John Eliot Gardiner

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Gardiner 2007 in Breslau

Sir John Eliot Gardiner, CBE (* 20. April 1943 in Fontmell Magna, Dorset, England) ist ein britischer Dirigent, Chorleiter und Bach-Spezialist.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John Eliot Gardiner ist der Sohn von Rolf Gardiner und Marabel Hodgkin und Enkel des Ägyptologen Alan Gardiner. Er stammt aus einem musikalischen Elternhaus, spielte in der Kindheit Violine und widmete sich auch dem Gesang.[1] Bereits im Alter von 15 Jahren sammelte er erste Erfahrungen am Dirigentenpult. Er absolvierte zunächst ein Studium der Geschichte an der Cambridge University mit dem Abschluss Master of Arts im Jahr 1965.[1] Während des Studiums leitete er die Oxford and Cambridge Singers auf einer Tournee durch den Nahen Osten und gründete 1964 den Monteverdi Choir. Nach seinem Abschluss in Cambridge studierte er in London bei Thurston Dart am King’s College und anschließend zwei Jahre bei Nadia Boulanger in Paris.[1] 1968 rief er das Monteverdi Orchestra ins Leben.

Sein Londoner Operndebüt gab Gardiner 1969 mit der Zauberflöte an der English National Opera, am Royal Opera House Covent Garden übernahm er 1973 mit Glucks Iphigénie en Tauride ein Gastdirigat. Bei seinem ersten Auftritt in den USA leitete er 1979 das Dallas Symphony Orchestra.

Seine Haupterfolge feierte Gardiner durch seine Aufführungen und Einspielungen Alter Musik, insbesondere in historischer Aufführungspraxis. Etwa 1978 trat das aus Mitgliedern des Monteverdi Orchestra gebildete Ensemble English Baroque Soloists erstmals bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik mit einer Aufführung von Händels Acis and Galatea mit historischen Instrumenten auf.

Von 1980 bis 1983 war Gardiner Chefdirigent des CBC Vancouver Orchestra. 1983 bis 1988 bildete er als Musikalischer Direktor der Opéra National de Lyon wiederum ein neues Orchester, das heute zu den besten in Frankreich zählt. Von 1981 bis 1990 war er künstlerischer Direktor der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen und von 1991 bis 1994 Chefdirigent des NDR-Sinfonieorchesters in Hamburg. Als Gast dirigierte Gardiner u. a. das Philharmonia Orchestra, das Cleveland Orchestra, das Concertgebouw-Orchester Amsterdam, die Wiener Philharmoniker, die Berliner Philharmoniker, die Staatskapelle Dresden und das Gewandhausorchester. 2010 und 2013 leitete er das Neujahrskonzert von Venedig.

Anlässlich des 25. Gründungsjubiläums des Monteverdi Choir unternahm Gardiner 1989 eine Welttournee mit Aufführungen von Monteverdis Marienvesper von 1610, die zugleich auch als Film, Video und CD-Produktion aufgezeichnet wurde. Die französische Zeitung Le Monde würdigte die Leistungen dieses Gesangsensembles mit den Worten: „Wenn es einen Nobel-Preis für Chorgesang gäbe, dann würde ihn der Monteverdi Choir bekommen.“[2]

Im Jahr 1990 gründete Gardiner ein weiteres Orchester für historische Instrumente, um klassische und romantische Musik authentisch aufzuführen, das Orchestre Révolutionnaire et Romantique. Im selben Jahr leitete er den Monteverdi Choir und die English Baroque Soloists bei ihrem Debüt bei den Salzburger Festspielen, wo er seitdem regelmäßiger Gast ist.

Im Februar 2014 übernahm Gardiner das Amt des Präsidenten der Stiftung Bach-Archiv Leipzig.[3]

Herausragende Aufnahmen unter der Leitung von John Eliot Gardiner entstanden zunächst in seiner Zeit bei PolyGram auf den Labels Deutsche Grammophon, Philips und auch Decca Records. 2004 gründete Gardiner sein eigenes Plattenlabel Soli Deo Gloria, das ausschließlich Aufnahmen von seinen eigenen Ensembles veröffentlicht, darunter sämtliche Kirchenkantaten Johann Sebastian Bachs in Live-Mitschnitten aus dem Jahr 2000, dem 250. Todesjahr des Komponisten.

Großen Bekanntheitsgrad haben auch die Aufnahmen der großen Vokalwerke Johann Sebastian Bachs (Matthäuspassion, Johannespassion, Messe in h-Moll, Weihnachtsoratorium, Magnificat) sowie seine Aufnahmen mit Werken von Hector Berlioz, Georg Friedrich Händel und der Opern von Wolfgang Amadeus Mozart, aber auch die Einspielungen der neun Sinfonien von Ludwig van Beethoven mit dem Orchestre révolutionaire et romantique erreicht.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gardiners erste Ehe mit Cherryl Ffoulkes wurde nach acht Jahren geschieden.[4] Von 1981 bis 1997 war er mit der Geigerin Elizabeth Wilcock verheiratet, aus dieser Ehe stammen drei Töchter.[5] Im Jahr 2001 heiratete er die italienische Sopranistin Isabella de Sabata, eine Enkelin von Victor de Sabata; die Ehe wurde 2019 geschieden.[5][6]

Neben seinem Beruf als Musiker bewirtschaftet er eine Öko-Farm mit Rinder- und Schafzucht, bei Springhead nahe der Gemeinde Fontmell Magna, in North Dorset.[7]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Platteneinspielungen brachten ihm zahlreiche Preise ein, darunter den Künstler des Jahres 1994 (Gramophone Award), Dirigent des Jahres 1995 (Echo Klassik) und Bester Dirigent 1995 (Cannes Classical Award). Der Preis der deutschen Schallplattenkritik wurde ihm 1994 als Klassischer Künstler des Jahres zuerkannt.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: John Eliot Gardiner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Interview Sir John Eliot Gardiner: „Ich könnte nicht leben ohne meinen Hof“. In: concerti.de. 16. Oktober 2016, abgerufen am 7. August 2021.
  2. Flyer mit Programmvorschau für den Potsdamer Nikolaisaal für August und September 2011; Ankündigung des Chor-Auftritts mit Bach-Motetten am 30. September 2011
  3. vgl. Artikel auf www.mdr-figaro.de (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive)
  4. Richard Eden: Eden Confidential: Maestro, 76, finds pal in harpists half his age. Daily Mail, 3. August 2019, abgerufen am 8. August 2021 (englisch).
  5. a b FOCUS Online: Öko-Farmer und Barockspezialist. 19. November 2013, abgerufen am 7. August 2021.
  6. A maestro marriage is over. In: Slipped Disc. 4. August 2019, abgerufen am 7. August 2021 (englisch).
  7. Interview von Stephen Pritchard, Guardian, 28. Januar 2007
  8. Fellows: John Gardiner. British Academy, abgerufen am 5. Oktober 2020.