Johanna Gräfin von Westphalen

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Johanna Reichsgräfin von Westphalen zu Fürstenberg (* 24. September 1936 in Haus Assen, Lippborg, Westfalen; gebürtige Johanna (d'Arc) Paula Alphonsa Josepha Antonia Huberta Maria de Mercede Cosmas und Damian Gräfin von Galen; † 21. Januar 2016 in Garmisch)[1][2] war eine deutsche Politikerin und katholische Aktivistin. Sie war die Gründerin und langjährige Vorsitzende der Organisation Christdemokraten für das Leben (CDL) sowie Vorsitzende der 1988 von ihr gegründeten Lebensrechtsbewegung Stiftung Ja zum Leben.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johanna von Westphalen stammte aus der Grafenfamilie Galen aus dem Münsterland. Sie war die Tochter von Christoph Bernhard Graf von Galen und Marie-Sophie Gräfin von Galen, geborene Reichsgräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau (1909–1992). Der Kardinal Clemens August Graf von Galen war ihr Großonkel. Sie war verheiratet mit Clemens August Graf von Westphalen zu Fürstenberg (1927–2014)[4], Gutsbesitzer im Sauerland, und Mutter von sechs Kindern. Die Familie lebte auf Wasserschloss Laer in Meschede.[5]

Von Westphalen regte ihren Vater an, der den Familiensitz Haus Assen in Lippetal nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1992 alleine bewohnte, das Wasserschloss der traditionalistischen Ordensgemeinschaft Diener Jesu und Mariens zur Verfügung zu stellen.

Die engagierte Katholikin von Westphalen war Mitglied der CDU und gehörte 18 Jahre lang von 1978 bis 1992 dem Landesvorstand der CDU in Nordrhein-Westfalen sowie mehreren Bundesausschüssen der CDU an.[6] Sie wirkte langjährig in der Schulpolitik, der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED), der Katholischen Pfadfinderschaft Europas[2] und der kirchlichen Sozialarbeit wie dem Sozialdienst katholischer Frauen (SKF).[7] Ferner war sie Kuratoriumsmitglied des Forums Deutscher Katholiken. Sie war Ehrenmitglied des Vereins CFD Christlicher Freundesdienst e.V., einem bereits in der damaligen DDR gegründeten christlichen Missions- und Hilfswerk, das sich hauptsächlich um drogenabhängige Prostituierte vom Berliner Babystrich kümmert.[8] Sie war Schirmherrin des Bund der Freunde der Engel e.V., die sich für Sozialprojekte in Burkina Faso engagieren.[9]

1985 wurde sie Gründungsvorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL), einer Initiative innerhalb der CDU/CSU und Mitglied im Bundesverband Lebensrecht (BVL), und baute das Engagement bundesweit aus. 2002 folgte Ihr Mechthild Löhr. Seit 2002 war sie Ehrenvorsitzende der CDL.[7] Sie war die Initiatorin der Lebensrechts-Kampagne „Tim lebt!“ der Stiftung Ja zum Leben, an der sich unter anderem Nikolaus Lobkowicz, Elisabeth Motschmann, Roland Rösler und Gloria von Thurn und Taxis beteiligten.[10][11]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Westphalen war im Jahr 2010 Erstunterzeichnerin der Aktion Linkstrend stoppen, die sich gegen die Aufgabe von christlich-konservativen und marktwirtschaftlichen Positionen in Form der Berliner Erklärung der CDU-Parteiführung vom 15. Januar 2010 wandte und von mehreren aktiven sowie ehemaligen Bundes- und Landtagsabgeordneten unterzeichnet wurde.[12]

Von Westphalen grenzte die von den Dienern Jesu und Mariens betreute Katholische Pfadfinderschaft Europas als „kirchentreu und fromm“ vom katholischen Pfadfinderverband Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg ab, dem sie vorwarf, seine Mitglieder tränken unter dem Mantel „katholisch“ Alkohol und nähmen Kondome mit ins Zeltlager. Die Angabe, dass Kondome gegen Aids schützen, nannte sie „Propaganda der Homosexuellen-Lobby und komisch gestrickten Leuten wie Rita Süssmuth“.[13]

Sie unterschrieb auch die Marburger Erklärung „Für Freiheit und Selbstbestimmung – gegen totalitäre Bestrebungen der Lesben- und Schwulenverbände“, in der unterstellt wurde, praktizierte Homosexualität berge „ein erhebliches gesundheitliches und psychisches Risiko“, und Angriffe des LSVD und anderer Gruppierungen gegen Vertreter der Reparativtherapie als Beschneidung der „Freiheit der Versammlung, der Rede, des wissenschaftlichen Diskurses und der Wahl der Therapie“ verurteilt wurden.[14]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Traueranzeige Johanna Gräfin von Westphalen, FAZ, 26. Januar 2016
  2. a b „Johanna Gräfin von Westphalen verstorben“, kath.net, 22. Januar 2016
  3. Internetseite der Stiftung Ja zum Leben (Memento des Originals vom 12. April 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ja-zum-leben.de, abgerufen am 21. Januar 2016
  4. Traueranzeige Clemens August Graf von Westphalen zu Fürstenberg, FAZ, 22. Oktober 2014
  5. „Seit 400 Jahren der Geschichte verpflichtet“, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 17. Dezember 2011
  6. a b c Beim Namen genannt, Die Tagespost, 22. Januar 2016
  7. a b „Gräfin von Westphalen wird 70. Die Ehrenvorsitzende der Christdemokraten für das Leben wird als Gründerin geehrt“ (Memento des Originals vom 22. Januar 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bv-lebensrecht.de, Bundesverband Lebensrecht (BVL), 24. September 2006
  8. Webseite CFD Christlicher Freundesdienst e.V., abgerufen am 22. Januar 2016
  9. Webseite Bund der Freunde der Engel e.V., abgerufen am 22. Januar 2016
  10. Webseite Tim lebt!, abgerufen am 22. Januar 2016
  11. Simone & Bernhard Guido: Tim lebt! -: Wie uns ein Junge, den es nicht geben sollte, die Augen geöffnet hat, adeo Verlag 2015
  12. Bundesvorstand der CDU: Berliner Erklärung - Unsere Perspektiven 2010–2013 (Memento vom 3. Januar 2013 im Internet Archive) (PDF; 98 kB), vom 15. Januar 2010.
  13. Renate Witteler: CDU-Politikerin verteidigt umstrittene Pfadfinder-Gruppe KPE (Memento vom 29. Januar 2011 im Internet Archive), Aalener Zeitung, 22. Januar 2011
  14. Medrum: Unterzeichner der Erklärung „Für Freiheit und Selbstbestimmung“
  15. AAS 95 (2003), n. 1, p. 90.