Johannes Baltzer (Architekt)

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Johannes Baltzer

Johannes Richard Baltzer (* 4. Dezember 1862 in Bielefeld; † 25. Juni 1940 in Lübeck) war ein deutscher Architekt, Stadtplaner, Baubeamter und Denkmalpfleger in Lübeck. Er entwarf dort in den Jahren nach 1900 eine Vielzahl von öffentlichen Gebäuden.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Studium war Baltzer jeweils kurze Zeit in Berlin, Bartenstein, Osnabrück und Plön tätig. Aus Plön kommend, wo er als Regierungsbaumeister den Neubau des Gymnasiums[1] leitete, trat er am 1. Juli 1898 als Bauinspektor in den Lübeckischen Staatsdienst. Dort beeinflusste er über drei Jahrzehnte hindurch das Hochbauwesen der Stadt und ländlichen Bezirke maßgeblich. In jener Stellung führte er zunächst mehrere Bauten aus und formte diese architektonisch gründlich bis in Detail aus. Zu diesen gehörten unter anderem die Navigationsschule, die Marli-Kasernen, die IV.[2] und V. St.-Lorenz-Schule[3] und das Warmbadehaus in Travemünde.

Baltzer folgte dem 1903 nach Frankfurt am Main gegangenen Baudirektor Schaumann nach und trat damit an die Spitze des sich gerade damals lebhaft entwickelnden Hochbauwesens. Diesem sollte sich später noch die Oberleitung des Tief- und Gartenbauwesens hinzugesellen.

Im Bewusstsein der Aufgaben eines Leitenden Beamten beschränkte er sich fortan auf seine Beeinflussung im großen und die Einzelbearbeitung überließ er den von ihm ausgewählten jüngeren Mitarbeitern - Max Meyer, Mühlenpfordt und Virck. Da Baltzer jedoch stets an allen wesentlichen Punkten mitwirkte, standen alle in seinen Jahren errichteten Staatsbauten in einem ungewöhnlich hohen künstlerischem Rang. Sein Stil ist als eine Mischung aus Heimatschutzarchitektur mit Jugendstilelementen beschrieben worden. Exemplarisch seien von diesen hervorgehoben: Die Ernestinenschule (1904), das Johanneum (1906), die Doppelschule[4] in St. Gertrud (1905), das Offizierkasino (1906), Hauptfeuerwache (1906), die Heilanstalt Strecknitz, Verwaltungsgebäude in Travemünde, Kirche und Schule in Kücknitz, Erweiterung der Stadtbibliothek (1927), Ausstellungshalle am Holstentor, Seegrenz-Schlachthof usw.

Das Lübeckische Bauwesen wurde durch Baltzer in besonderer Weise gefördert, weil er für Bauten an besonderer Stelle, wie zum Beispiel den Burgtorzingel, das Theater,[5] das Volkshaus, die Holstenbrücke oder die St.-Gertrud-Kirche, Wettbewerbe durchsetzte und dafür sorgte, dass außer den einheimischen Architekten in erster Linie solche von auswärts hinzugezogen wurden, die in Lübeck groß geworden waren.

Bei der Fülle an altem Kunstbesitz lagen ihm natürlich auch die Aufgaben der Denkmalpflege am Herzen. Ihm verdankte Lübeck eine vorbildliche Organisation der Denkmalspflege auf Grund eines Denkmalschutzgesetzes (1915), das ihm als Pfleger bestimmenden Einfluss verschaffte. Unter seiner Mitwirkung entstanden unter anderem das Schabbelhaus und der Umbau des St.-Annen-Klosters zu einem Museum, der Umbau des Wollmagazins, der Umbau der Kirche in Nusse oder die Wiederherstellung der Ostfront des Lübecker Rathauses. Auf der Versammlung der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit am 9. November 1915 wurde die Verleihung der Silbernen Denkmünze an Hans Schaefer, Rudolf Struck und ihn anlässlich der Eröffnung des Kulturhistorischen Museums nachträglich genehmigt.[6]

Auf dem Gebiet des Städtebaus sei noch auf die Bebauungspläne aller Siedlungen, auf Spielplätze, Freilichtbühne, das Schrangen-Projekt, Friedhofsanlagen sowie die Organisation des Wohnungsbaus, seine letzte Arbeit als Oberbaudirektor war der Generalsiedlungsplan 1928, nach dem Krieg hingewiesen.

Am 1. August 1929 wurde der seit 1927 als Oberbaurat in der Hansestadt tätige Hans Pieper Baltzers Nachfolger.

In Lübeck war zunächst ein Platz in der Siedlung Dornbreite, Siedlungsgebiet des Jahres 1932, bis ca. Mitte der 1970er Jahre nach Johannes Baltzer benannt, der zwischenzeitlich entwidmet und mit Mehrfamilienhäusern bebaut wurde. Neuerdings heißt eine Straße im Hochschulstadtteil nach ihm.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Bau- und Kunstdenkmäler der Hansestadt Lübeck / Bd. 3, Teil 1. Die Kirche zu Alt-Lübeck; Der Dom Lübeck 1919
  • Die Bau- und Kunstdenkmäler der Hansestadt Lübeck / Bd. 3, Teil 2. Jakobikirche; Ägidienkirche, Lübeck 1919
  • Die Bau- und Kunstdenkmäler der Freien und Hansestadt Lübeck / Bd. 4. Die Klöster [u.a.], 2001, Unveränd. Nachdr. [der Ausg.] Lübeck, Nöhring, 1928

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Monika Ryll: Johannes Richard Baltzer. In: Alken Bruns: Lübecker Lebensläufe. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1993, ISBN 3-529-02729-4, S. 31–34.
  • Oberbaudirektor Baltzer. von Prof. Blunck In: Lübeckische Blätter, 71. Jahrgang, Nummer 30, Ausgabe vom 28. Juli 1929, S. 507

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johannes Baltzer (Architekt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gymnasium Schloss Plön
  2. Pestalozzi-Schule
  3. Luther-Schule
  4. Marli-Schule
  5. Zum Neubau des Theaters wurde eine Theaterneubaukommission gebildet. In die Kommission wurden vom Senat die Senatoren Johann Hermann Eschenburg, Eugen Emil Arthur Kulenkamp und Julius Vermehren und aus dem Bürgerausschuss Johannes Daniel Benda, August Sartori (Pädagoge), Blunck, Heinrich Görtz, H. W. Behn, H. L. Fr. Stender und Hermann Otte gewählt. Als Ersatzmänner wurden Meyer, Ernst Wittern und Buchwald. Außerdem waren Baudirektor Baltzer und Baurat Eugen Deditius in der Kommission. Die neuen Baugesetze des Jahres 1919, deren Vorarbeit bis in das Jahr 1906 zurückgingen, waren Deditius' Hauptarbeit der späteren Zeit. Neben Karl von Großheim saß Baltzer in der Jury und stimmte ebenfalls für den Entwurf des auswärtigen Architekten Martin Dülfer.
  6. Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit. In: Lübeckische Blätter; 80. Jg., Nummer 46, Ausgabe vom 14. November 1915, S. 666