Johannes Wallacher

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Johannes Wallacher

Johannes Wallacher (* 13. April 1966 in Ludwigshafen am Rhein) ist ein deutscher Ökonom und Philosoph. Sein Forschungs- und Arbeitsfeld ist Wirtschaftsethik mit besonderem Fokus auf entwicklungsgerechter Weltwirtschaft und nachhaltiger Ressourcennutzung.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johannes Wallacher studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Karlsruhe und Philosophie an der Hochschule für Philosophie München. Er promovierte zunächst 1994 an der Universität Karlsruhe bei Georg Bol mit einer Arbeit zu mathematischen Modellen der ökonomischen Qualitätssicherung. Eine zweite Promotion bei Johannes Müller schloss Wallacher 1999 an der Hochschule für Philosophie München ab. Darin begründete er ethische Maßstäbe für eine nachhaltige Wassernutzung im globalen Kontext.[1]

Seit 2006 ist er Professor für Sozialwissenschaften und Wirtschaftsethik an der Hochschule für Philosophie München und Mitglied des dortigen Instituts für Gesellschaftspolitik. 2016 wurde er zum Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) gewählt.

Wallacher ist seit 1. September 2011 Präsident der Hochschule für Philosophie München. Er ist der erste Präsident der Hochschule, der nicht Mitglied des Jesuitenordens ist.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wallachers Forschung umfasst Fragen der Globalisierung und ihre vielfältigen Erscheinungsformen. Besondere Berücksichtigung finden in seiner Arbeit

  • ethische Reflexion und politische Gestaltung der ökonomischen Globalisierung (Welthandel, globale Finanzmärkte)
  • Klimawandel, Armut und Gerechtigkeit
  • Grundlagen der Wirtschafts- und Unternehmensethik und ihre Anwendung.

Entwicklung, Ökonomie und Kultur in ihrer wechselseitigen Verknüpfung spielen in allen genannten Themenfeldern eine zentrale Rolle. Wallacher greift dabei auf den Capability Approach von Amartya Sen sowie auf die Tradition der Politischen Ökonomie von Adam Smith zurück. Wallacher zufolge besitzt Wirtschaften kein Selbstzweck, sondern ist im Hinblick auf seinen Beitrag für breitenwirksame Wohlstandsmehrung, Entwicklung und Armutsbekämpfung zu beurteilen.[2] Dies macht er insbesondere in den Bereichen Ressourcennutzung, Welthandel, Finanzwirtschaft und Klimawandel deutlich. Wallachers Forschung ist von der Überzeugung geprägt, dass ein Austausch zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und die Zusammenarbeit mit gesellschaftlichen Kräften (Privatwirtschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Kirche) ein Schlüssel für ein tiefes Verständnis der Probleme und für die Umsetzbarkeit von Lösungen ist.[3]

Wissenschaftliche Beratung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Seit 2002 Mitglied der Sachverständigengruppe »Weltwirtschaft und Sozialethik« der Wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz und seit 2008 deren Vorsitzender.
  • Seit 2004 Mitglied der Deutschen Kommission Justitia et Pax und Moderator ihres Sachbereichs Entwicklung.
  • Seit 2006 Wissenschaftlicher Beirat der Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lebensgrundlage Wasser. Dauerhaft-umweltgerechte Wassernutzung als globale Herausforderung. Kohlhammer, Stuttgart 1999, ISBN 3-17-016107-5.
  • mit Johannes Müller: Entwicklungsgerechte Weltwirtschaft. Perspektiven für eine sozial- und umweltverträgliche Globalisierung. Kohlhammer, Stuttgart 2005, ISBN 3-17-018323-0.
  • mit Ottmar Edenhofer, Michael Reder, Hermann Lotze-Campen (Hrsg.): Global aber gerecht. Klimawandel bekämpfen, Entwicklung ermöglichen. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60656-4.
  • Mehrwert Glück. Plädoyer für menschengerechtes Wirtschaften. Herbig, München 2011, ISBN 978-3-7766-2656-8.
  • mit Matthias Rugel (Hrsg.): Die globale Finanzkrise als ethische Herausforderung. Kohlhammer, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-17-021650-1.
  • mit Ottmar Edenhofer, Hermann Lotze-Campen, Michael Reder, Brigitte Knopf, Johannes Müller (Hrsg.): Climate Change, Justice and Sustainability: Linking Climate and Development Policy. Springer Netherlands, 2012, ISBN 978-94-007-4539-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Wallacher: Lebensgrundlage Wasser. Dauerhaft-umweltgerechte Wassernutzung als globale Herausforderung. Kohlhammer, Stuttgart 1999, ISBN 3-17-016107-5, S. 164-200.
  2. Johannes Wallacher: Wirtschaftsethik. In: Stimmen der Zeit 220/2002, Nr. 4, 2002, ISSN 0039-1492, S. 232–244, insbesondere S. 243 (Onlineversion des Artikels. S. 5, abgerufen am 21. Juli 2011 (PDF; 55 kB).).
  3. Johannes Wallacher: Mehrwert Glück. Plädoyer für menschengerechtes Wirtschaften. Herbig, München 2011, ISBN 978-3-7766-2656-8, S. 189f.