Johannes von Thurn und Taxis

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Johannes von Thurn und Taxis an der Seite seiner Frau Gloria (1981)

Johannes von Thurn und Taxis (* 5. Juni 1926 auf Schloss Höfling bei Regensburg; † 14. Dezember 1990 in München-Großhadern), amtlicher Familienname Prinz von Thurn und Taxis, war ein deutscher Unternehmer und ab 1982 unter der traditionellen Bezeichnung Fürst von Thurn und Taxis das 11. Oberhaupt der Familie von Thurn und Taxis.[1][2][3]

Name und traditionelle Titel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der vollständige Name von Geburt lautete Johannes Baptista de Jesus Maria Louis Miguel Friedrich Bonifazius Lamoral Prinz von Thurn und Taxis. Als Erbe und späteres Oberhaupt der Familie nannte er sich abweichend vom amtlichen Namensbestandteil Prinz der Primogenitur-Tradition gemäß seit 1971 Erbprinz und seit 1982 Fürst von Thurn und Taxis[1][2][3] und war so auch bis zu seinem Tod allgemein bekannt.[4][5] Traditionell lautete die vollständigere Anrede und Titulierung als Oberhaupt des Hauses und hinzugekommener Ehrungen „Seine Durchlaucht Johannes Baptista de Jesus, Fürst von Thurn und Taxis, Fürst zu Buchau und Fürst zu Krotoschin, Herzog zu Wörth und Donaustauf, gefürsteter Graf zu Friedberg-Scheer, Graf zu Valle-Sassina, auch zu Marchtal, Neresheim usw., Erbgeneralpostmeister, Ritter des Ordens der Rautenkrone, Ehrenritter des Souveränen Malteserritterordens.“[6][7] So war es auch bei seinem Tod den Medien zu entnehmen, unbenommen der Tatsache, dass dem keine öffentlich-rechtliche Relevanz zukam, da Adelsvorrechte und Titel seit der Weimarer Verfassung 1919 keine allgemeine Gültigkeit mehr haben.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johannes von Thurn und Taxis war der älteste Sohn von vier Kindern des Karl August von Thurn und Taxis (1898–1982) und seiner Ehefrau Maria Anna von Braganza (1899–1971). Er wuchs auf Gut Höfling () auf und besuchte eine öffentliche Volksschule und ein Gymnasium in Regensburg. Da sein Vater ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus war, verboten ihm seine Eltern, in die Hitlerjugend einzutreten.[8] Auch die mehrmonatige Inhaftierung seines Vaters durch die Gestapo prägte den jungen Johannes nachhaltig.[8]

Sein Großvater Albert von Thurn und Taxis starb 1952. Dieser hatte seinen Enkel Johannes testamentarisch zum Universalerben des riesigen Vermögens der Thurn und Taxis eingesetzt und seinen Söhnen Franz Joseph und Karl August, dem Vater von Johannes, nur den Nießbrauch überlassen. Um seiner künftigen Aufgabe gewachsen zu sein, machte Johannes von Thurn und Taxis in Nürnberg eine Banklehre. Seit Anfang der 1960er Jahre arbeitete er in der Verwaltung mit und konnte die Besitztümer der Thurn und Taxis auf Südamerika ausdehnen.[8] Seit 1965 unterstützte er zunächst seinen Onkel und nach dessen Tod seit 1971 seinen Vater in der Vermögensverwaltung.[8] In den siebziger Jahren war er des Öfteren in den Wirtschaftsteilen der Tagespresse präsent. Man berichtete über ihn als Erbe eines Unternehmens, das in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, die insbesondere durch den kostspieligen Unterhalt der zahlreichen Schlösser hervorgerufen wurden. 1978 verkaufte er deshalb das Schloss Wörth an der Donau.[9] Sein Unternehmen mit Schwerpunkt in der Forstwirtschaft beteiligte sich zur Diversifizierung auch an Brauereien, Banken und verschiedenen Konglomeraten der Industrie. Dabei geriet er in den achtziger Jahren in Konflikt mit einigen seiner Manager, da deren Geschäftsaktivitäten zu wenig lukrativ waren.[10] Die Feier seines 60. Geburtstags im Sommer 1986 blieb als opulentes Kostümfest in Erinnerung, zu dem viel Prominenz aus Kultur, Politik, Wirtschaft und historischem Adel geladen war.[7] 1990 wurde die 500-Jahr-Feier des Hauses Thurn und Taxis zelebriert, an dessen Beginn die Aufnahme des Postdienstes durch Franz von Taxis stand. Das Jubiläum wurde durch eine große Sonderausstellung im Marstall des Schlosses St. Emmeram begleitet.[7]

Johannes von Thurn und Taxis starb nach zwei Herztransplantationen[11] am 14. Dezember 1990 im Klinikum Großhadern in München.[2][3] Zum Requiem in der Basilika St. Emmeram waren zahlreiche Trauergäste aus dem europäischen Hochadel und der bayerischen Politik- und Kulturprominenz gekommen.[12] Er wurde am 28. Dezember 1990 in der Gruftkapelle des Schlosses St. Emmeram in Regensburg beigesetzt.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehe und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen des Fürstenhauses von Thurn und Taxis

Johannes von Thurn und Taxis war ein Mitglied des internationalen Jet Sets und ein Lieblingsobjekt der Regenbogenpresse, blieb aber bis 1980 unverheiratet und galt in den Boulevard-Blättern der siebziger Jahre als einer der reichsten Junggesellen des Landes.[3][7] Nachdem er Gloria Gräfin von Schönburg-Glauchau kennengelernt hatte, heiratete er sie am 30. Mai 1980 auf Schloss St. Emmeram in Regensburg. Die kirchliche Trauung am 31. Mai 1980 in der Basilika St. Emmeram leitete der damalige Regensburger Bischof Rudolf Graber. Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor:

Vorfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maximilian Anton von Thurn und Taxis (1831–1867)
Erbprinz
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Albert von Thurn und Taxis (1867–1952)
Fürst
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Helene in Bayern (1834–1890)
Herzogin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Karl August von Thurn und Taxis (1898–1982)
Prinz (traditionell seit 1952 „Erbprinz“, seit 1971 „Fürst“)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Joseph Karl Ludwig von Österreich (1833–1905)
Erzherzog
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Margarethe Klementine von Österreich (1870–1955)
Erzherzogin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Clotilde von Sachsen-Coburg und Gotha (1846–1927)
Prinzessin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Johannes Prinz von Thurn und Taxis (1926–1990)
(traditionell seit 1971 „Erbprinz“, seit 1982 „Fürst“)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Michael von Portugal (1802–1866)
König
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Michael von Braganza (1853–1927)
Herzog
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Adelheid zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1831–1909)
Prinzessin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Anna von Braganza (1899–1971)
Prinzessin von Portugal
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Karl zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1834–1921)
Fürst
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Theresia zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1870–1935)
Prinzessin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Sophie von und zu Liechtenstein (1837–1899)
Prinzessin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolfgang Behringer: Thurn und Taxis. Die Geschichte ihrer Post und ihrer Unternehmen. München/Zürich 1990, ISBN 3-492-03336-9.
  • Martin Dallmeier, Martha Schad: Das Fürstliche Haus Thurn und Taxis. 300 Jahre Geschichte in Bildern. Friedrich Pustet, Regensburg 1996, ISBN 3-7917-1492-9.
  • Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann. MännerschwarmSkript-Verlag, Hamburg 1998, ISBN 3-928983-65-2, S. 689.
  • Peter Styra: Das Haus Thurn und Taxis. Börde-Verlag, Werl 2012, ISBN 978-3-9814458-4-8, S. 38.
  • Martha Schad (Hg.), Harry D. Schurdel, Klaus Meyer: Die Thurn und Taxis; in der Reihe: Macht und Mythos der großen Dynastien. Weltbild Verlag, Augsburg 2000, S. 72–74.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Johannes von Thurn und Taxis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Johannes B. Fürst von Thurn und Taxis im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. a b c Fürst v. Thurn u. Taxis gestorben. Nachrichtenbeitrag in der ARD-Tagesschau vom 14. Dezember 1990, Online abspielbar, Beitrag ab Minute 11:42 bis Minute 13:38
  3. a b c d Johannes Fürst von Thurn und Taxis gestorben, Nekrolog des Spiegel in der Ausgabe 51/1990 vom 17. Dezember 1990, online einsehbar im Internet-Archiv
  4. Der melderechtlich relevante Name auch seiner Person war stets Prinz von Thurn und Taxis, wie seine Frau in einem Interview mit Rudolf Schröck bestätigte. Siehe dazu: Rudolf Schröck: Gloria von Thurn und Taxis. Eine Biografie. Droste Verlag, Düsseldorf 2004, ISBN 3-7700-1160-0, S. 10.
  5. Artikel 109 WRV (Weimarer Verfassung vom 11. August 1919) bestimmt, dass die öffentlich-rechtlichen Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes aufzuheben sind. Adelsbezeichnungen gelten nur [mehr] als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden. Im Falle der Nachkommen des ehemaligen Fürstenhauses Thurn und Taxis tragen seitdem alle Familienmitglieder den Familiennamen Prinz bzw. Prinzessin von Thurn und Taxis. Die auf den nicht mehr existierenden und vererbbaren Primogenituradel zurückgehende Namensbezeichnung Fürst von Thurn und Taxis unter Verwendung des Erstgeburtstitels „Fürst“ als Namensbestandteil (nur bei den Oberhäuptern der Familie) ist personenstandsrechtlich irrelevant, wird aber in nichtamtlichen Zusammenhängen ähnlich den Bestimmungen des Pseudonyms als Höflichkeitsform in Anlehnung an die Tradition der Familie sowohl in der Literatur als auch in der Gesellschaft überwiegend verwendet.
  6. Genealogisches Handbuch des Adels, Fürstliche Häuser, Band XV, Starke Verlag, Limburg/Lahn 1997, S. 474.
  7. a b c d Martha Schad (Hg.): Die Thurn und Taxis. Weltbild Verlag, Augsburg 2000, S. 74.
  8. a b c d Martin Dallmeier, Martha Schad: Das Fürstliche Haus Thurn und Taxis. S. 174.
  9. Martha Schad (Hg.): Die Thurn und Taxis. Weltbild Verlag, Augsburg 2000, S. 72.
  10. Johannes von Thurn und Taxis bei Who‘s Who.
  11. Hanns-Bruno Kammertöns: Ich hasse den Tod. In: Die Zeit. Nr. 24, 7. Juni 2007 (Online).
  12. 14. Dezember 1990 - Johannes Fürst von Thurn und Taxis gestorben, Beitrag des WDR „Stichtag“
  13. Ursula Butschal: Perlen Diadem der Kaiserin Eugenie. Schmuck und Juwelen des Fürsten von Thurn und Taxis. In: royal-magazin.de. Abgerufen am 26. September 2009 (Hochzeitsbild).
  14. Martin Dallmeier, Martha Schad: Das Fürstliche Haus Thurn und Taxis. S. 184.
VorgängerAmtNachfolger
Karl AugustChef des Hauses Thurn und Taxis
1982–1990
Albert