John Hick

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John Harwood Hick (* 20. Januar 1922 in Scarborough/Yorkshire[1]; † 9. Februar 2012 in Birmingham[2]) war ein britischer Theologe und Religionsphilosoph. Er war ein Vertreter der sog. pluralistischen Religionstheologie – also der These, dass unterschiedliche Religionen wahr und heilsvermittelnd sein können.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1953 zum presbyterianischen Geistlichen ordiniert, wirkte er als Professor an verschiedenen Universitäten Englands und der USA. Bis zu seiner Emeritierung 1993 lehrte Hick Religionsphilosophie an der Claremont Graduate School in Kalifornien.

Werk und Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein Religionstheologisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Hick steht im Zentrum aller legitimerweise so genannten Religionen ein transzendentes Seiendes, das er „the Real“ nennt, das – uneingeschränkt, absolut – Wirkliche. Dieses komme in jeder geschichtlichen Religion nur unangemessen zur Sprache und Erscheinung, was die Vielfalt religiöser Traditionen erkläre. Die unterschiedlichen menschlichen Formulierungen über „the Real“ nehmen Anleihen bei kulturspezifischen und individuellen Vorstellungen, seien auf diese zu beziehen und stünden, richtig verstanden, vielfach nicht im Verhältnis eines logischen Widerspruchs, so dass höchstens eine der sich widersprechenden Behauptungen wahr sein könnte. Überhaupt sei die Wahrheit von Sätzen religionstheologisch nicht entscheidend, sondern die praktische Funktion, Heil zu vermitteln. Diese Funktion könnten unterschiedliche religiöse Überzeugungen und Riten in gleichem Höchstmaß ausüben.

In seinem Werk „Religion. Die menschlichen Antworten auf die Frage nach Leben und Tod“ (1989, deutsch 1996) bereitete er auch vielfältiges religionskundliches Material auf und vertritt ähnliche Thesen wie etwa Gustav Mensching.

Verifikation im Jenseits[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

W. Härle hebt aus "Philosophy of Religion" (1963) besonders die Idee der eschatologischen Verifikation hervor, indem er den Teil zur Verifikation im Jenseits zu einem Grundtext der neueren Theologie erklärt.[3] Verifikation bedeutet nicht, etwas logisch zu beweisen, sondern vernünftige Zweifel, z. B. durch Erfahrung, auszuräumen. Aussagen, die verifizierbar sind, sind nicht zwangsläufig falsifizierbar. Hick bringt dafür das Beispiel der Dezimaldarstellung der Zahl π, bei der noch niemand drei aufeinanderfolgende 7 gefunden hat. Da man die Darstellung aber bis ins Unendliche fortsetzen kann, wird vielleicht irgendwann die Behauptung "π enthält drei aufeinanderfolgende 7" verifiziert, aber sie kann niemals falsifiziert werden, weil die Berechnungen endlos fortgesetzt werden können und eine abgeschlossene Überprüfung sich somit unserem Erfahrungsbereich entzieht. Religiöse Aussagen sind ebenso verifizierbar, aber nicht falsifizierbar. Die Behauptung, dass die Seele nach dem Tod weiter existiert, kann dadurch verifiziert werden, dass man stirbt und das eigene Fortbestehen erlebt. Das ist dann nicht unbedingt ein Beweis für den Theismus, aber die christliche Gottesvorstellung wiederum kann verifiziert werden. Das Neue Testament knüpft die Offenbarung Gottes an Jesus Christus und beschreibt symbolisch, dass Christus als das Lamm auf dem Thron erhoben sein wird und im Reich Gottes herrscht. Wenn man diese Herrschaft erleben wird, ist diese christliche Gottesaussage verifiziert. Solche Dinge liegen aber jenseits unseres irdischen Erfahrungsbereiches und können daher nicht falsifiziert werden.

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Faith and Knowledge, 1957
  • Philosophy of Religion, 1963
  • Arguments for the Existence of God, 1970
  • God and the Universe of Faiths, 1973
  • God Has Many Names, 1980
  • An Interpretation of Religion, 1984
  • The Rainbow of Faiths,1995
  • John Hick: An Autobiography, 2003
  • The Fifth Dimension: An Exploration of the Spiritual Realm, 2004
  • The New Frontier of Religion and Science, November 2006

Sekundärliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhold Bernhardt: Der Absolutheitsanspruch des Christentums. Von der Aufklärung bis zur Pluralistischen Religionstheologie. Gütersloh 1990, S. 199–225.
  • Gerhard Gäde: Viele Religionen – ein Wort Gottes. Einspruch gegen John Hicks pluralistische Religionstheologie. Gütersloh 1998.
  • Lucas Graßal: Wie Religion(en) lehren? Religiöse Bildung in deutschen religionspädagogischen Konzeptionen im Licht der Pluralistischen Religionstheologie von John Hick (= Pädagogische Beiträge zur Kulturbegegnung. Bd. 30). EB-Verlag, Berlin 2013.
  • Christian Heller: John Hicks Projekt einer religiösen Interpretation der Religionen. Darstellung und Analyse – Interpretation – Rezeption (= Religion, Geschichte, Gesellschaft. Bd. 28). Münster 2001.
  • Reinhard Kirste: Theologische Ansätze des religiösen Pluralismus I. In: Jahrbuch für Interreligiöse Begegnung. Bd. 1, S. 303–317.
  • Reinhard Kirste: John Hick und die kopernikanische Wende in der Theologie. In: Michael Klöcker, Udo Tworuschka (Hrsg.): Handbuch der Religionen. Loseblattwerk. Olzog, München 1997 ff., ISBN 978-3-7892-9900-1, 15. Ergänzungslieferung 2007 (I-14.9.1), S. 1–17.
  • Werner Neuer: Heil in allen Weltreligionen? Das Verständnis von Offenbarung und Heil in der pluralistischen Religionstheologie John Hicks. Gießen 2009, ISBN 978-3-7655-1755-6 (Brunnen Verlag), ISBN 978-3-86540-074-1 (Freimund-Verlag).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Professor John Hick The Telegraph, 16. Februar 2012
  2. Leading Birmingham philosopher of religion John Hick dies at the age of 90 Birmingham Post, 23. Februar 2012
  3. Wilfried Härle: Grundtexte der neueren evangelischen Theologie. ISBN 3-374-02469-6.