Hofkapelle wirkte.

Es sind vier seiner Werke überliefert, ein Erstes Dutzend Allemanden, Couranten, Sarabanden und Giguen (Dresden 1682) ist verschollen. Bei den im Mercure galant veröffentlichten handelt es sich um eine Sonata für Violine und Basso continuo (Dezember 1682) und eine fünfsätzige Suite pour le violon seul sans basse (Januar 1683). 1694 erschien in Dresden eine Sammlung von sechs Sonaten für Violine und Basso continuo, 1696 ebenfalls in Dresden eine solche von sechs Suiten für Violine solo. Insbesondere in den Suiten werden die bis dahin geltenden Grenzen für das mehrstimmige Spiel auf der Violine ausgelotet. Da Westhoff als Konzertmeister[2] während mehrerer Jahre wie Johann Sebastian Bach am Hof von Sachsen-Weimar tätig war und dieser folglich Westhoffs Werk kennen musste, gelten die Suiten für Violine ohne Bass von 1696 als wichtige Vorläufer der gleichartigen Sonaten und Partiten Bachs.[3][2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johann Paul von Westhoff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johann Gottfried Walther: Musicalisches Lexicon oder Musicalische Bibliothec. Wolffgang Deer, Leipzig 1732, S. 649–650 (Textarchiv – Internet Archive).
  2. a b Bernhard Moosbauer: Johann Sebastian Bach - Sonate und Partiten für Violine solo. Bärenreiter, Kassel usw. 2015, ISBN 978-3-7618-2220-3.
  3. Kai Köpp: Westhoff, Johann Paul von. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 17 (Vina – Zykan). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2007, ISBN 978-3-7618-1137-5, Sp. 832–833 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)