Johannes Gottfried Mayer

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Johannes Gottfried Mayer im Kloster Bronnbach (August 2014).

Johannes Gottfried Mayer (* 19. November 1953 in Nürnberg, Bayern) ist ein deutscher Medizinhistoriker und Literaturwissenschaftler. Am besten bekannt ist er für seine zahlreichen Veröffentlichungen zu den Themengebieten Klostermedizin und Phytotherapie (Pflanzenheilkunde).

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johannes Gottfried Mayer stammt aus einer Familie mit sechs Kindern, sein Vater war Lehrer für Geschichte und Latein. In Würzburg studierte Mayer Germanistik, Geschichte, Sozialkunde, Philosophie und wurde 1990 in Eichstätt über Die „Vulgata“-Fassung der Predigten Johannes Taulers in Germanistik und Geschichte promoviert.[1]

1981 bis 1984 war Mayer Mitglied der Würzburger Forschergruppe Fachprosa des Mittelalters, ab 1984 wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universitäten in Würzburg und Eichstätt (Sonderforschungsbereich 226), wo er begann, sich mit Klostermedizin zu beschäftigen.[2] Im Juni 1995 wurde er Koordinator der Wullstein-Forschungsstelle der Universität Würzburg für medizinische Fachprosa des Mittelalters und Ethik in der Medizin mit dem Forschungsschwerpunkt Geschichte der Arzneipflanzen.[3] 1998 beteiligte er sich an der Erforschung der medizinischen Ausbildung im Mittelalter am King’s College der Universität Cambridge.

Seit 1999 arbeitet Mayer hauptsächlich für die Forschergruppe Klostermedizin, in deren Rahmen er auch Dissertationen aus den Fächern Medizin und Pharmazie betreut. Er ist ein Gründungsmitglied des Studienkreises zur Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzen, einem Gremium, das unter anderem die Arzneipflanze des Jahres wählt.[4] Zusammen mit Franz-Christian Czygan verfasste er mehrere kulturhistorische Essays über Arzneipflanzen für die Zeitschrift für Phytotherapie.

Elisabeth Mayer (nicht mit ihm verwandt) drehte für die Reihe Lebenslinien eine Dokumentation über seinen Werdegang, die im März 2010 erstmals ausgestrahlt wurde.[5] Mehrfach war er Studiogast bei Planet Wissen. 2013 war er in einer Sendung der Reihe Nachtlinie im Gespräch mit Andreas Bönte zu sehen.

Johannes Gottfried Mayer lebt in Würzburg und Bad Windsheim. In seiner Freizeit spielt Mayer E-Bass in mehreren Musikprojekten, unter anderem in den Formationen J-Pack und SIXT’ES.[6][7]

Forschergruppe Klostermedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johannes Gottfried Mayer mit Schwester Leandra Ulsamer in ihrem Garten im Kloster Oberzell (Juli 2014).

Die Forschergruppe Klostermedizin entstand im Sommer 1999 aus einer Kooperation des Institutes für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg mit dem Arzneimittelhersteller Abtei. Ziel war es, mit finanzieller Hilfe der Pharmaindustrie mittelalterliche Schriften zu analysieren und daraus Erkenntnisse für die moderne Medizin zu erlangen.[8] Man möchte dabei „als Vermittler zwischen Erfahrungsmedizin und heutiger Therapieanforderung […] entschieden der unreflektierten Übernahme des alten Wissens in vermeintlich alternative Heilverfahren entgegenwirken“.[9] Hierzu wurden über Jahre hinweg historische Aufzeichnungen zusammengetragen, übersetzt und erforscht (teils auch in Form von Dissertationen) und anschließend in eine Datenbank mit mittlerweile mehreren hundert Heilpflanzen übertragen.[10][11]

Im Rahmen seiner Tätigkeit für die Forschergruppe tritt Mayer regelmäßig als Experte für Naturheilkunde in den Medien auf (u. a. dpa, verschiedene Anstalten der ARD, insbesondere der Bayerische Rundfunk, aber auch das ZDF, Der Spiegel und die Main-Post). Mayer war maßgeblich am erfolgreichsten Buch der Forschergruppe beteiligt, dem Handbuch der Klosterheilkunde, das 2002 erschien und bis 2009 eine Gesamtauflage von 200.000 Exemplaren erreicht hatte.[12] Nach Übersetzungen ins Ungarische,[13] Polnische[14] und Tschechische[15] folgte im Januar 2013 eine komplette Überarbeitung als Das große Buch der Klosterheilkunde.

Mayer unternahm zahlreiche Forschungsreisen (Iran,[16] Armenien[17],[18] Usbekistan,[19] Marokko), die nachfolgend in Form von Büchern und Filmdokumentationen verarbeitet wurden. So startete er mit dem Koch Alfons Schuhbeck ein Buchprojekt, „das sich mit der Kulturgeschichte, der Kulinarik und insbesondere mit der medizinischen Heilkraft der Gewürze [der] heimischen sowie der internationalen Küche befasst“.[20]

Außerdem ist Mayer ein deutschlandweit gefragter Dozent für medizinhistorische Vorträge und lehrt an der Universität Würzburg neben der Phytotherapie auch zur Medizinethik sowie Geschichte der Naturwissenschaften an der Universität Erlangen.[21]

Fernsehen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die „Vulgata“-Fassung der Predigten Johannes Taulers. Königshausen & Neumann, 1999, ISBN 3-8260-1661-0. (Dissertation von 1990).
  • mit Gundolf Keil und Christian Naser: „ein teutsch puech machen“. Untersuchungen zur landessprachlichen Vermittlung medizinischen Wissens (= Ortolf-Studien, 1)., Wiesbaden 1993 (= Wissensliteratur im Mittelalter, 11).
  • mit Konrad Goehl: Höhepunkte der Klostermedizin: der „Macer floridus“ und das Herbarium des Vitus Auslasser. Reprint-Verlag, Leipzig 2001, ISBN 3-8262-1120-0.
  • Klostermedizin: Die Kräutergärten in den ehemaligen Klosteranlagen von Lorsch und Seligenstadt. Verlag Schnell und Steiner, 2002, ISBN 3-7954-1429-6.
  • mit Bernhard Uehleke, Kilian Saum: Handbuch der Klosterheilkunde. ZS-Verlag Zabert Sandmann, München 2002, ISBN 3-89883-226-0.
  • mit Bernhard Uehleke, Kilian Saum: Fasten nach der Klosterheilkunde. ZS-Verlag Zabert Sandmann, München 2004, ISBN 3-89883-087-X.
  • mit Bernhard Uehleke, Kilian Saum: Die kleine Klosterapotheke. ZS-Verlag Zabert Sandmann München 2005, ISBN 3-89883-118-3.
  • mit Katharina Englert: Ton-Heilerde. Terra Armena. Die Wiederentdeckung eines alten Mittels zur inneren Reinigung. Heinrich Hugendubel Verlag, Kreuzlingen und München 2007, ISBN 978-3-7205-5010-9.
  • Das geheime Heilwissen der Klosterfrauen. Rowohlt Taschenbuch Verlag (rororo), 2008, ISBN 978-3-499-62373-8.
  • mit Franz-Christian Czygan, Ulrike Bausewein (Hg.): Würzburg – Herbipolis, Stadt der Gärten, der Pflanzen und des Weines. Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2139-7.
  • mit Anselm Grün, Katharina Englert: Sieben Kräuter für die Seele: Wohlfühltees aus dem Kloster. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2009, ISBN 978-3-89680-406-8.
  • mit Konrad Goehl, Katharina Englert: Die Pflanzen der Klostermedizin in Darstellung und Anwendung. Mit Pflanzenbildern des Benediktiners Vitus Auslasser (15. Jh.) aus dem Clm 5905 der Bayerischen Staatsbibliothek München (= DWV-Schriften zur Medizingeschichte. Bd. 5). Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-86888-007-6.
  • mit Konrad Goehl: Gottfried von Franken: Das älteste Weinbuch Deutschlands. Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden 2009, ISBN 978-3-86888-014-4.
  • mit Alfons Schuhbeck, Jakob Strobel y Serra: Meine Reise in die Welt der Gewürze. ZS-Verlag Zabert Sandmann, München 2011, ISBN 978-3-89883-297-7.
  • mit Bernhard Uehleke, Kilian Saum: Das große Buch der Klosterheilkunde. ZS-Verlag Zabert Sandmann, München 2013, ISBN 978-3-89883-343-1.
  • mit Konrad Goehl: Kräuterbuch der Klostermedizin. Reprint-Verlag, Leipzig 2013, ISBN 978-3-8262-3057-8.

Ausgewählte Aufsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Blutschau in der spätmittelalterlichen deutschen Diagnostik. Nachträge zu Friedrich Lenhardt aus der handschriftlichen Überlieferung des ‚Arzneibuchs‘ Ortolfs von Baierland. In: Sudhoffs Archiv 72, 1988, S. 225–233.
  • Zur Überlieferung des Blutschaukatalogs A. In: Gundolf Keil u.a. (Hrsg.): „ein teutsch puech machen“. Untersuchungen zur landessprachlichen Vermittlung medizinischen Wissens. (= Ortolf-Studien, 1), Reichert, Wiesbaden 1993 (= Wissensliteratur im Mittelalter, 11), ISBN 3-88226-539-6, S. 166–171.
  • Tauler in der Bibliothek der Laienbrüder von Rebdorf. In: Konrad Kunze, Johannes Gottfried Mayer, Bernhard Schnell (Hrsg.): Überlieferungsgeschichtliche Editionen und Studien zur deutschen Literatur des Mittelalters. Kurt Ruh zum 75. Geburtstag. Max Niemeyer, Tübingen 1989, ISBN 3-484-36031-3.
  • Das ‚Arzneibuch’ Ortolfs von Baierland in medizinischen Kompendien des 15. Jahrhunderts. Beobachtungen und Überlegungen zur Werktypologie medizinischer Kompendien und Kompilationen. In: Johannes Gottfried Mayer, Gundolf Keil, Christian Naser (Hrsg.): „Ein teutsch puech machen.“ Untersuchungen zur landessprachlichen Vermittlung medizinischen Wissens. Reichert Verlag, Wiesbaden 1993, S. 39–61.
  • Beobachtungen zur volkssprachlichen Rezeption des medizinisch-naturwissenschaftlichen Weltbildes im Mittelalter von Ortolf von Baierland bis Paracelsus. In: Benedikt Konrad Vollmann (Hrsg.): Geistliche Aspekte mittelalterlicher Naturlehre: Symposion, 30. Nov. bis 2. Dez. 1990. Wiesbaden 1993 (= Wissensliteratur im Mittelalter, 15), S. 99–111.
  • Konrad von Megenberg und Paracelsus. Beobachtungen zu einem Wandel in der volkssprachlichen naturwissenschaftlichen Literatur des späten Mittelalters. In: Würzburger Fachprosa-Studien. Beiträge zur mittelalterlichen Medizin-, Pharmazie- und Standesgeschichte aus dem Würzburger Medizinhistorischen Institut. Würzburg 1995, S. 322–336 (Fortsetzung und Ergänzung zum vorhergehenden Aufsatz).
  • Die ersten gedruckten Kräuterbücher und das Angelika-Wasser der Donaueschinger Taulerhandschrift. In: Würzburger Fachprosa-Studien, Beiträge zur mittelalterlichen Medizin-, Pharmazie- und Standesgeschichte aus dem Würzburger medizinhistorischen Institut. Festschrift Michael Holler zum 60. Geburtstag. Hrsg. von Gundolf Keil und redigiert von Johannes G. Mayer sowie Christian Naser, Würzburg 1995 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, 38), S. 156–177.
  • ‚Würzburger Wundarznei‘. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 14, 1996, S. 147–151.
  • Zeichen und Zeitpunkt des Todes. Ein medizinhistorischer Streifzug durch die einschlägige Literatur. In: Günter U. Höglinger, Stefan Kleinert (Hrsg.): Hirntod und Organtransplantation. Walter de Gruyter, 1998, ISBN 3-11-016203-2.
  • Unversehrtheit des Leibes. Zur Leib-Seelevorstellung in Spätantike und Mittelalter. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 18, 1999, S. 75–85.
  • Das ›Leipziger Drogenkompendium‹ (Leipzig, Universitätsbibliothek, Cod. 1224) und seine Quellen ›Circa instans‹, ›Aggregator‹ (Pseudo-Serapion), ›Macer floridus‹ (bzw. ›Älterer deutscher Macer‹), ›Liber graduum‹ (Constantin) und ›Liber iste‹. In: Konrad Goehl, Johannes Gottfried Mayer (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil. Königshausen und Neumann, Würzburg 2000. ISBN 3-8260-1851-6, S. 207–263.
  • Geschichte, Theorie und Ethik in dem Repetitorium für das zweite Staatsexamen für Mediziner. In: Schaps, Kessler und Fetzner (Hrsg.): GK2 Das Zweite – kompakt. Band: Querschnittsbereiche. Springer Medizin Verlag, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-540-46357-3, S. 22–58.
  • Die Wahrheit über den Gart der Gesundheit (1485) und sein Weiterleben in den Kräuterbüchern der Frühen Neuzeit. In: Sabine Anagnostou, Florike Egmond, Christoph Friedrich (Eds.): A passion for plants: materia medica and botany in scientific networks from the 16th to 18th centuries (= Quellen und Studien zur Geschichte der Pharmazie, Bd. 95). Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8047-3016-8, S. 119–128.
  • Klostergärten – die Apotheke Gottes. In: Rudolf Walter (Hrsg.): Gesundheit aus Klöstern. Verlag Herder, Freiburg 2013, ISBN 978-3-451-00546-6, S. 8–11.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johannes Gottfried Mayer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diskussionsforum Klostermedizin, November 2009. (Memento vom 19. August 2014 im Internet Archive) (PDF; 1,0 MB).
  2. Warum Hildegard-Plätzchen glücklich machen, Main-Post 13. Oktober 2010
  3. Klösterliche Kulturlandschaftsforschung. Workshop 30. Oktober 2006. (Memento vom 11. Januar 2014 im Internet Archive)
  4. Efeu ist Arzneipflanze des Jahres 2010, Universität Würzburg
  5. Lebenslinien: Der Sohn des Lehrers, BR online
  6. MySpace von j-pack
  7. Homepage von SIXT’ES
  8. Wundsalbe aus Schafdung, Der Spiegel 38/2000
  9. Die Forschergruppe Klostermedizin. klostermedizin.de
  10. Anfangs als wissenschaftlicher Koordinator der Forschergruppe tätig, fungiert Mayer heute zusätzlich als Geschäftsführer der Forschergruppe Klostermedizin GmbH.
  11. Impressum der Website Welterbe Klostermedizin
  12. Klostermedizin: Altes Heilwissen an der Universität Würzburg erforscht, Medizin-Aspekte, Oktober 2009 (Memento vom 14. Dezember 2013 im Internet Archive)
  13. Kolostori gyógyászat in der Deutschen Nationalbibliothek
  14. Zioła ojców benedyktynów in der Deutschen Nationalbibliothek
  15. Bylinky z klášterní lékárny in der Deutschen Nationalbibliothek
  16. Forschungsreise Iran, Abtei
  17. Forschungsreise Armenien, Welterbe Klostermedizin
  18. Forschungsreise Armenien, Abtei
  19. Forschungsreise Uzbekistan, Welterbe Klostermedizin
  20. Mehr als das Salz in der Suppe: Kulturgeschichte der Gewürze. BR online
  21. Johannes Gottfried Mayer auf den Seiten der Uni Erlangen.
  22. Klostermedizin: Heilkräfte aus der Natur, 3sat
  23. Im Bann der grünen Götter: Die Ärzte der Kalifen. ZDF (Memento vom 14. Dezember 2013 im Internet Archive)
  24. Klostermedizin – Heilkunst der Mönche, SWR/WDR
  25. Kraut und Kohl – Ein Gemüse erobert die Welt, SWR/WDR (Memento vom 13. Dezember 2013 im Internet Archive)
  26. Heil- und Wildkräuter – Altes Wissen neu entdeckt. SWR/WDR (Memento vom 13. Dezember 2013 im Internet Archive)
  27. Medienberichte, Welterbe Klostermedizin
  28. Rätsel „Eigenurin-Therapie“, WDR
  29. Hildegard von Bingen und die Macht der Frauen, ZDF
  30. Faszination Wissen: Heilen wie im Mittelalter – Die Geheimnisse der Klostermedizin.
  31. Klostermedizin wiederentdeckt. (Memento vom 18. Juli 2014 im Internet Archive)
  32. Nachtlinie: Unterwegs mit Johannes Gottfried Mayer. (Memento vom 12. Dezember 2013 im Internet Archive)