John Ford

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter John Ford (Begriffsklärung) aufgeführt.
John Ford (1973)
John Ford Point im Monument Valley, beliebter Drehort für Western

John Ford (* 1. Februar 1894 in Cape Elizabeth, Maine als John Martin Feeney; † 31. August 1973 in Palm Desert, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Filmregisseur und Filmproduzent, der über Jahrzehnte zu den erfolgreichsten und renommiertesten Regisseuren Hollywoods gehörte und filmhistorische Bedeutung erlangte.

Ford gewann vier Oscars in der Kategorie Beste Regie und ist damit Rekordpreisträger unter den Regisseuren der Oscar-Geschichte. Er wurde insbesondere als führender Regisseur des amerikanischen Westerns berühmt und drehte wegweisende Filme des Genres wie Ringo, Der Schwarze Falke, Der Mann, der Liberty Valance erschoß und die Kavallerie-Trilogie. Außerhalb des Westerngenres war er mit weiteren Klassikern wie Früchte des Zorns, Schlagende Wetter und Der Sieger erfolgreich. Insgesamt umspannte Fords Filmkarriere über 140 Filme in fast 50 Jahren.

Leben[Bearbeiten]

Frühes Leben[Bearbeiten]

John Ford wurde unter dem Namen John Martin Feeney als Sohn einer katholisch-irischen Einwandererfamilie in Maine geboren. Sein Vater stammte aus Spiddal, die Mutter von den Aran-Inseln. Feeney besuchte die Portland High School in Maine, wo er sich vor allem erfolgreich als Sportler unter Beweis stellen konnte. Nach dem Ende seiner Schulausbildung kam er nach Hollywood, wo sein älterer Bruder bereits unter dem Pseudonym Francis Ford Erfolge hatte und spielte 1914 in A Study in Scarlet mit. Feeney folgte dem Beispiel seines Bruders und wählte ebenfalls das Pseudonym Ford. Nachdem er zuvor als Kleindarsteller in Filmen wie Die Geburt einer Nation mitgewirkt hatte, begann er 1917 seine Regiearbeit für das Filmstudio Universal mit dem Western The Tornado. Schon in der Stummfilmzeit konnte er sich als erfolgreicher Regisseur etablieren. Viele seiner Stummfilme gelten jedoch als verschollen.

Filmkarriere[Bearbeiten]

John Ford gewann insgesamt vier Oscars als „Bester Regisseur“: 1936 für Der Verräter, 1941 für Früchte des Zorns, 1942 für Schlagende Wetter und 1953 für Der Sieger. Dazu kamen zwei Preise für den besten Dokumentarfilm. Diese erhielt er für Dokumentationen, die er während des Zweiten Weltkriegs drehte: The Battle of Midway (1942) und Der 7. Dezember (1943). Im Krieg leitete Ford die „Field Photo Unit“, eine Einheit, die der OSS, der Vorgängerin der CIA, untergeordnet war. Im Rahmen der Fotoaufklärung für die Armee war Ford an fast allen Fronten des Krieges im Einsatz: Im Pazifik wie auch bei der Landung der Alliierten in der Normandie.

John Ford gilt nicht nur als einer der wichtigsten Regisseure des Western-Genres, sondern des US-amerikanischen Films schlechthin. Mit Ringo machte er im Jahre 1939 sowohl John Wayne zum Star als auch das Monument Valley als Kulisse bekannt. Das Tal mit seinen Felstürmen diente auch in Faustrecht der Prärie, Bis zum letzten Mann, Der Teufelshauptmann, Der schwarze Falke, und in Cheyenne als Schauplatz. Eine weitere Angewohnheit von Ford war, dass er in vielen Filmen mit denselben Schauspielern zusammenarbeitete.

Fords Filme blieben, zumindest bis etwa 1939 relativ unpolitisch, romantisch und an der Legende des Wilden Westens orientiert. Mit zunehmendem Alter wurden Fords Filme jedoch pessimistischer, das Bild des moralisch ungebrochenen Pioniers, welcher eine Nation aufzubauen hat (das Credo des „Manifest Destiny der USA“) verlor zusehends an Bedeutung für ihn. Mit dem Protagonisten „Ethan Edwards“ in „The Searchers/Der schwarze Falke“ schuf er einen zeitlosen Archetypen des amerikanischen Kinos, den moralisch ambigen, gehetzten, gewalttätigen Helden. Über die politischen Ansichten John Fords wurde lange weithin angenommen, dass er ein konservativer Republikaner war, auch da er Freundschaften zu bekannten Republikanern wie John Wayne oder Ward Bond pflegte. Tatsächlich zählten zu seinen Lieblingspräsidenten neben dem Republikaner Abraham Lincoln auch Franklin D. Roosevelt und John F. Kennedy. Der McCarthy-Ära stand er eher kritisch gegenüber, so verteidigte er seinen Kollegen Joseph L. Mankiewicz vor Vorwürfen, dass er ein Kommunist sei. Während er die meiste Zeit seines Lebens politisch eher links eingestellt war, wandte er sich gegen Ende seines Lebens mehr den Republikanern zu und unterstützte Richard Nixon im Wahlkampf 1968.

Seine Verfilmung von John Steinbecks sozialkritischem Klassiker Früchte des Zorns ist eines der ersten Roadmovies. Er drehte zudem Dokumentationen an Kriegsschauplätzen.[1]

Privatleben[Bearbeiten]

1956 wollte er sich den Grauen Star entfernen lassen. Nach der Operation war er zu ungeduldig und entfernte die Verbände zu früh von seinen Augen. Die Folge war die völlige Erblindung seines linken Auges. Seitdem trug er seine berühmte Augenklappe. 1964 erkrankte er an Krebs, woran er schließlich 1973 starb. Er wurde auf dem Friedhof „Holy Cross Cemetery“ in Culver City, Kalifornien begraben. Von 1920 bis zu seinem Tod war er mit Mary Frances McBride verheiratet, sie hatten zwei Kinder.[2]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Stummfilme[Bearbeiten]

  • 1917: Straight Shooting
  • 1917: The Secret Man (teilweise erhalten)
  • 1917: A Marked Man (verschollen)
  • 1917: Bucking Broadway
  • 1918: The Phantom Riders (verschollen)
  • 1918: Wild Women (verschollen)
  • 1918: Thieves’ Gold (verschollen)
  • 1918: The Scarlet Drop (teilweise erhalten)
  • 1918: Hell Bent
  • 1918: A Woman’s Fool (verschollen)
  • 1918: The Craving (verschollen)
  • 1918: Three Mounted Men (verschollen)
  • 1919: Roped (verschollen)
  • 1919: A Fight for Love (verschollen)
  • 1919: Bare Fists (verschollen)
  • 1919: Riders of Vengeance (verschollen)
  • 1919: The Outcasts of Poker Flat (verschollen)
  • 1919: Ace of the Saddle (verschollen)
  • 1919: Rider of the Law (verschollen)
  • 1919: A Gun Fightin’ Gentleman (teilweise erhalten)
  • 1919: Marked Men (verschollen)
  • 1920: The Prince of Avenue A (verschollen)
  • 1920: The Girl in Number 29 (verschollen)
  • 1920: Hitchin’ Posts (verschollen)
  • 1920: Just Pals
  • 1921: The Big Punch (verschollen)
  • 1921: The Freeze-Out (verschollen)
  • 1921: The Wallop (verschollen)
  • 1921: Desperate Trails (verschollen)
  • 1921: Action
  • 1921: Sure Fire (verschollen)
  • 1921: Jackie (verschollen)
  • 1922: Little Miss Smiles (verschollen)
  • 1922: Silver Wings (verschollen)
  • 1922: The Village Blacksmith (teilweise erhalten)
  • 1923: The Face on the Bar-Room Floor (verschollen)
  • 1923: Banditenrache (Three Jumps Ahead) (verschollen)
  • 1923: Cameo Kirby
  • 1923: Unter den Wölfen von Alaska (North of Hudson Bay) (teilweise erhalten)
  • 1923: Hoodman Blind (verschollen)
  • 1924: Das Feuerross (The Iron Horse)
  • 1924: Hearts of Oak (verschollen)
  • 1925: Lightnin’
  • 1925: Kentucky Pride
  • 1925: Thank You (verschollen)
  • 1925: Die Millionenfaust (The Fighting Heart) (verschollen)
  • 1926: The Shamrock Handicap
  • 1926: Drei rauhe Gesellen (3 Bad Men)
  • 1926: Bis zur Entscheidung (The Blue Eagle) (teilweise erhalten)
  • 1927: Upstream[3]
  • 1928: Mother Machree (teilweise erhalten)
  • 1928: Four Sons
  • 1928: Hangman’s House
  • 1928: Riley the Cop
  • 1929: Strong Boy (verschollen)

Tonfilme[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Oscar

American Film Institute

Argentinean Film Critics Association Award

  • 1943: Cóndor de Plata für den besten (ausländischen) Film (Schlagende Wetter)

Blue Ribbon Awards

Directors Guild of America

  • 1953: DGA Award für hervorragende Regie-Arbeit (Film) (Der Sieger)
  • 1954: Preis für das Lebenswerk

Golden Globe

  • 1955: Special „Pioneer“ Award

Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani

Internationales Filmfestival von Locarno

  • 1948: Prize für den besten Regisseur von Bis zum letzten Mann
  • 1950: Grand Prix für When Willie Comes Marching Home

National Board of Review

  • 1958: NBR Award für den besten Regisseur von Das letzte Hurra

New York Film Critics Circle Award

  • 1936: NYFCC Award für den besten Regisseur von Der Verräter
  • 1939: NYFCC Award für den besten Regisseur von Ringo
  • 1940: NYFCC Award für den besten Regisseur von Früchte des Zorns
  • 1941: NYFCC Award für den besten Regisseur von Schlagende Wetter

Venedig Film Festival

  • 1934: Special Recommendation für The World Moves On
  • 1936: Special Recommendation für Maria von Schottland
  • 1952: International Award für Der Sieger
  • 1952: OCIC Award für Der Sieger
  • 1971: Career Golden Lion

Western Heritage Awards

gemeinsam mit Willis Goldbeck (Produzent); James Warner Bellah (Buch); Lee Marvin, Edmond O’Brien, James Stewart, Vera Miles, John Wayne (Schauspieler)

  • 1964: Bronze Wrangler für einen Kinofilm (Das war der Wilde Westen),

gemeinsam mit Henry Hathaway, George Marshall (Regisseure); James R. Webb (Buch)

  • 1965: Bronze Wrangler für einen Kinofilm (Cheyenne),

gemeinsam mit Bernard Smith (Produzent); James R. Webb (Buch)

Walk of Fame

  • Stern auf dem Walk of Fame: 1642 Vine Street

Literatur[Bearbeiten]

  • Richard J. Anobile (Hrsg.): John Ford's „Stagecoach“. Starring John Wayne (= The Film Classics Library). Avon Books u. a., New York NY 1975, ISBN 0-380-00291-4.
  • Ronald L. Davis: John Ford. Hollywood's Old Master (= Oklahoma Western Biographies. Bd. 10). University of Oklahoma Press, Norman OK u. a. 1995, ISBN 0-8061-2708-2.
  • Scott Eyman, Paul Duncan (Hrsg.): John Ford. Pionier der Bilder. 1894–1973. Taschen, Köln u. a. 2004, ISBN 3-8228-3090-9.
  • Jörn Glasenapp: „Welcome home, darling!“ John Fords „Rio Grande“ und der Geschlechterkampf an der Frontier des Kalten Krieges. In: Weimarer Beiträge. Jg. 51, H. 3, 2005, ISSN 0043-2199, S. 363–375.
  • Dirk C. Loew: Versuch über John Ford. Die Westernfilme 1939–1964. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2005, ISBN 3-8334-2124-X.
  • Joseph McBride: Searching for John Ford. A Life. Faber and Faber, London u. a. 2004, ISBN 0-571-22500-4.
  • Janey A. Place: Die Western von John Ford (= Goldmann-Magnum. 10221). Goldmann, München 1984, ISBN 3-442-10221-9 (Originalausgabe: The Western Films of John Ford. Citadel Press, Secaucus NJ 1974, ISBN 0-8065-0445-5).
  • Andrew Sarris: The John Ford Movie Mystery (= Cinema One. Bd. 27). Secker & Warburg, London 1976, ISBN 0-436-09941-1.
  • Hans Helmut Prinzler: [Artikel] John Ford. In: Thomas Koebner (Hrsg.): Filmregisseure. Biographien, Werkbeschreibung, Filmographien. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. Reclem, Stuttgart 2008 [1. Aufl. 1999], ISBN 978-3-15-010662-4, S. 248-255.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: John Ford – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. siehe Weblinks, Ausstellungen zur Shoa in Paris 2010 und New York 2012
  2. Film-Zeit Person: John Ford
  3. Meldung, spiegel.de, Juni 2010
  4. bis 14. Oktober. Keine Kataloge. In Franz. bzw. Englisch