Johannes Heydekyn von Sonsbeck

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Johannes Heydekyn von Sonsbeck (* um 1450 in Sonsbeck; † um 1516) war ein katholischer Priester, Augustiner-Chorherr, Historiker und geistlicher Schriftsteller im Kloster Kirschgarten zu Worms.

Historischer Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1235 erstmals urkundlich erwähnte Zisterzienserinnenkloster Kirschgarten war um 1430 nahezu ausgestorben. Der Wormser Bischof Friedrich von Domeneck und Kurfürst Ludwig IV. von der Pfalz wandten sich wegen einer Neubesiedlung an die Windesheimer Reformkongregation der Augustinerchorherren. Diese entsandte Regularkanoniker aus dem Kloster Böddeken, welche 1443 dort einzogen, das Kloster reformierten und es schnell zu einem lokalen Zentrum der kirchlichen Erneuerung machten. Während des Bauernkrieges wurde der Konvent 1525 durch Aufständische zerstört und ging unter. Es sind keinerlei bauliche Reste erhalten.[1]

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johannes Heydekyn stammte aus Sonsbeck am Niederrhein und trat um 1472 in das Kloster Kirschgarten ein. Dort gab es mindestens zwei weitere Chorherren aus seiner Heimatstadt, möglicherweise Verwandte von ihm. Einer war Johannes Sonsbeck, der um 1460 von Worms in das neu gegründete Filialkloster Birklingen ging, 1463 dort Prior wurde, ab 1473 im gleichen Amt das Kloster Kirschgarten leitete und 1482 an der Pest starb. Der andere hieß Hermann Sonsbeck, wurde 1503 Prior von Kirschgarten, starb aber schon am 2. Januar 1504.[2][3]

Johannes Heydekyn erscheint 1503 als Subprior von Kirschgarten, später, bis zu seinem Tod, als Prior.

In dem Konvent existierte ein bedeutendes Skriptorium in dem Heydekyn tätig war. Hier verfasste er um 1500 seine Handschrift Chronica civitatis Wormatiensis, bekannt als Kirschgartener Chronik. Dieses Manuskript ist eine wertvolle Quelle für viele lokalgeschichtlich bedeutsame Ereignisse sowie für die Historie der Wormser Bischöfe. Es überliefert u.a. auch die Viten des seligen Erkenbert von Frankenthal und des Bischofs Burchard von Worms.[4] Die Chronik lag über Jahrhunderte unbeachtet im Stadtarchiv Worms und wurde erst 1880 wiederentdeckt. Zwei weitere wichtige Werke bilden die Reisebeschreibung der Pilgerfahrt von Kurfürst Ludwig III. ins Heilige Land und eine Vita des Hl. Joachim; beide sind verschollen.

Zur Zeit von Johannes Heydekyn wirkte auch sein Konfrater Johannes von Lambsheim als Autor im Kloster Kirschgarten. Heydekyn stand in freundschaftlichem Kontakt mit dem Sponheimer Abt Johannes Trithemius, sowie mit den Wormser Bischöfen Reinhard I. von Sickingen und Johann von Dalberg. Ersterem widmete er 1497 seine Schrift Dialogus de amore et inquisicione vere sapiencie, in der er auch seiner Verehrung für Bischof Dalberg Ausdruck verleiht[5] und von Bischof Sickingen erhielt er laut eigenen Angaben die Priesterweihe.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Webseite zum Wormser Kloster Kirschgarten
  2. Paulus Weissenberger OSB: Geschichte des Klosters Kirschgarten in Worms (= Der Wormsgau. Beiheft. Bd. 6), Stadtbibliothek, Worms 1937, S. 70, 71 u. 74
  3. Webseite zum Kloster Birklingen
  4. Webseite zur Kirschgartener Chronik.
  5. Gerold Bönnen, Burkard Keilmann: Der Wormser Bischof Johann von Dalberg (1482-1503) und seine Zeit, Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte, Mainz, 2005, S. 162, ISBN 3-929135-51-5, Online