Johanneskirche (Gießen)

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Johanneskirche von Südost

Die Johanneskirche ist die größte evangelische Kirche in Gießen und hat mit einer Höhe von 72 Metern[1] den höchsten Kirchturm aller Gießener Kirchen. Sie wurde im Jahr 1893 in einem historistischen Mischstil aus Gotik und Renaissance errichtet.[2] Das Gebäude ist hessisches Kulturdenkmal und prägt das Stadtbild.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf den 72 Meter hohen Kirchturm
Östliches Hauptportal
Altarbereich im Jahr 2017

Weil die Stadtkirche von 1821 den Erfordernissen der rapide wachsenden Stadtbevölkerung nicht mehr genügte, wurden 1882 ein Kirchenbaufonds und 1888 eine Baukommission gegründet, die Pläne für eine zweite evangelische Kirche entwickelte.[4] Als Bauplatz diente ein Stück des alten Wassergrabens der ehemaligen Stadtbefestigung (Südanlage). Die Aufhebung des Eisenacher Regulativs ermöglichte ab 1890 fortschrittlichere Bauformen. Nach der 1890 erfolgten Auslobung eines Architektenwettbewerbs, der sich an alle deutschen Architekten richtete, forderten 233 Architekten die Unterlagen an und gingen im folgenden Jahr 39 Entwürfe ein.[5] Die Berliner Architekten-Partner Hans Grisebach und August Dinklage, deren Entwurf ausgeführt wurde, sowie Richard Schultze aus Berlin-Friedrichshagen erhielten als Preisgeld jeweils 1600 Mark. Die Johanneskirche wurde von 1891 bis 1893 unter der Bauleitung von Grisebach erbaut, der Änderungswünsche der Gemeinde berücksichtigte. Am 12. Oktober 1891 erfolgte der erste Spatenstich, am 28. Mai 1892 die Grundsteinlegung und am 30. November 1893 die Einweihung in Anwesenheit von Großherzog Ernst Ludwig, dem Oberhaupt („summus episcopus“) der Evangelischen Landeskirche in Hessen.[6] Namenspatron wurde der Evangelist Johannes (nach christlicher Tradition mit dem Apostel Johannes gleichgesetzt), nachdem am 1. November 1892 die bisherige evangelische Stadtgemeinde in vier eigenständige Kirchengemeinden aufgeteilt worden war. Diese vier Gemeinden wurden nach den Evangelisten benannt und erhielten je einen Pfarrer. Der Matthäus- und Markusgemeinde wurde die Stadtkirche zugewiesen, Lukas- und Johannesgemeinde nutzten gemeinsam die Johanneskirche.[7]

Den Zweiten Weltkrieg überstand die Johanneskirche trotz des verheerenden Luftangriffs in der Nacht vom 6. auf den 7. Dezember 1944 weitgehend unbeschadet. Allerdings wurden die beiden Dächer von Turm und Schiff beschädigt und 1949 ausgebessert. Eine Notverglasung ersetzte die zerstörten Bleiglasfenster von Hermann Schaper. Im Zuge einer umfassenden Innenrenovierung in den Jahren 1962 bis 1965 gestaltete Erhardt Klonk sie neu.[8] Die reiche figurale und ornamentale Bemalung an den Innenwänden und Gewölbeflächen, die Hermann Schaper im Jahr 1903 angebracht hatte, wurde entfernt. Die Kirche erhielt einen neuen Fußboden, eine neue Heizung und eine neue Beleuchtung. Die Langsdorfer Kirche übernahm die alten Kronleuchter. Die Vorhalle unter der Orgelempore wurde durch Glastüren mit Vorhängen abgetrennt, die verschnörkelten Oberteile der Wangen des Gestühls wurden entfernt und die Außentüren mit Kupfer beschlagen. Der vergrößerte Altarraum erfuhr eine völlige Umgestaltung und Modernisierung. Bei der Renovierung zerbrach das Altarbild aus Gips, das die Abendmahlsszene unter einer Arkatur mit filigranem Maßwerk darstellte.[9] Die Sanierungskosten beliefen sich auf 577.515,44 DM (295.277,89 Euro), die auch die Nebenräume und Treppenhäuser einschlossen (nicht aber das Architektenhonorar und die Akustikarbeiten).[10] Durch die nach dem Krieg lange Zeit unverglast gebliebenen Fenster hatte die Orgel Schaden erlitten und wurde 1967 durch ein neues Werk ersetzt. 1969/1970 wurde der Kirchturm instand gesetzt, die Dachdeckung in Schiefer erneuert und verwitterte Sandsteinelemente der Fassade in vereinfachter Form ersetzt.[11] 1982 folgte eine Sanierung der Außentreppen.

Von 2013 bis 2016 erfolgte eine aufwändige Innenrenovierung, die neben Verputzarbeiten und einem neuen, helleren Anstrich eine Erneuerung der Elektro-Installation, der Beleuchtung und der Beschallungsanlage sowie eine neue Heizungsanlage und sanitäre Anlagen beinhaltete. Die drei großen Kirchenportale mit ihren Oberlichtern wurden wieder freigelegt, deren Flügeltüren in den 1960er Jahren Kupferverkleidungen erhalten hatten. Der vormals abgetrennte Eingangsbereich erhielt durch eine Glaswand und eine helle Holzverkleidung einen offenen und hellen Charakter. Für die Neugestaltung des Altarbereichs wurde ein Künstlerwettbewerb ausgeschrieben. Er ragt nach der Vergrößerung mit seinen halbrunden Stufen in den Kirchenraum hinein. Georg Hüter formte aus dem bisherigen Altar eine schiffsähnliche Skulptur.[12] Nicht wiederhergestellt werden konnte die ursprüngliche Ausmalung, die in den 1960er Jahren gründlich abgetragen worden war. Von den 1,5 Millionen Euro Sanierungskosten müssen die beiden Kirchengemeinden eine halbe Million aufbringen, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau übernimmt den größten Teil.[13][14]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundriss des Erdgeschosses

Der nicht exakt nach Westen, sondern parallel zur Südanlage ausgerichtete, komplexe Bau verbindet mehrere Baustile: Innen wie außen mischen sich die Baustile der Gotik und der Renaissance.[15] Für die Außenfassaden wurde dunkler Lungstein verwendet, der mit den hellen Sandsteinbändern und -Gewänden kontrastiert. Die Hallenkirche erhält durch das große südliche Nebenschiff unter zwei Quergiebeln ihre zweischiffige gotische Gestalt. Das Hauptschiff mit Satteldach hat einen polygonalen Chorabschluss, hinter dem eine Sakristei angebaut ist. Zwischen dem Nebenschiff mit seiner großen Empore und dem südlich vorgelagerten, polygonalen Johannessaal („Konfirmandensaal“) befindet sich das Nebenportal in einem schmalen Gebäudeteil, das auch als Treppenhaus für die Emporen dient und das mit einem schlanken Pyramidendach bekrönt wird. Der Kirchturm, der die Glocken beherbergt, mit einem Südportal versehen ist und den zweiten Emporenaufgang bildet, ist auf der Südostecke links vom großen Eingangsportal errichtet und schließt das Seitenschiff ab.[16]

Der beherrschende Eckturm ist auf quadratischem Grundriss von 8,50 Metern Breite errichtet. Er wird in den drei unteren Geschossen durch helle Sandsteingesimse gegliedert. Das große Mittelgeschoss weist an allen Seiten hohe doppelte Schallarkaden auf, während das kleine Obergeschoss an jeder Seite drei kleine Schallarkaden und eine Sandstein-Galerie mit durchbrochenen Brüstungen hat. Auf der mittleren ist ein Adler darstellt, das Evangelistensymbol des Johannes, links und rechts mythologische Wesen. Jede Galerie ruht auf drei Konsolen aus stilisierten Löwenköpfen. Vier in Sandstein gefasste Dreiecksgiebel umschließen Zifferblätter, deren Durchmesser 2,75 Meter beträgt. Auf den Ecken des Turmschaftes sind vier Wasserspeier in Gestalt geflügelter Löwen angebracht, über denen sich vier Sandstein-Fialen erheben. Der schlanke, achteckige Spitzhelm wird von einem vergoldeten Turmknopf, einem reich verzierten Kreuz und einem vergoldeten Wetterhahn bekrönt.[1]

Nordseite

Helle, die Strebepfeiler einbeziehende Sandsteinbänder gliedern die Außenmauern des Gebäudes horizontal in drei Zonen. Vor allem die Fassaden der beiden Schauseiten sind mit reichem figuralen und ornamentalen Schmuck repräsentativ ausgestattet.[3] Besonders aufwändig sind die drei Stufenportale mit Gewänden aus hellem Sandstein gestaltet. Die Türen selbst bestehen im Kern aus Fichtenholz, auf das Eiche aufgeleimt wurde. Die in den 1960er Jahren grob abgeschlagenen Verzierungen wurden 2015/2016 wieder originalgetreu rekonstruiert. Das Gewände des Hauptportals im Osten hat an beiden Seiten eine abgestufte Reihe mit drei Freisäulen, die in Kapitellen mit Voluten enden. Sie tragen einen reich profilierten Rundbogen. Im linken Bogenzwickel tritt ein Engel mit einer Friedenspalme, im rechten ein Engel mit einem Kreuz hervor. Darüber sind zwei Schriftfelder mit Bibelworten aus Hebr 13,8 LUT und 1 Joh 5,4b LUT unter einem umlaufenden, weit vorkragenden Gesims angebracht. Die Felder werden an den Außenseiten durch lange gekantete Pilaster und über dem Bogenscheitel des Portals durch einen kurzen Pilaster begrenzt, die auf verzierten Konsolen ruhen und in bekrönende Türmchen übergehen. Oberhalb des Gesimses vermitteln Akanthus-Ranken mit dem zentralen Christusmonogramm XP zu dem großen Rundfenster in Art einer Fensterrose. Darüber steht im Giebeldreieck die 2,10 Meter hohe Statue des Evangelisten/Apostels Johannes. Sie ist aus Sandstein unter einem Baldachin gefertigt und wird von einer Konsole mit einem Engel gestützt.[17] Bekrönt wird der Giebel von einem steinernen Kreuz, dessen Spitze 28,30 Meter über den Boden reicht. Das Südportal an der südlichen Turmseite und das Seitenportal zum Johannessaal sind architektonisch ähnlich ausgeführt, aber weniger ausgeschmückt. Oberhalb des Rundbogens des Nebenportals zum Johannessaal wird die Seligpreisung Jesu dargestellt: Jesus belehrt und segnet ein Kind in einem Medaillon, das von Delfinen und Engelsköpfen umgeben ist. Darunter halten zwei Engel das Spruchband mit dem entsprechenden Bibelwort aus Lk 11,28 LUT.[18]

Der Innenraum wird an den Langseiten durch je zwei und an der westlichen Chorwand durch ein großes Rundbogenfenster belichtet, die im unteren Teil in vier kleine rundbogige und im oberen in ein großes Rundfenster aufgeteilt sind. Zudem sind an der Südseite zwei kleine Rundbogenfenster, an der Ostseite der Nordwand bei der Orgelempore ein hohes, schmales, gekuppeltes Rundbogenfenster und über dem Ostportal ein großes, gotisierendes Rundfenster angebracht. Alle Fenster sind mit hellen Sandsteingewänden und bunten Bleiglasfenstern versehen.

Haupt-, Seitenschiff und Chor werden innen von einem Kreuzrippengewölbe abgeschlossen, das in verzierten Schlusssteinen endet und auf Wandkonsolen ruht. Die steinerne Empore über zwei großen Korbbögen nimmt Elemente der Renaissance auf.[19] Sie wird von einem mächtigen Rundpfeiler eingebunden, der in ein mit Voluten und Akanthus-Ranken verziertes Kapitell übergeht, das die aus der Deckenmitte kommenden Gewölberippen aufnimmt. Die Orgelempore im Westen hat ebenfalls einen großen Korbbogen. Außen an den Langseiten wird die Schubkraft der Gewölbe durch mehrfach abgetreppte Strebepfeiler aufgenommen.

Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altar von 2016 mit Bronzekreuz
Blick auf die Emporen (2014)

Der Innenraum ist schlicht gestaltet. Die Ausstattungsgegenstände gehen zum großen Teil auf die Renovierung von 2015/2016 zurück, als insbesondere der Altarbereich tiefgreifend umgestaltet wurde. Die cremefarbenen Innenwände orientieren sich an dem Grundton der ursprünglichen Fassung und verleihen dem Raum eine warme Note.

Der große Altartisch aus hellem Muschelkalkstein, dem Georg Hüter eine schiffsähnliche Form verlieh, wiegt fast vier Tonnen. Der lange, an der Oberseite nach innen gewölbte Block integriert an der rechten Seite ein Taufbecken, das mit einer Bronzeplatte verschlossen wird. Auf diese Weise werden die beiden Sakramente Taufe und Abendmahl eng miteinander verbunden. Nicht genau in der Mitte des Altars, sondern etwas nach links versetzt erhebt sich ein schlankes Altarkreuz von etwa 5,50 Meter Höhe und 4,50 Meter Breite, das Hüter aus Bronze gegossen hat.[20] Es besteht aus einzelnen polierten Stangen, die zusammenmontiert wurden und sich nach oben leicht verjüngen. Kanzel und Lesepult hat Hüter ebenfalls aus Bronze gestaltet. Die pultförmige Kanzel ist auf querrechteckigem Grundriss so aufgestellt, dass die Spitze der Gemeinde zugewandt ist. In einem schlichtem Gestell halten Vierkantstangen eine gerade und darüber eine schräge Holzplatte.

Gegenüber dem Schiff ist der Chor um zwei Stufen erhöht und ragt seit der Renovierung 2015/2016 bogenförmig in den Gemeindebereich hinein, um auf diese Weise die enge Verbindung zwischen den beiden Bereichen zum Ausdruck zu bringen. Seit den 1960er Jahren ersetzen Natursteinplatten aus Muschelkalk den alten Terrazzo-Fußboden und moderne Leuchtkörper die vormaligen Messingkronleuchter. Die Steinplatten wurden 2015/2016 überarbeitet und ergänzt. Das Kirchengestühl im Schiff ist aus heller, gebeizter Eiche gefertigt. Das alte Kirchengestühl fand auf der Empore seinen Aufstellungsort. Die Brüstungen der Emporen sind mit Kupfergeländern gesichert.[21]

Glasfenster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bleiglasfenster über dem Altar

Die von Erhardt Klonk von 1962 bis 1965 geschaffenen acht Bleiglasfenster prägen den Innenraum nachhaltig.[9] Dargestellt sind Szenen der Johannesoffenbarung. Im großen Rundfenster über der Orgel wird ein Gerichtsengel entsprechend Offb 7,2-3 LUT dargestellt, der die bösen Mächte mit dem Kreuzeszeichen bannt und auf diese Weise den Weg für das kommende Heil bereitet. Das rechte Fenster an der Nordwand zeigt Gottvater in seiner strahlenden Majestät (nach Offb 4,2-11 LUT), der von der gesamten Tierwelt und den 24 Ältesten, die die erlöste Gemeinde repräsentieren, angebetet wird. Auf dem linken Fenster wird das himmlische Jerusalem aus Offb 21,10-16 LUT von Engeln vermessen. Zwölf Engel umgeben Christus, das Lamm Gottes. Das Fenster über dem Altar zeigt Christus als Triumphator über dem Regenbogen, der von zwei Posaune blasenden Engeln flankiert wird. Die in den unteren Feldern dargestellten Propheten Micha und Haggai sowie die Evangelisten Matthäus und Johannes stehen als Zeugen für dieses Ereignis. Auf dem rechten Fenster unter der Südempore ist nach Offb 22,1-2 LUT der Thron Gottes als Quelle des Lebens mit den Symbolen der Trinität zu sehen, auf dem linken die Vision von Christus aus Offb 1,9-20 LUT, aus dessen Mund ein Schwert hervorgeht. Er ist von sieben Leuchtern umgeben und hält sieben Sterne in seiner Hand, die für die Christenheit stehen. Im rechten Fenster über der Empore erscheint Christus als Lamm mit den Symbolen für das Abendmahl, während die Märtyrer auf ihre Erlösung hoffen (Offb 7,9-17 LUT), im linken tritt er als siegreicher Herrscher auf dem weißen Pferd auf (entsprechend Offb 19,11-21 LUT).[22]

Orgeln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

J. S. Bach: Präludium in c-Moll BWV 549 auf der Förster & Nicolaus-Orgel von 1968
Spieltisch der Orgel

Die Kirche erhielt 1893 eine Orgel der Firma E. F. Walcker & Cie. aus Ludwigsburg. Das Instrument Opus 650 hatte 38 Register, die auf drei Manuale und Pedal verteilt waren. Im Jahr 1939 nahm die Licher Firma Förster & Nicolaus eine Änderung der Disposition im Sinne der Orgelbewegung vor.

Das abgängige Werk wurde 1968 durch einen Neubau von Förster & Nicolaus ersetzt, der über 43 Register verfügt und die größte Orgel der Stadt ist. Walter Supper entwarf das Gehäuse zusammen mit Werner W. Neumann, Gottlob Ritter die Disposition.[23] Die dreimanualige Orgel auf der Ostempore ist insbesondere zur Darstellung von Musik aus der Barockzeit geeignet, steht aber auch romantischer oder zeitgenössischer Orgelmusik offen. Der modern gestaltete Prospekt ist in fünf unterschiedliche Polygone aufgeteilt, die den Blick auf das große östliche Rundfenster nicht verstellen. Nach dem Werkprinzip sind die verschiedenen Gehäuseteile einem Werk zugeordnet: In der Mitte das kleine Positiv, rechts davon das Hauptwerk, links das Schwellwerk mit Plexiglas-Jalousien und außen die beiden Gehäuse für das Pedalwerk. Die Disposition lautet:[24]

I Positiv C–g3
Gedackt 8′
Prinzipal 4′
Rohrflöte 4′
Oktave 2′
Quinte 113
Terz 45
Zimbel III 1′
Dulcian 8′
Schalmei 4′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
Quintade 16′
Prinzipal 8′
Gemshorn 8′
Oktave 4′
Flöte 4′
Quinte 223
Oktave 2′
Hörnle (rep.)
Mixtur III–IV 2′
Trompete 8′
III Schwellwerk C–g3
Holzprinzipal 8′
Weidenpfeife 8′
Oktave 4′
Traversflöte 4′
Nazard 223
Hohlflöte 2′
Terz 135
Sifflet 1′
Scharff II 2′
Rankett 16′
Trompete harmonique 8′
Oboe 8′
Tremulant
Pedal C–f1
Prinzipal 16′
Subbaß 16′
Oktave 8′
Pommer 8′
Oktave 4′
Rohrpfeife 4′
Nachthorn 2′
Sesquialter II
Rauschpfeife III 223
Posaune 16′
Trompete 8′
Kornett 2′
Tremulant
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
    • Suboktavkoppeln: III/II
  • Spielhilfen: 3 freie Kombinationen, Pleno, Zungen ab, Zungeneinzelabsteller, Prinzipalchor I, II, III,

Die Kirchengemeinde besitzt zudem ein kleines, transportables Orgelpositiv der Firma Streichert aus Göttingen, das über zwei Register verfügt (Gedackt 8′ aus Holz, Prinzipal 2′ aus Metall). Es wird als Continuo-Instrument bei Kirchenkonzerten eingesetzt.

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kleine Glocke von 1927

Die Johanneskirche hat ein Fünfergeläut. Die ersten Glocken der Johanneskirche sind nicht erhalten. Die kleine Glocke musste im Ersten Weltkrieg für die Rüstungsindustrie abgeliefert werden und wurde 1927 ersetzt. Die zwei großen Glocken wurden 1943 eingeschmolzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Johanneskirche die Glocke „Mathilde“, die 1853 für die Stadtkirche aus einer Glocke von 1473 umgegossen und dort nach dem Weltkrieg nicht wieder aufgehängt wurde. Zwei zusätzliche neue Glocken wurden 1947 und 1956 angeschafft. Als im Stadtkirchenturm neue Stahlglocken installiert wurden, erhielt die Johanneskirche 1955 von dort eine weitere Bronzeglocke, die von 1927 datiert.[25]

Nr.
 
Jahr
 
Gießer, Gussort
 
Durchmesser
(mm)
Masse
(kg)
Schlagton
(HT)
Inschrift
 
1 1853 Philipp Rincker, Sinn 1660 3.000 a0 Eintracht und Beharrlichkeit
1853
2 1947 Gebrüder Rincker, Sinn 1470 2.100 c1 Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit
3 1956 Gebrüder Rincker, Sinn 1290 1.800 d1 veni creator spiritus
4 1927 Friedrich Wilhelm Rincker, Sinn 1200 1.400 e1 1917
Im Kriege schmolz man mich einst ein – dem deutschen Lande Wehr zu sein, im Frieden steh ich auf zum Leben, Gott woll uns seinen Frieden geben – 1927
5 1927 Friedrich Wilhelm Rincker, Sinn 1015 600 g1 1917
In harter Zeit ward stumm mein Mund nun mach ich wieder allseits kund alles Ding währt seine Zeit Gottes Lieb in Ewigkeit

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lukaskirche in der Gießener Löberstraße

Genutzt wird die Johanneskirche von zwei Gemeinden, nämlich neben der Johannesgemeinde auch von der evangelischen Lukasgemeinde. Das hängt mit Aufteilung der einen evangelischen Gemeinde in vier selbstständige Gemeinden im Jahr 1892/93 zusammen, denen zu dieser Zeit zwei Kirchen zur Verfügung standen. Von der Lukasgemeinde spaltete sich im Jahr 1951 eine Freie Lukasgemeinde ab,[26] die seit 1953 ein eigenes Kirchengebäude in der Löberstraße nutzte. Nach der Wiedervereinigung beider Lukasgemeinden im Jahr 1979 blieb die Mitnutzung der Johanneskirche erhalten.[27] Beide Gemeinden sind Besitzer der Kirche und tragen die Kosten zur Hälfte.

Die Johanneskirche bietet etwa 750 Besuchern Platz. Die kirchliche Arbeit der Johannesgemeinde ist vielfältig in die örtliche Evangelische Allianz Gießen eingebunden, unterstützt aber auch Missionare in Übersee.[28] Die Johanneskirche zeichnet sich durch ein reichhaltiges musikalisches Angebot aus, das von einem Förderkreis unterstützt wird. Neben der Kantorei und dem Kammerorchester gibt es einen Gospelchor, Bläserkreis und Kinderchöre. Seit 1960 werden regelmäßig Konzerte in der Johanneskirche durchgeführt. Nach Gottlob Ritter, der von 1960 bis 1998 als Kantor wirkte, übernahm 1998 Christoph Koerber die Anstellung als hauptberuflicher Kirchenmusiker.[29]

Die Johannesgemeinde umfasst etwa 1400 Mitglieder und gehört neben 28 anderen Kirchengemeinden in und um Gießen zum Evangelischen Dekanat Gießen, das Teil der Propstei Oberhessen innerhalb der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ist.[30]

Pfarrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Johannesgemeinde haben folgende Pfarrer gewirkt:

  • 1893–1906: Karl Naumann
  • 1907–1939: Otto Ausfeld
  • 1947–1966: Hans Scriba
  • 1967–1976: Wilhelm Veller
  • 1976–2000: Fritz Uhl
  • seit 20010 : Michael Paul

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I: Regierungsbezirke Gießen und Kassel. Bearbeitet von Folkhard Cremer, Tobias Michael Wolf und anderen. Deutscher Kunstverlag, München/ Berlin 2008, ISBN 978-3-422-03092-3, S. 315.
  • Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.), Karlheinz Lang (Bearb.): Kulturdenkmäler in Hessen. Universitätsstadt Gießen. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). Verlagsgesellschaft Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1993, ISBN 3-528-06246-0, S. 94.
  • Evangelische Johannesgemeinde, Evangelische Lukasgemeinde (Hrsg.): 1893–1993. 100 Jahre Johanneskirche. Festschrift zum 100jährigen Jubiläum der Johanneskirche zu Gießen. Gießen 1993, DNB 961452331.
  • Karl Naumann: Die Johanneskirche zu Gießen. Festschrift zur Feier der Einweihung am Donnerstag den 30. November 1893. Münchow, Gießen 1893 (in der Festschrift von 1993 nachgedruckt).
  • Peter Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. Mittelhessische Druck- und Verlagsgesellschaft, Gießen 1979, DNB 800512863, S. 56 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Johanneskirche (Gießen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Naumann: Die Johanneskirche zu Gießen. 1893, S. 72.
  2. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.), Lang (Bearb.): Kulturdenkmäler in Hessen. Universitätsstadt Gießen. 1993, S. 94.
  3. a b Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Evangelische Johanneskirche In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen, gesehen 23. August 2013.
  4. Naumann: Die Johanneskirche zu Gießen. 1893, S. 12 f.
  5. Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. 1979, S. 56.
  6. Naumann: Die Johanneskirche zu Gießen. 1893, S. 92, 96.
  7. giessen-evangelisch.de: Lukasgemeinde, gesehen 2. September 2013.
  8. Heinz Jox: Die Renovierung und andere Baumaßnahmen an der Kirche, S. 3 f (PDF-Datei; 836 kB), gesehen 14. Dezember 2014.
  9. a b Heinz Jox: Die Renovierung und andere Baumaßnahmen an der Kirche, S. 4 (PDF-Datei; 836 kB), gesehen 14. Dezember 2014.
  10. Heinz Jox: Die Renovierung und andere Baumaßnahmen an der Kirche, S. 6 (PDF-Datei; 836 kB), gesehen 14. Dezember 2014.
  11. Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. 1979, S. 57.
  12. Gemeindebrief, Nr. 164, September-November 2015, S. 8–9 (PDF-Datei; 4,64 MB), abgerufen am 20. Oktober 2015.
  13. Prospekt Renovierung Johanneskirche (PDF-Datei; 284 kB), gesehen 14. Dezember 2014.
  14. alb/Schepp: Neuer Glanz. Johanneskirche wird saniert. In: Gießener Allgemeine Zeitung vom 14. März 2015, Nummer 62, S. 25.
  15. Naumann: Die Johanneskirche zu Gießen. 1893, S. 86; Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. 1979, S. 56 f; Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I. 2008, S. 315.
  16. Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I. 2008, S. 315.
  17. Naumann: Die Johanneskirche zu Gießen. 1893, S. 73.
  18. Gottfried Cramer: Christologie der Johanneskirche (PDF; 533 kB), gesehen 14. Dezember 2014.
  19. Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. 1979, S. 56 f.
  20. kirchbautag.de: Georg Hüter. Künstler des Monats September, abgerufen am 9. Februar 2017.
  21. Heinz Jox: Die Renovierung und andere Baumaßnahmen an der Kirche, S. 5 (PDF-Datei; 836 kB), gesehen 10. März 2016.
  22. Hans Scriba: Fenster der Johanneskirche, gesehen 23. August 2013.
  23. Franz Bösken, Hermann Fischer: Quellen und Forschungen zur Orgelgeschichte des Mittelrheins. Bd. 3: Ehemalige Provinz Oberhessen (= Beiträge zur Mittelrheinischen Musikgeschichte 29,1. Teil 1 (A–L)). Schott, Mainz 1988, ISBN 3-7957-1330-7, S. 371.
  24. Orgel der Johanneskirche Gießen, gesehen am 29. Juli 2016.
  25. Ulrike Fiensch: Die Glocken (PDF-Datei; 944 kB), gesehen 14. Dezember 2014.
  26. Heinrich Bitsch: Die Protestanten von Giessen. Eine Darstellung der Vorgänge im Giessener Kirchenstreit. Albin Klein, Gießen 1951.
  27. Ulrike Fiensch, Ursula Koch: Die Lukasgemeinde. In: Evangelische Johannesgemeinde, Evangelische Lukasgemeinde (Hrsg.): 1893–1993. 100 Jahre Johanneskirche. 1993, S. 79–103, hier: S. 97.
  28. Homepage der Kirchengemeinde, gesehen 24. August 2013.
  29. Musik in der Johanneskirche, gesehen 23. August 2013.
  30. Evangelisches Dekanat Gießen, gesehen 12. Januar 2016.

Koordinaten: 50° 34′ 57,9″ N, 8° 40′ 24,9″ O