John Barrymore

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John Barrymore (1920)

John Barrymore (eigentlich John Sidney Blyth; * 14. Februar 1882 in Philadelphia, Pennsylvania; † 29. Mai 1942 in Los Angeles, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Schauspieler, der in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zu den erfolgreichsten und angesehensten US-Schauspielern zählte. Nachdem er als Theaterschauspieler am Broadway zur Berühmtheit gelangte, wurde er in den 1920er- und 1930er-Jahren zum Hollywood-Star.

Schauspielkarriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Barrymore war der dritte Sohn des amerikanischen Theaterschauspielerehepaars Maurice Barrymore (eigentlich: John Sidney Blyth) und Georgie Drew. Nach seinem Bruder Lionel Barrymore (* 1878) und seiner Schwester Ethel Barrymore (* 1879) war er der jüngste der berühmten Fabulous Barrymores. Alle drei Geschwister sollten bekannte Bühnen- und Filmschauspieler werden.

John Barrymore gab sein Theaterdebüt 1903 in dem Stück Magda. Er wurde bald einer der bekanntesten Bühnenschauspieler seiner Zeit dank Erfolgen in Stücken wie The Affairs of Anatol, Peter Ibbetson und Redemption. Den Höhepunkt seiner Bühnenlaufbahn erreichte er Anfang der 1920er mit Auftritten in Richard III. und als Hamlet von William Shakespeare. Er war damals als the Perfect Profile bekannt und galt als Mann mit der schönsten Stimme der Welt. Sein Spitzname The Great Lover bezog sich sowohl auf seinen Erfolg als Darsteller romantischer Helden als auch auf seine zahllosen Affären. Schon 1913 war Barrymore das erste Mal in einem Film aufgetreten und konnte 1920 einen großen Erfolg in Dr. Jekyll und Mr. Hyde unter der Regie von John S. Robertson feiern. Mitte der Dekade unterschrieb er einen sehr lukrativen Vertrag mit Warner Brothers, die 1926 für seinen Film Don Juan zum ersten Mal einzelne Passagen des Filmes auf einem extra Tonträger mit Dialogen unterlegten. Der Erfolg des Projekts führte zu weiteren Investitionen des Studios in die Entwicklung des Tonfilms. Das Aufkommen des neuen Mediums verhalf dem Schauspieler zu einer neuen Karriere, da er nunmehr seine berühmte sonore Stimme wirkungsvoll zum Einsatz bringen konnte.

John Barrymore als Hamlet (1922)

Ab diesem Zeitpunkt arbeitete Barrymore hauptsächlich als Filmdarsteller. Irving Thalberg lockte den Schauspieler für eine Gage von bis zu 150.000 Dollar zu MGM und schaffte es, 1932 alle drei Geschwister für das Drama Rasputin: Der Dämon Rußlands vor die Kamera zu holen. Im selben Jahr trat Barrymore neben Greta Garbo, Joan Crawford und Wallace Beery in Menschen im Hotel auf, der ersten Produktion mit einer Starbesetzung. Ende 1932 war John Barrymore in Eine Scheidung an der Seite von Katharine Hepburn zu sehen, wo Hepburn ihr Leinwanddebüt gab. Barrymore spielt einen Mann, der aufgrund einer mentalen Erkrankung jahrelang im Sanatorium verbringt und am Tag der Hochzeit seiner Tochter wieder auftaucht. Eine ganz andere Rolle hatte er in Topaze als charmanter Betrüger, der mit seiner Geliebten, gespielt von Myrna Loy, einen Coup plant. David O. Selznick, der Produzent von Topaze, gab Barrymore im Folgejahr noch zwei gute Rollen; zum einen in Dinner um acht neben Marie Dressler und Jean Harlow sowie in Nachtflug, wo er an der Seite von Clark Gable und Helen Hayes mitwirkte. 1934 drehte John Barrymore unter der Regie von Howard Hawks mit Napoleon vom Broadway eine der ersten Screwball-Komödien.

John Barrymore war danach hauptsächlich in Nebenrollen zu sehen, so wirkte er 1936 in George Cukors Romeo und Julia als Mercutio und 1938 in Marie-Antoinette als Ludwig XV. mit. In den folgenden Jahren machte sich Barrymores langjähriger Alkoholismus zusehends auch beruflich bemerkbar, sodass er immer schwerer Rollen bekam. Nach dem Auftritt 1939 als exzentrischer Graf in der Filmkomödie Enthüllung um Mitternacht, seiner letzten A-Produktion, spielte John Barrymore bis zu seinem Tod nur noch in zweitklassigen Filmen, die seinen ehemaligen Ruhm ausbeuteten und ihn meist als Karikatur seiner selbst darstellten. Auch daher wandte er sich in seinen Lebensjahren wieder vermehrt dem Theater zu.

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Barrymore verstarb 1942 im Alter von 60 Jahren an einem Herzinfarkt, als er sich gerade auf einen selbstironischen Auftritt in einer Radioshow von Rudy Vallée vorbereitete. Zu diesem Zeitpunkt war das öffentliche Ansehen Barrymores an einem Tiefpunkt und sein turbulentes Privatleben war häufiger Inhalt von Klatschzeitschriften. Der Schauspieler war viermal verheiratet: Von 1910 bis 1917 mit der Schauspielerin Katherine Corri Harris (1890–1927), von 1920 bis 1928 mit der Schauspielerin und Autorin Blanche Oelrichs, von 1928 bis 1934 mit Filmstar Dolores Costello (1903–1979) sowie von 1936 bis 1940 mit der Schauspielerin Elaine Barrie (1915–2003). Alle Ehen wurden geschieden. Ein weiteres Kind von ihm war der Schauspieler John Drew Barrymore, dessen Tochter – und somit Barrymores Enkelin – Drew Barrymore ebenfalls Schauspielerin ist.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Barrymores Stern auf dem Hollywood Walk of Fame

Seine Tochter Diana Barrymore, die selbst ihr Leben lang unter Alkoholismus litt, beschrieb ihren Vater in ihrer eigenen Biografie Too Much, Too Soon von 1957 als manipulativen, krankhaften Egomanen. In der gleichnamigen Verfilmung übernahm Errol Flynn, damals selbst bereits von Alkoholsucht gezeichnet, den Part von John Barrymore.[1]

George Simon Kaufman parodierte Barrymore in seiner sehr erfolgreichen Komödie The Royal Family (1927), in Paul Rudnicks Stück I Hate Hamlet (1991) tritt der Schauspieler als Geist auf. Für seine Darstellung des alten John Barrymore in William Luces Stück Barrymore gewann Christopher Plummer im Jahr 1997 den Tony Award als Bester Hauptdarsteller. Plummer spielte diese Rolle nochmals 2011 in der Verfilmung des Theaterstücks.[2]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Barrymore (rechts) mit seinen ebenfalls bekannten Geschwistern Lionel Barrymore und Ethel Barrymore (1904)

Hauptrollen am Broadway (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1904: The Dictator
  • 1909: The Fortune Hunter
  • 1911: Uncle Sam
  • 1912: The Affairs of Anatol
  • 1916: Justice
  • 1917: Peter Ibbetson
  • 1920: Richard III.
  • 1922: Hamlet
  • 1940: My Dear Children

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: John Barrymore – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Art Napoleons: Too Much, Too Soon. 17. April 1958, abgerufen am 4. März 2018.
  2. Erik Canuels: Barrymore. 25. August 2012, abgerufen am 4. März 2018.