John Berger (Schriftsteller)

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John Berger (Strasbourg, 2009)

John Berger (* 5. November 1926 in Stoke Newington, County of London) ist ein britischer Schriftsteller, Maler und Kunstkritiker und Booker Prize-Träger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem Kunststudium an der Chelsea School of Art und der Central School of Art in London begann er eine Karriere als Maler. 1948 bis 1955 arbeitete er als Lehrer. Zur selben Zeit verfasste er Kunstkritiken, Künstlerbiographien und Essays über Kunst. In den 1950er-Jahren engagierte er sich in der Friedensbewegung Artists For Peace. In den 1970er Jahren arbeitete er mit dem Regisseur Alain Tanner und schrieb die Drehbücher für mehrere Filme. Mit seinem Entwicklungsroman G., an dem er fünf Jahre gearbeitet hatte, gewann er 1972 überraschend den Booker Prize. Als Berger die Hälfte des Preisgeldes an die Black Panther Party spendete, entstand ein Skandal. Bereits in den 1960er Jahren hatte Berger für Recherchen zeitweilig in der West-Schweiz gelebt. 1973/74 verließ Berger England endgültig und zog in das Bergdorf Quincy im Département Haute-Savoie in Frankreich, wo er heute noch lebt. Neben seinem literarischen Werk verfasste Berger eine Reihe von kunsthistorischen Texten und Kritiken.

Im Dezember 2006 trat Berger mit einem Boykott-Aufruf (für den Bereich von Kultur und Wissenschaft) gegen die Besatzungspolitik Israels an die internationale Öffentlichkeit. Den Boykott möchte er „taktisch“ verstanden wissen; das heißt für sich lehnt er es ab, von einem großen Mainstream-Verlag in Israel publiziert zu werden. Er wolle damit den Staat Israel treffen, aber nicht den Kontakt zu den einzelnen Menschen in Israel unterbinden.

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Romane[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • A Painter of Our Time. 1958, 1989 [dt. u.d.T.: Die Spiele. Leipzig 1991 (Reclam-Bibliothek 1408)]
  • G. 1972. G. ist ein experimenteller Roman, durchdrungen von verschiedenen diskursiven Ebenen. Der Roman bearbeitet den Don-Juan-Mythos (G.= Giovanni, Don Giovanni = Don Juan) und zeichnet G. als existentiellen Helden, der sich gegen die herrschende Ordnung stellt.
  • SauErde. Geschichten vom Lande. 1982
  • Spiel mir ein Lied. 1988
  • Flieder und Flagge. 1991
  • Auf dem Weg zur Hochzeit. 1996
  • King. 1999. Kaleidoskopischer Roman, der Zeit- und Raumverhältnisse auflöst und das Elend der Menschen, die aus der gesellschaftlichen Ordnung herausfallen, thematisiert. Dabei bleibt offen, ob der Ich-Erzähler King wirklich ein Hund ist oder ein heruntergekommener Mensch.
  • A und X. Eine Liebesgeschichte in Briefen, aus dem Englischen übersetzt von Hans Jürgen Balmes; Carl Hanser Verlag, München 2010 ISBN 978-3-446-23395-9

Essays[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Begegnungen und Abschiede. 1991.
  • Und unsere Gesichter, mein Herz, vergänglich wie Fotos. 1992.
  • mit Jean Mohr: Geschichte eines Landarztes. 1998.
  • mit Jean Mohr: Eine andere Art zu erzählen. 1982/2000.
  • Gegen die Abwertung der Welt. 2001.
  • Mit Hoffnung zwischen den Zähnen. Berichte von Überleben und Widerstand. 2007.
  • Bentos Skizzenbuch. 2013[1]

Erzählungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Einst in Europa, aus dem Englischen übersetzt von Jörg Trobitius. Carl Hanser Verlag, München 2000 ISBN 978-3-446-19818-0
  • Hier, wo wir uns begegnen, aus dem Englischen übersetzt von Hans Jürgen Balmes. Carl Hanser Verlag, München 2006 ISBN 978-3-446-20655-7

Kunsthistorische Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sozialkritische Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Jean Mohr: Arbeitsemigranten. Erfahrungen, Bilder, Analysen. Reinbek 1976

Theaterstücke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Francisco Goya – das letzte Porträt. Ostfildern 1995
  • Die drei Leben der Lucie Cabrol

Drehbücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hertel, Ralf und David Malcolm (Hrsg.), On John Berger: Telling Stories. Leiden: Brill, 2015. ISBN 9789004306127.
  • Geoff Dyer (Hrsg.): John Berger: Selected Essays. Bloomsbury, ISBN 0-375-71318-2.
    • dsb.: Ways of Telling. The Work of John Berger. ISBN 0-7453-0097-9 (mit Werkübersicht.)
  • Charity Scribner: John Berger, Leslie Kaplan, and the Western Fixation on the „Other Europe“. In: Moritz Csáky, Klaus Zeyringer (Hrsg.): Inszenierungen des kollektiven Gedächtnisses. Eigenbilder, Fremdbilder. Studienverlag, Innsbruck 2002, ISBN 3-7065-1772-8, S. 236–246
  • Achim Engelberg: Über Dörfer und Städte. Der europäische Erzähler John Berger. VanBremen, ISBN 978-3-9805534-3-8
  • Jochen Krautz: John Bergers Ästhetik und Ethik als Impuls für die Kunstpädagogik am Beispiel der Fotografie. Kovac, Hamburg 2004, ISBN 3-8300-1287-X

Dokumentarfilm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der 66. Berlinale (Februar 2016) hatte der vierteilige dokumentarische Essayfilm The Seasons in Quincy: Four Portraits of John Berger in der Sektion Berlinale Special seine Weltpremiere. Der kollaborativ produzierte Film von Tilda Swinton, Colin MacCabe, Christopher Roth, Bartek Dziadosz und dem Derek Jarman Lab setzt sich mit einzelnen Aspekten aus John Bergers Werk und seinem Leben im alpinen Bergdorf Quincy (Haute-Savoie) auseinander.[3][4][5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mystische Bild- und Erzählmeditationen John Berger: "Bentos Skizzenbuch", Rezension von Michaela Schmitz in Deutschlandfunk vom 16. Juli 2013
  2. Auszug Warum sehen wir Tiere an? in Akzente (Zeitschrift) H. 2, 1981, wieder in: Akzente. Ein Reader aus 50 Jahren. Hanser, München 2003 ISBN 3446204091 S. 301 - 318. Übers. Lida von Mengden
  3. Roman Tschiedl: The Seasons in Quincy, Radio OE1 Leporello, 15. Februar 2016
  4. The Seasons in Quincy: Four Portraits of John Berger, 66. Internationale Filmfestspiele Berlin (PDF)
  5. seasonsinquincy.com, Filmwebsite