Johannes Buridan

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Johannes Buridan, oder auch Jean Buridan (geboren um 1300 in Béthune, Grafschaft Artois; gestorben kurz nach 1358), war ein scholastischer Philosoph, Physiker und Logiker.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Buridan gehörte zum Pariser Ockhamistenkreis. Er war Professor an der Pariser Universität und leitete von 1325 bis 1348 das Rektorat. Er gilt als der bedeutendste unter Ockhams unmittelbaren Schülern und gehörte ebenso wie sein Lehrer dem Nominalismus an.

Als Physiker lieferte er mit seiner Impetustheorie einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Dynamik.

Buridan analysierte ausführlich die unmittelbaren modalen Schlüsse und konstruierte eine entsprechende mnemotechnische Figur. Er entwickelte auch eine Theorie der Eliminierung semantischer Antinomien.

Bekannt ist er heute noch durch den Ausdruck Buridans Esel: Ein Esel steht genau in der Mitte zwischen zwei völlig gleichartigen und gleich weit entfernten Heuhaufen. Er verhungert, da es bei gleichen Motiven keinen vernünftigen Grund gibt, sich für einen der beiden Heuhaufen zu entscheiden. Dieses Bild ist allerdings nicht in seinen Schriften zu finden. In der Literatur wird die Ansicht vertreten, dass dieses Gleichnis fälschlicherweise Buridan zugeordnet wird, da bereits Aristoteles, al-Ghazālī und Dante eine ähnliche Situation beschreiben.

Allerdings drückt es einen zentralen Aspekt der Auffassungen Buridans aus: Er reduziert die Freiheit auf die Wahl zwischen mehreren Möglichkeiten (libertas oppositionis).

Im weiteren Sinne drückt dieses Gleichnis Buridans Ansichten über die Wechselbeziehungen von Wille und Verstand aus. Wenn der Verstand zu dem Schluss kommt, dass er gleichwertige Möglichkeiten vor sich hat, verliert der Wille seine Wirkung.

Buridan in der Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Buridans ist mit zwei historisch widerlegten Legenden verknüpft. Die eine behauptet, er habe eine Affäre mit Königin Johanna (1326–1360), zuerst Gemahlin Philipps des Schönen von Burgund (1323–1346) – seit 1350 in zweiter Ehe Gemahlin Johanns II. von Frankreich (1319–1364), gehabt. Er habe deswegen nach Wien flüchten müssen und sei an der Gründung der dortigen Universität beteiligt gewesen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Primärtexte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Compendium Logicae (1489)
  • Summulae de Dialectica (1487)
  • Sophismata (1493)
  • Opera (1516)
  • Perutile compendium totius logicae, com Io. Dorp expositione (Venetiis 1499)
  • Kommentare über die Werke Aristoteles

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jendris Alwast: Johannes Buridan. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 3, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2, Sp. 293–295.
  • Russell L. Friedmann (Hrsg.): John Buridan and beyond. Topics in the language sciences 1300-1700. Reitzel, Copenhagen 2004, ISBN 87-7876-362-2.
  • Gerhard Krieger: Der Begriff der praktischen Vernunft nach Johannes Buridanus. Aschendorff, Münster 1986, ISBN 3-402-03923-0.
  • Gerhard Krieger: Subjekt und Metaphysik. Die Metaphysik des Johannes Buridan. Aschendorf, Münster 2003, ISBN 3-402-04015-8.
  • Marcello Landi: Un contributo allo studio della scienza nel Medio Evo. Il trattato Il cielo e il mondo di Giovanni Buridano e un confronto con alcune posizioni di Tommaso d'Aquino. In: Divus Thomas, Jg. 110 (2007), Heft 2, S. 151–185.
  • Bernd Michael: Johannes Buridan. Studien zu seinem Leben, seinen Werken und zur Rezeption seiner Theorien im Europa des späten Mittelalters. Dissertation Freie Universität Berlin 1978.
  • Rolf Schönberger: Relation als Vergleich. Die Relationstheorie des Johannes Buridan im Kontext seines Denkens und der Scholastik. Brill, Leiden 1994, ISBN 90-04-09854-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wikisource: Joannes Buridanus – Quellen und Volltexte (Latein)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]