Johannes Hartl

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Johannes Hartl, 2020

Johannes Hartl (* 1979 in Metten, Niederbayern) ist ein deutscher Philosoph, katholischer Theologe, Buchautor, Referent, Komponist und Gründer des Gebetshauses Augsburg.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hartl wuchs im niederbayerischen Metten auf. Er studierte Germanistik und Philosophie und promovierte 2007 in Theologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München zu einem philosophisch-theologischen Grenzthema. Der Titel seiner Dissertation lautete: Metaphorische Theologie. Grammatik, Pragmatik und Wahrheitsgehalt religiöser Sprache. Weltweite Reisen, Aufenthalte in Klöstern (besonders auf dem Berg Athos[2]) und das ökumenische Miteinander im Gebetshaus prägten den Inhalt seiner Bücher und Vorträge.[3] Hartl steht für eine zeitgemäße Form, Glauben und Spiritualität mit intellektuellem Anspruch zu verbinden.[4]

Hartl ist als Konferenzredner international tätig, darunter zahlreiche Großveranstaltungen wie die Willow-Creek-Kongresse 2016 und 2020 mit bis zu 10.000 Teilnehmern.[5] Seine Bücher wurden in etliche Sprachen übersetzt.[6] Seine Vorträge auf YouTube erreichen weite Verbreitung.[7] Als Dozent ist er Mitglied des Instituts für Spirituelle Theologie und Religionswissenschaft der Philosophisch-Theologischen Hochschule Heiligenkreuz.[8]

Thematische Schwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Dissertation erforscht Hartl ausgehend von den Erkenntnissen der kognitiven Linguistik und der analytischen Philosophie (besonders Ludwig Wittgensteins) die Fähigkeit menschlicher Sprache, die Gesamtperspektive auf Subjekt und Welt auf grundlegende Weise zu strukturieren.[9] Unter dem Stichwort „Philosophie des gelingenden Lebens“ möchte Hartl in seinen Vorträgen das metaphorische Potenzial religiöser Sprache auf ganzheitliche Weise für Menschen von heute fruchtbar machen. Spiritualität und Gebet spielen hier eine zentrale Rolle.[10] Auf dem Weg zu einer „Ökologie des Herzens“ versucht Hartl, die Themen Schönheit (Ästhetik), Empathie (Psychologie) und Wahrheit aus der Perspektive christlicher Philosophie zu verbinden.[11] Maßgebliche Impulse erhielt er durch den Philosophen Ferdinand Ulrich, sowie Hans-Urs von Balthasar, C. S. Lewis und Martin Buber. Typisch für Hartls Denkweise ist die Verbindung philosophischer, psychologischer und literaturwissenschaftlicher Betrachtungen mit den Aussagen der Bibel und des christlichen Glaubens.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sozialethikerin Ursula Nothelle-Wildfeuer kritisiert an dem von Hartl mitverfassten Spiegel-Bestseller „Mission Manifest“, dass die sozial-karitative und gesellschaftlich-politische Seite der Diakonie darin fehle, und sie sieht beim Gebetshaus die Gefahr einer „Versektung“.[12] Hartl meint dazu, dass die katholische Diakonie in Deutschland gut etabliert ist, während die Evangelisation nur wenig praktiziert wird – daher sieht er vor allem hier einen Nachholbedarf. Eine „Versektung“ kann, so Hartl, dort entstehen, wo „man ein starkes Wir-Gefühl aufbaut und die eigene Unfehlbarkeit konstruiert, die sich vom Ganzen des Glaubens abschneidet“. Aber das Gebetshaus sei „ökumenisch zusammengesetzt“, und man könne dort „nicht einmal Mitglied werden“; hier sei kaum zu befürchten, dass „eine exklusive Einzelgruppe“ entstehe.[13]

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seinen Wunsch, Mönch zu werden, gab er auf und heiratete 2001 seine Frau Jutta.[14] Das Paar hat vier Kinder.

Das Gebetshaus Augsburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits während seines Studiums hatte Hartl den Gedanken, dass es einen Ort geben müsste, an dem Tag und Nacht gebetet wird, wie es Paulus im 1. Thessalonicherbrief 5,17 EU formuliert hatte: Betet ohne Unterlass! Es sollte ein Zentrum sein, in dem an 24 Stunden am Tag und 365 Tagen im Jahr unaufhörlich gebetet wird. Im Jahr 2005 gründete er mit seiner Frau Jutta das Gebetshaus Augsburg, ein Zentrum der ewigen Anbetung Gottes. 2011 wurde ein Ziel, nämlich 168 Stunden pro Woche zu beten, erreicht. Mitarbeiter dort sind Katholiken und Protestanten, junge und ältere Personen. Von den etwa 170 Mitarbeitern sind ca. 100 ehrenamtlich tätig; die knapp 50 hauptamtlichen Mitarbeiter[15] engagieren sich in Kinder- und Jugendarbeit, bieten Seminare, Schulungen und Vorträge zu geistlichen Themen an. Darüber hinaus sind 30 bis 40 Teilnehmer der internen Glaubensschule und Volontäre fester Bestandteil des Dienstes und Aufgaben des Gebetshaus. Das Werk Gebetshaus wird durch Spenden und Honorare finanziert, es unterhält eine eigene Medienarbeit, vertreibt geistliche Literatur und Tonträger. Johannes Hartl war mit dem Gebetshaus Hauptinitiator der Aktion „Deutschland betet gemeinsam“ unter der Schirmherrschaft des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, an der im April 2020 über eine halbe Million Menschen teilgenommen haben.[16] Unter den Mitwirkenden waren neben vielen Bischöfen auch Prominente wie Peter Maffay, Heiko Herrlich, sowie Bundesministerin Julia Klöckner und etliche Bundestagsabgeordnete.[17]

MEHR-Konferenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter dem Titel „MEHR“ veranstaltet das Gebetshaus seit 2008 eine ökumenische Konferenz, bei der Inspiration und freudige Vermittlung des christlichen Glaubens im Vordergrund stehen. Anfangs nur 120 Teilnehmende, wuchs die Zahl kontinuierlich. 2015 besuchten schon 4.500, 2016 über 7.000 und 2018 um die 11.000 Personen die viertägige Konferenz. Die „MEHR“ gilt als innovative und technisch anspruchsvolle Veranstaltung, die für eine moderne Form gelebten Glaubens steht.[18] Kritiker dagegen warnen vor Emotionalisierung und überzogenem Showcharakter der Veranstaltung.[19] Der Passauer Bischof Stefan Oster nahm an der Konferenz 2017 und 2018 teil.[20][21][22][23] Im Rahmen dieser Konferenz veröffentlichte Hartl 2018 das Mission Manifest. Im Januar 2020 zog die MEHR 12.000 Teilnehmer in die Messe Augsburg und war erstmals komplett ausverkauft.[24] Unter den Referenten waren Schauspieler Samuel Koch, sowie Kardinal Kurt Koch. Unter dem Motto „MEHRtheologie“ fand im Rahmen der Konferenz ein Fachpodium zu philosophischen und theologischen Themen mit etwa 2500 Teilnehmern statt. Diese Veranstaltung wurde zusammen mit dem Institut für ökumenische Studien der Universität Freiburg (Schweiz) ausgerichtet.[25]

SCHØN-Konferenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 2018 fand erstmals eine Konferenz zum Grenzbereich Kunst, Kreativität, Philosophie und Spiritualität in Augsburg statt, die von 1200 Teilnehmenden besucht wurde. Unter den mitwirkenden Künstlern waren Filmemacher Wim Wenders, Musiker Michael Patrick Kelly, Designer Stefan Sagmeister, Pianist Martin Helmchen, der Literaturwissenschaftler Wolfgang Frühwald und viele weitere.[26] Eine Nachfolgekonferenz im Juni 2020 musste auf Grund der Coronakrise abgesagt werden. Zugesagt hatten u.A. der Schriftsteller Martin Mosebach und der Musiker Moses Pelham, angefragt war die Künstlerin Kristina Buch.[27]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Mitautor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mit Andreas Hardt: Basic: 60 jesusmäßige Tage zum Selberbasteln. Herausgeber: JCE (Jugendarbeit der Charismatischen Erneuerung in der Katholischen Kirche). D&D Medien, Grünkraut 2006, ISBN 978-3-932842-78-8.
  • Mit Leo Tanner: Katholisch als Fremdsprache – Einander verstehen, gemeinsam vorwärts gehen. WeG Verlag, Eggersriet 2015, ISBN 978-3-932842-78-8
  • Mit Karl Wallner, Bernhard Meuser u. a.: Mission Manifest – Die Thesen für das Comeback der Kirche, Herder 2018, ISBN 978-3-451-38147-8

Musik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Augenlieder, Gebetshaus Augsburg 2013
  • So hoch der Himmel ist, Gebetshaus Augsburg 2017
  • Habitare Secum, Instrumentalalbum zusammen mit Christian Heidenbauer, Gebetshaus Augsburg 2020

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Archivlink (Memento vom 19. Februar 2016 im Internet Archive)
  2. Gott ungezähmt: Raus aus der spirituellen Komfortzone. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  3. In meinem Herzen Feuer. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  4. Matthias Drobinski: Religion: Wo Millennials auch am Mittwoch beten. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  5. Schön. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  6. Johannes Hartl. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  7. Ein Shootingstar unter den Theologen | Tag des Herrn - Katholische Wochenzeitung. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  8. Doz. Dr. Johannes Hartl. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  9. LIT Verlag Berlin-Münster-Wien-Zürich-London. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  10. Einfach Gebet. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  11. Die Tagespost: Die Tagespost. 9. April 2020, abgerufen am 7. Mai 2020.
  12. D: Theologe Hartl weist Vorwurf der „Versektung“ zurück - Vatican News. 12. Oktober 2018, abgerufen am 26. Januar 2020.
  13. Initiator Hartl wehrt sich gegen Sekten-Vorwurf. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  14. Beten macht Freude, lifechannel.ch, Artikel vom 19. März 2018.
  15. gebetshaus.org: Mitarbeiter.
  16. Corona: Dieser Mann will, dass ganz Deutschland gemeinsam betet. Abgerufen am 7. Mai 2020.
  17. Deutschland betet gemeinsam. Abgerufen am 10. Mai 2020.
  18. von Redaktion: MEHR 2017: Musikproduktion oder „Gottesdienst 2.0“? 29. Juni 2017, abgerufen am 10. Mai 2020.
  19. Die Tagespost: Die Tagespost. 17. Oktober 2018, abgerufen am 10. Mai 2020.
  20. Website der MEHR-Konferenz.
  21. Moritz Breckner: Deutschland braucht mehr von Jesus. pro - Christliches Medienmagazin, Wetzlar Januar 2016, Seiten 44–47.
  22. Christopher Beschnitt: Frommes Spektakel? "Mehr"-Ökumene-Konferenz in Augsburg. www.domradio.de, 4. Januar 2018, abgerufen am 5. Januar 2018.
  23. Karsten Huhn: Ein ökumenischer Wallfahrtsort, ideaSpektrum Liestal/Wetzlar 10. Januar 2018, S. 26–27.
  24. "Mehr"-Konferenz – Kirche als Pop-Event? 6. Januar 2020, abgerufen am 7. Mai 2020.
  25. Die Tagespost: Die Tagespost. 4. Januar 2020, abgerufen am 10. Mai 2020.
  26. Daniel Wildraut: "Atemberaubend": Die SCHØN-Konferenz in Augsburg. In: Jesus.de. 18. Juni 2018, abgerufen am 7. Mai 2020.
  27. Schoenkonferenz – Schoenkonferenz. Abgerufen am 7. Mai 2020.