Johannes Tröster (Humanist)

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Johannes Tröster („Cibinio“, * vor 1640 in Hermannstadt; † vermutlich 1670 in Großschenk) war ein siebenbürgisch-sächsischer Humanist, Historiker und Geograph.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johannes Tröster-Das Alt- und Neu-Teutsche Dacia.jpg

Die biographischen Daten über Johannes Tröster sind spärlich. Seine Familie dürfte aus Kerz stammen.[1] In Hermannstadt ist der Name Tröster erst mit seinem Vater – dem Gerichtssekretär Martin Tröster – nachweisbar. In den Jahren 1651 und 1652 wird Johannes Tröster in den Schülerlisten des Hermannstädter Gymnasiums geführt. Das Gymnasium hat er vermutlich vor 1658 abgeschlossen. Zwischen 1658 und 1662 war er sehr wahrscheinlich Hauslehrer bei der adeligen Familie Bethlen in Wetsch. In den Jahren 1662 und 1666–1667 (zumindest) hat er sich in Nürnberg oder der benachbarten Universitätsstadt Altdorf aufgehalten. Nachweisbar ist auch eine Immatrikulation an der Universität Jena im Jahr 1663. Es werden weitere Aufenthalte in Nürnberg zwischen 1665 und 1668 angenommen, denn er war Mitglied im Pegnesischen Blumenorden zu Nürnberg. Nach seiner Rückkehr aus Deutschland wurde er Rektor der Großschenker Schule. Weitere Nachweise über ihn sind nicht bekannt. Es wird angenommen. dass er bald nach dem Antritt als Schulrektor verstorben ist, da er ansonsten – entsprechend den damaligen Gepflogenheiten – Pfarrer geworden wäre.

Das bekannteste Werk Trösters ist Das Alt- und Neu-Teutsche Dacia, die erste in deutscher Sprache veröffentlichte ausführliche Landesbeschreibung Siebenbürgens. Im historischen Teil der Beschreibung lässt er sich zwar über die heute überholte germanische Kontinuitätstheorie in Siebenbürgen aus, liefert aber darüber hinaus sehr wertvolle Angaben über die siebenbürgisch-sächsische und rumänische Sprachgeschichte, sowie über die Rechtsverhältnisse, Sitten und Bräuche im Siebenbürgen des 17. Jahrhunderts. Darüber hinaus enthält sein Buch eine Karte Siebenbürgens, deren Vorlage wahrscheinlich ein Kartenblatt von Merkator aus dem Jahr 1652 war, sowie Kupferstiche von H.J. Schollenberger, die zu den ältesten Ansichten siebenbürgischer Städte zählen.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Alt- und Neu-Teutsche DACIA. Das ist: Neue Beschreibung des Landes Siebenbürgen / Darinnen dessen Alter, und jetziger Einwohner / wahres Herkom(m)en / Religion/Sprachen/Schriften/Kleider/Gesetz / und Sitten / nach Historischer Warheit von zweytausend Jahren her erörtert: Die berühmteste Städt in Kupfer eigentlich abgebildet; dabey viel Gothische und Römische Antiquitäten und Anmahnungen entdecket werden. Neben etlichen andern Kupfern / und einer geschmeidigen emendirten Landkarten das erste mahl herausgegeben von Johanne Tröster / Cibinio-Transylv. SS.Th. & Philosoph. Medicae Studioso. Nürnberg / In Verlegung Johann Kramers / Gedruckt bey Christoph Gerhard / 1666.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Tröster, Das Alt- und Neu-Teutsche Dacia, Nürnberg 1666, Nachdruck: Böhlau Verlag, Köln Wien 1981, ISBN 3-412-06280-4.
  • Viktor Mökesch, Johannes Tröster, Hyperanhylaeus, in: Südostdeutsche Vierteljahresblätter 16 (1967), S. 235–237.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nach Scheiner lässt sich der in Siebenbürgen seltene Name Tröster um das Jahr 1650 in Kerz nachweisen.