John Kornblum

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John C. Kornblum (2012)

John Christian Kornblum (* 6. Februar 1943 in Detroit, Michigan) ist ein pensionierter amerikanischer Diplomat und ehemaliger Deutschland-Chef der amerikanischen Investmentbank Lazard.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kornblum, dessen Großeltern 1882 aus Ostpreußen in die Vereinigten Staaten von Amerika auswanderten, studierte Deutsch und Politikwissenschaft an der Michigan State University in East Lansing mit dem Abschluss Bachelor. 1964 trat er in den diplomatischen Dienst seines Landes ein. Von 1964 bis 1966 war er als Vizekonsul am Generalkonsulat in Hamburg tätig, 1969 gehörte er der politischen Abteilung der amerikanischen Botschaft in Bonn an und nahm von 1970 bis 1972 an den Verhandlungen zum Viermächteabkommen teil. 1973 kehrte er in die Vereinigten Staaten zurück und war in Washington, D.C. als Berater in Fragen, die die Politik seines Landes mit Mitteleuropa betreffen, tätig. So arbeitete er zunächst als Mitglied des politischen Planungsstabs und später als Direktor der Abteilung für europäische regionalpolitische Angelegenheiten. Von 1977 bis 1979 war er für politisch-militärische Aufgaben zuständig. Zwischen 1979 und 1981 war Kornblum politischer Berater in der US Mission in West Berlin. Ab Juli 1981 leitete er die Abteilung für zentraleuropäische Angelegenheiten im State Department. Im August 1985 kam Kornblum als Gesandter der USA erneut nach Deutschland, und zwar in der Rolle des stellvertretenden amerikanischen Kommandanten des amerikanischen Sektors von Berlin.

Er ist verheiratet mit Helen Sen und Vater zweier Söhne.

Agententausch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In dieser Zeit hatte er gemeinsam mit Botschafter Richard Burt und Thomas Niles pikante Verhandlungen zu führen: Die CIA hatte DDR-Bürger bei Verwandtenbesuchen in Westdeutschland und anderen Gelegenheiten als Agenten angeworben. Die praktisch ohne nennenswerte Ausbildung als Agenten vom Ministerium für Staatssicherheit schnell enttarnten 25 Agenten wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Die US-internen Prüfungen benötigten mehr als ein Jahr. Man erreichte am 11. Juni 1985 den größten Agentenaustausch der Geschichte zwischen Ost und West, als auf der Glienicker Brücke vier Spione der DDR gegen 25 Agenten der CIA ausgetauscht wurden, wovon zwei Personen in der DDR blieben.

Bei NATO und KSZE[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1987 wechselte Kornblum nach Brüssel, wo er als stellvertretender ständiger Vertreter der USA bei der NATO fungierte. 1991 berief ihn Präsident George Bush Sen. zum Botschafter der Vereinigten Staaten bei der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE). In dieser Funktion war Kornblum Leiter der Delegation seines Landes bei der Folgekonferenz 1992 und übernahm eine führende Rolle beim Entwurf der Deklaration, die beim Gipfeltreffen von Helsinki im Juli 1992 verabschiedet wurde. Kornblum stellte im August 1992 die neue amerikanische Delegation bei der KSZE in Wien zusammen, wo er bis April 1994 tätig war.

Während der Präsidentschaft von Bill Clinton stieg Kornblum zum stellvertretenden Abteilungsleiter für europäische und kanadische Angelegenheiten im US-Außenministerium auf. Damit war er Stellvertreter und Assistent Richard Holbrookes und nahm als Sonderbotschafter für Bosnien erheblichen Anteil an den Verhandlungen zur Beendigung des Bosnienkrieges, und die in das Abkommen von Dayton mündeten. Er behielt dieses Amt bis zu seiner Nominierung zum Unterstaatssekretär für europäische und kanadische Angelegenheiten (Assistant Secretary of State for European and Canadian Affairs) im Februar 1996. Er spielte eine zentrale Rolle bei der Erarbeitung der Strategie der Regierung Clinton für eine neue Sicherheitsstruktur in Europa.

Botschafter in Berlin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John C. Kornblum (24. Juli 2008 in Berlin)

Am 21. Mai 1997 kehrte Kornblum nach Deutschland als Botschafter seines Landes zurück.[2] Er vertrat im Rückblick auf die Balkankriege und den Kalten Krieg die Position: „Europäische Ideen haben fast nie zu praktischen Fortschritten geführt. Die Vorstellung, Europa könne die Welt durch soft powers regieren, ist nicht realistisch.“ und „Die Anwendung der soft powers in der Außenpolitik der EU konnte nur in Verbindung mit den amerikanischen hard powers erfolgreich sein. Außenpolitik muss teilweise immer mit militärischen Mitteln gemacht werden.

Seit 2001[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende seiner Amtszeit als Botschafter übernahm Kornblum im Januar 2001 den Posten des Deutschland-Chefs der Investmentbank Lazard. 2007 wurde er zum Mitglied des Vorstandes der Internationalen Martin Luther Stiftung gewählt. Seit 2009 arbeitet er als Berater für die Kanzlei Noerr. Daneben gehört Kornblum dem Aufsichtsrat der ThyssenKrupp Technologies AG, der Bayer AG und Motorola Europe an.

Seit Februar 2015 ist Kornblum als Senior Berater für den Berliner Immobilienentwickler BEWOCON tätig.

Im November 2015 kritisierte Kornblum in einer Kolumne die Zerrissenheit der Politik in der Europäischen Union.[3]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Zukunft der transatlantischen Beziehungen – USA und Europa vor neuen Chancen und Herausforderungen. 1999
  • The German Element. 2003
  • mit Dieter Kronzucker: Mission Amerika – Weltmacht am Wendepunkt. Redline, München 2009.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: John C. Kornblum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. John C. Kornblum: Die Zukunft der transatlantischen Beziehungen – USA und Europa vor neuen Chancen und Herausforderungen. 1999, S. 38f.
  2. Dieter Buhl: Nur beim Baseball wird er schwach – Amerika schickt endlich einen Botschafter: Deutschlandveteran John Kornblum. In: Die Zeit, Nr. 18/1997, S. 2
  3. „Mach weiter so, Kanzlerin!“ (Kommentar John Kornblums zum Krisenmanagement in Europa und Deutschland), Die Welt, 8. November 2015
  4. Bundespräsidialamt
  5. Ordensverleihung an John Kornblum
Vorgänger Amt Nachfolger
Charles Redman US-Botschafter in Deutschland
10. September 1997 bis 16. Januar 2001
Dan Coats