Johann Reinhard Hedinger

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Porträt von Johann Reinhard Hedinger.

Johann Reinhard Hedinger (* 7. September 1664 in Stuttgart; † 28. Dezember 1704 in Stuttgart) war ein deutscher evangelischer Theologe, der als Vertreter des frühen Pietismus die Reformideen Philipp Jakob Speners in das Herzogtum Württemberg und seine Theologenausbildung einführte. Er verfasste die maßgeblichen Lehrbücher für die Fächer der praktischen Theologie: Homiletik (Predigtlehre), Katechetik, Poimenik (Seelsorge). Auch ein Gesangbuch gab er heraus. Die Liturgie der württembergischen Konfirmation geht auf seinen Entwurf von 1704 zurück.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Reinhard Hedinger war der Sohn des Stuttgarter Hofadvokaten Johann Reinhard Hedinger (1639–1668) und der Prälatentochter Christiana geb. Schübel. Er besuchte zunächst die Deutsche Schule, dann die Lateinschule in Stuttgart und wechselte 1677 in die evangelische Klosterschule nach Hirsau, zwei Jahre später in die Klosterschule in Bebenhausen. Ab 1681 studierte er als Stipendiat des württembergischen Herzogs am Evangelischen Stift Tübingen. Danach wurde er Prinzenerzieher, Reise- und Feldprediger des Herzoghauses. Von 1694 bis 1699 war Hedinger Professor für Naturrecht, später auch für Völkerrecht, und Prediger an der Universität Gießen. 1699 wurde er Hofprediger und Konsistorialrat in Stuttgart. Seine Veröffentlichung einer kommentierten und korrigierten Luther-Bibel löste große Auseinandersetzungen aus. Hedinger war seit 1694 verheiratet mit Christina Barbara geb. Zierfuß aus Kirchheim/Teck.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andächtiger Hertzens-Klang ..., neu zusammengelesenes Gesangbuch ..., Stuttgart 1700
  • Kurze Anleitung und wohlgemeinte Vorschläge, wie es mit einer nützlich- und erbaulichen Predigt-Art anzugreifen, Stuttgart 1700
  • Christliche ... Erinnerungen ..., die Unterrichtung der Jugend in der Gottseeligkeit betr., Stuttgart 1700
  • Biblisches Schatzkästlein oder vollständiges Spruchbuch, Stuttgart 1701
  • Passionsspiegel oder 12 andächtige Betrachtungen über so viel merkwürdige Umstände des blutigen Leidens und Sterbens Jesu Christi, unsers Herrn, deren jede mit drei Liedern begleitet, Stuttgart 1702
  • Das Neue Testament unseres Herrn und Heilands Jesu Christi, ..., Mit ausführlichen Summarien..., Stuttgart 1704 Digitalisat
  • Biblia, das ist: Die ganze Heil. Schrift Alten und Neuen Testaments..., Stuttgart 1704

Gedenktag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schöllkopf, Wolfgang: Johann Reinhard Hedinger (1664-1704) - Württembergischer Pietist und kirchlicher Praktiker zwischen Spener und den Separatisten (AGP 37), Göttingen 1999. ISBN 3-525-55821-X
  • Schöllkopf, Wolfgang: Johann Reinhard Hedinger (1664-1704), in: Hermle, Siegfried (Hg.): Kirchengeschichte Württembergs in Porträts: Pietismus und Erweckungsbewegung, Holzgerlingen 2001, S. 33–50.
  • Schöllkopf, Wolfgang: Im Schatten des Gatten? Christina Barbara Hedinger (1674-1743), die Ehefrau des württembergischen Pietisten Johann Reinhard Hedinger (1664-1704), in: Ehmer, Hermann; Sträter, Udo (Hgg.): Beiträge zur Geschichte des württembergischen Pietismus (FS für Gerhard Schäfer und Martin Brecht; PuN 24), 1998, S. 186–196.
  • Mälzer, Gottfried: Die Werke der württembergischen Pietisten des 17. und 18. Jahrhunderts (BGP 1), Göttingen 1972
  • Friedrich Wilhelm BautzHedinger, Johann Reinhard. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 633–634.
  • Julius Hartmann: Hedinger, Reinhard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 11, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 222 f.
  • Heinrich Fausel: Hedinger, Johann Reinhard. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 188 (Digitalisat).
  • Wolfgang Schöllkopf: Hedinger, Johann Reinhard, in: RGG 4. Aufl.|Bd. 3(2000)|Sp. 1501

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]