John H. Herz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

John H. Herz (deutscher Name bis 1940 Hans Hermann Herz, Pseudonym: Eduard Bristler; * 23. September 1908 in Düsseldorf; † 26. Dezember 2005 in Scarsdale, New York) war ein deutsch-amerikanischer Politikwissenschaftler und bedeutender Vordenker des Neo-Realismus in den Internationalen Beziehungen. Bekannt ist Herz vor allem durch die von ihm begründete Theorie des Sicherheitsdilemmas.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hans Hermann Herz war das älteste Kind des Richters Carl Herz und seiner Frau Elise, geb. Aschaffenburg, er hatte zwei Brüder und eine Schwester[2] Nach dem Abitur an der Hindenburgschule in Düsseldorf studierte er ab 1927 Rechtswissenschaft, Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten in Freiburg, Heidelberg, Berlin, Köln und Bonn.Von 1930 bis 1933 war er Gerichtsreferendar in Düsseldorf. Während des Referendariats promovierte er 1931 in Köln bei Hans Kelsen, Titel seiner Dissertation war Die Identität des Staates.

1933 wurde Herz als Jude aus dem Referendardienst entlassen und arbeitete danach zwei Jahre in einem Anwaltsbüro. 1935 emigrierte er mit einem Studentenvisum nach Genf, wo er auf Vermittlung Kelsens am Institut universitaire de hautes études internationales Internationale Beziehungen studierte. Sein Genfer Studium schloss er 1938 mit dem Diplom ab. Nebenher war er in dieser Zeit als Übersetzer und Dozent für die Internationalen Arbeitsorganisation (ILO).

1938 emigrierte Herz mit seinem Bruder Werner über Paris und Le Havre in die Vereinigten Staaten. Noch im selben Jahr wurde er Assistent an der Universität Princeton. 1939 anglisierte er seinen Vornamen in John (US-Staatsbürger wurde er 1944). Nach kurzer Lehrtätigkeit Trinity College in Hartford lehrte er von 1941 bis 1952 (mit kriegsbedingten Unterbrechungen) an der Howard-Universität, zuletzt als Professor. Von 1943 bis 1945 war Herz Mitarbeiter des Office of Strategic Services (OSS), 1945 war er Berater des des Anklägers Robert H. Jackson bei den Nürnberger Prozessen und von 1946 bis 1948 Politischer Analyst des Außenministeriums der Vereinigten Staaten. Ab 1952 lehrte er als Professor am Departement of Political Science an der City- Universität von New York. Zwei Rufe an deutsche Universitäten lehnte er ab: 1960 an das Otto-Suhr-Institut der FU Berlin und 1966 als Nachfolger von Carlo Schmid an die Universität Frankfurt. 1977 wurde er emeritiert.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1951 erhielt Herz den Woodrow Wilson Foundation Award. 1974 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Als Eduard Bristler: Die Völkerrechtslehre des Nationalsozialismus, Emil Oprecht Verlag, Zürich 1938
  • Politischer Realismus und politischer Idealismus, 1959
  • Weltpolitik im Atomzeitalter, 1961
  • Regierungsformen des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1962 (gemeinsam mit G. M. Carter)
  • Vom Überleben. Wie ein Weltbild entstand. Autobiographie. Droste, Düsseldorf 1984. ISBN 3-7700-0660-7

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Desider Stern: Werke von Autoren jüdischer Herkunft in deutscher Sprache, Wien 1969.
  • Walter Tetzlaff: 2000 Kurzbiographien bedeutender deutscher Juden des 20. Jahrhunderts, Lindhorst 1982. ISBN 3-921730-10-4

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ulrich Menzel: Zwischen Idealismus und Realismus. Die Lehre von den internationalen Beziehungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, S. 17 f.
  2. Biografische Angaben beruhen auf dem Eintrag zu John H. Herz im Personenlexikon der internationalen Beziehungen virtuell (PIBv), Herausgegeben von Ulrich Menzel, Institut für Sozialwissenschaften der Technischen Universität Braunschweig.