Johannes Dinnebier

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Johannes Dinnebier (* 21. Februar 1927 in Herrnskretschen, Tschechoslowakische Republik; † 17. Januar 2021 in Solingen)[1] war ein deutscher Lichtplaner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dinnebiers Großmutter führte mit seiner geschiedenen Mutter und seiner Tante eine Pension namens „Zum weißen Rössl“.[2] Er schloss die Handelsakademie in Böhmen ab.[3]

Mit 17 Jahren wurde er zur Ostfront des Zweiten Weltkriegs eingezogen, danach diente er im Katastropheneinsatz in Dresden. Die Großmutter floh mit ihren Töchtern nach Kassel; Dinnebier verblieb vorerst in der Tschechoslowakei, wo er kurzzeitig verhaftet wurde. 1945 floh er nachts über die Elbe und traf in Kassel seine Familie wieder. Hier lebten sie zeitweise auf dem Dachboden einer Scheune. Dinnebier pflückte Kirschen und Äpfel, die er verkaufte. Im Sommer kellnerte er auf der Insel Norderney, im Winter in einem Hotel auf der Zugspitze, zusätzlich verdingte er sich als Eselstreiber und Skilehrer. Er erlernte die handwerklichen Grundsätze des Gerbens von Fellen und der Herstellung von Schuhen. Auf einem Trümmergrundstück in Kassel baute er für die Großmutter ein Ladengeschäft, für das der Raumkünstler Arnold Bode seinen Sohn, einen Architekten, zur Erstellung der Pläne vermittelte.[2]

Ab 1952 entwickelte Dinnebier in der Düsseldorfer Graf-Adolf-Straße 49 Beleuchtungskonzepte in Zusammenarbeit mit Architekten wie Egon Eiermann.[4] Aus Buchenholz stellte er Kugeln her, die er zu Lampen montierte und verkaufte.[2] Andere Leuchtobjekte stellte er aus überschüssigem Rüstungsmaterial her.[5] Hier traf er seine Ehefrau Lisa, die er 1954 heiratete und mit der er in Düsseldorf das Lampengeschäft Licht im Raum eröffnete. In Solingen beteiligte er sich 1962 an der Restaurierung der Bausmühle; das erste Objekt, das die Stadt Solingen unter Denkmalschutz stellte.[2] Hier gründete er 1965 die Firma Dinnebier Licht.[6]

1972 etablierte er im Schloss Lüntenbeck von Wuppertal das Planungsbüro Atelier Lichtplanung Dinnebier KG, den Vorläufer der heutigen Dinnebier Licht GmbH, wo er mit seinem Team Lichtlösungen und leuchtende Objekte von der Planung bis zur Ausführung entwickelte. Dinnebier setzte seine Lichtkonzepte an internationalen Standorten um, darunter Saudi-Arabien und Pakistan. Zu seinen Projekten gehörten Weltausstellungen, Flughäfen und Stadträume sowie Kirchen und künstlerische Lichtobjekte, insgesamt illuminierte er über 5.000 Plätze.[7] Neben seinem Planungsbüro etablierte er in Wuppertal eine Manufaktur zur Produktion von eigenen Serienleuchten.[3][8] Das Düsseldorfer Geschäft zog 2020 nach Solingen um.[9]

Johannes Dinnebier zählt sich zur Avantgarde. Er wird als „erster Lichtplaner Deutschlands“ bezeichnet.[5][10] Seit 1991 ist er das 500. Mitglied im Verein der Freunde und Alumni der Bergischen Universität.[11]

Dinnebier hat fünf Kinder; Antonia, Jan, Sonja, Jenny und Julia,[2] die in Teilen das Familiengeschäft weiterführen. Julia (Jule) Dinnebier betreibt mit ihrem Ehemann Daniel Klages die Firmen Licht im Raum, Dinnebier Licht und Lichtturm, die die Bereiche Design-Leuchten, Lichtplanung und professionelle Nutzung des Solinger Lichturms des Familienbetriebs weiterführen; Antonia Dinnebier ist als Landschaftsplanerin und Autorin bekannt[12] und hat mit ihrer Schwester Sonja das tägliche Geschäft der Verwaltung von Schloss Lüntenbeck übernommen.[13] Jan Dinnebier beschäftigt seit 1998 in seinem Berliner Beleuchtungsunternehmen ein Team von Architekten, Licht- und Produktexperten.[14]

Werk (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beleuchtete Objekte in Wuppertal:[3][10]

  • 1975 – Lichtsäule am Kerstenplatz, eingeweiht am 8. November 1975 (eine ähnliche Lichtsäule, jedoch mit 5 Reflektoren und einer Höhe von 18 m, steht vor dem Kulturzentrum in Wolfsburg, Architekt Alvar Aalto, Finnland)
„Lampenfieber“, Wuppertal

Überregionale Projekte:[3][10]

  • 1958 – Mitarbeit an der Weltausstellung in Brüssel Expo 58.
  • 1961 – Beleuchtung der Commerzbank Düsseldorf.
  • 1967 – Beleuchtung der Weltausstellung in Montreal Expo 67 sowie Ausstellung eigener Exponate wie einer 24 Meter hohen Edelstahlsäule.
Grand Foyer im Flughafen Istanbul-Atatürk

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wuppertaler Stadtmarketingpreis, 2003[16]
  • CREO-Preis der Gesellschaft für Kreativität, Auszeichnung für kreatives Lebenswerk des Teams Dinnebier, zusammen mit Julia Dinnebier und Schwiegersohn Daniel Klages, 2011.[17]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Johannes Dinnebier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. RP ONLINE: Unternehmer aus Solingen: Trauer um „Hannes“ Dinnebier. In: rp-online.de. RP ONLINE, 2021, abgerufen am 28. Januar 2021.
  2. a b c d e Großer Bahnhof für den „Herrn des Lichts“ – Johannes Dinnebier wird 90. (Memento vom 8. September 2017 im Internet Archive) In: Top-Magazin Wuppertal, 2017.
  3. a b c d Ruth Meyer-Kahrweg: Denkmäler, Brunnen und Plastiken in Wuppertal (Biographien der beteiligten Künstler). Born, Wuppertal 1991. ISBN 3-87093-058-6. S. 36, 37.
  4. 60 Jahre Licht im Raum. In: licht-im-raum.de, 2016.
  5. a b Martin Kuhna: Tun, was man kann. In: K.West 7/2006.
  6. Marina Alice Mutz: Bausmühle – Eschbacher Mühle (Itter). In: zeitspurensuche.de.
  7. ‚Lichtgestalt‘ Dinnebier lässt die Welt erstrahlen. In: Die Stadtzeitung Wuppertal vom 13. Oktober 2018.
  8. Dinnebier Licht GmbH, Historie.
  9. Broschüre Licht und Raum vom 4. Februar 2020.
  10. a b c Johannes Dinnebier. In: dinnebier-licht.de
  11. „With a little help from my friends“ – Eine Chronik. In: Bergische Universität Wuppertal, 2012.
  12. Landconcept Antonia Dinnebier.
  13. Schlossverwaltung. In: schloss-luentenbeck.de
  14. Studio Jan Dinnebier. In: lichtlicht.de
  15. Daniel Neukirchen: Wuppertaler Schwebebahn-Gerüst bleibt dunkel – Lichtaktien verglüht. In: wz.de. Westdeutsche Zeitung, abgerufen am 4. Februar 2020.
  16. Wuppertaler Wirtschaftspreis 2014. In: wuppertal-marketing.de, 2014.
  17. Francina Herder: Auszeichnung für kreatives Lebenswerk. In: Rheinische Post vom 12. Dezember 2011.