John Carradine

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John Carradine (* 5. Februar 1906 in Greenwich Village, New York City; † 27. November 1988 in Mailand, Italien; eigentlich Richmond Reed Carradine) war ein US-amerikanischer Schauspieler. Wegen seiner 50-jährigen Hollywoodkarriere zählt er zu den Schauspielern mit den meisten im Abspann erwähnten Filmauftritten, wobei er meist Nebenrollen an den Seiten der großen Stars spielte. John Carradine war der Vater der Schauspieler David, Keith und Robert Carradine.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Carradine studierte Bildhauerei und machte erste Theatererfahrungen in New Orleans. 1927 kam er nach Los Angeles. Zu Beginn seiner Karriere spielte Carradine kleine Nebenrollen unter dem Pseudonym John Peter Richmond; unter anderem wirkte er in den Monumentalfilmen Im Zeichen des Kreuzes (The Sign of the Cross, 1932) mit Charles Laughton und Fredric March und Cleopatra (1934) mit Claudette Colbert mit; bei beiden Filmen führte der bekannte Cecil B. DeMille Regie. Zum Jahreswechsel 1934/1935 änderte er sein Pseudonym; fortan nannte er sich „John Carradine“. Zu dieser Zeit erhielt John Carradine auch seine ersten Rollen in Horrorfilmen. In Die schwarze Katze (The Black Cat, 1934) spielte er neben Boris Karloff und Bela Lugosi eine kleine Rolle als Teufelsanbeter; in Frankensteins Braut (Bride of Frankenstein, 1935) einen Dorfbewohner.

John Carradine war einer der Lieblingsschauspieler des Regisseurs John Ford; Ford und Carradine arbeiteten bei insgesamt zehn Filmen zusammen. In Der Gefangene der Haifischinsel (The Prisoner of Shark Island, 1936), der Geschichte des Arztes Dr. Mudd, der unwissentlich den Mörder von Abraham Lincoln behandelte, spielte John Carradine einen unsympathischen Gefängniswärter, genau wie in dem Drama … dann kam der Orkan (The Hurricane, 1937). In Früchte des Zorns (The Grapes of Wrath, 1940), einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von John Steinbeck, spielte er an der Seite von Henry Fonda den ehemaligen Prediger Casey, der mutig für die Rechte der Arbeiter eintritt und dafür von einem Farmer getötet wird.

In Trommeln am Mohawk (Drums Along the Mohawk, 1939), einem Western, der zur Zeit der Unabhängigkeitskriege spielte, verkörperte John Carradine an der Seite von Henry Fonda und Claudette Colbert den eine Augenklappe tragende Politiker Caldwell, der mit den Engländern sympathisiert. In Maria von Schottland (Mary of Scotland, 1936) spielte er an der Seite von Frederic March und Katharine Hepburn David Rizzio, den Privatsekretär von Maria Stuart, in dem Drama Vier Mann – Ein Schwur (Four Men and a Prayer, 1938) mit David Niven einen General. In dem Drama Das letzte Hurra (The Last Hurrah, 1958) mit Spencer Tracy und Basil Rathbone verkörperte John Carradine den Politiker Amos Force.

An der Seite von James Stewart drehte er die Western Der Mann, der Liberty Valance erschoß (The Man Who Shot Liberty Valance, 1962), bei dem auch John Wayne und Lee Marvin mitwirkten, und Cheyenne (Cheyenne Autumn, 1964) mit Richard Widmark in der Hauptrolle sowie Karl Malden und Edward G. Robinson in weiteren Nebenrollen. Seine bekannteste Rolle spielte John Carradine in dem Western Ringo (Stagecoach, 1939), dem Film, durch den John Wayne zum Filmstar wurde. John Carradine verkörperte den eleganten Glücksspieler Hatfield, der am Ende von den Apachen getötet wird.

In den 1940er Jahren verkörperte John Carradine in den Horrorfilmen Frankensteins Haus (The House of Frankenstein, 1944) und Draculas Haus (House of Dracula, 1945) den Grafen Dracula, eine Rolle, die er später in dem Horrorfilm Dracula auf Abwegen (Nocturna, 1979) und Billy the Kid Versus Dracula (1966), einer Mischung aus Horrorfilm und Western, wiederholte. Den Diener des Grafen Dracula spielte er 1969 in dem billig produzierten Horrorfilm Dracula und seine Opfer (Blood of Dracula's Castle).

Sein Broadway-Debüt hatte Carradine 1962 in dem Musical A Funny Thing Happened on the Way to the Forum von Stephen Sondheim in der Rolle des Lycus.

Karriereknick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Carradine drehte seit den 1940er Jahren zahlreiche Horror- und/oder Science-Fiction-Filme, mitunter ohne künstlerischen Anspruch. Unter anderem spielte er in verschiedenen Filmen die Rolle des Grafen Dracula, Bela Lugosis Paraderolle, wobei Carradine der Beschreibung der Figur in Bram Stokers Roman um einiges näher kam. John Carradine war aus Geldnot gezwungen, diese Rollen anzunehmen – er versuchte beispielsweise eigene Theaterprojekte zu finanzieren und musste für mehrere Ex-Frauen und Kinder aufkommen. Mit Bela Lugosi drehte er Voodoo Man (1944) und Return of the Ape Man (1944), in denen Lugosi verrückte Wissenschaftler und Carradine seinen dummen Assistenten verkörperte. Carradine wirkte auch neben Basil Rathbone in Die Schreckenskammer des Dr. Thosti (The Black Sleep, 1956) mit, Bela Lugosis vorletztem Film.

Seinen letzten sehenswerten Horrorfilm drehte John Carradine 1982; in Das Haus der langen Schatten (The House of the Long Shadows) spielte er den englischen Lord Grisbane. Das Haus der langen Schatten war dabei keine Billigproduktion; in weiteren Rollen wirkten Vincent Price, Christopher Lee und Peter Cushing mit.

Bekannte Nebenrollen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansonsten erhielt John Carradine überwiegend Nebenrollen; unter anderem an der Seite von Burt Lancaster und Walter Matthau (in seiner ersten Filmrolle überhaupt) in Der Mann aus Kentucky (The Kentuckian, 1955), an der Seite von Joan Crawford und Sterling Hayden in Johnny Guitar – Wenn Frauen hassen (1954) oder neben Alan Ladd und Olivia de Havilland in Der stolze Rebell (The Proud Rebel, 1958). In Der stolze Rebell hatte John Carradine einen kurzen Auftritt als Handlungsreisender.

Neben vielen anderen Filmstars wirkte John Carradine 1956 in In 80 Tagen um die Welt (Around the World in 80 Days) mit, der klassischen Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jules Verne. Er ist in der Rolle des Oberst Stamp-Proctor zu sehen, der sich mit Phileas Fogg (dargestellt von David Niven) während dessen Zugfahrt durch den Wilden Westen anlegt. Im selben Jahr wirkte John Carradine auch in Die zehn Gebote (The Ten Commandements) mit, einer Bibelverfilmung über Moses und den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Neben Charlton Heston als Moses und Yul Brynner als Pharao spielte John Carradine die Rolle des Aaron. Eine weitere Rolle übernahm er 1962 in Der Mann, der Liberty Valance erschoß.

John Carradines Filmkarriere begann 1930, seine letzte Rolle spielte er in seinem Todesjahr 1988. Er arbeitete mit vielen berühmten Kollegen zusammen, zum Beispiel mit Frederic March in Die Elenden (Les Miserables, 1935), einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von Victor Hugo und in Die Abenteuer Mark Twains (The Adventures of Mark Twain, 1944), einem Film über das Leben von Mark Twain. Mit Peter Ustinov trat er in Sinuhe der Ägypter (The Egyptian, 1954) auf, mit Jerry Lewis und Peter Lorre in Die Heulboje (The Patsy, 1964), einer seiner seltenen Komödien. Mit Peter Lorre drehte John Carradine auch den Abenteuerfilm Hell Ship Mutiny (1957), in dem Carradine den Verbrecher Malone und Lorre den korrupten Richter Lamouet, der mit Malone gemeinsame Sache macht, spielten, sowie zwei Mr. Moto-Filme. Zusammen mit Lorre und etlichen anderen bekannten Schauspielern war er 1957 in The Story of Mankind zu sehen.

In den 1970er Jahren trat John Carradine unter anderem unter der Regie von Woody Allen in der Komödie Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten (1972) in der Rolle des verrückten Wissenschaftlers Dr. Bernardo auf. Unter der Regie von Elia Kazan spielte er in Der letzte Tycoon (The Last Tycoon, 1976), einer Verfilmung des gleichnamigen Romans von F. Scott Fitzgerald, neben Robert De Niro, Robert Mitchum und Ray Milland eine kleine Rolle als Fremdenführer.

Außerdem war er neben John Wayne, Lauren Bacall und James Stewart in Der letzte Scharfschütze (The Shootist, 1976) zu sehen, John Waynes letztem Film. Eine seiner letzten Rollen spielte John Carradine 1986 in Peggy Sue hat geheiratet an der Seite von Kathleen Turner und Nicolas Cage unter der Regie von Francis Ford Coppola.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1930–1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1954–1994[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gastauftritte in Fernsehserien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rainer Dick: John Carradine. Philosoph des Makabren. in: Die Stars des Horrorfilms. Tilsner, München 1996, ISBN 3-910079-63-6, S. 51–60.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: John Carradine – Sammlung von Bildern