Johanna von England (1272–1307)

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Johanna von England, aufgrund ihres Geburtsortes auch Johanna von Akkon genannt (englisch Joan of Acre; * Frühjahr 1272 in Akkon; † 23. April 1307 in Clare Castle, Suffolk) war eine englische Königstochter.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johanna entstammte der Familie Plantagenet. Sie war eine jüngere Tochter des Königs Eduard I. von England und der Eleonore von Kastilien, einer Tochter des Königs Ferdinand III. von Kastilien.

Kindheit und Verlöbnis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johanna wurde während des Kreuzzugs ihrer Eltern im Heiligen Land geboren. Im September 1272 verließen ihre Eltern Akkon und reisten über Italien zunächst in die südwestfranzösische Gascogne, ehe sie im August 1274 nach England zurückkehrten. Johanna blieb dagegen im Ponthieu, wo sie bei ihrer Großmutter mütterlicherseits, Johanna von Dammartin aufwuchs.[1] Ihre Großmutter starb 1279, worauf Johanna nach England kam. Angeregt durch seine Tante Margarete von Frankreich hatte ihr Vater seit 1277 Heiratsverhandlungen mit dem römisch-deutschen König Rudolf von Habsburg geführt. Margarete hatte es nicht verwunden, dass die Grafschaft Provence nach dem Tod ihres Vaters alleine an ihre Schwester Beatrix gefallen war und erhoffte sich durch die Heirat eine diplomatische Annäherung zwischen den Habsburgern und den mit der englischen Königin verwandten Grafen von Savoyen.[2] Auch Papst Nikolaus unterstützte dieses Bündnis. Johanna wurde mit Hartmann von Habsburg verlobt, dem zweiten Sohn von Rudolf von Habsburg, doch dieser starb bereits 1281 bei einem Unfall.

Erste Ehe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Mai 1283 stimmte der König der Verlobung seiner Tochter mit Gilbert de Clare, 3. Earl of Gloucester zu.[3] Clare war der mächtigste Magnat Englands, der nicht dem Königshaus angehörte, doch seine erste, gescheiterte Ehe mit Alice de Lusignan war noch nicht geschieden worden. Erst 1289 erhielt Clare für seine erneute Heirat einen päpstlichen Dispens, und am 30. April 1290 fand die Heirat des 46-jährigen Clare mit der 18-jährigen Johanna in Westminster Abbey statt.[4] Gilbert de Clare hatte mit dem König einen Ehevertrag schließen müssen, nach dem seine beiden Töchter aus erster Ehe enterbt wurden und dass im Falle einer Kinderlosigkeit der Ehe mit Johanna die Ländereien Gilberts an die potentiellen Kinder aus einer zweiten Ehe seiner Frau fallen würden. Außerdem musste er formal seinen Besitz dem König übergeben, der ihn dann nach der Hochzeit ihm und Johanna gemeinsam zurückgab.[5] Johannas Kinder aus der Ehe mit Clare waren:

  1. Hugh le Despenser († 1326 exekutiert);
  2. William la Zouche, 1. Baron Zouche of Mortimer († 1337)
  1. Piers Gaveston, († 1312 exekutiert), Earl of Cornwall;
  2. Hugh de Audley, Lord Audley († 1347), 1337 zum Earl of Gloucester ernannt
  1. ⚭ John de Burgh of Ulster († 1313);
  2. Theobald de Verdon, 2. Baron Verdon († 1316);
  3. Roger Damory, Lord Damory († 1322)

Gilbert de Clare starb Ende 1295, worauf Johanna am 20. Januar 1296 ihrem Vater huldigte und damit den Besitz ihres Mannes übernehmen konnte. Zur großen Verärgerung ihres Vaters heiratete sie vor Juli 1297 Ralph de Monthermer, 1. Baron Monthermer, ohne die Zustimmung ihres Vaters einzuholen.[6]

Zweite Ehe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 1295 starb Clare. Gemäß dem Ehevertrag musste sich Johanna nun nicht mit einem Wittum zufriedengeben, sondern blieb selbst Besitzerin und Verwalterin der Güter ihres verstorbenen Mannes. Ihr Vater, König Eduard I., plante, die reiche Witwe mit Graf Amadeus von Savoyen zu verheiraten. Im Januar 1297 heiratete Johanna jedoch in aller Heimlichkeit und ohne die Zustimmung ihres Vaters einzuholen Ralph de Monthermer, einen Ritter aus ihrem Haushalt. Nachdem sie ihrem Vater von ihren Heiratsplänen erfahren hatte, beschlagnahmte er im Januar ihre Güter, um die Heirat zu verhindern. Nachdem Johanna ihren Vater unterrichtet hatte, dass die Heirat bereits vollzogen war, ließ der König Monthermer umgehend in Bristol Castle in einen Kerker werfen.[7] Nachdem sich aber bei Johanna Anzeichen einer Schwangerschaft einstellten, konnte sie ihren Vater im August 1297 dazu bewegen, ihren Ehemann freizulassen. Das Paar wurde in Gnaden wieder am königlichen Hof aufgenommen, erhielt bis auf die Honour of Tonbridge den Besitz zurück und Monthermer konnte, zum Earl of Hertford and Gloucester erhoben, die Vormundschaft für Johannas ältesten Sohn übernehmen. Ihr Mann nahm an zahlreichen Feldzügen während der schottischen Unabhängigkeitskriege teil, weshalb der König ihnen im November 1301 auch die Honour of Tonbridge zurückerstattete. Johanna verwaltete den umfangreichen Besitz der Familie Clare, der zu den reichsten in England gehörte, weitgehend selbst und führte bedeutende Verbesserungen in der Verwaltung durch.[8] Ihre Kinder aus der Ehe mit Monthermer waren:

Tod[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johanna starb wenige Monate vor ihrem Vater am 23.  April 1307 in Clare in Suffolk, wo sie in der Augustinerpriorei bestattet wurde. Mit ihrem Tod verlor ihr Mann Monthermer die Rechte an ihren Besitzungen, die unter königliche Verwaltung fielen. Ihr Bruder, König Eduard II., übergab ihrem Sohn Gilbert, obwohl er noch minderjährig war, im Frühjahr 1308 sein Erbe.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Prestwich: Edward I. University of California, Berkeley 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 126
  2. Michael Prestwich: Edward I. University of California, Berkeley 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 317
  3. Michael Prestwich: Edward I. University of California, Berkeley 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 348
  4. Westminster Abbey - Our History: Joan of Acre, daughter of Edward I. Abgerufen am 12. Oktober 2017.
  5. Michael Altschul: A baronial family in medieval England. The Clares. The Johns Hopkins Press, Baltimore 1965, S. 38
  6. Michael Prestwich: Edward I. University of California, Berkeley 1988, ISBN 0-520-06266-3, S. 128
  7. Michael Altschul: A baronial family in medieval England. The Clares. The Johns Hopkins Press, Baltimore 1965, S. 157
  8. Michael Altschul: A baronial family in medieval England. The Clares. The Johns Hopkins Press, Baltimore 1965, S. 38