Johann von Durazzo

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Johann von Anjou (ital.: Giovanni; * um 1294; † 5. April 1335 oder 1336 in Neapel) war Graf von Gravina, Fürst von Achaia und Herzog von Durazzo aus dem älteren Haus Anjou.

Wappen der Herzöge von Durazzo

Er war ein jüngerer Sohn des Königs Karl II. von Neapel und dessen Ehefrau Maria von Ungarn. Wie alle seine Brüder war Johann auf guelfischer Seite im Kampf gegen Kaiser Heinrich VII. engagiert, dabei besetzte er 1312 kurzzeitig Rom. 1313 wurde er von seinem Bruder König Robert von Neapel zum Generalkapitän von Kalabrien ernannt. Nachdem sein älterer Bruder Pietro Tempesta 1315 in der Schlacht bei Montecatini gefallen war übernahm Johann von ihm die Grafschaft Gravina.

1318 heiratete er die verwitwete Mathilde von Hennegau und wurde dadurch Fürst von Achaia. Die Ehe geschah unter Zwang auf Anordnung von Johanns älterem Bruder Philipp I. von Tarent der so Achaia näher an sich zu binden wollte. Mathilde weigerte sich aber ihre Herrschaftsrechte auf ihren Ehemann zu übertragen und heiratete heimlich Hugo de La Palice. Da sie aber nur auf Zustimmung ihres Oberlehnsherren, eben Philipp von Tarent, heiraten durfte, nahm der dies zum Vorwand um ihr Achaia zu entziehen und es an Johann als seinen neuen Vasallen zu vergeben. Die Ehe wurde 1321 annulliert, Mathilde im Castell dell'Ovo eingesperrt und Johann heiratete noch im selben Jahr Agnes de Périgord. Während seiner Herrschaft auf dem Peloponnes kämpfte Johann um den Besitz von Kefalonia und Zante.

Nach dem Tod Philipps I., Fürst von Tarent, Albanien, Achaia und lateinischer Titularkaiser von Konstantinopel aus der dem älteren Haus Anjou im Jahr 1332 weigerte sich Johann von Anjou[1], Fürst von Achaia seit 1322, seinen unmündigen Neffen Robert von Tarent als neuen Herrscher von Achaia anzuerkennen. Um einen längeren Konflikt mit ihm zu vermeiden, verzichtete er zugunsten Roberts auf das Fürstentum Achaia[2][3][4][5][6] zusammen mit einem Darlehen von 5.000 Unzen Gold. Als Gegenleistung erhielt er die wichtige kommerzielle und strategische Hafenstadt Durazzo (Durrës). Fortan nannte sich Johann Herzog von Durazzo (1333–1336). Als „Herzogtum Durazzo“ sollte es, mit Unterbrechungen, bis 1368 bestehen.[7]
Die Vereinbarung wurde vom Papst im Januar 1333 und von Robert von Anjou, König von Neapel, am 14. März 1338 bestätigt.[8]

Seine Kinder aus zweiter Ehe waren:

  • Karl (* 1323, † enthauptet am 23. Januar 1348 bei Aversa), Herzog von Durazzo
  • Ludwig (* 1324, † 22. Juli 1362 in Neapel), Graf von Gravina
  • Robert (* 1326; † gefallen am 19. September 1356 in der Schlacht bei Maupertuis)
  • Stephan (* 1328, † in Portugal)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. G.F. Hertzberg: Geschichte der Byzantiner und des Osmanischen Reiches: bis gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts. Salzwasser Verlag, Paderborn 2015, ISBN 978-3-8460-6274-6, S. 470 (Online-Version in der Google-Buchsuche [abgerufen am 4. November 2016]).
  2. The Old French Chronicle of Morea: An Account of Frankish Greece after the. S. 356 (Online-Version in der Google-Buchsuche [abgerufen am 4. November 2016]). (1333 – John of Gravina gives his nephew Robert, prince of Taranto (under his mother Catherin), the principality of Achaia (Morea) in exchange for other Territory.)
  3. Giovanni Schiro: Rapporti tra l'Epiro e il Regno Delle Due Sicilie memorie del dott. Giovanni. Tipografia del Giorn. Letterario, Palermo 1834, S. 356 (italienisch, Online-Version in der Google-Buchsuche [abgerufen am 4. November 2016]).
  4. Jakob Philipp Fallmerayer: Geschichte der Halbinsel Morea während des Mittelalters, Zweiter Theil. Gott'haschen Buchhandlung, Stuttgart, Tübingen 1836, S. 207 (Online-Version in der Google-Buchsuche [abgerufen am 4. November 2016]).
  5. Jean Longnon, Peter W. Topping: Documents sur le regime des terres dans la Principauté de Morée au XIVe siècle. La Haye, Paris 1969, S. 7–8 (französisch).
  6. Mihail-Dimitri Sturdza: Dictionnaire Historique et Généalogique des Grandes Familles de Grèce, d'Albanie et de Constantinople, 2. Edition. Mihail-Dimitri Sturdza, Paris 1999, S. 477 (französisch).
  7. Konrad Clewing, Holm Sundhaussen: Lexikon zur Geschichte Südosteuropas, 2. Auflage, Böhlau Verlag, 2016, ISBN 978-3-205-78667-2, S. 54.
  8. Patrick Van Kerrebrouck: Les Capétiens 987-1328. Patrick Van Kerrebrouck, 2000, ISBN 2-9501509-4-2, S. 286 (französisch).
Vorgänger Amt Nachfolger
Pietro Tempesta Graf von Gravina
1315–1336
Ludwig
Robert von Neapel Fürst von Achaia
1322–1333
Robert von Tarent
Johannes II. Orsini Pfalzgraf von Kefalonia
1325–1336
Robert von Tarent
Robert von Tarent
(Fürst des Königreichs Albanien)
Herzog von Durazzo
1333–1336
Karl